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"Bleibt sichtbar! Macht etwas, probiert Euch aus"

26.03.2020

Berliner Superintendent Höcker zur Sichtbarkeit von Kirchengemeinden in Zeiten der Corona-Pandemie

epd-Gespräch: Lukas Philippi

Berlin (epd). Wegen der Kirchenschließungen infolge der Corona-Pandemie versuchen Berliner Kirchengemeinden verstärkt über ihre Internetpräsenz in Kontakt mit ihren Gemeindemitgliedern zu bleiben. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte, Bertold Höcker, zieht im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) eine erste Bilanz.

epd: Nach fast zwei Wochen Kirchenschließungen: Wie gehen die Kirchengemeinden mit diesem Umstand um; wie viele Gemeinden haben ihr Online-Angebot deshalb verstärkt?
Höcker: Fast alle unsere 21 Kirchengemeinden haben ihr Online-Angebot verstärkt. Die Gemeinden sind sehr kreativ und experimentierfreudig geworden, probieren neue Formate aus, etwa Youtube-Kanäle oder eigene Angebote auf Instagram. Auch beobachten wir, dass die meisten Kirchengemeinden ihre Websites jetzt besser pflegen und verstärkt als Infokanal nutzen, auch um auf Social Media-Angebote hinzuweisen und zu ihnen zu verlinken.
epd: Was empfehlen Sie den Kirchengemeinden?
Höcker: Bleibt sichtbar! Macht etwas, probiert Euch aus, es muss nicht perfekt sein. Vernetzt euch, etwa mit Angeboten wie nebenan.de. Das tun schon viele. Schaut, dass Ihr telefonisch erreichbar seid. Wenn es möglich ist, haltet eure Kirchen offen zum Gebet, zum Kerzen anzünden - alles natürlich immer unter den vom Senat vorgegebenen Regelungen und gemäß der Maßgabe unseres Bischofs: Abstand ist die beste Form der Fürsorge. Manche Gemeinden bieten Segenssprüche zum Mitnehmen an oder kurze Gebete zum Mit-nach-Hause nehmen, ganz analog - eine sehr schöne Möglichkeit über das Digitale hinaus.
epd: Welches Angebot auf welchem Kanal ist aus Ihrer Sicht besonders effektiv und erreicht die meisten Menschen?
Höcker: Digitale Angebote, die bereits bestehen und erfolgreich sind, nehmen deutlich Fahrt auf. Etwa der Instagram-Account der Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien in Mitte. Oder die Wohnzimmerandachten des jungen REFO-Konvents in Moabit. Sogenannte Sinnfluencer wie etwa Theresa Brückner (@theresaliebt) aus dem Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg bekommen nochmal mehr Bedeutung in der Community. Was auch gut ankommt, sind gestreamte Gottesdienste aus großen bekannten Kirchen wie dem Berliner Dom oder der Gedächtniskirche. Wir wissen aber auch von Gemeindemitgliedern über 80, die die Sonntagspredigt ihres Pfarrers oder ihrer Pfarrerin auf YouTube oder Facebook verfolgen. Ebenfalls beliebt sind kurze geistliche Impulse, Andachten.
epd: Wo gibt es Nachholbedarf, sei es bei der Präsentation im Netz, sei es bei der Technik oder bei anderen Dingen?
Höcker: Es gibt natürlich viel Nachholbedarf, wir sind ja alle keine professionellen technisch gut ausgestatteten Influencer, sondern normale Menschen mit Smartphones. Aber auch dort versuchen die Kirchengemeinden, aufzurüsten, technisch versierter zu werden. Es bilden sich auch viele Netzwerke, die sich untereinander beraten.
epd: Wie stellen Kirchengemeinden sicher, dass auch ältere Gemeindeglieder, die nicht über einen PC oder Tablet verfügen, ausreichend informiert und betreut werden?
Höcker: Unserer Erfahrung nach ist der Zusammenhalt auch hier sehr gut. Kirchengemeinden suchen von sich aus telefonisch Kontakt zu älteren Gemeindemitgliedern, bieten Besuchsdienste an oder Einkaufshilfen. Ehrenamtliche, die sonst in Gruppen oder Kreisen engagiert sind, versuchen jetzt, wo diese Zusammenkünfte wegfallen müssen, auf anderen Wegen Kontakte zu halten zu Menschen, die nicht so internetaffin sind. Das klappt insbesondere dort gut, wo Menschen so wie in unserem sehr urbanen Kirchenkreis dicht beieinander leben.

