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Christus lädt ein

17.02.2021

Im Streit um ein gemeinsames Abendmahl fordert der Tübinger Kirchenhistoriker Volker Leppin ein Ende des „Ping-Pong-Spiels“ zwischen dem Vatikan und führenden deutschen Theologen. Im Gespräch mit Judith Kubitscheck (epd) erklärt der evangelische Theologe, was geschehen muss, dass es in der Diskussion um die wechselseitige Teilnahme von Protestanten und Katholiken am Abendmahl wieder vorwärts geht und Gespräche mit dem Vatikan über eine zentrale Ökumene-Frage stattfinden

Herr Professor Leppin, Sie haben zusammen mit der katholischen Theologin Dorothea Sattler aus Münster die wissenschaftliche ­Leitung des Ökumenischen ­Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) inne. Der ÖAK hat mit einem Votum unter dem Titel „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ zum gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten für Diskussionen gesorgt – selbst der Vatikan hat sich in die Debatte eingeschaltet. Was spricht aus Ihrer Sicht für ein gemeinsames Abendmahl?

Die Hauptbotschaft ist, dass derjenige, der einlädt zum Abendmahl und der sich im Abendmahl schenkt, Jesus Christus ist. Wenn Jesus aber einlädt, gibt es dann überhaupt Gründe für menschliche Amtsträger, sich da dazwischen zu stellen? Maßt sich da der Mensch nicht eine Macht an, die er so nicht haben kann?

Nach der Veröffentlichung des Papiers hat sich der Vatikan mit „Lehrmäßigen Anmerkungen“ zu Wort gemeldet und das Papier des ÖAK kritisiert. Können Sie die ­Kritik nachvollziehen?

Zuallererst sehe ich es auch als eine Würdigung an, wenn vom Vatikan auf das Papier reagiert wird. ­Allerdings hätte ich mich gefreut, wenn das in einer dialogischeren Form geschehen wäre. Aus meiner Sicht gibt es zwei Gründe, die es Rom schwierig gemacht haben, positiv auf unser Papier zu reagieren. Erstens ist die katholische Kirche eine Weltkirche: Wenn in Deutschland etwas erlaubt wird, hat das dann auch Auswirkungen auf die weltweite katholische Kirche. Dies verhindert auch manchmal Entwicklungen. Und eine Entscheidung, die das Abendmahl betrifft, ist keine Lappalie. Wir reden da nicht über die Frage, in welcher Farbe ein Kirchengebäude gestrichen werden soll. Das Abendmahl gehört zu den grund­legenden Inhalten christlichen ­Glaubens.

Der zweite Aspekt ist die Frage, wie man Ökumene versteht. Entweder schaut man, was die unterschiedlichen Positionen sind und was ihr grundlegend wahrer Kern ist. Oder es gibt eine feste Norm, so wie es in den jetzigen Reaktionen der katholischen Kirche der Fall ist. Sie wird an andere Kirchen angelegt, ohne nach deren Wahrheitsgehalt zu schauen, was einen sachlichen ­Austausch erschwert.

Letztlich hat der Vatikan dem ­gemeinsamen Abendmahl eine klare Absage erteilt. Lag das auch daran, dass für den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt im Mai 2021 ein solches Abendmahl ­geplant war?

Das liegt nahe. Aber Rom schaut auch insgesamt nervös auf die Situation in Deutschland. Deutschland ist durch seine Geschichte gemischtkonfessionell mit zwei Großkonfessionen, was es so international kaum gibt. Und auch die Debatten im Rahmen des Synodalen Weges sind ein beeindruckender neuer Versuch, Kirche zu gestalten – da kommt aus der Sicht Roms vieles zusammen.

Wie Sie schon erwähnten, haben die deutschen Katholiken innerhalb der katholischen Weltkirche eine besondere Rolle. Wie steht die Deutsche Bischofskonferenz zum Abendmahls-Papier des ÖAK?

