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Ein Messias für alle

18.03.2020

Beim Internet-Filmportal Netflix ist die erste Staffel der Thriller-Serie „Messiah“ zu sehen. Es geht um die Frage: Was täten wir, wenn Jesus auf die Erde zurückkehrte? Die Antwort der Serie ist unterhaltsam, aber theologisch nicht besonders überzeugend

Von Olaf Schmidt

In Damaskus herrscht Panik. Die Gotteskrieger des „Islamischen Staats“ stehen vor den Toren. Die Bevölkerung rechnet mit dem Schlimmsten. Ein junger Mann (Mehdi Dehbi) versucht, die Menschen zu beruhigen: „Gott wird eure Feinde besiegen!“, ruft er, während Geschosse einschlagen. „Rettung ist nahe!“ Niemand glaubt ihm; seine Zuhörer haben alle Hoffnung verloren. Da zieht ein gewaltiger Sandsturm herauf und zwingt den IS zum Rückzug. Damaskus ist gerettet. Der Straßenprediger hat recht behalten.

Die Szene aus der neuen Netflix-Serie „Messiah“ („Messias“) steckt voller Anspielungen: Sie spielt am Bab Tuma, dem „Thomastor“, das nach jenem „ungläubigen Thomas“ benannt ist, der an Jesu Auferstehung zweifelte. Auf dem Weg nach Damaskus ist Saulus dem auferstandenen Christus begegnet und zu Paulus geworden. Und der Straßenprediger sieht mit seinem langen Haar und dem Bart nicht nur aus wie der leibhaftige Jesus, seine Anhänger nennen ihn geradeheraus „Al-Masih“. „Masîh“ ist die arabische Bezeichnung für „Messias“.

Jeans unter dem Kaftan

Der Messias bei den Muslimen? So abwegig ist das nicht. Auch wenn Muslime nicht glauben, dass Jesus Gottes Sohn ist, verehren sie ihn als bedeutenden Propheten. Im islamischen Schrifttum wird er durchaus als Messias bezeichnet. Nach einigen Überlieferungen wird er am Tag der Auferstehung auf die Erde zurückkehren, im Heiligen Land oder in Damaskus. Jedoch nicht am Thomas-, sondern am Osttor, dem Bab Sharki. Von Anfang an präsentiert sich Al-Masih als ein Erlöser, der Christen und Muslime gleichermaßen anspricht. Auch kulturell legt er sich nicht fest: Unter seinem traditionellen Kaftan trägt er Jeans, später auch eine Jeansjacke.

Nachdem Damaskus vom IS befreit ist, führt Al-Masih seine Anhänger in die Wüste bis an die israelische Grenze. Als er den Zaun überwindet, verhaftet ihn die israelische Grenzpolizei. Aviram Dahan (Tomer Sisley), ein hartgesottener Agent des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, verhört Al-Masih nach allen Regeln der Kunst. Aber der dreht den Spieß einfach um. Denn Al-Masih weiß Dinge aus Avirams (ziemlich in Unordnung geratenem) Leben, die er unmöglich wissen kann.

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1. Theologie in Zeiten von Corona Andrea Richter Theologie in Zeiten von Corona
Auf meinem Schreibtisch liegt eine Postkarte, die ich vor zwei Jahren während eines wundervollen Urlaubes in der in Arles, in der Fondation Vincent van Gogh, gekauft habe: ein Totenschädel.
Memento Mori, bedenke, Mensch, dass du sterben musst!
Das macht mir keine Angst, und es hat für mich nichts, aber auch gar nichts mit einem strafenden Gott zu tun.
Das Bild erinnert mich an Adam, den ersten Menschen, dem Gott (nach Genesis 2, 7) den Odem des Lebens in seine Nase blies, so dass der Adam (Mensch) von der Adama (der Erde) zu einem lebendigen Wesen wurde.
Der Mensch, der Atem, das Leben – die Lebensantwort auf den Ruf: bebauen und bewahren!
Das Virus, der Kampf um das Atmen-Können und die Bedrohung durch den Tod.
Corona – ist auch ein memento mori!
Unsere christliche Tradition gründet darauf:
Jesu Leben – Jesu Sterben am Karfreitag – in Gott hinein – Auferstehehung– ewiges Leben – ewiger Lebensodem!
Die Chance: Aufatmen (hier & jetzt) wieder Atmen lernen, uns (vor allem auch als Kirche) nicht mehr verausgaben.
Ja, aufstehen gegen Tod und Lebensfeindlichkeit – aber zugleich auch Umkehren – uns wieder bewusstwerden, was vor allem die Abendlieder unseres Gesangbuches uns lehren:
„Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit“ (EG 481, 5 Text: Gerhard Tersteegen, 1745)
Wir dürfen als Kirche (wieder) lernen, Menschen in Angewiesenheit, Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu werden – und Gott in allem zu suchen und zu finden; wir dürfen lernen, uns nicht zu scheuen, von Gott zu reden, der alles in allen ist:
„Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten:
Die Welt ist Gottes so voll.
Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.
Wir aber sind oft blind.
Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen
Und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt,
an dem sie aus Gott herausströmen.
Das gilt für das Schöne und auch für das Elend.
In allem will Gott Begegnung feiern
Und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.
Die Kunst und der Auftrag ist nur dieser,
aus diesen Einsichten und Gnaden
dauerndes Bewusstsein und dauernde Haltung
zu machen und werden zu lassen.
Dann wird das Leben frei in der Freiheit
Die wir immer gesuchte haben.“

