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Gesellschaftliche Kraft entfalten

Die EKBO-Synodale und Akademiedirektorin Friederike Krippner ist Mitglied der EKD-Synode. Diese tagt ab Sonntag in Bremen Sibylle Sterzik fragte sie, was sie von der Tagung und dem neuen Ratsvorsitz erwartet.

Friederike Krippner ist in der Landessynode der EKBO Vorsitzende des Ausschusses „Ökumene, ­Mission und Dialog“. Für die EKBO gehört sie der Synode der EKD an und ist dort ­stellvertretende Vorsitzende des Zukunftsausschusses. Die promovierte Germanistin leitet die Evangelische Akademie zu Berlin. Foto: Karin Baumann/EAB

Frau Krippner, die Kirche befindet sich im Umbruch, stellt sich für die Zukunft auf. Wo sehen Sie ­derzeit die größten Herausforderungen, die die EKD in Angriff ­nehmen muss?

Kirche existiert nie für sich. Das gilt auch für die EKD als Zusammenschluss aller evangelischen Landeskirchen: Kirche sein heißt, Kirche für Menschen zu sein. Wir haben eine Botschaft und wir haben Aufgaben in der Gesellschaft, in der Welt. Dies nicht zu vergessen über allen Sparplänen, Verwaltungsrestrukturierungen und sinkenden Mitgliedszahlen, scheint mir manchmal die größte Herausforderung. 

Der am meisten mit Spannung verfolgte Tagesordnungspunkt wird wohl die Wahl der oder des Ratsvorsitzenden sein. Welche Eigenschaften sollte Ihrer Meinung nach die Person mitbringen, um die ­anstehenden Zukunftsprozesse gut voranzubringen? 

Eines ist klar: Das Amt der oder des Ratsvorsitzenden ist kein leichtes. Was ich mir wünsche: eine Person, die begeistert und sich begeistern lässt; einen Menschen mit einer Vision für unsere Kirche und für die EKD; jemanden mit einem klaren theologischen und gesellschafts­politischen Profil; eine gleichzeitig intellektuelle wie den Menschen zugewandte Person; eine diplomatische Person mit integrativer Kraft, die zugleich Konflikte aushält. Ich gebe mich aber auch mit ein bisschen weniger zufrieden. Bloß eines darf in dem Amt wirklich nicht ­fehlen: eine gehörige Portion Optimismus!

Und ist es Zeit für eine Frau?

Während wir dieses Interview führen, nehme ich an einer internationalen Konferenz teil und stelle wieder einmal als eine der wenigen Frauen im Raum fest, dass die ­globale Christenheit und auch der Protestantismus in ihrem Führungspersonal ausgesprochen männlich dominiert ist. Das Traurige ist, dass ich mich für diese Feststellung nicht in internationale Gefilde begeben muss, sondern dass ein Blick in die Runde deutscher evangelischer ­Akademiedirektoren oder in die der Superintendenten in der EKBO reicht. Insofern ist meine Antwort ein ­klares und lautes: Ja!

Erwarten Sie einen neuen ­Tagungsstil durch die Sitzungs­leitung der 25-jährigen ­Präses Anna-Nicole Heinrich?

Natürlich erwarte ich einen neuen Tagungsstil, aber nicht, weil Anna-Nicole Heinrich 25 ist, sondern weil sie eine andere Person als Irmgard Schwaetzer ist und daher anders leiten wird. Ich bin gespannt und freue mich darauf! 

Neue Finanzstrategie, Haushalt, Einsparungen von 17 Millionen, wie weiter mit dem Betroffenenrat beim Thema sexualisierte Gewalt in der Kirche, der Bericht des ­­Friedensbeauftragten – wichtige Themen stehen auf der Tages­ordnung. Welche Fragen, die sich daraus ergeben, nehmen Sie mit im ­Gepäck? 

Sie haben die zwei Themen, die mich am meisten beschäftigen, schon benannt. Wie gehen wir weiter um mit dem Thema sexualisierter Gewalt in der Kirche? Welche konkreten Pläne gibt es? Wir müssen uns diesem Thema mit aller Macht stellen – und das noch deutlicher, als bisher ­geschehen. Wir müssen verbindliche Standards im Umgang mit Betroffenen entwickeln; diese müssen überprüft werden können. Wir müssen an der Prävention arbeiten. Und all dies wird nicht ohne die konsequente Einbeziehung von Betroffenen gehen.

