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Der Engel in der Handtasche

09.12.2020

Warum sollte man eigentlich nicht an die Existenz von Engeln glauben? Margot Käßmann tut es.

Von Margot Käßmann

Himmlische Wesen: Im Interesse an Engeln zeigt sich ganz aktuell die Sehnsucht nach spirituellem Erleben des Glaubens. Menschen wollen ihren christlichen Glauben nicht nur intellektuell ­erfassen, sondern ihn sinnlich wahrnehmen und spüren.

Das ist eine Erfahrung, die in Westeuropa lange vernachlässigt wurde und zum Teil verloren gegangen ist. Glaube ist im Zuge der Aufklärung immer rationaler geworden. Nur was ich erklären kann, schien zu gelten. Glaube hat aber immer auch eine irrationale Seite. Wir nehmen ihn nicht allein mit dem Kopf wahr, sondern auch mit ­Herzen, Mund und Händen! Die Erfahrbarkeit ­Gottes nährt sich vielfältig – im Pilgern und Schweigen, Singen und Meditieren ebenso wie im Staunen und Fühlen und Hören.

In der biblischen Weihnachtsgeschichte wimmelt es geradezu von Engeln. Sie kündigen Maria und Zacharias die Geburt Jesu an, sie ermutigen die Hirten, das Kind zu suchen. Und später, in der Ostererzählung erwartet ein Engel die Frauen am leeren Grab.

Der Satz „Fürchte dich nicht!“ erweist sich ­geradezu als Visitenkarte der biblischen Engel. 

Sie stehen in der Bibel für Lebensermutigung und für die Zusage der Nähe Gottes. Sie vermitteln als Boten zwischen Himmel und Erde. Warum also sollte es merkwürdig sein, an die Existenz von ­Engeln zu glauben? Biblisch ist es in jedem Fall.

Manchmal begreifen wir in einem Traum, ­welchen Weg wir gehen sollen – und es könnte aus religiöser Sicht ein Engel gewesen sein, der uns diese Erkenntnis vermittelt. Im Matthäusevangelium ist es ein Engel, der Josef im Traum erklärt, dass es besser ist, mit Maria und dem Kind zu fliehen. Ob diese Geschichte sich nun so abgespielt hat oder nicht – sie berichtet von der Vermittlung einer Botschaft durch einen Engel. Und solche Traumerfahrungen machen Menschen auch heute noch.

Einem Menschen, der auf Reisen geht, einen Engel zu schenken, ist ein schöner Brauch, der auch auf biblische Erzählungen zurückgeht: Ich wünsche dir Gottes Begleitung. Ein solcher Engel wird zur Dreiecksverbindung zwischen Menschen und Gott. Ich selbst habe so manche Engel geschenkt bekommen und trage sie in der Hand­tasche, im Portemonnaie und im Koffer bei mir. Nein, das ist für mich kein Aberglaube, sondern eine Erinnerung an die Gegenwart Gottes in ­meinem Leben, an Schutz, Begleitung und ­Lebensermutigung.

Jemandem einen Schutzengel zu wünschen bedeutet, Gottes Segen zuzusagen. Das heißt nicht, dass Engel auf magische Weise Unglück verhindern können. Doch wie oft haben Menschen die Erfahrung gemacht, dass sie bewahrt wurden oder einen falschen Schritt eben nicht getan haben. Mancher sagt dann: „Glück ­gehabt.“ Andere betonen: „Da hatte ich einen Schutzengel.“ Das ist ein Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber Gott.

Eine Engelerfahrung kann gerade auch im Leid Gottvertrauen und Trost schenken. Wie bei Jesus nach den vierzig Tagen in der Wüste, als er Kraft schöpfen muss: „Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm“ (Matthäus 4,11). Wer waren diese Engel? Menschen, die ihn liebevoll umsorgten? Erfahrungen, wie Jesus sie machte, gibt es in unserem Leben ja auch: Ein anderer Mensch wird mir zum Engel. Das kann liebevolle Begleitung sein, aber auch ganz praktische Hilfe.

