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Heilsames Grün

23.03.2020

Pflanzen beruhigen und helfen beim Stressabbau

Von Christine Süß-Demuth (epd)

Das ist Frühling, eigentlich: Die Vögel zwitschern, Blumen und Sträucher blühen, die Sonne scheint. Doch dieses Jahr ist alles anders: Wegen der Corona-Pandemie verbringen die Menschen ihre Zeit zu Hause. Viele sind unsicher, gestresst oder haben Angst.

Vielen wird erst in diesen Tagen schmerzlich bewusst, wie gut ein Ausflug in die Natur eigentlich tut. Um Stress abzubauen, sei ein Spaziergang, besonders im Wald, sehr effektiv, bestätigt die Karlsruher Naturpädagogin Daniela Schneider: "Grün wirkt beruhigend und heilend auf uns." Wenn man seine Aufmerksamkeit auf die sinnliche Wahrnehmung der Natur lenke, verlangsame sich der Herzschlag, der Blutdruck sinke, Körper und Geist entspannten.

Der österreichische Biologe und Sachbuchautor Clemens Arvay rät darum, die Möglichkeit zu Naturspaziergängen gerade in Corona-Zeiten zu erhalten: "Es wäre fatal, Menschen jetzt in urbanen Ballungsräumen festzusetzen."

"Gehen Sie nur dann an die Öffentlichkeit, wenn Sie unbedingt müssen. Es sei denn, Sie gehen alleine im Wald spazieren", appellierte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) Mitte vergangener Woche. Sport und Bewegung an der frischen Luft bleiben in Deutschland auch weiterhin erlaubt, aber nur mit Mitgliedern des eigenen Haushalts oder höchstens zu zweit.

Blumen und Pflanzen können Schmerzen lindern

Die heilsamen Wirkungen der Natur lassen sich aber auch gut zu Hause erleben – nicht nur beim Blick ins Grüne bei geöffnetem Fenster. Auch Zimmerpflanzen oder der bunte Frühlingsstrauß in der Vase hellen die Stimmung auf. Wer die eigene Wohnung nicht verlassen dürfe, könne das Zimmer, die Fensterbank oder den Balkon zum Gärtnern nutzen, etwa für die Anzucht von Kräutern, rät Birgit Steininger, Professorin an der Wiener Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). In ihrer Heimat Österreich gelten bereits seit einer Woche Ausgangsbeschränkungen, "Spaziergänge sind aber noch erlaubt".

Die therapeutischen Wirkungen von Pflanzen sind wissenschaftlich erforscht: Laut einer Studie mit Krankenhauspatienten könnten grüne Pflanzen und Blumen im Zimmer sogar Schmerzen lindern, sagt Gartentherapeutin Steininger. Drei Tage nach einer Blinddarmoperation hätten sie weniger Schmerzmittel gebraucht und einen niedrigeren Puls und Blutdruck gehabt als Patienten in Räumen ohne Pflanzen. Außerdem fühlten sie sich weniger müde und ängstlich. Eine weitere Krankenhausstudie habe positive Effekte selbst dann festgestellt, wenn der Blick nur aus dem Fenster ins Grüne fällt statt auf eine Wand.

Körper und Geist reagierten nicht nur positiv auf Blumen und Pflanzen, sondern auch auf Wasser und sichtbare Horizonte, sagt Steininger: "Erholsame Landschaften begünstigen die Wiederherstellung mentaler Ressourcen." Auch ein Garten reduziere nachweislich den Stress, schaffe eine positive Stimmung, Freude und Zufriedenheit.

Naturpädagogin Schneider empfiehlt außerdem den bewussten Umgang mit Küchenkräutern: Thymian, Salbei, Petersilie und Oregano verströmten nicht nur ein ganz eigenes Aroma, sondern würzten auch Speisen und stärkten damit das Immunsystem. Oder einfach Augen schließen, ein frisches Kräuterblättchen mit den Fingern fühlen, daran riechen, langsam und bewusst kauen.

Ihr persönlicher Tipp "für Menschen mit und ohne Ausgangssperre": Sie sollten die sogenannten "L-Vitamine" nicht vergessen, wie sie es nennt: "Lebensfreude, Lachen, liebevolle Gedanken und Gefühle".

