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Flüchtlingscamp Moria: Jeder Tag ohne Corona Glücksfall

02.04.2020

Weitere Maßnahme nötig vor drohender Katastrophe

Von Elisa Makowski (epd)

Angesichts der Gefahr eines Corona-Ausbruchs im Flüchtlingscamp Moria auf der Insel Lesbos fordern Flüchtlingsinitiativen die EU und Deutschland auf, neben Kindern auch Alte und Kranke aus dem Lager zu holen. "Es muss eine konzertierte Aktion von Europa geben, um erst einmal die herauszuholen, die zum Tode verurteilt sind durch das Coronavirus, nämlich Ältere und kranke Menschen", sagte der Entwicklungshelfer und Nahost-Experte Thomas von der Osten-Sacken dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf der griechischen Insel Lesbos. Das vollkommen überfüllte Camp Moria sei für 3.000 Menschen ausgerichtet, aktuell lebten dort aber circa 23.000 Menschen "unter unsäglichen Bedingungen".

Jeder Tag ohne Corona in Moria sei ein Glücksfall. "Doch irgendwann wird es passieren und dann ist die Katastrophe da. Wenn Alte und Kranke sterben, ist das die Verantwortung Europas", sagte Osten-Sacken, der Geschäftsführer des Frankfurter Vereins Wadi ist. Wadi unterstützt seit Oktober 2017 die lokale Bildungsinitiative "Stand by me Levsos" im Camp Moria. Seit Wochen lägen diese Forderungen der Flüchtlingsorganisationen auf Lesbos der EU vor. Die Bundesregierung und andere EU-Staaten hatten sich zuletzt bereiterklärt, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und kranke Kinder mit ihren Familien aus den überfüllten Camps in Griechenland zu holen.

Um die Menschen in Moria über Corona aufzuklären, habe "Stand by me Levsos" zusammen mit der selbst organisierten Flüchtlingsgruppe "Moria Corona Awareness Team" erst einmal selbst geschriebene Plakate gemalt, sagte Osten-Sacken. "Niemand wusste im Camp, was das Virus ist." In der Zwischenzeit seien die Informationen in verschiedene Sprachen übersetzt und Plakate gedruckt worden. Seit ein paar Tagen gebe es zudem improvisierte Handwasch-Stationen in Form von Tanklastern, die man normalerweise zur Bewässerung von Olivenhainen benutzt. "Wir haben Wasserhähne reingeschraubt, die Tanks auf Ständer gestellt und sie überall an die Eingänge des Camps platziert - so dass sich die Menschen wenigstens die Hände waschen können." Zudem hätten die Flüchtlingsinitiativen Megafone gekauft. "Jetzt laufen Teams durch das Lager, um einfachste Erklärungen durchzugeben."

Noch sei Corona nicht im Camp Moria ausgebrochen, es gebe jedoch bereits fünf Fälle und nur sechs Intensivbetten auf der ganzen Insel. "Das heißt, das Gesundheitssystem ist kurz vorm Kollaps - schon jetzt." Das Wichtigste sei gerade, dass Flüchtlinge wissen: "Am besten im Camp bleiben, möglichst wenig Sozialkontakt und wenn man von außen das Lager betritt: Hände waschen!" Seit dem 1. März würden deshalb auch keine neuen Flüchtlinge mehr aus der Türkei ins Camp gelassen.

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1. Er kommt, sieht und hört zu Wolfgang Banse Eine Einarbeitungsszeit wird jede/jeden Neue/ Neuen wird zu gestanden.Kommen, sehen. zu hören ist aber auf Dauer nicht angebracht. Pragmatismus ist gefragt. Suchet der Kirche und deren Glieder Bestes.
2. was meinen Sie damit? Dr. Gertrud Gumlich ich gebe Uli Frey vollkommen recht. Nur:
wie (wieder-)belebt man eine Friedensbewegung?
3. Obdachlose Wolfgang Banse Menschen ohne Obdach haben es schwer, jetzt besonders wo die Corona Pandemie ausgebrochen ist. Menschen ohne Obdach bedürfen der Hilfe, nicht nur während der kalten Jahreszeit.Leistungen die von den Kirchen erbracht werden im Bezug Versorgung von Obdachlosen sind überwiegend Fremdfinanzierungen, auch was die Lebensmittel betrifft, hier die Tafel. Aus eigenen Mitteln, hier Etat wird kaum etwas finanziert.

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