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Enorme Vielfalt geht verloren

Deutschlands größter evange­lischer Friedhof, der Südwestkirchhof in Stahnsdorf bei Berlin, kämpft seit geraumer Zeit mit den Auswirkungen des Klimawandels

Grabfeld auf dem Stahnsdorfer Friedhof. Foto: A. Savin, CC BY-SA 3.0/via Wikimedia

Deutschlands größter evange­lischer Friedhof, der Südwestkirchhof in Stahnsdorf bei Berlin, kämpft seit geraumer Zeit mit den Auswirkungen des Klimawandels. Inzwischen seien auf dem mehr als 100 Jahre alten Brandenburger Landschaftsdenkmal zahllose Gehölze den Klimaveränderungen zum Opfer gefallen. Wo einst alte Bäume wuchsen, seien zum Teil bereits Lichtungen entstanden, erzählt Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt im Interview mit Yvonne Jennerjahn vom Evangelischen Pressedienst (epd).

Herr Ihlefeldt, die Auswirkungen des Klimawandels machen auch dem Südwestkirchhof seit einiger Zeit zu schaffen. Wie sind Sie durch das vergangene Jahr gekommen?

Die massiven Trockenperioden in den zurückliegenden zehn Jahren haben erkennbare Spuren hinterlassen. Der Grundwasserspiegel sinkt, fehlender Regen und Hitze schwächen Altbäume und Schädlingsbefall lässt die Bäume sterben. In der Folge sind wir als Friedhofsverwaltung gefordert, für die Sicherheit auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf zu sorgen. Das hieß und heißt, wir müssen die Bäume fällen und aufarbeiten, um den Grabbesuchern und zahl­reichen anderen Besucherinnen einen gefahrlosen Friedhofsbesuch zu ermöglichen. Die wenigen Friedhofsarbeiter können konservative Wald- und Landschaftspflege nicht mehr betreiben, daher mussten auch gigantische Forstmaschinen zum Einsatz kommen, was der Landschaftserscheinung abträglich ist.

Welche bedeutenden Verluste haben Sie in den vergangenen Jahren bereits hinnehmen müssen?

Das prägende Grün auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bilden tausende Rhododendronbüsche. Sie schmücken alljährlich den Garten der Toten mit haushoch blühenden Sträuchern. Hunderte bis zu 100 Jahre alte Rhododendren sind bis zum Erdboden vertrocknet und müssten radikal beschnitten werden. Da sie nicht abgestorben sind, können sie zwar neu austreiben, die nächsten Besuchergenerationen werden die alte Pracht jedoch nicht mehr genießen können. Ebenfalls aus der Entstehungszeit vor 113 Jahren stammende Buchen und Fichten sind zu Hunderten wegen ihrer flachen Wurzeln der Trockenheit erlegen. Schädlinge und Pilzbefall vernichten darüber hinaus die heimischen und sehr robusten Kiefern, die teilweise über 200 Jahre alt sind.

Wie wirkt sich das auf das Landschaftsdenkmal aus?

Der alte und durch die Verwilderung natürlich herangewachsene Baumbestand ist eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale des Gartendenkmals Südwestkirchhof Stahnsdorf. Es sind durch die forstlich notwendigen Eingriffe Lichtungen entstanden, wo der Gartenarchitekt Louis Meyer nie welche geplant hatte. Durch verschwundene Rhododendronbüsche fehlt großflächig die natürliche Geborgenheit des Waldfriedhofs, auch wird die enorme Vielfalt der Vegetation geringer.

Gibt es inzwischen konkrete Ideen, wie den Folgen des Klimawandels begegnet werden könnte, zum Beispiel durch neue Baumsorten?

Wir stehen jetzt vor der Herausforderung, bei Nach- und Neupflanzungen dem Gartendenkmal gerecht zu bleiben. Daher wählen wir nicht nur sehr gezielt Baumarten aus, sondern auch die Standorte. Grundsätzlich entscheiden wir uns heute für Laubbäume wie Buchen, Linden, Ulmen, Eichen und fördern die Naturverjüngung des Ahornbaumes, der den klimatischen Bedingungen derzeit am besten trotzt.

Beeinträchtigt der Klimawandel auch Grabbauten und Denkmäler?

