Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Gottesdienstverbot verfassungsrechtlich in Ordnung

18.03.2020

Im Gespräch mit Kirchenrechtler Hans Michael Heinig

Berlin (epd). Der Kirchenrechtler Hans Michael Heinig hält das am Montag von Bund und Ländern empfohlene Verbot von Gottesdiensten für verfassungsrechtlich in Ordnung. "Die Maßnahmen sind verhältnismäßig", sagte der Göttinger Professor für Verfassungsrecht dem Evangelischen Pressedienst (epd). Brisant sei aber die Frage, ob Bestattungen durchgeführt werden können, ergänzte er.

Heinig erläuterte, bereits im Parlamentarischen Rat sei diskutiert worden, unter welchen Bedingungen die Religionsfreiheit eingeschränkt werden könne. "Explizit wurde das Seuchenschutzgesetz als notwendige Schranke der Religionsfreiheit genannt", sagte er. Die jetzige Regelung sei daher nicht zu beanstanden, zumal sie temporär sei. "Das Recht auf Leben nach Artikel 2, Absatz 2 Grundgesetz ist ein höchstrangiges Verfassungsgut, das auch Eingriffe in die Religionsfreiheit zu rechtfertigen vermag", sagte Heinig.

Es stehe den Religionsgemeinschaften frei, weiter öffentlich zu wirken, erläuterte Heinig, der auch Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Beide Kirchen würden ihr Online-Angebot massiv ausweiten, auch Rundfunkgottesdienste fänden weiter statt, sagte Heinig. "Wer Halt im Leben und Trost im Sterben sucht, kann ihn im Glauben finden - gerade in Ausnahmezeiten wie diesen", betonte er.

Denkbar sei auch, dass Kirchen für ein individuelles Angebot geöffnet bleiben, wenn hygienische Vorkehrungen getroffen werden. "Dann muss aber sichergestellt sein, dass sich immer nur wenige Personen mit genügend Abstand im Kirchraum aufhalten. Das wird in der Praxis organisatorisch kaum zu stemmen sein", räumte Heinig ein.

Bestattungen müssen aber nach Heinigs Einschätzung weiter möglich sein. "Eine würdevolle Grablegung ist vom postmortalen Persönlichkeitsrecht geschützt", sagte er. Man könne Bestattungen im Rahmen der technischen Möglichkeiten eine Zeitlang aufschieben und sie auf den allerengsten Familienkreis begrenzen. "Aber es wäre nicht hinnehmbar, die leiblichen Überreste Verstorbener teilnahmslos verscharren lassen zu müssen", sagte er.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte am Montagabend in der ARD-Sendung "Hart aber fair" gesagt, dass größere Menschenansammlungen auch bei Bestattungen vermieden werden sollen. In seinem Heimatbundesland, dem Saarland, nähmen sehr viele Menschen bei Bestattungen Anteil. "Das wird in dieser Form jetzt nicht mehr möglich sein die nächste Zeit", sagte er. Es gebe aber sicher Möglichkeiten, das gemeinsame Gedenken nachzuholen.

Artikelkommentar

Artikelkommentar
captcha
Hinweis: Die von Ihnen ausgefüllten Formulardaten werden lediglich für die Zwecke des Formulars genutzt. Eine andere Verwendung oder Weitergabe an Dritte erfolgt nicht.

Artikelkommentare

(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Er kommt, sieht und hört zu Wolfgang Banse Eine Einarbeitungsszeit wird jede/jeden Neue/ Neuen wird zu gestanden.Kommen, sehen. zu hören ist aber auf Dauer nicht angebracht. Pragmatismus ist gefragt. Suchet der Kirche und deren Glieder Bestes.
2. was meinen Sie damit? Dr. Gertrud Gumlich ich gebe Uli Frey vollkommen recht. Nur:
wie (wieder-)belebt man eine Friedensbewegung?
3. Obdachlose Wolfgang Banse Menschen ohne Obdach haben es schwer, jetzt besonders wo die Corona Pandemie ausgebrochen ist. Menschen ohne Obdach bedürfen der Hilfe, nicht nur während der kalten Jahreszeit.Leistungen die von den Kirchen erbracht werden im Bezug Versorgung von Obdachlosen sind überwiegend Fremdfinanzierungen, auch was die Lebensmittel betrifft, hier die Tafel. Aus eigenen Mitteln, hier Etat wird kaum etwas finanziert.

Hier gelangen Sie zur Übersicht über alle Kommentare.