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Ende eines Traditionsbetriebs

Garten statt Friedhof: Die Tage des letzten Grabmalbetriebs in Berlin-Neukölln sind gezählt

Seit 76 Jahren besteht der Grabmalbetrieb in der Hermannstraße 100 in Berlin-Neukölln. Gegenüber befindet sich die 1879 errichtete und jüngst restaurierte Friedhofskapelle, die heute als „Kiezkapelle“ dient.
Der Betrieb von Steinmetz­meister Eberhard Damerau muss zum Sommer schließen. Foto: Sabine Meißner

Von Sabine Meißner

Es gibt nur noch wenige Grabmal­betriebe in Berlin, im Bezirk Neukölln derzeit nur noch ein einziger: der alteingesessene Betrieb „Schmidt Grabmale“ in der Hermannstraße 100 auf dem Gelände des Neuen St. Jacobi Friedhofs. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Betrieb von Willy Schmidt gegründet. Dessen Schüler, der Steinmetzmeister Eberhard Damerau, feierte im Jahr 2020 mit seinen beiden Gesellen das Jubiläum zum 75-jährigen Bestehen. In diesem Sommer wird Damerau den Traditionsbetrieb für immer schließen müssen. Dabei würde er gern weitermachen und eines Tages „in der Werkstatt tot umfallen“, wie er seinen letzten Wunsch formuliert. Der Wunsch des 76-Jährigen wird wohl unerfüllt bleiben.

Urbanes Gärtnern statt Grabmalwerkstatt

2019 wurde der Friedhof für neue Beisetzungen geschlossen. Damerau muss bald von seinem Standort auf dem 7,5 Hektar großen Gräberfeld weichen. Das hängt mit den Plänen des Friedhofseigentümers zusammen: Der Evangelische Friedhofsverband Berlin-Stadtmitte (EvFBS) hat im Rahmen seines Friedhofsentwicklungsplanes einen Vertrag mit dem gemeinnützigen Unternehmen „Nomadisch Grün“ geschlossen und damit dem Projekt „Prinzessinnengärten“ einen Platz für urbanes Gärtnern eingeräumt. Das Projekt, das bereits am Kreuzberger Moritzplatz aktiv ist, zieht junge Leute auf die Fläche, die nun zweigeteilt ist. Im vorderen Bereich werden Gräber gepflegt, hinten wird gegärtnert. 

Die Meinungen der Friedhofsbesuchenden zu den Plänen fallen unterschiedlich aus. Einige gefällt diese Entwicklung, weil sie auch spielende Kinder auf die Fläche bringe. Andere äußern Missfallen, weil es ihnen zu laut geworden sei oder sie bereits beobachtet haben wollen, dass in der Abgeschiedenheit des Begräbnisortes auch eine Nische für den Konsum von Drogen und Alkohol entstanden sei. 

Der EvFBS hat Pläne mit der gesamten Friedhofsfläche und teilt auf Anfrage mit, dass mit dem Bezirk Neukölln 2016 ein Entwicklungskonzept beschlossen wurde, wonach ein Teil der Friedhofs­flächen zur öffentlichen Nutzung als Grünfläche zu erhalten sei. Die Kosten dafür trage nicht der Berliner Senat, weshalb der EvFBS Partner suche, mit denen er diese Grünflächen für die öffentliche Nutzung erhalten und gestalten kann. „Die Ansiedlung dieser Partner, die mit den bereits auf dem Neuen Jacobi Friedhof tätigen Prinzessinnengärten zusammenarbeiten sollen, ist auf der bebauten Fläche des bisherigen Steinmetzbetriebes geplant“, heißt es seitens des EvFBS.