Die kunsthistorisch äußerst wertvollen Grabbauten und Denkmäler sind durch den Klimawandel nicht in Gefahr. Große Schäden können jedoch entstehen, wenn durch die vermehrt auftretenden Wetterun­bilden herabfallende Äste oder umstürzende Bäume unkontrolliert auf Grabbauten und Denkmäler fallen.

Wie viel Geld bräuchten Sie, um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern?

Einen Masterplan für die nachhaltige Landschaftsgestaltung unter den Bedingungen des Klimawandels konnten wir noch nicht erarbeiten. Aufgrund der defizitären Situation des Südwestkirchhofs Stahnsdorf kann die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz als Eigentümerin keine regel­mäßigen finanziellen Mittel für landschaftsgestalterische Maßnahmen zur Verfügung stellen. Daher improvisieren die Friedhofsmit­arbeiter mit Umpflanzungen von natürlich gewachsenen Gehölzen auf dem mehr als 200 Hektar großen Friedhofsgelände. Ein Maßnahmenplan für eine nachhaltige Landschaftserhaltung und -erneuerung wird in Kooperation mit der Gartendenkmalpflege sowie Institutionen wie der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und anderen Betroffenen erarbeitet werden müssen.

Der Stahnsdorfer Südwestkirchhof liegt am südlichen Berliner Stadtrand zwischen Potsdam und Teltow. Die 1909 für mehrere Berliner Kirchengemeinden eröffnete und als Landschaftsdenkmal geschützte Begräbnisstätte ist mehr als 200 Hektar groß und nach dem kommunalen Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf der zweitgrößte Friedhof in Deutschland. In Stahnsdorf sind auch zahlreiche Prominente bestattet. 

Der Friedhof gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Wir sind Pfarrerinnen Wolfgang Banse Was lange jährt, wird endlich gut, hier die Ordination von Frauen als Pfarrerinnen in der Evangelischen Kirche in Polen.Gleichberechtigung im Berufsleben von Mann und Frau ist im Pfarralltag erleb-erfahrbar.In der lettischen Evangelischen Kirche, in der Selbstständig Evangelisch lutherischen Kirche (SELK9 in der Römisch katholischen Kirche gibt es keine Ordination von Frauen als Pfarrerinnen/Pastorinnen, sowie keine Weihe zur Priesterin.Deer Pfarrberuf ist nicht angelegt auf das männliche Geschlecht.Pastoren, Priestermangel ist in Deutschland vorhanden. Diesen kann abgeholfen werden, wenn Frauen zum Pfarrerinnen/Pastorenamt, Priesterinnenamt zugelassen werde würden.Nicht die Kirchenleitungen sollten darüber befinden , sondern die Basis, das Kirchenvolk:Wir sind Kirche und verkörpern diese nach innen , wie auch nach außen.
2. Wir sind Pfarrerinnen Kowitz, Wolfram hatte erwartet, dass der konservative poln. Präsident dazwischen funkt.
Übrigens hat die "PK" (Potsdamer Kirche) auch ein neues Wort kreiert "Diakonin". Darf ich weiter "Diakonisse" sagen ? So wie der weibliche Hornist eben eine Hornisse ist! Bei einer Leserumfrage würden sich 80 % gegen das Gendern aussprechen!
3. Vermittler und Brückenbauer Wolfgang Banse Mit 93 Jahren verstarb er ehemalige Bischof Dr. Martin Kruse.Viele leitende Stationen in den Kirchen nahm er wahr, übte sie aus, sei es als Leiter des Predigerseminars in Loccum(Zu früheren Zeiten gab es die Runde, wer im Predigerseminar Loccum sein Vikariat absolviert, wird mindestens Superintendent) Der Sprengel Stade verlor mit seiner Wahl als Bischof einen sehr engagierten Landessuperindenten.Als Bischof, EKD Ratsvorsitzender bezog er zu vielen Themen, eine eindeutige, klare Position.Während seiner Tätigkeit als Bischof und EKD Ratsvorsitzender fiel die innerdeut-
sche gezogene Mauer.Gerne erinnere ich mich an Begegnungen in der S-Bahn, mit dem emeritierten Bischof Dr. Martin Kruse, als Ruheständler. Der verstorbene Bischof Dr. Martin Kruse hat sich um die Kirche, hier Evangelisch-lutherische Kirche Hannover, sowie in Berlin verdient gemacht. Vergelt Gott hierfür.

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