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Die schreckliche Not im Süden Äthiopiens

13.05.2020

Hochwasser, Heuschreckenplage und Coronakrise: Der Afrikareferent des Berliner Missionswerks berichtet.

Von Martin Frank

Im vergangenen Jahr bin ich über die weite fruchtbare Ebene unterhalb der Stadt Arba Minch gefahren, auf der sich bis zum Horizont Bananenplantagen hinziehen. In der Ferne türmten sich blassgrüne Berge, Pelikane flogen im Aufwind. Vor Sonnenuntergang werden unzählige Lastwagen am Straßenrand mit den Früchtebüscheln beladen. Die wertvolle Fracht wird in die 500 Kilometer entfernte Hauptstadt gebracht. Nachts laufen kleine Kuhherden, Ziegen oder Esel die Route entlang. Am nächsten Morgen erreichen die Bananen die Märkte in Addis Abeba vor dem Berufsverkehr. 

Wir kamen nicht nur an den Lastwagen, sondern auch an einer Holzkirche der Mekane- Yesus-Kirche vorbei, unserer Partnerkirche, und grüßten Pfarrer und mehrere Gemeindeglieder. Die kleine Kirche reicht nicht mehr, um alle Gläubigen in den verschiedenen Gottesdiensten aufzunehmen. Große Backsteine für einen Neubau liegen neben der Kirchentür auf einem großen Haufen. 

Das Hochwasser zerstörte Häuser und vertrieb mehr als 10000 Menschen
Fünf Monate später: Heute steht die Ebene nach viel zu heftigen Regenfällen unter Hochwasser. Das Wasser kam über Nacht, ver­ursachte Erdrutsche, zerstörte Häuser und ­Latrinen, ließ unzählige Haustiere verenden, ­gezählt wurden 120 Kühe und 1859 Hühner. Es vertrieb mehr als 10000 Menschen. Cholera breitete sich aus. Die Menschen wurden notdürftig in zwei verschiedenen Aufnahme­lagern untergebracht. Wie es wohl jetzt um die Kirche herum aussieht?

Das ist nicht das einzige Unglück: Die Heuschreckenplage, die zuerst weit im Osten Afrikas gesichtet wurde, hat den Süden Äthiopiens erreicht. Der Leiter der Entwicklungsabteilung der Mekane-Yesus-Kirche in Arba Minch, ­Orkaido Olte, zu dem ich beinahe täglich Kontakt habe, berichtet, dass die Heuschrecken nun in das Weideland der Konso eingedrungen sind. „Das wird zu einem ernsthaften Mangel an Viehfutter führen“, schreibt er, „da wir dann zusätzliches Futter aus anderen Gebieten benötigen. Die Ernte ist gefährdet, die nächste Welle der Heuschrecken kommt.“

Als ob das nicht genug Schrecknisse wären, legt die Coronakrise das ganze Land lahm. Selbst wenn die Bananenlaster wieder losfahren könnten, kämen sie nicht nach Addis, weil die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurde. Selbst wenn es Viehfutter aus anderen Gegenden gäbe, kommt es nicht mehr ins Konso-Land. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, die Regierung rief die Menschen dazu auf, zu Hause zu bleiben. Aus Angst vor dem Corona-virus kommen die Bauern nicht mehr in die Städte, um ihre Waren zu verkaufen. Dies bedeutet für die Städter, dass der Zugang zu wichtigen Gütern des täglichen Lebens nur eingeschränkt möglich ist. Die Flutopfer müssten dringend aus den zwei Sammellagern ­heraus, um sich nicht gegenseitig anzustecken. Die Kommunen der umliegenden Dörfer haben bei der Mekane-Yesus-Kirche angefragt, ob sie helfen könnten. Orkaido Olte hat daher einen Finanzplan an das Berliner Missionswerk ­geschickt, um 58 Häuser aus Holz und Aluminium zu bauen, in die die Menschen zurückkehren könnten. Die Kosten eines Hauses ­belaufen sich auf circa 600 Euro. 

Premierminister Abiy Ahmed, Friedensnobelpreisträger 2019, galt vielen Menschen als großer Hoffnungsträger, der die Aussöhnung mit Eritrea ermöglichte, politische Gefangene frei ließ und viele im Exil lebende Oppositionelle herzlich nach Hause einlud. Aber das Land scheint außer Kontrolle zu sein. Jahrzehnte der Militärdiktatur lassen sich nicht einfach wegwischen. Letztes Jahr wurden in Äthiopien mehr als eine Million Menschen neu vertrieben. Teilweise sind die alten Kämpfe wieder aufgeflammt, besonders im Westen um die Stadt Dembi Dollo herum, dem Gebiet der Oromo Liberation Front, wohin wir ebenfalls beste Beziehungen zu den Partnern haben. Dort sind nicht die Heuschrecken das Problem, sondern die Kämpfe, die die Bauern daran hindern, aufs Feld zu gehen. 

Jeder Cent zählt
In all der Not hat die äthiopische Regierung nicht nur einen Monat des Fastens und Betens ausgerufen, sondern auch sogenannte Hot Spots, Regionen, in denen nun vorrangig geholfen werden soll. Der Süden Äthiopiens gehört nicht dazu. Daher reagieren viele Finanzpartner nicht auf die Not dort. Auch journalistische Recherche ist durch die Pandemie nicht mehr möglich. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ informierte sich bei uns im Berliner Missionswerk, um über die Heuschreckenplage in Äthiopien und Kenia schreiben zu können. 

Orkaido Olte fasst die Lage so zusammen: „Wenn Gott nicht hilft und seine Barmherzigkeit auf unsere Nation ausgießt, scheint die Sache sehr schwierig zu werden. Aber auch wir werden unsere Arbeit so erledigen, wie wir es als verständige Menschen zu tun in der Lage sind. Von Euch würdigen wir jeden einzelnen Cent.“

Spendenkonto:
Berliner Missionswerk
Evangelische Bank, BIC GENODEF1EK1
IBAN DE86 5206 0410 0003 9000 88
Stichwort: Nothilfe Äthiopien

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Artikelkommentare

(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Er kommt, sieht und hört zu Wolfgang Banse Eine Einarbeitungsszeit wird jede/jeden Neue/ Neuen wird zu gestanden.Kommen, sehen. zu hören ist aber auf Dauer nicht angebracht. Pragmatismus ist gefragt. Suchet der Kirche und deren Glieder Bestes.
2. was meinen Sie damit? Dr. Gertrud Gumlich ich gebe Uli Frey vollkommen recht. Nur:
wie (wieder-)belebt man eine Friedensbewegung?
3. Obdachlose Wolfgang Banse Menschen ohne Obdach haben es schwer, jetzt besonders wo die Corona Pandemie ausgebrochen ist. Menschen ohne Obdach bedürfen der Hilfe, nicht nur während der kalten Jahreszeit.Leistungen die von den Kirchen erbracht werden im Bezug Versorgung von Obdachlosen sind überwiegend Fremdfinanzierungen, auch was die Lebensmittel betrifft, hier die Tafel. Aus eigenen Mitteln, hier Etat wird kaum etwas finanziert.

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