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Ein Verlag im Wandel der Zeiten

23.09.2020

Der Berliner Wichern-Verlag feiert sein 100-jähriges Bestehen. Von den Nachkriegswirren in den 1920er Jahren über die Zeit des Nationalsozialismus, der Teilung von Land, Berlin und Kirche in Ost und West bis zur Wiedervereinigung und der digitalen Revolution hat der christliche Verlag in unserer Landeskirche viel erlebt und publizistisch begleitet – nicht zuletzt auch mit „die Kirche“, die im Wichern-Verlag erscheint.

Von Sabine Hoffmann

Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 fällt auch die Gründung des Wichern-Verlages zusammen. Im ruhigen Dahlem befand sich der Verlagssitz, der nun auch zu Groß-Berlin gehörte. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wuchs Berlins Bevölkerung deutlich. Berlin war plötzlich die drittgrößte Stadt der Welt – geprägt von Arbeitslosigkeit, Wohnungsknappheit und sozialer Not in Folge von Industrialisierung, Weltkrieg und Wirtschaftskrise.  Die Kirchen waren gefragt als Seelsorger und Nothelfer. Da mussten Schriften her, die den Geist und die Seele stärkten. Pastoren brauchten Handreichungen, die darüber informierten, dass den Proletarier*innen der Glaube und nicht der Alkohol Stärkung und Zuversicht gibt. 

Erste Veröffentlichungen und Umzug

So behandelte die erste im Verlag veröffentlichte Publikation, das Heft „Der Evangelische Wohlfahrtsdienst“, die „Neuregelung der öffentlichen Wohlfahrtspflege und die Evangelische Kirche“. Die Broschüre mit 110 Seiten kostete eine Mark. Der „Centralausschuss für Innere Mission“ gab in den Folgejahren eine Vielzahl von Heften heraus, die sich praxisnah der Fürsorge widmeten. Nicht umsonst wurde der Verlag nach dem Vater der Diakonie Johann Hinrich Wichern (1808–1881) benannt, dem Theologen und Sozial­reformer. 

1929 zog der Verlag nach Berlin-Spandau auf das Gelände des Evangelischen Johannesstifts, dessen Gründervater Johann Hinrich Wichern war. Verlagsleiter war Friedrich Wittig, der bis 1937 die Geschicke des Verlages lenkte – gemeinsam mit der „Apologetischen Centrale“. Diese gab unter anderem eine Schriftenreihe des Centralausschusses der Inneren Mission heraus und agierte gegen die nationalsozialistische Ideologie. 1935 schaffte es Verleger Wittig, über 10000 Exemplare des Titels „Antwort auf den Mythus“ zu verbreiten, bevor die Nazis es bemerkten. Ein klarer Denker in dunkler Zeit. Am 10. Dezember 1937 wurde die „Centrale“ von der Gestapo geschlossen. In ihrer Nachfolge steht seit 1960 die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.

Kriegsjahre und Lizenz zum Neustart

Ab 1938 übernahm Herbert Renner den Verlag. 1939 wurde der Verlag nach nationalsozialistischen Gesetzen in eine Kommandit-Gesellschaft (KG) überführt, wodurch das Haftungsrecht verändert wurde. Während der Kriegsjahre entstanden wenige Publikationen. Die religions­soziologische Zeitschrift „Orient und Occident“ von Eugen Gerstenmeier, Mitglied des Kreisauer Kreises und von 1954 bis 1969 Präsident des Deutschen Bundestages, startete 1942. Es blieb aber bei der ersten Ausgabe. 

Am 23. Februar 1946 erhielt der Verlag eine Lizenz zum Neustart von der britischen Militärregierung, denn Spandau lag im britischen Sektor. In den Nachkriegsjahren wurden viele Publikationen im Wichern-Verlag veröffentlicht, die als evangelische Handreichungen für die sowjetische Besatzungszone bestimmt waren. Aber auch die Landeskirche musste für ihre Verwaltung von der einfachen Drucksache bis zur Broschüre neu drucken. 

Herbert Renner verließ 1954 den Wichern-Verlag. Der Christliche Zeitschriftenverein (CZV), der aus dem Centralausschuss der Inneren Mission hervorging, wandelte den Verlag wieder von einer KG in eine GmbH um. Viele Periodika und Kalender erschienen nun unter dem Label CZV, wie das Evangelische Gesangbuch oder auch die evangelische Wochenzeitung „Das Berliner Sonntagsblatt“.  