Steinmetz Damerau hat seit mehreren Jahren Kenntnis von diesen Plänen und einem gerichtlichen Vergleich zugestimmt. Er bestätigt, dass dieser Vergleich, zu dem er sich nach eigener Aussage genötigt sah, das Mietverhältnis zum 30. Juni 2021 beendet. Man habe eine Verlängerung von einigen Monaten angeboten, auf die Damerau nicht einging. „Es ändert an der Situation nichts“, sagt der Meister. Er fühle sich hier nur noch befristet geduldet. Dem Vorschlag des EvFBS, nach einer Ersatzfläche auf einem anderen Friedhof zu suchen, könne er nicht folgen: „Die alten Steinbearbeitungsmaschinen kann man nicht an einen anderen Ort verpflanzen.“

Juristisch ist die Angelegenheit eindeutig. Dass der Grabmalbetrieb dort, wo bald kein funktionierender Friedhof mehr sein wird, seine Existenzberechtigung verliert, leuchtet ein. Aber warum muss der Steinmetz jetzt schon gehen, zu einem Zeitpunkt, an dem er wirtschaftlich eine Perspektive für einen altersbedingt ohnehin begrenzten Zeitraum sieht? Wäre dafür nicht ein Platz zu finden? Die Idee, die Werkstatt einst in jüngere Hände – etwa die seiner Tochter – abzugeben, hat er bereits ad acta gelegt.