Natürlich bestehen unterschiedliche Auffassungen in der Deutschen Bischofskonferenz. Aber ich gehe davon aus, dass die allermeisten Bischöfe grundsätzlich willens sind, einen ökumenischen Weg zu gehen und ich gebe gerne zu, dass ich nicht in deren Haut stecken will. Denn viele können sicherlich unsere theologischen Überlegungen nachvollziehen, aber hören auf der anderen Seite die sehr harten Töne aus Rom. Ich hoffe, dass die Bischöfe einen passenden, gemeinsamen Weg für die Christinnen und Christen in Deutschland finden.

In dem Magazin „zeitzeichen“ sprach sich der Professor für ­Systematische Theologie an der Universität Wien, Ulrich Körtner, dafür aus, dass die Ökumene „eine Denkpause einlegt, statt den eingeschlagenen Weg unverdrossen weiterzugehen, auf dem ein erneutes Scheitern vorprogrammiert ist.“ Was sagen Sie dazu?

Herr Körtner neigt zu pfiffigen Formulierungen, ich lese ihn immer gerne. Ich würde an dieser Stelle aber sagen, dass „Denkpause“ ein unglückliches Bild ist. Besser ist ein weiteres Nachdenken darüber, wo sich die ökumenischen Gespräche, die in der Tat seit vielen Jahren auf die immer gleichen Schwierigkeiten stoßen, weiterentwickeln können. Ich finde wichtig, dass man auf dem Ökumenischen Weg Kontroversen stärker in den Blick nimmt und nicht nur auf Gemeinsames schaut. Auch in unserem Dokument nehmen wir deutlich erkennbar die Unterschiede wahr, so wie das auch Papst Benedikt bereits angemahnt hat.

In der theologischen Diskussion wird man sicher erst einmal damit leben müssen, dass es keine wesentlichen neuen Entwicklungen geben wird. Deshalb ist für mich derzeit der Weg der Spiritualität wichtig. Wir beobachten schon jetzt, dass in ­Gemeinden gemeinsam gebetet wird und auch gemeinsame Gottesdienste – wenn auch ohne Abendmahl – ­gefeiert werden. Das sind Möglichkeiten, durch gelebten Glauben immer mehr Gemeinsamkeiten zu schaffen und dann zu erkennen: 

Im Grund­legenden gibt es sehr viele Gemeinsamkeiten.

Denken Sie, dass durch gemeinsam erlebte Spiritualität dann auch von der Kirchenbasis aus der Wunsch nach einem gemeinsamen Abendmahl stärker wird oder ein solches dann auch immer häufiger praktiziert wird?

Einer der Kritikpunkte aus Rom war auch, dass man nicht einfach etwas bewilligen kann, wenn es sich faktisch durchsetzt, sondern dass man darüber theologisch nachdenken muss. Dem stimme ich zu. Aber als Theologe würde ich auch sagen, vielleicht sind die Menschen in den Gemeinden schon ein Stück klüger als wir und können uns helfen, es auch zu werden.

Sie haben schon angedeutet, dass die Diskussion ums Abendmahl festgefahren ist. Was muss aus Ihrer Sicht passieren, dass es ­wieder vorwärts geht?

Da unser Papier ja schon die Aufmerksamkeit im Vatikan geweckt hat, würde ich mir wünschen, dass aus diesem Ping-Pong-Spiel, das wir momentan erleben und was eigentlich für keine der beteiligten Seiten schön ist, ein echtes Gespräch würde: Dass wir beispielsweise mit Kardinal Koch, der im Vatikan für Ökumene zuständig ist, offen darüber reden, wo denn jetzt eigentlich die Hindernisse und die Punkte sind, über die man nochmals anders nachdenken sollte. Und da habe ich immer noch die Hoffnung, dass sich durchaus etwas bewegen kann, wenn es von einseitigen Mitteilungen zu einem argumentativen ­Austausch kommt.

Was motiviert Sie persönlich, sich für ein gemeinsames Abendmahl einzusetzen?