Die Buchproduktion ruhte bis 1982. Durch einen Beschluss der Landeskirche Berlin-West sollte nun im Wichern-Verlag alles Verlegerische der Kirche gebündelt werden, inklusive des angeschlagenen CZV-Verlages.  Als Verlagsleiter hatte man sich ein „Wichern-Gewächs“ ausgesucht: Wolfgang Fietkau. Er hatte von 1952 bis 1954 im Wichern-Verlag eine Verlagsbuchhändlerlehre abgeschlossen. Auch seine Arbeit als Diakon, als Redakteur im Evangelischen Rundfunkdienst und sein eigener Verlag, der Sölle-Gedichte herausgab, rundeten die Entscheidung ab, ihn zum Verlagsleiter zu berufen. Er kannte Kirche, Diakonie und Verlag. Wolfgang Fietkau blieb dem Verlag bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2001 treu. Er erlebte in seiner Amtszeit den Mauerfall und die Zusammenführung der Landeskirche Ost und West, die Stasi-Aufarbeitung in der Kirche, die Einführung des Internets, des Desktop-Publishing, den Digitaldruck und den Verlagsumzug von Berlin-Tiergarten in das Evangelische Zentrum in Berlin-Friedrichshain. 

Komplexe Umwälzungen

Die Auseinandersetzung mit der Kirche im Sozialismus und die Aufarbeitung der Kirche im Nationalsozialismus sind Inhalte der bis heute gefragten Titel. Wolfgang Fietkau prägte die markante traverse Cover-Grafik. Er brachte den Verlag durch viele stürmische Zeiten innerhalb der Landeskirche und auch der Gesellschaft. Um seine Nachfolge bewarb sich die promovierte Geisteswissenschaftlerin und Theologin Elke Rutzenhöfer. Sie arbeitete bereits als Lektorin im Verlag und veränderte diesen zu einem familienfreundlichen Unternehmen, der es den Mitarbeitenden ermöglicht, Beruf und Familie zu vereinbaren. Das schließt die Pflege von Angehörigen wie auch Elternzeit ein. 

Im ersten Jahr ihrer Geschäftsführung musste Elke Rutzenhöfer die Druckerei des Verlages auflösen und betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Die komplexen Umwälzungen innerhalb der Drucktechnik ließen keinen anderen Schritt zu. Statt der Heidelberg-Druck­maschinen wurde in eine Hochleistungsvervielfältigungsmaschine investiert, die bis heute für die Kirchenverwaltung Drucksachen produziert. Die Buchtitel rückten wieder in die Waagerechte.  

Durch viele Aufträge im Agenturgeschäft konnte der Verlag seiner Hauptgesellschafterin, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, fast immer ein positives Jahresergebnis vorlegen. Die Inhalte des Buchprogramms wurden um eine Biografie-Reihe (von Wichern bis Sölle) erweitert. 

Protestantisch und sozial-diakonisch

Die Auseinandersetzung mit anderen Religionen sowie Glaubenskurse sind ein fester Bestandteil des Buchprogramms. Seit 2001 erlebte Elke Rutzenhöfer mit den vor allem weiblichen Mitarbeiterinnen die Einführung des Euro, Facebook, Twitter und Instagram, die Digitalisierung  mit Amazon und Google, Klimakrise, globalen Terror und jetzt Corona. Die stürmischen Zeiten sind nicht vorbei. Die in der Corona-Krise beschlossene Absenkung der Mehrwertsteuer für Abonnementsgebühren und die Buchpreise wurde durch den Verlag nicht an die Endkunden weitergegeben. Der Aufwand wäre nicht zu vertreten. Ganz im Sinne des Namenspatron Wichern spendet der Verlag diese Differenz an sozial-diakonische Werke. So runden sich 100 Jahre Wichern-Verlag in diesem Jahr ab. Wir halten die Richtung und schaukeln durch die Wellen der Geschichte. Protestantisch zurückhaltend und coronabedingt fällt ein rauschendes Fest aus.

Sabine Hoffmann ist Vertriebsleiterin im Wichern-Verlag.

