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Dankbar die Ernte einfahren

Ein Titelkommentar zum Erntedankfest

Die Ernte wird in Zeiten des Klimawandels immer wertvoller. Foto: F Photos/CC0

Von Albrecht von Alvensleben 

Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land.

Als Matthias Claudius diese Zeile Ende des 18. Jahrhunderts dichtete, taten dies noch über 60 Prozent der Bevölkerung. Heute sind nur noch 1,3 Prozent der Erwerbstätigen in Land- und Forstwirtschaft beschäftigt. Während damals weit über die Hälfte des verfügbaren Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben wurden, sind dies heute nur noch rund 15 Prozent. Und ­während im Jahr 1789 gestiegene Nahrungsmittelpreise in Folge von Missernten die Französische Revolution auslösten, muss heute in Europa, dank unseres Wohlstandes und internationalen Handels, kein Mensch mehr in Folge schlechter Ernten Hunger leiden. Auch ­weltweit reichen die produzierten Nahrungsmittel aus. Hunger ist mehr eine Folge von ­Armut als von mangelnder Nahrungsmittelverfügbarkeit.

Betrifft Erntedank also nur noch uns Bäuerinnen und Bauern, die ­einen sehr geringen Teil der Bevölkerung ausmachen? Ein Rückblick auf das vergangene Jahr aus landwirtschaftlicher Sicht kann da ­vielleicht helfen. Anders als in den vergangenen Jahren begann das Frühjahr relativ kühl und feucht, so dass sich die Getreide- und Raps­bestände hervorragend entwickeln konnten. Vielerorts wurde bereits eine Rekordernte erwartet. „Doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand“ dichtete Matthias Claudius weiter und so wurde es im Juni sehr warm und trocken. Die für die Ertragsbildung so wichtige Kornfüllungsphase fand unter widrigen Bedingungen statt, so dass die Erträge vielerorts enttäuschten. In anderen Regionen Deutschlands waren es vor allem Starkniederschläge, die Ernten vernichteten oder zumindest minderten, so dass es auch deutschlandweit nur eine unterdurchschnitt­liche Ernte gab. 

Erfreulich aus landwirtschaftlicher Sicht, sind die höheren Erzeugerpreise, so dass die meisten landwirtschaftlichen Betriebe weiterhin ihr Auskommen haben werden und denjenigen in den Katastrophen­gebieten wird hoffentlich unbürokratisch geholfen. Es ist also für uns gesorgt, Grund genug zu danken. 

Sorgen bereitet uns vielmehr, dass wir künftig, im Rahmen der Klimakrise, häufiger mit solchen extremen Witterungsereignissen rechnen müssen. Unter solchen Umständen werden ­Ernten stärker schwanken und vielerorts sinken. Gleichzeitig müssen in 30 Jahren knapp 10 Milliarden Menschen auf der Erde ernährt werden. Unter diesen Umständen wird es zur ­Herkulesaufgabe, auch weiterhin weltweit genug qualitativ hochwertige Nahrungsmittel nachhaltig zu produzieren. 

Grund zum Danken haben wir genug, denn noch nie mussten sich Menschen so wenig Sorgen um ihre tägliche Nahrung machen wie heute. Dies ist nicht selbstverständlich. Wir werden Gottes Hilfe in ­Zukunft mehr denn je benötigen, wenn Hunger nicht wieder zunehmen soll. 

Doch dies sind nicht die einzigen Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft stellen muss. Die berechtigten Belange von Umwelt- und Naturschutz werden stärker als in der Vergangenheit Berücksichtigung finden müssen. Hier seien mit dem Insektensterben und der ­Nitratbelastung des Grundwassers nur zwei Teilaspekte genannt, in denen die Landwirtschaft in hohem Maße Verantwortung trägt. Die Aufzählung lässt sich fortsetzen mit der notwendigen Verbesserung der Haltungsbedingen unserer Tierbestände. Letztendlich ­wünschen wir in der Landwirtschaft Beschäftigte uns auch angemessene Arbeits­bedingungen und Entlohnung für unsere Tätigkeit.  

Vor diesem Hintergrund ist das Erntedankfest auch ein Fest der Hoffnung. Da uns Gottes Hilfe in der Vergangenheit zuteilwurde, dürfen wir zuversichtlich sein, dass uns auch weiterhin Hilfe zuteilwird, wenn unsere eigenen Kräfte nicht ausreichen, die anstehenden Auf­gaben zu bewältigen.

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1. Späte Einsicht Wolfgang Banse Was geschehen ist , dass kann nicht ungeschehen gemacht werden.Mit verzeihen entschuldigen ist es nicht getan .Konsequenzen sollte dieses Vorgehen zur folge haben.Eine nachträgliche neue Friedhofsordnung zu verabschieden, im Hinblick auf den eingetretenen Fall , löst das Prolem nicht. Denken , sollte in der EKBO zum Ausdruck kommen, hier Frau Bammel, Herr Stäblein.
2. Impfbemühungen nicht unter laufen Wolfgang Banse Die evangelische Kirche sollte sich von der Schwesterkirche im Römisch katholischen Glauben dahin unterscheiden, dass es keinen Cheftheologen gibt, hier Papst bei der Römisch katholischen Kirche.Nicht eine, einer denkt, wie es in der Evangelischen Kirche weiter geht, sondern alle sollten eingebunden werden, was das denken betrifft, im Hinblick auf das Priestertum aller Gläubigen.
3. Ist die geplante Reform... Wolfgang Banse Kirche findet nicht im Konsistorium der EKBO statt, in der Synode, sondern vor Ort.Kirchengemeinden sollten den Synodalen, der Kirchenleitung die Stirn zeigen, wie groß eine Kirchengemeinde des KÖR zu sein hat. Wir sind kirche, hier Basis bestimmt was Kirchengemeinde ist, beinhaltet.

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