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Garnisonkirche Potsdam: Kritiker starten virtuellen Lernort

26.06.2020

Einem Internetportal soll zur Auseinandersetzung über den historischen Ort einladen

Potsdam/Berlin/epd Kritiker des Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche haben einen Internet-Lernort über die Geschichte des Bauwerks und die Debatten darüber gestartet. Ziel sei zu vermitteln, was die Garnisonkirche für die deutsche Geschichte und den "Weg ins nationalsozialistische Unheil" bedeutet habe, sagte der Sozialwissenschaftler Micha Brumlik bei der Vorstellung des Internetportals am Freitag in Berlin. Die preußische Militärkirche wurde 1735 fertiggestellt, 1945 weitgehend zerstört und 1968 abgerissen. Seit 2017 wird ein neuer Kirchturm gebaut.

Die Garnisonkirche, die 1933 von den Nazis zur Inszenierung der Reichstagseröffnung genutzt wurde, stehe für die Verbreitung antidemokratischer Inhalte unter dem Deckmantel des christlichen Glaubens, sagte Brumlik. Die Auseinandersetzung damit sei angesichts der Ausbreitung rechten und populistischen Gedankenguts auch heute wichtig.

Trägerin des virtuellen Lernorts ist die Martin-Niemöller-Stiftung. Eine "Art Drehbuch" für das Konzept der Internetplattform sei die 2017 veröffentlichte Promotion von Matthias Grünzing "Für Deutschtum und Vaterland. Die Garnisonkirche im 20. Jahrhundert", sagte Brumlik. Zum Start seien dort mehr als 30 Beiträge von rund 20 Autoren abrufbar, sagte der Architekturprofessor Philipp Oswalt. In den kommenden Monaten seien stetige Erweiterungen geplant. Unmittelbar am historischen Standort solle zudem eine kritische Ausstellung entstehen.

Das Projekt sei auch "ein Affront an die Stiftung Garnisonkirche", sagte Gerd Bauz vom Vorstand der Niemöller-Stiftung. Die Garnisonkirchenstiftung habe bisher keinen akzeptablen Lernort geschaffen. Dies sei zwar angekündigt, aber nicht umgesetzt worden, hieß es. Ganz im Gegenteil würden Befürworter des Vorhabens bis heute ein geschöntes und teils verfälschtes Bild von der Geschichte des Ortes zeichnen. Dem solle nun mit der neuen Internetseite entgegengetreten werden.

"Dafür müssen die Fakten auf den Tisch", sagte Oswalt: "Es sind viele Texte, es sind lange Texte, es sind anspruchsvolle Texte." Die Garnisonkirchenstiftung informiert auf ihrer eigenen Internetseite ebenfalls mit verschiedenen Texten und Dokumenten sowie einer Online-Ausstellung über das Bauprojekt und die historische Kirche.

Die Garnisonkirche sei mehr als 200 Jahre lang ein wichtiger Symbolbau gewesen, heißt es auf der neuen Internetseite der Kritiker: "In der ambivalenten Geschichte Preußens repräsentiert sie dessen problematische Seite." Das Bauwerk stehe nicht für Aufklärung, Emanzipation, Liberalität und Rechtsstaatlichkeit, sondern für Gehorsam, Militär und Staatskirche. "Sie steht nicht für den demokratischen Freistaat Preußen der Weimarer Epoche, sondern für die antidemokratischen Kräfte des Deutschen Reichs", heißt es dort weiter.

Dem wissenschaftlichen Beirat für den virtuellen Lernort gehören neben Brumlik neun weitere Experten an, darunter die Historiker Manfred Gailus, Annette Leo und Geoff Eley, die Kunsthistorikerin Gabi Dolff-Bonekämper und der evangelische Theologe Andreas Pangritz. Unter den Wissenschaftlern seien mehrere ausgewiesene Experten der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, sagte Brumlik. Als Vorsitzende des Beirats seien Brumlik und Leo gewählt worden.

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. das muss aufhören Horst H. Krüger Danke für den Artikel, ich werde ihn weiter verbreiten. endlich auch keine Judenmission.
2. Das muss aufhören! - Vereinnahmung des Judentums Dirk Stratmann Auf der Titelseite von „die Kirche“ (20.10.2019) hatte Professor Markschies in dem Leitartikel behauptet, „ dass das Judentum gar nichts Fremdes hat. „
Ich schrieb an die Krchenzeitung:
„Wenn Professor Markschies etwas Gutes für Juden erreichen will, muss er intellek-tuell sauber vorgehen, sonst spielt er nur antisemitischen Gegnern in die Karten." Darum schrieb ich einen Leserbrief :
>> Wer zurecht wie Christoph Markschies Solidarität mit Juden fordert, sollte dabei ein Problem nicht zudecken: Das Alte Testament ist zunächst mal gleichsam eine hebräische Nationalbibliothek, die man nicht leichtfertig und willkürlich
v e r e i n n a h m e n darf. Natürlich kann man das Neue Testament nicht ohne die hebräische Bibel verstehen. Darum gehören beide für Christen zusammen. Andererseits gibt es auch gravierende Bruchlinien – " ( es folgten Beispiele).
Der Leserbrief wurde nicht gebracht.
In demselben Leitartikel nach dem üblen Anschlag in Halle hatte Professor Markschies auch geschrieben : Ich „ bin der Ansicht, dass wir unsere Anstrengun-gen gegen den Antisemitismus deutlich verstärken müssen. „ Spontan erinnerte mich diese einfallslose Reaktion an Margot Honecker: Was, diese Klasse ist immer noch so schlecht in Russisch? Sie bekommt ab nächster Woche zwei Zusatzstunden nachmittags.
Alle diejenigen, die gegen Antisemitis-mus arbeiten (wollen), sollten auch einmal innehalten und abwägen, was möglicherweise auch sie selber falsch gemacht haben. Ein unüberlegtes „Weiter so wie bisher und nur die Dosis erhöhen!“ ist leider oft sogar kontrapro-duktiv. Dirk Stratmann, Berlin
3. Bewußter Verzicht Wolfgang Banse Heilig Abend 2020 kein Gottesdienst am Weberpark, Oberlin Kirche...in Babelsberg, Potsdam., vor Ort.Das ist, war sehr gewöhnungsbedürftig.Predigten aus einen Karton nehmen wie am Weberpark, beziehungsweise vor dem Pfarrhaus, nicht gerade kundenorientiert.Nicht jede und nicht jeder ist im Besitz eines PC,Notebook um über Lifestream einejn Gottesdienst mit zu feiern.Was tun eigentlich die Geistlichen, Hauptamtliche vor Ort in den kirchengemein-
den während der Corona Pandemie.Eine Gehaltsreduzierung während der Pandemie wäre angemessen, von mindestens 30% bei geistlichen, um 15% bei anderen Hauptamtlichen.

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