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1. Theologie in Zeiten von Corona Andrea Richter Theologie in Zeiten von Corona
Auf meinem Schreibtisch liegt eine Postkarte, die ich vor zwei Jahren während eines wundervollen Urlaubes in der in Arles, in der Fondation Vincent van Gogh, gekauft habe: ein Totenschädel.
Memento Mori, bedenke, Mensch, dass du sterben musst!
Das macht mir keine Angst, und es hat für mich nichts, aber auch gar nichts mit einem strafenden Gott zu tun.
Das Bild erinnert mich an Adam, den ersten Menschen, dem Gott (nach Genesis 2, 7) den Odem des Lebens in seine Nase blies, so dass der Adam (Mensch) von der Adama (der Erde) zu einem lebendigen Wesen wurde.
Der Mensch, der Atem, das Leben – die Lebensantwort auf den Ruf: bebauen und bewahren!
Das Virus, der Kampf um das Atmen-Können und die Bedrohung durch den Tod.
Corona – ist auch ein memento mori!
Unsere christliche Tradition gründet darauf:
Jesu Leben – Jesu Sterben am Karfreitag – in Gott hinein – Auferstehehung– ewiges Leben – ewiger Lebensodem!
Die Chance: Aufatmen (hier & jetzt) wieder Atmen lernen, uns (vor allem auch als Kirche) nicht mehr verausgaben.
Ja, aufstehen gegen Tod und Lebensfeindlichkeit – aber zugleich auch Umkehren – uns wieder bewusstwerden, was vor allem die Abendlieder unseres Gesangbuches uns lehren:
„Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit“ (EG 481, 5 Text: Gerhard Tersteegen, 1745)
Wir dürfen als Kirche (wieder) lernen, Menschen in Angewiesenheit, Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu werden – und Gott in allem zu suchen und zu finden; wir dürfen lernen, uns nicht zu scheuen, von Gott zu reden, der alles in allen ist:
„Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten:
Die Welt ist Gottes so voll.
Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.
Wir aber sind oft blind.
Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen
Und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt,
an dem sie aus Gott herausströmen.
Das gilt für das Schöne und auch für das Elend.
In allem will Gott Begegnung feiern
Und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.
Die Kunst und der Auftrag ist nur dieser,
aus diesen Einsichten und Gnaden
dauerndes Bewusstsein und dauernde Haltung
zu machen und werden zu lassen.
Dann wird das Leben frei in der Freiheit
Die wir immer gesuchte haben.“

(am 17. November 1944 auf einen Kassiber von Alfred Delp mit gefesselten Händen geschrieben aus seiner Zelle im Gefängnis
2. Vor allem Umkehren und Lernen: aushalten und beistehen Michael Juschka Der Dialog ist anregend und ich danke den unsere Kirche Leitenden für ihre erfrischende Offenheit. Möglicherweise könnten auch ausgetauschte E-Mails noch einmal überarbeitet werden, damit die Gedanken stärker konturiert werden. Das Glaubensbekenntnis beginnt mit dem Glauben an Gott als Schöpfer. Deshalb wird es nicht leicht sein, Gottes Wirken nicht auch in Gefährdungen zu sehen, die sich aus dieser so vorfindlichen Schöpfung ergeben. Eine Botschaft, die ich auch aus dem Mund von Wissenschaftler*innen höre, steckt in der Frage, ob wir nicht Abstand davon nehmen müssen, Tiere in uns aufzunehmen. Mir fallen nur die Schlagworte wie Rinderwahnsinn, Schweine- oder Vogelgrippe ein. Was ist eigentlich mit den Wildschweinen los? Wir können auf keinen Fall gegen die Schöpfung selbst unser Leben entfalten und bewahren. Es geht um ein bauen und bewahren dessen, was vorgegeben ist.
3. GOTT braucht keine Kranken, um uns zu unterrichten Georg Wagener-Lohse Liebe Christina, Lieber Christian, zuerst dachte ich „typisch evangelisch und typisch akademisch – so viele Worte“. Und etwas Abgrenzendes sprang mich an. Ob es mit mir selbst zu tun hatte, mit meiner Sehnsucht nach einer empathischen aber auch deutenden Kirche?
Dann habe ich mir später noch einmal Zeit genommen und versucht, hörend zu lesen. Ja, zur Ruhe möchte ich auch gerne kommen, Trost finden, neben dem vielen Aufgeregten und Erschreckenden. Ja, und nach einem Sinn darin taste ich auch.
Da fiel mir dann auf, dass wir ganz nahe bei einander sind mit dem Gott, der Atem ist, der da ist. Und da tauchte sogar das Bild auf, das er uns geschenkt hat und was ich auch im Text gesucht hatte: der Gott mit uns, Immanuel, der den wir als den Christus bekennen.
Und dann bin ich dankbar für die Frage am Ende „Wie bringen wir das in Worte zur richtigen Zeit?“ - eine Haltung, die warten kann, dass der Atem kommt, der unsere Stimmen zum Schwingen bringt und unsere Füße in Bewegung setzt.
Abgesehen von den gestrigen, die den rächenden Lehrmeister wieder beschwören wollen, möchte ich aber auch noch um unsere Solidarität mit denen bitten, die unsere gesellschaftliche Krise vor und nach „Corona“ sehen. Sie reiben sich die Augen, was wir alle plötzlich zustande bringen an Konsequenz. Ich finde hilfreich, was Matthias Horx als Re-gnose beschrieben hat, und ich finde auch eher diejenigen autoritär, die uns bei einem mit der Schöpfung unverträglichen Lebensstil halten wollen. Ich wünsche mir so sehr, dass auch unsere Kirche auf dem Weg aus dieser Gefangenschaft dabei sein wird.
Herzlich, Georg

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