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. "Ich bin ein Fremder gewesen" die Kirche 16. Mai 2021 Dirk Stratmann, Berlin Dirk Stratmann, Berlin
„ Ich bin ein Fremder gewesen „ (die Kirche 16. Mai 2021 Seite 10)
Die Flüchtlingsproblematik und vor allem die Ursachenbekämpfung müssen mit HERZ + HIRN angepackt werden, und da haben nicht die Einen den alleinselig-machenden Ansatz.
„ Geben ist seliger als Nehmen! „, predigen oft Kirchenvertreter. Wenn sie gleichzeitig z.B. beim Kirchentag, dem sog. HOUSE of ONE, im Einzelfall in Flüchtlingsfragen verfassungswidrig
allen Steuerzahlern zur Last fallen (dies ist noch schlimmer in Berlin, wo Christen eine Randgruppe sind und wir längst in einer nachchristlichen Gesellschaft leben), wirkt dies unglaubwürdig. Man setzt sich moralisch auf das allerhöchste Ross und benutzt dann – wie die Pfarrerin Dagmar Apel - nach der Methode „Knüppel aus dem Sack“ die Moralkeule isolierter Bibelsprüche.
Die Pfarrerin betont, dass auch Jesus ein Flüchtlingskind gewesen sei. Sie weiß doch selber, dass es bei der erfundenen Kindheitsgeschichte Jesu nicht um die Flucht geht, sondern um fiktive „Schrifterfüllung“. Dafür nahm man in Kauf, dem jüdischen König Herodes den scheußlichen Kindermord von Bethle-hem in die Schuhe zu schieben. Dieses Klischee des kindermordenden jüdischen Königs bedient die Pfarrerin selbst noch 2021!!
In ihrem Schluss-Satz erinnert mich die Pfarrerin an marxistische Theoretiker. Auch diese zelebrierten bis zuletzt schon das Paradies auf Erden. Die Pfarrerin missbraucht das Motiv der künftigen Völkerwallfahrt und merkt nicht, dass manche das als anmaßend empfinden und sofort an den Tempelberg denken – gerade auch jetzt.
Die Bibel kennt natürlich das wichtige Thema von Flucht und Flüchtlingen (aber eben auch oft die Flucht von Schurken – die Vertuschungsmentalität unsrer Kirche passt nicht zur Bibel). Die Bibel kennt auch sehr, sehr viele andere Themen: Abraham kam ins Land Kanaan nicht als Flüchtling, sondern als ZUWANDERER. Und dort ließ er sich für seine Nachfahren dieses fremde Land als ewiges Eigentum verheißen. Seit langem berufen sich zu viele auch heute auf die Thora und die dort vorgesehenen Grenzen – sogar über den Jordan hinaus! Ich schätze die Hebräische Bibel wie das Neue Testament. Aber ich will nicht hören „ Biblische Korektheit statt Völkerrecht“ (und Grundgesetz) und ich will solches auch nicht zwischen den Zeilen heraushören. Mir reichen die
Rufe nach der „Scharia“ andernorts.
Die Pfarrerin zitiert einen Spruch aus der Thora (3. Mose 24, 22: „Es soll ein und dasselbe Recht unter euch sein für den Fremdling wie für den Einheimischen; ich bin der HERR, euer Gott.“) Sie reißt
einen Spruch aus dem Zusammenhang, wonach Gotteslästerung nicht nur für für den Einheimischen, sondern auch für den Fremden mit der Steinigung endet. Ein Ägypter befindet sich im Streit mit einem Einheimischen, flucht dabei und lästert Gott und auch als Fremdling wird er dafür mit der Steinigung bestraft. Will die Pfarrerin tatsächlich diese Gleichbe-rechtigung, die ja beispielsweise in Pakistan bei Gotteslästerung praktiziert wird, noch heute für Deutschland als vorbildlich hinstellen?
Kennt die Pfarrerin die vielen Todesurteile in der Thora, auch die Rechtfertigung von Genoziden? Nach welchem System wählt sie aus? Ich will nicht die Thora schlecht machen; ich kritisiere Theologen, welche wie einen Steinbruch die Hebräische National-bibliothek missbrauchen. Ich erlebe das wie Scharlatanerie antiker Opferschauer, die für ihre jeweiligen Zwecke Fleisch- stücke auswählten und hierhin oder dorthin drehten, wie sie es jeweils brauchen konnten.
Nachfolgend ahme ich mal den häufigen Bibelmissbrauch vieler Theologen nach und verfremde ihr Bibel-Narrativ. Als der erfundene Flüchtlingsgrund (der fiktive Kindermörder Herodes war gestorben) hinfällig geworden war, zogen Maria und Josef freiwillig, also ohne Abschiebung, wieder ins heilige Land. Sonst hätte es später keine Christen gegeben! !! Auch
in der Flüchtlingsfrage am Ende der Ge-
schichte das heilige Paar doch vorbild- lich für heute!