(am 17. November 1944 auf einen Kassiber von Alfred Delp mit gefesselten Händen geschrieben aus seiner Zelle im Gefängnis
2. Vor allem Umkehren und Lernen: aushalten und beistehen Michael Juschka Der Dialog ist anregend und ich danke den unsere Kirche Leitenden für ihre erfrischende Offenheit. Möglicherweise könnten auch ausgetauschte E-Mails noch einmal überarbeitet werden, damit die Gedanken stärker konturiert werden. Das Glaubensbekenntnis beginnt mit dem Glauben an Gott als Schöpfer. Deshalb wird es nicht leicht sein, Gottes Wirken nicht auch in Gefährdungen zu sehen, die sich aus dieser so vorfindlichen Schöpfung ergeben. Eine Botschaft, die ich auch aus dem Mund von Wissenschaftler*innen höre, steckt in der Frage, ob wir nicht Abstand davon nehmen müssen, Tiere in uns aufzunehmen. Mir fallen nur die Schlagworte wie Rinderwahnsinn, Schweine- oder Vogelgrippe ein. Was ist eigentlich mit den Wildschweinen los? Wir können auf keinen Fall gegen die Schöpfung selbst unser Leben entfalten und bewahren. Es geht um ein bauen und bewahren dessen, was vorgegeben ist.
3. GOTT braucht keine Kranken, um uns zu unterrichten Georg Wagener-Lohse Liebe Christina, Lieber Christian, zuerst dachte ich „typisch evangelisch und typisch akademisch – so viele Worte“. Und etwas Abgrenzendes sprang mich an. Ob es mit mir selbst zu tun hatte, mit meiner Sehnsucht nach einer empathischen aber auch deutenden Kirche?
Dann habe ich mir später noch einmal Zeit genommen und versucht, hörend zu lesen. Ja, zur Ruhe möchte ich auch gerne kommen, Trost finden, neben dem vielen Aufgeregten und Erschreckenden. Ja, und nach einem Sinn darin taste ich auch.
Da fiel mir dann auf, dass wir ganz nahe bei einander sind mit dem Gott, der Atem ist, der da ist. Und da tauchte sogar das Bild auf, das er uns geschenkt hat und was ich auch im Text gesucht hatte: der Gott mit uns, Immanuel, der den wir als den Christus bekennen.
Und dann bin ich dankbar für die Frage am Ende „Wie bringen wir das in Worte zur richtigen Zeit?“ - eine Haltung, die warten kann, dass der Atem kommt, der unsere Stimmen zum Schwingen bringt und unsere Füße in Bewegung setzt.
Abgesehen von den gestrigen, die den rächenden Lehrmeister wieder beschwören wollen, möchte ich aber auch noch um unsere Solidarität mit denen bitten, die unsere gesellschaftliche Krise vor und nach „Corona“ sehen. Sie reiben sich die Augen, was wir alle plötzlich zustande bringen an Konsequenz. Ich finde hilfreich, was Matthias Horx als Re-gnose beschrieben hat, und ich finde auch eher diejenigen autoritär, die uns bei einem mit der Schöpfung unverträglichen Lebensstil halten wollen. Ich wünsche mir so sehr, dass auch unsere Kirche auf dem Weg aus dieser Gefangenschaft dabei sein wird.
Herzlich, Georg

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