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1. Theologie in Zeiten von Corona Andrea Richter Theologie in Zeiten von Corona
Auf meinem Schreibtisch liegt eine Postkarte, die ich vor zwei Jahren während eines wundervollen Urlaubes in der in Arles, in der Fondation Vincent van Gogh, gekauft habe: ein Totenschädel.
Memento Mori, bedenke, Mensch, dass du sterben musst!
Das macht mir keine Angst, und es hat für mich nichts, aber auch gar nichts mit einem strafenden Gott zu tun.
Das Bild erinnert mich an Adam, den ersten Menschen, dem Gott (nach Genesis 2, 7) den Odem des Lebens in seine Nase blies, so dass der Adam (Mensch) von der Adama (der Erde) zu einem lebendigen Wesen wurde.
Der Mensch, der Atem, das Leben – die Lebensantwort auf den Ruf: bebauen und bewahren!
Das Virus, der Kampf um das Atmen-Können und die Bedrohung durch den Tod.
Corona – ist auch ein memento mori!
Unsere christliche Tradition gründet darauf:
Jesu Leben – Jesu Sterben am Karfreitag – in Gott hinein – Auferstehehung– ewiges Leben – ewiger Lebensodem!
Die Chance: Aufatmen (hier & jetzt) wieder Atmen lernen, uns (vor allem auch als Kirche) nicht mehr verausgaben.
Ja, aufstehen gegen Tod und Lebensfeindlichkeit – aber zugleich auch Umkehren – uns wieder bewusstwerden, was vor allem die Abendlieder unseres Gesangbuches uns lehren:
„Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit“ (EG 481, 5 Text: Gerhard Tersteegen, 1745)
Wir dürfen als Kirche (wieder) lernen, Menschen in Angewiesenheit, Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu werden – und Gott in allem zu suchen und zu finden; wir dürfen lernen, uns nicht zu scheuen, von Gott zu reden, der alles in allen ist:
„Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten:
Die Welt ist Gottes so voll.
Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.
Wir aber sind oft blind.
Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen
Und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt,
an dem sie aus Gott herausströmen.
Das gilt für das Schöne und auch für das Elend.
In allem will Gott Begegnung feiern
Und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.
Die Kunst und der Auftrag ist nur dieser,
aus diesen Einsichten und Gnaden
dauerndes Bewusstsein und dauernde Haltung
zu machen und werden zu lassen.
Dann wird das Leben frei in der Freiheit
Die wir immer gesuchte haben.“

(am 17. November 1944 auf einen Kassiber von Alfred Delp mit gefesselten Händen geschrieben aus seiner Zelle im Gefängnis
2. Vor allem Umkehren und Lernen: aushalten und beistehen Michael Juschka Der Dialog ist anregend und ich danke den unsere Kirche Leitenden für ihre erfrischende Offenheit. Möglicherweise könnten auch ausgetauschte E-Mails noch einmal überarbeitet werden, damit die Gedanken stärker konturiert werden. Das Glaubensbekenntnis beginnt mit dem Glauben an Gott als Schöpfer. Deshalb wird es nicht leicht sein, Gottes Wirken nicht auch in Gefährdungen zu sehen, die sich aus dieser so vorfindlichen Schöpfung ergeben. Eine Botschaft, die ich auch aus dem Mund von Wissenschaftler*innen höre, steckt in der Frage, ob wir nicht Abstand davon nehmen müssen, Tiere in uns aufzunehmen. Mir fallen nur die Schlagworte wie Rinderwahnsinn, Schweine- oder Vogelgrippe ein. Was ist eigentlich mit den Wildschweinen los? Wir können auf keinen Fall gegen die Schöpfung selbst unser Leben entfalten und bewahren. Es geht um ein bauen und bewahren dessen, was vorgegeben ist.
3. GOTT braucht keine Kranken, um uns zu unterrichten Georg Wagener-Lohse Liebe Christina, Lieber Christian, zuerst dachte ich „typisch evangelisch und typisch akademisch – so viele Worte“. Und etwas Abgrenzendes sprang mich an. Ob es mit mir selbst zu tun hatte, mit meiner Sehnsucht nach einer empathischen aber auch deutenden Kirche?
Dann habe ich mir später noch einmal Zeit genommen und versucht, hörend zu lesen. Ja, zur Ruhe möchte ich auch gerne kommen, Trost finden, neben dem vielen Aufgeregten und Erschreckenden. Ja, und nach einem Sinn darin taste ich auch.
Da fiel mir dann auf, dass wir ganz nahe bei einander sind mit dem Gott, der Atem ist, der da ist. Und da tauchte sogar das Bild auf, das er uns geschenkt hat und was ich auch im Text gesucht hatte: der Gott mit uns, Immanuel, der den wir als den Christus bekennen.
Und dann bin ich dankbar für die Frage am Ende „Wie bringen wir das in Worte zur richtigen Zeit?“ - eine Haltung, die warten kann, dass der Atem kommt, der unsere Stimmen zum Schwingen bringt und unsere Füße in Bewegung setzt.
Abgesehen von den gestrigen, die den rächenden Lehrmeister wieder beschwören wollen, möchte ich aber auch noch um unsere Solidarität mit denen bitten, die unsere gesellschaftliche Krise vor und nach „Corona“ sehen. Sie reiben sich die Augen, was wir alle plötzlich zustande bringen an Konsequenz. Ich finde hilfreich, was Matthias Horx als Re-gnose beschrieben hat, und ich finde auch eher diejenigen autoritär, die uns bei einem mit der Schöpfung unverträglichen Lebensstil halten wollen. Ich wünsche mir so sehr, dass auch unsere Kirche auf dem Weg aus dieser Gefangenschaft dabei sein wird.
Herzlich, Georg

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