Mich motiviert die sehr grundlegende Ansicht, dass Jesus Christus und das Christentum sehr viel größer sind als unsere vielen kleinen kirchlichen Organisationen. Biografisch habe ich sehr gute Erfahrungen mit der Ökumene gemacht. Ich merkte bei einem ökumenischen Studienjahr an der Dormitio Abtei in Jerusalem, wie gut es tut, wenn man mit Anderskonfessionellen zusammen studiert, theologisch diskutiert – und dann entdeckt: Mancher ­Katholik ist mir sogar näher als ­manche Protestanten.

Haben Sie als Kirchenhistoriker vielleicht auch den Wunsch, dass endlich ein jahrhundertelanger Dissens beigelegt wird und ­dadurch Kirchengeschichte ­geschrieben wird?

Nein, es geht mir nicht darum, Kirchengeschichte zu schreiben. Aber in einer gemischtkonfessionellen Gesellschaft wie in Deutschland gibt es Probleme, die auf der Hand liegen, wie das gemeinsame Abendmahl. Und an deren ­Lösung ein ­kleines Stück weit mitzuwirken – das wünsche ich mir ­tatsächlich.

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1. Tierwohl in der Kirche Thomas Berg Meine Hühner schlachte ich selbst, auch wenn sie nicht auf das Wurstbrot kommen. Das ist der schmerzliche unvermeidliche Schritt auf dem Weg vom Kücken zum Braten. Meine Hühner werden natürlich auch nicht schon nach vier bis sechs Wochen geschlachtet wie das inzwischen leider normale Industriehuhn.

Trotzdem: Ganz rund ist die Argumentation wohl nicht, die hier die vegetarische Ernährung aus der Bibel begründen will. Schon im 3. Kapitel der Bibel - noch im Garten Eden - bekommen Adam und Eva von Gott selbst Röcke aus Fellen geschneidert. Wenige Verse später lesen wir, daß ihr zweitgeborener Sohn Abel Schäfer wurde. Ganz sicher hat er Schafe auch zum Schlachten gehalten. Er opfert jedenfalls vom Fett der Erstlinge der Herde auf dem Altar, was Gott wohlgefällig anschaut.

Ganz nebenbei und völlig unbiblisch brauchen wir mehr Tiere auf der Weide der Artenvielfalt wegen. Ohne Weidetiere verarmt die biologische Ausstattung unserer Landschaft was man in unseren Breiten heute schon beobachten kann. Insekten fehlen, die der Tierhaltung folgen. Daher fehlen die Insektenfressenden Vögel, Fledermäuse usw. Genau deswegen hält der Naturschutzverein dem ich vorstehe auch mehrere Rinder- bzw. Wasserbüffelherden (derzeit ca. 360 Tiere).

Was weniger werden muß ist die Massentierhaltung in optimierten HiTec-Ställen, die klimaschädlich ist, die Tiere zur Ware degradiert und in den Schlachtfabriken und dem Transport dahin das oft beklagte Tierleid zur Folge hat.

Unsere Tiere werden jedenfalls zur Schlachtung auf der Weidefläche geschossen und erst dann zum Fleischer gefahren.

Ethische Entscheidungen kennen eben nicht nur das Entweder-Oder sondern auch manche Möglichkeit dazwischen.
2. Proberaumsuche Chrissi Suche Proberaum, um christlichen worship zu machen. Spiele seit 11 Jahren Schlagzeug und möchte gerne weitermachen. Gibt es Hilfe und Unterstützung von ihrer Seite aus? Über Ratschläge und gute Nachrichten, würde ich mich freuen! Lg, Chrissi
3. Idenschmiede der Nordkirche Wolfgang Banse Nicht alles was man auf gibt, ist gut so heißen. Glieder der Kirche, hier Nordkirche wurden in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen.Demokratie, hier Basiskirche lässt nach wie vor zu wünschen in den Gliedkirchen der EKD.

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