Die Söhne Jakobs waren als Wirtschafts-flüchtlinge nach Ägypten gekommen, aber sie kehrten anschließend nicht zurück und wurden auch nicht abgeschoben. Das hatte ganz schreck-liche Folgen. Josef hatte die Ägypter zu landlosen Leibeigenen gemacht. Warum sollte es den fremden Hebräern dann viel besser ergehen als den Ägyptern? Wären die Kinder Israel nach Ende der Hungersnot zurückgegangen, wären später den unschuldigen Ägyptern die grässlichen zehn oder elf Plagen erspart geblieben. In einer Art Katz-Maus-Spiel wollte Gott Zeichen seiner unendlichen Macht zeigen und verstockte deshalb immer wieder den Pharao. Wären die Kinder Israel nach Ende der Hungersnot sofort zurückgegangen, wäre auch den verschiedensten Völkern Kanaans der Genozid, den Gott zugunsten seines Volkes vorgesehen hatte (am Ende von „Höre Israel“ wird man dran erinnert) erspart geblieben.
Was will ich sagen? Man kann nicht nach dem Prinzip der Rosinenpackerei sich hier etwas als gottgewollte Thora (Weisung) rauspicken und zurechtdre-hen, aber anderswo verdrängen, hier ein Narrativ von Heilsgeschichte zugrunde legen und andere Narrative ausschlie- ßen. Eine richtige Alternative wäre, dass man begründet. Die Bibel ist schließlich kein Selbstbedienungsladen, wo man mal im Käseregal zugreift und eine Woche später an der Wursttheke und
dann wieder gleichsam zum Vegetarier
wird. Zu oft hörte man wieder vor
etwa zwanzig Jahren von Kanzeln herab Predigten nach dem Bibelspruch „Pflugscharen zu Schwertern“ (Joel 4,10). Mir ist diese Bibelzitatenschock-behandlung zuwider. [Krieg mag mal ein notwendiges Übel sein – aber bitte keine isolierten, missbräuchlichen Bibelzitate wie jetzt wieder bei der Pfarrerin. ]
Bei der Flüchtlingsproblematik brauchen wir HERZ + HIRN, nicht Manipulation durch einseitige Bibelsprücheklopferei. Und ein klein wenig sollten wir auch an Folgendes denken: In vielen Einzelfällen
entziehen wir gerade junge gesunde Menschen den Entwicklungsländern bei der Aufbauarbeit und betrügen andere Länder oft um die dort dringend benö-tigten Ärzte, Apotheker, Pflegekräfte, Techniker, usw. usf. Und viel zu viele werden erst angelockt, verlieren ihr Geld an Schleuser und es sterben viel, viel mehr beispielsweise in der Sahara usw. als im Mittelmeer.
Kampf gegen Flüchtlingsursachen und Flüchtlingselend war immer nötig und bleibt es, aber bitte ehrlich. Franziska Giffey berichtete als Bürgermeisterin von Neukölln Ende 2015 mehrfach bei politischen Talkshows: Sie war alle zwei Wochen in die Flüchtlingshallen gegangen, und nach vierzehn Tagen traf sie immer wieder von den bisherigen fast niemanden mehr an. Damals berichtete sie, dass den Flüchtlingen in der Heimat ein Haus, Auto und Arbeit in Deutschland versprochen worden sei und dass sie dann in ihrer Erwartung enttäuscht nach Skandinavien weitergezogen waren. (Von dort kam die Welle dann später zurück, als dort die Hilfen zurückgefahren wurden.) Diese damalige Information hörte man später von der Bundesministerin Giffey nicht mehr und erst recht nicht mehr von der jetzigen SPD-Spitzenkandidatin im Wahlkampf 2021: Solche unbequemen Informationen, die NICHT ALLES, ABER MANCHES erklären, passen nicht in die politische Landschaft. Doch ehrliche offene Diskussion über die herzzer-reißenden Fluchtprobleme sollte man nicht mit isolierten Bibelsprüchen platt machen – wir brauchen beides: HERZ + HIRN. Vor gar nicht so langer Zeit waren in der Talkshow LANZ der junge SPD-Bürgermeister von Neukölln Martin Hikel und in einer anderen Sitzung der NRW-Innenminister Herbert Reul dasselbe gefragt worden: Warum machen Sie erst jetzt etwas gegen die Clan-Kriminalität? Beide Male kam exakt dieselbe Antwort: Die Gesellschaft war noch nicht so weit. Hier haben auch Kirchenleute eine schwere Schuld auf sich geladen, dass man ständig das Flüchtlingsproblem tabuisierte (viele Libanon-Flüchtlinge sogar mit falscher Identität eingereist
und nicht aus dem Libanon, seit gut 40 Jahren im Land) und dass man Politiker nicht generell, egal ob Deutscher, Ausländer oder Flüchtling, an ihre Verantwortung für das Sicherheitsthema erinnert hatte.
[ Damit man mich nicht gleich in eine falsche Schublade steckt. Ich bedauere es, dass der Entwicklungsminister Gerd Müller nicht weiter macht. In den 80er Jahren wurde ich verteufelt, weil ich mich für Öffnung der europäischen Märkte für Waren aus Entwicklungsländer einsetzte. Natürlich, das Teilen von Märkten (wie auch Land) wäre für viele schmerzhaft gewesen – Teilen ist meist schmerzhaft, aber nötig – aber bitte mit HERZ + HIRN. ]
2. Beten und protestieren Helmut-wk Leider ist die erwähnten südkoreanische Schulklasse "pandemiebedingt" letztes Jahr ausgeblieben und wird wohl auch dieses Jahr nicht kommen. Hoffentlich wieder 2022 ...
3. Beten und protestieren Wolfgang Banse Beten und protestieren stehen nicht im Widerspruch zu einander.

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