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RSSPrint

Die zweite Welle

23.09.2020

Bischof Christian Stäblein blickt auf die steigenden Infektionszahlen

Von Bischof Christian Stäblein

Die zweite Welle: Niemand weiß so genau, ob und wann sie kommt (oder womöglich schon da ist?) und wie sie ausfällt. Die derzeit nach oben schnellenden Corona-Infektionszahlen machen Sorge, mir auch. Den folgenden Sätzen vorweg gestellt sei deshalb: Lieber keine zweite Welle, keine Viruserkrankungen, keine neuen schweren Verläufe, keine am Virus Sterbenden ist in jedem Fall besser als alles andere.

Das vorangestellt gilt allerdings auch: Fürchtet euch nicht! Wir sind doch jetzt ganz anders eingestellt. Zunächst einmal praktisch, etwa in Sachen Masken. Vor einem halben Jahr Mangelware, jetzt in jeder Jackentasche bei mir vorrätig. Tatsächlich vergesse ich manchmal schon, die Maske beim Rausgehen aus einer Veranstaltung wieder abzunehmen. Daneben wissen wir inzwischen viel genauer, wie sich das Virus ausbreitet: Gut gelüftete Räume werden uns durch den Winter begleiten, das ist kein Schaden, auch nicht für manchmal muffige Kirchen, Gemeinde­häuser oder Büros.

Überhaupt, wir als Kirche werden erleben, wie gut entwickelt die im Frühjahr erprobten Formate inzwischen sind. Gottesdienst im Livestream, Bibelstunde per Zoomkon­ferenz, Singen mit Maske, Beten und Feiern vor Ort mit Abstand und Gottes Nähe – dazu draußen präsent auf den Plätzen und Straßen, all das ist eingeübt. Hörbarer als bei der ersten Welle werden wir die Gesellschaft noch mehr auf die aufmerksam machen, die dann womöglich wieder allzu schnell übersehen werden: die allein oder gemeinsam Erziehenden. Die Kinder, dass sie nicht hinter der zweidimensionalen Welt der digitalen Apparate versinken. Schließlich: Dasein für die Kranken und Sterbenden, gerade auch in den Heimen, gerade auch für die, die nicht Corona „haben“. 

Wir wissen, wie sehr Kirchengebäude als Räume für Einkehr und Gebet gebraucht werden. Wie gut. Sie bleiben offen. Und wir haben erfahren, wie sehr die Menschen zum Glück Fragen jenseits der Gesundheitssorge stellen. Fragen nach dem Warum. Nach dem Sinn. Fragen ums Sterben. Und nach der Hoffnung auf Gottes Mitsein im Tod – und in Ewigkeit. Die zweite Welle wird diese Fragen wieder nach oben tragen. Würde ich sagen „gut so“, klänge es geradezu zynisch. Das wäre grober Unfug. Inständig hoffe ich, dass uns die zweite Welle erspart bleibt. Aber wenn, dann: Fürchtet euch nicht. Klar, es wird anders werden, es wird neue Fragen, neue Herausforderungen geben. Nicht zuletzt die, dass Energie, Nervenkostüm und Kraftreserven vielerorts aufgebraucht sind. Es wird nicht alles gelingen, selbstverständlich, auch uns nicht. Und umso mehr gilt: Wir sind da. Guckt hin. Fürchtet euch nicht.

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1. Das muss aufhören! von Mirna Funk Winfried Böttler Das muss aufhören. Zum Leitartikel von Mirna Fink (die Kirche 3/2021)a
Nun wissen wir Bescheid, Christen werden es nie kapieren, wie Juden sich fühlen. Warum maßen wir uns auch an, ihnen frohe Feste zu wünschen? Schade, dass der Leitartikel sich in billiger Polemik erschöpft. Wer soll da womit endlich aufhören? Sofort!? Für immer!?
Es ist leider schreckliche Wahrheit, dass die christlichen Kirchen durch den Antijudaismus, der ja nicht selten in Judenhass ausartete, große Mitverantwortung am Programm der Nazis zur Ausrottung des europäischen Judentums tragen. Das hat die Kirche erkannt und wiederholt öffentlich bekannt und es wird dennoch auf Dauer ihre Schuld bleiben. Es bleibt aber trotzdem wahr, dass Jesus ein Jude und die christliche Gemeinde am Anfang eine innerjüdische Gruppe war, die sich im Konflikt mit den jüdischen Autoritäten befand. Darin haben die judenkritischen Passagen in der Bibel ihren Ursprung.
Ich möchte schon darauf bestehen, dass Abraham und seine Verheißungen zu meinem Glauben dazu gehören, die Botschaft der Propheten auch mich angeht und ich jüdische Psalmen mitbeten darf. Dass die Autorin mich deswegen bei den Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern einordnet, gar in diesem Zusammenhang die üble Verleumdung erwähnt, wonach das Blut von geschändeten Kindern getrunken werde, finde ich geschmacklos und demagogisch.
Ja es ist wichtig und in Ordnung, dass die Einzigartigkeit und Andersartigkeit des Judentums betont werden. Bei meinen christlichen Glauben ist mir trotzdem wichtig, dass davon vieles in der jüdischen Überlieferung verwurzelt ist. Das zu bekennen werde ich nicht aufhören. Niemals.
Dankenswerterweise gibt es seit vielen Jahren den Versuch, im christlich-jüdischen Dialog das Gespräch miteinander zu suchen. Damit wird nicht die schreckliche Vergangenheit ausgelöscht, aber es macht Hoffnung für ein gutes Miteinander in der Gegenwart und für die Zukunft. Der Artikel erweckt jedoch den Anschein, als gäbe es diesen Dialog, bei dem sich beide Seiten um gegenseitiges Verstehen mühen, gar nicht.
Pfarrer i.R. Winfried Böttler,
Berlin-Steglitz
2. Das muss aufhören! Rolf Westermann Da hat sich Frau Funk aber ganz schön vergaloppiert:

1. „Was soll das sein, eine deutsche Jüdin? Sollte es nicht vielmehr „Deutsche jüdischen Glaubens“ heißen?“

Soweit, so gut; aber dann:

2.“ Und Juden sind im Gegensatz zu Christen so viel mehr als eine Religion. Weniger als die Hälfte der 15 Millionen Juden weltweit würde sich vermutlich als religiös bezeichnen.“


Na wat denn nu??????


3. Nutztier und Mitgeschöpf Wolfgang Banse Tiere sind auch Geschöpfe, besitzen eine würde, die sie auch erleben und erfahren sollten.Massentierhaltung und Käfighaltung sollte eine klare absage erteilt werden.Hin zu einer Bio dynamischen Landwirtschaft dies sollte zum tragen kommen

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