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1. Mehr Gotteshäuser für die Kaiserstadt Dirk Stratmann, Berlin Die Verdienste der fürsorglichen Kirchen-Juste sind unbestritten und anerkennenswert. Doch die
Grundlage ihrer Tätigkeit war der verhängnisvolle Summepiskopat in den evangelischen Landeskirchen bis 1918. Das landesherrliche Kirchenregiment war eigentlich nur für eine vorüber-gehende Notzeit gedacht. Doch das gefiel dann Fürsten und Kirchenver-antwortlichen so gut, dass die Notzeit fast vierhundert Jahre überstand bis 1918. Und aus Protest gegen die Wende 1919 und gegen die demokratische Fahne „Schwarz-Rot-Mostrich“ (so hieß es verächtlich) legte sich die evange-lische Kirche eine lilafarbene Kirchen-fahne zu. Und bezeichnend, dass - ganz anders als in den katholischen Gebieten - in den evangelischen Gebieten fast überall 1933 die Nazis bei den Wahlen die Nase vorne hatten. „Tempora mutantur, sed ecclesia saepe non mutatur.“ So sieht der frühere grüne Abgeordnete Frieder Otto Wolf weiterhin eine komplizenhafte Verstrickung der Kirche mit der Staatsmacht. Zwar sind inzwischen die evangelischen Christen in Berlin und in Brandenburg nur noch eine Randgruppe mit weniger als 15% der Bevölkerung – weiterhin abnehmend. Doch was erleben die nichtreligiösen Berliner, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung? Sie erlebten, wie kirchliche Lobbyisten für das sogenannte kultische „HOUSE of ONE“ [ Spitzname „Wohngemeinschaft Gottes“ – Kultge-bäude für Juden, Christen, Muslime ] sich schamlos 25 Millionen Euro und kosten-los einen Bauplatz im Zentrum Berlins verfassungswidrig sicherten. Und ein Pfarrer, ein Imam und ein Rabbiner, jeweils in auffallend langen Gewändern, posierten dafür gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Müller für die Presse . Was Jesus von solchen auffälligen langen Gewändern in der Öffentlichkeit hält, lese man in der Bibel nach ( Mk. 12, 38ff; Lk. 20, 45f; Mt. 23, 5-7).
Das Projekt des sogenannte „HOUSE of ONE „ war ursprünglich von der Politik angedacht worden. Der Staat wird hier als parteilich erlebt. Und das untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und es kommen Befürchtungen auf, dass der Staat das Religiöse wieder für eigene Zwecke kanalisieren und instru- mentalisieren und eine synkretistische Fernwirkung anpeilen könnte. Und die evangelische Kirche hatte sich sofort wieder einmal an die Rockschöße des Staats geklemmt, um an die „ Fleisch-töpfe Ägyptens „ (2. Mose 16,3) ranzukommen – dazu der frühere evangelische Bischof eigens zu Verhandlungen auf dem Roten Rathaus. Nicht einmal 0,5 Prozent der Berliner besuchen sonntags einen evangelischen Gottesdienst. (Es ist absehbar, dass es in Berlin später mehr Muslime als evan-gelische Christen gibt.) Bestehende Kirchen stehen oft großenteils leer, viele Kirchengebäude werden entweiht, verkauft oder gar abgerissen. Aber die Kirche lässt sich einen neuen Prestige-bau mit 25 Millionen großenteils vom Staat finanzieren und kostenlos dazu das Grundstück stellen. Schämt sich die Kirche denn gar nicht? Diese Vorteil-nahme riecht nach Korruption. Bei diesem Kultgebäude, welches verfas-sungswidrig vom Staat (er muss religiös und weltanschaulich neutral sein) finanziert wird, sehen Berliner Steuer-zahler (diese in überwältigender Mehrheit nicht religiös) ihre Steuer-gelder missbraucht. In Berlin fehlen 26.000 Kitaplätze. Für das Geld des kultischen Prestigebaus „HOUSE of ONE“ hätte man sechs neue Kitas bauen können. Die fürsorgliche Kirchen-Juste hätte hier heute vermutlich anders geplant, da doch so viele evangelische Kirchen wegen mangelnder Nachfrage abgewickelt werden.
ABER ES KAM N O C H V I E L
S C H L I MM E R :
Gegen den ausdrücklichen Willen der überwältigenden Mehrheit der Muslime wählte man einen Mini-Verein der Gülen-Bewegung als Vertreter der Muslime aus (nur 6.000 der ca. 300.000 Muslime in Berlin – so die eigenen Angaben der Gülen-Bewegung). Das wäre etwa so, als würde man in Peking staatlicherseits für die Christen beispielsweise die pflegeleichten „Christen für den Sozialismus“ auswählen. Hier betätigt sich der Staat wieder einmal wie in früheren Zeiten von „Thron und Altar“ ungeniert als Religionsingenieur und privilegiert g r u n d g e s e t z w i d r i g (Staat muss religiös und weltanschaulich neutral sein) ausgewählte MINDER-HEITENgruppen. Ursprünglich war das Projekt als Graswurzelprojekt vorgestellt worden. Doch für ein Graswurzelprojekt interreligiösen Dialoges braucht man keinen teuren kultischen Prestigebau und dafür grenzt man auch nicht willkürlich diskriminierend viele Religionen aus. Sinnvoll ist es dagegen, wenn der Staat über schulische Lehrpläne und mit entsprechenden Angeboten bei Volkshochschulen, Akademien, politischen Landeszentralen, usw., usf. den interreligiösen Dialog fördert. Und die Religionsgemein-schaften können ihrerseits im Sinn eines Graswurzelprojekts interreligiösen Dialog und Trialog usw. institutio-nalisieren auch ohne teuren kultischen Vorzeigebau – reihum in bestehenden Gemeindezentren, mal in christlichen, mal jüdischen, mal muslimischen, usw. oder auch auf neutralem Boden in öffentlichen Räumen.
Oder damit man nicht diskriminierend kleinere Religionsgemeinschaften ausgrenzt, könnte man ein gemeinsa-mes, nichtkultisches Haus der Religionen für Gespräche und gemeinsame Aktionen der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften bereitstellen. Schon jetzt gibt es auch ohne das teure „HOUSE of ONE „, das diskriminierend ausgrenzt, pro Woche in Berlin sehr viele Angebote. Das „HOUSE of ONE“ wird auch in Berlin ständig weitere Sicher-heitskräfte binden, wie wir das von „Brennpunkten" aus dem Ausland kennen. Es wird eher Sprengsatz statt Kitt der Gesellschaft sein, da für ihre kultischen Gebäude Religionsgemein-schaften schon selber gezahlt haben sollten.
Es bleibt zusätzlich noch eine kleine Frage unbeantwortet: Bei dem Dialoggottesdienst zum Purimfest in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am 25.2.2021 hatte sich Esther Hirsch gleich zu Anfang als Vertreterin des „HOUSE of ONE“ vorgestellt und angekündigt, dass in diesem Haus alle Religionen (es war ausdrücklich von allen Religionen die Rede, nicht nur von den abrahamischen) beten sollten. Meine Frage war bisher nicht beantwortet worden, ob die Hindus, die Isisanbeter, die Anhänger der Druiden- und germanischen Kulte, usw., usf. nun in der Synagoge oder Moschee oder christlichen Kirche ihre Andacht verrichten dürfen. In einem echten dialogischen Gottesdienst hätte ein Pfarrer eine solch grundlegende Frage gleich aufgreifen können. Die Frage ist bis heute nicht beantwortet.
Dirk Stratmann, Berlin

