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Druck auf Woelki lässt nicht nach

10.02.2021

Streit um Missbrauchsgutachten

Köln/epd Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki muss sich wegen der Zurückhaltung eines Gutachtens zum sexuellen Missbrauch im ­Erzbistum weiterhin massive Kritik gefallen lassen. Der Münchner ­Kardinal Reinhard Marx sprach am vergangenen Wochenende von einem schweren Schaden für die katholische Kirche, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) von Missmanagement und einem De­saster. Aus der Politik wurden Rufe nach Trans­parenz und Aufklärung laut. Woelki bat erneut um Geduld bis zur ­Vorlage eines neuen Gutachtens am 18. März, aus dem er Konsequenzen ziehen werde. Einen Rücktritt schloss er nicht aus.

Der Erzbischof, der von 2011 bis 2014 Erzbischof von Berlin war, steht in der Kritik, weil er ein Missbrauchsgutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl wegen methodischer und recht­licher Bedenken seit ­Monaten unter Verschluss hält. Er gab stattdessen beim Kölner Strafrechtler Björn Gercke ein neues ­Gutachten in Auftrag. In der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ kündigte er die gleiche Übernahme von Verantwortung an, die er anderen ­abverlange, wenn mit diesem Gutachten „alle Fakten auf dem Tisch“ liegen würden. Auch in dem Interview schloss er auf Nachfrage einen Rücktritt nicht aus.

Mit den Ergebnissen des Gercke-Gutachtens werde das Erzbistum in der Lage sein, „die organisatorischen, strukturellen oder systemischen Fehler und Versäumnisse zu benennen“, sagte Woelki. Er hatte am vergangenen Donnerstag bereits Fehler eingeräumt, „für die ich letztlich auch die Verantwortung trage“. Im Kölner „Domradio“ wies der ­Kardinal am vergangenen Sonntag den Vorwurf der Vertuschung eines mutmaßlichen Missbrauchsfalls zurück, den er 2015 nach der Prüfung von Personalakten nicht an den Apostolischen Stuhl in Rom gemeldet hatte.

Großer Ärger im Bistum

Kardinal Marx, langjähriger Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, sagte der „Augsburger Allgemeinen“ mit Blick auf die Vorgänge in Köln: „Die Wirkung dessen, was da passiert, ist für uns alle außerordentlich negativ.“ Er hoffe, „dass sich Perspektiven zeigen, um aus dieser Situation herauszukommen“.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg mahnte im Deutschlandfunk „ganz klare und saubere Transparenz in der Sache“ an. Der Ärger im Bistum sei „inzwischen so groß und so sehr auch in den Kerngemeinden angekommen“, dass die Veröffentlichung des neuen Gutachtens Mitte März zu spät erfolge, um Vertrauen zurückzugewinnen. ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann forderte „eine ­Ver­waltungsgerichtsbarkeit und eine ­Gewaltenteilung“ in der katho­lischen Kirche. Sie wünsche sich zudem, „dass die Katholiken an der Basis ihren Bischof wählen können“, sagt sie dem Bremer „Weser-­Kurier“.

Die Reforminitiative katholischer Frauen „Maria 2.0“ forderte, die „systemischen Ursachen“ des ­Missbrauchs und seiner Vertuschung zu beseitigen. „Kein Mensch kann nachvollziehen, warum es jetzt noch ein Gutachten geben soll“, sagte die Theologin und Aktivistin Maria Mesrian im WDR-Radio. „Wir wissen, was passiert ist, wir wissen, in welchem System, in welcher ­Atmosphäre diese Taten begangen wurden und wie sie vertuscht ­wurden.“ Ein Rücktritt allein nütze nichts: „Das gesamte System steht zur Disposition, weil wir gesehen haben, dass Aufklärung, wenn sie die Kirche selbst betreiben will, nicht möglich ist.“

Wenn Kirche nicht für ­Transparenz sorgt, müsse die ­Politik sich einschalten

Der SPD-Fraktionsvize im Landtag von Nordrhein-Westfalen, Jochen Ott, sagte der „Rheinischen Post“, wenn Erzbischof Woelki jetzt nicht schnell für die nötige Transparenz sorge, müsse „auch die Politik das Thema auf die Tagesordnung nehmen“. Bei Missbrauch gehe es „schlichtweg um Verbrechen, und die müssen ohne Ansehen der ­Person oder Institution lückenlos aufgeklärt werden“. Die religions­politische Sprecherin der Grünen im Landtag, Sigrid Beer, kritisierte, eine schonungslose Aufklärung werde ­offenbar behindert. Woelki sei zur Belastung eines aufgeklärten und kritischen Christentums geworden, sagte sie dem Blatt.

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Tierwohl in der Kirche Thomas Berg Meine Hühner schlachte ich selbst, auch wenn sie nicht auf das Wurstbrot kommen. Das ist der schmerzliche unvermeidliche Schritt auf dem Weg vom Kücken zum Braten. Meine Hühner werden natürlich auch nicht schon nach vier bis sechs Wochen geschlachtet wie das inzwischen leider normale Industriehuhn.

Trotzdem: Ganz rund ist die Argumentation wohl nicht, die hier die vegetarische Ernährung aus der Bibel begründen will. Schon im 3. Kapitel der Bibel - noch im Garten Eden - bekommen Adam und Eva von Gott selbst Röcke aus Fellen geschneidert. Wenige Verse später lesen wir, daß ihr zweitgeborener Sohn Abel Schäfer wurde. Ganz sicher hat er Schafe auch zum Schlachten gehalten. Er opfert jedenfalls vom Fett der Erstlinge der Herde auf dem Altar, was Gott wohlgefällig anschaut.

Ganz nebenbei und völlig unbiblisch brauchen wir mehr Tiere auf der Weide der Artenvielfalt wegen. Ohne Weidetiere verarmt die biologische Ausstattung unserer Landschaft was man in unseren Breiten heute schon beobachten kann. Insekten fehlen, die der Tierhaltung folgen. Daher fehlen die Insektenfressenden Vögel, Fledermäuse usw. Genau deswegen hält der Naturschutzverein dem ich vorstehe auch mehrere Rinder- bzw. Wasserbüffelherden (derzeit ca. 360 Tiere).

Was weniger werden muß ist die Massentierhaltung in optimierten HiTec-Ställen, die klimaschädlich ist, die Tiere zur Ware degradiert und in den Schlachtfabriken und dem Transport dahin das oft beklagte Tierleid zur Folge hat.

Unsere Tiere werden jedenfalls zur Schlachtung auf der Weidefläche geschossen und erst dann zum Fleischer gefahren.

Ethische Entscheidungen kennen eben nicht nur das Entweder-Oder sondern auch manche Möglichkeit dazwischen.
2. Proberaumsuche Chrissi Suche Proberaum, um christlichen worship zu machen. Spiele seit 11 Jahren Schlagzeug und möchte gerne weitermachen. Gibt es Hilfe und Unterstützung von ihrer Seite aus? Über Ratschläge und gute Nachrichten, würde ich mich freuen! Lg, Chrissi
3. Idenschmiede der Nordkirche Wolfgang Banse Nicht alles was man auf gibt, ist gut so heißen. Glieder der Kirche, hier Nordkirche wurden in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen.Demokratie, hier Basiskirche lässt nach wie vor zu wünschen in den Gliedkirchen der EKD.

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