Ich bin überzeugt, dass wir uns auf den ­Gedanken oder auch den Glauben an Engel einlassen können, selbst im 21. Jahrhundert. Es geht um die Erfahrbarkeit Gottes. Wohl wird Gott mich nicht durch Engel vor allem Unglück schützen. Aber ich kann um Schutz, Bewahrung und Begleitung bitten – für mich wie für andere. 

Am wichtigsten bleibt am Ende jene Visitenkarte der Engel: „Fürchte dich nicht.“ Das ist eine große und tiefe Ermutigung für unser Leben, auch in Coronazeiten! Ich muss keine Angst haben, sondern darf meinen Weg gehen. Wenn wir uns darauf einlassen, werden wir auch ganz persönlich Ermutigung erfahren.

Margot Käßmann ist seit Juli 2018 im Ruhestand und widmet sich vor allem dem Schreiben von ­Büchern. Das aktuelle Buch der Theologin heißt „Nur Mut! – Die Kraft der Besonnenheit in Zeiten der Krise“ (bene!).

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1. Tierwohl in der Kirche Thomas Berg Meine Hühner schlachte ich selbst, auch wenn sie nicht auf das Wurstbrot kommen. Das ist der schmerzliche unvermeidliche Schritt auf dem Weg vom Kücken zum Braten. Meine Hühner werden natürlich auch nicht schon nach vier bis sechs Wochen geschlachtet wie das inzwischen leider normale Industriehuhn.

Trotzdem: Ganz rund ist die Argumentation wohl nicht, die hier die vegetarische Ernährung aus der Bibel begründen will. Schon im 3. Kapitel der Bibel - noch im Garten Eden - bekommen Adam und Eva von Gott selbst Röcke aus Fellen geschneidert. Wenige Verse später lesen wir, daß ihr zweitgeborener Sohn Abel Schäfer wurde. Ganz sicher hat er Schafe auch zum Schlachten gehalten. Er opfert jedenfalls vom Fett der Erstlinge der Herde auf dem Altar, was Gott wohlgefällig anschaut.

Ganz nebenbei und völlig unbiblisch brauchen wir mehr Tiere auf der Weide der Artenvielfalt wegen. Ohne Weidetiere verarmt die biologische Ausstattung unserer Landschaft was man in unseren Breiten heute schon beobachten kann. Insekten fehlen, die der Tierhaltung folgen. Daher fehlen die Insektenfressenden Vögel, Fledermäuse usw. Genau deswegen hält der Naturschutzverein dem ich vorstehe auch mehrere Rinder- bzw. Wasserbüffelherden (derzeit ca. 360 Tiere).

Was weniger werden muß ist die Massentierhaltung in optimierten HiTec-Ställen, die klimaschädlich ist, die Tiere zur Ware degradiert und in den Schlachtfabriken und dem Transport dahin das oft beklagte Tierleid zur Folge hat.

Unsere Tiere werden jedenfalls zur Schlachtung auf der Weidefläche geschossen und erst dann zum Fleischer gefahren.

Ethische Entscheidungen kennen eben nicht nur das Entweder-Oder sondern auch manche Möglichkeit dazwischen.
2. Proberaumsuche Chrissi Suche Proberaum, um christlichen worship zu machen. Spiele seit 11 Jahren Schlagzeug und möchte gerne weitermachen. Gibt es Hilfe und Unterstützung von ihrer Seite aus? Über Ratschläge und gute Nachrichten, würde ich mich freuen! Lg, Chrissi
3. Idenschmiede der Nordkirche Wolfgang Banse Nicht alles was man auf gibt, ist gut so heißen. Glieder der Kirche, hier Nordkirche wurden in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen.Demokratie, hier Basiskirche lässt nach wie vor zu wünschen in den Gliedkirchen der EKD.

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