Und dann die Frage, wie es mit dem Thema Frieden in unserer ­Kirche weitergeht. Niemand wird bestreiten, dass Frieden eine der zentralen christlichen Botschaften ist. Aber was heißt das konkret in unserer Welt? Wie ist Friedensarbeit zu denken angesichts der Geschehnisse in Afghanistan, angesichts von Flüchtlingsbewegungen mit ihren vielschichtigen Gründen, angesichts des Zusammenhangs von Konflikten und Klimawandel – um nur wenige Aspekte zu nennen. Wo verorten wir uns als Kirche, in welchen Kontexten sind wir sprachfähig, wie können wir unseren Teil für eine friedlichere Welt leisten? Diese Fragen stellen sich für mich auch vor dem Hintergrund, dass die Friedensarbeit in der Kirche junge Menschen nach meinem Eindruck derzeit eher nicht hinter dem Ofen hervorlockt. Große Fragen also, denen sich die Synode hoffentlich stellt.

Und dann bin ich Co-Leiterin des Zukunftssauschusses der Synode, in dem wir uns unter anderem mit einem, wie ich finde, sehr spannenden Thema beschäftigen: Papiere schreiben ist das eine. Handlungen daraus folgen zu lassen, ist aber etwas anderes. Wie können wir eine „Kultur der Umsetzung“ in unserer Kirche etablieren? 

Bringen Sie ein Thema aus der EKBO oder der Arbeit der Akademie mit, das Sie einbringen möchten?

Als Akademiedirektorin bin ich schon qua Amt neugierig auf alle ­zivilgesellschaftlichen Themen. ­Außerdem versuche ich als jemand, der zumindest beruflich erst ganz kurz in unserer Kirche tätig ist, stets meinen ungebremsten Optimismus einzubringen: Ich sehe uns als Kirche in einer sich stetig wandelnden, auch immer säkularer werdenden Gesellschaft, die gerade daraus aber große gesellschaftliche Wirkkraft entfalten kann. Packen wir’s also an!

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1. Beiträge Herr Banse Redaktion
2. Synodenberichterstattung Wolfgang Banse Zu:Bischofsvisitation 2O22:Seelsorge-Seelsorge in Zeiten der Pandemie , läßt zu wünschen.Der Realität ins Auge sehen, hier Potsdam.
Absitzen, aus sitzen.Seelsorge sieht anders aus, als sie erleb, erfahrbar ist.Selbstbeweihräucherung der Pastorinnen und Pastoren.Nur seine eigenen Veranstaltungen, Gottesdienste, Andachten wahr nehmen, nicht der Kolleginnen, Kollegen.Wie kommt es dass eine Person, die 8 Jahre in dem Stadtteil wohnt,keinen Gemeindebrief in den Briefkasten vorfindet.Sprechzeiten nach Absprache.
Zu:Kirche ohne Rassismus:Die Kirche will eine Kirche ohne Rassismus werden-warum ist sie es nicht schon.Apartheit ist erleb, erfahrbar hier was gehandikapte Menschen als Glieder der Kirche betrifft. Inklusion hoch gelobt, nur nicht gelebt,erleb, erfahrbar.
Zu:Gemeindestrukturgesetz:Glieder der Kirche werden wie Freiwild, Laib-eigen behandelt, entmündigt, an Fäden gezogen , wie eine Marionette.Den Gliedern von kleinen Gemeinden wird geraten, den Gerichtsweg zu gehen, aus der Kirche austreten, da diese keine Basisdemokratie lebt. Den Personen Stäblein, Bammel,Konsistorialpräsident, sollten die Kirchenaustritte übersandt werden. Einladungen von den Kirchengemeinden zurück genommen werden, hier Festgottesdienste...
3. Veränderungen Gert Flessing Lange Jahre war ich Pfarrer in Brandenburg. Schon damals, in den beginnenden achtziger Jahren, wurde deutlich, dass es zu Veränderungen kommen muss. Zunächst waren es eher Vakanzen, die nachdenklich werden ließen. Später kamen die ersten Schließungen von Pfarrstellen. Da war ich bereits in Sachsen. Auch dort erlebte ich die Veränderungen. So fügten wir aus drei Gemeinden eine zusammen. Das war 1997. Jetzt bin ich im Ruhestand und erlebe, wie die Gemeinden unter der neuen Strukturreform ächzen. Ich vermisse dabei vor allem eine theologische und seelsorgerliche Begleitung.
Ich kann die Christen der Prignitz gut verstehen. Aber Kirchgemeinden mit 300 Mitgliedern gibt es hier seit den neunziger Jahren nicht mehr. Sicher ist es am Besten, wenn es zu freiwilligen Zusammenschlüssen kommt. Aber ich kenne das Spiel gut genug, dass ich weiß: "Das ist mehr als selten." Weil jede Gemeinde Angst hat, zu kurz zu kommen. Leider.
Gert Flessing

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