2. Solidarische Sympathie Wolfgang Banse Ökumene, sollte, darf nicht daran gemessen werden im Bezug auf ein gemeinsames gefeiertes Heiliges Abendmahl.Ökumene, hier gemeinsam gefeiertes Heiliges Abendmahl besteht nicht bei allen evangelischen christlichen Kirchengemeinschaften, hier SELK und Amtskirchen.Es wurde in den letzten Jahrzehnten viel erreicht, dies sollte nicht vergessen werden.Die Evangelischen Kirchen sollten nicht weiter als Kirchen guten Willens betrachtet und gesehen werden, sondern als gleichwertige, vollwertige Kirchen.
3. Gelassen Ostern zulassen Wolfgang Banse "Wir sind präsent" m-diese Worte greife ich auf und frage mich ob es eine Freudsche Fehlleistung, ein Black out von Herrn Stäblein war, was seine Gedanken zum Osterfest zum Osterfest 2021 anbelangt. Ein ruhiges, gelassenes Leben führen hier die Hauptamtlichen, Pastorinnen und Pastoren während der seit über einem Jahr existierenden Corona Pandemie. Monatelang fallen Andachten und Gottesdienste aus,nicht jede und jeder Gläubige ist im Besitz eines PC, Notebook,..Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen-dann sollten die Hauptamtlichen zu den Menschen kommen.Geschieht dies?!(Ausnahmen bestä-
tigen die Regel) Effizient und Qualität ist in jeder Hinsicht gefragt, was die Institution Kirche, hier EKBO betrifft.Gesegnete Ostern Frau Bammel/Herr Stäblein.

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