Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Jetzt auch noch fasten?

10.02.2021

Am Aschermittwoch (17. Februar) beginnt die Fastenzeit. Wie man in Corona-Zeiten eine spirituelle Auszeit nehmen kann

Von Stephan Cezanne (epd)

Ist es eine Überforderung, vielleicht sogar Zumutung? Die christliche Fastenzeit 2021 findet inmitten des Corona-Lockdowns statt. Seit Monaten kein Restaurantbesuch, der nächste Shopping-Bummel oder das Fest mit Freunden nicht in Sicht, ganz abgesehen von existenziellen Ängsten und Sorgen vieler Menschen. Soll man wirklich zusätzlich freiwillig auf Fleisch, Alkohol, ­Nikotin, Fernsehen oder Süßigkeiten verzichten? „Corona ist inzwischen zu einer zehnmonatigen Übung geworden, mit Leid, Verlust und Angst umzugehen – wir haben mehr als genug gefastet“, räumt die Hannoveraner Pastorin und „Zeit“-Kolumnistin Hanna Jacobs ein. Mit anderen Theologinnen und Theologen wirbt sie für eine etwas andere Passionszeit 2021.

„Wir verzichten seit Monaten auf so viel: Ausgelassenheit, Kulturveranstaltungen, Berührungen, Kneipenbesuche. Jetzt auch noch für ­sieben Wochen auf ein bestimmtes Lebensmittel zu verzichten würde am geistlichen Sinn des Fastens ­völlig vorbeigehen“, sagt Jacobs. Sie vermutet, dass in diesem Jahr weniger Menschen im traditionellen Sinne fasten werden.

Die Monate der Corona-Pandemie seien ohnehin eine Zeit des Rückzugs, sagt der evangelische Pfarrer Andreas Hoffmann aus Frankfurt am Main: „Wir sind in Klausur.“ Wie Mönche in ihrer ­Klausur im Kloster machen viele Menschen jetzt eine Erfahrung von Entsagung und Askese, sagt der ausgebildete geistliche Begleiter dem epd. „Rückzug ist etwas, was hart, aber auch wichtig ist.“

Für die evangelische Theologin Susanne Breit-Keßler kann die Fastenzeit gerade während der Corona-Pandemie eine seelische Stütze sein. Seit 1983 lädt die evangelische ­Kirche zur Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ ein. In diesem Jahr steht die Aktion zwischen dem 17. Februar (Aschermittwoch) und dem 5. April unter dem Motto „Spielraum – ­Sieben Wochen ohne Blockaden“. Sie solle dazu beitragen, „dass Menschen mehr Weite in ihrem Leben entdecken und Enge hinter sich lassen“, sagt die frühere Münchner ­Regionalbischöfin und Kuratoriumsvorsitzende der Initiative.

Fasten sei keine moralische ­Angelegenheit, betont Breit-Keßler: „Es bedeutet vor allem, kleine Fluchten und große Freiheiten für sich zu entdecken. Wo und wie kann ich mich neu und anders als bisher entfalten?“ Das diesjährige Motto „Spielraum“ solle auch für eine Zeit ­stehen, „in der ich nachdenke, wie die Menschen dieser Welt mitein­ander verbunden sind und was man selbst zu einer Globalisierung der Herzen beitragen kann“.

In der Fastenzeit vor dem zweiten Corona-Ostern, fügt die evangelische Theologin Jacobs hinzu, geht es nicht um einen Beweis „der eigenen Willensstärke, nicht ums Durchhalten und auch nicht um Kalorienreduktion, sondern darum, sich zu besinnen und das Leiden nicht aus dem Sinn und Blick zu verlieren“. Es gehe darum, „das Mitleidenkönnen nicht zu verlernen“. Daher redeten Protestantinnen und Protestanten lieber von Passionszeit als von Fastenzeit.

Fastengruppen und Gesprächskreise müssen in diesem Jahr meist digital stattfinden, per Zoom, über Whatsapp oder E-Mail, wie es die ­Aktion „7 Wochen Ohne“ anbietet. Pfarrerin Jacobs will in ihrer Gemeinde in Hannover die Passionszeit auf diese Weise gestalten. Ein digitaler Adventskalender sei bereits gut angekommen und habe gezeigt: „Auch 80-Jährige fühlen sich via Smartphone mit anderen verbunden und beherrschen diese Kommunikationsform oft erstaunlich gut.“

Breit-Keßler sagt: „Wir sind inzwischen alle fit in Videokonferenzen. In ihnen kann man sich gut über eigene Erfahrungen austauschen. Dazu rate ich, per Mail Rundbriefe zu schreiben – eine fängt an, ein anderer fügt etwas hinzu und so weiter.“ Solche Briefe könne man sich auf­heben und überdenken.

Gerade dieses Jahr, sagt Jacobs, eigne sich gut für die Fastenzeit, „weil es letztlich ein gewohntes ­Ritual ist, mit der die Zeit strukturiert wird und weil man dieses Jahr auch mehr Zeit hat, die ganzen ­Fastenkalender und -Mails zu lesen“. In der Passionszeit 2021 könne es darum gehen, „nach den eigenen Kraftquellen zu suchen, um Wüstenzeiten zu überstehen, so wie Jesus die 40 Tage in der Wüste überstanden hat, ohne verrückt zu werden“. Vielleicht könne man die Passionszeit in diesem Jahr begehen, ohne auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten.

Während eines solchen Rückzugs – ob freiwillig oder angeordnet –könnten freilich Ängste, Verdrängtes sowie andere Gefühle nach oben kommen, gibt der Theologe Hoffmann zu bedenken: „Das passiert jetzt natürlich ganz viel: Die Nerven liegen blank, wir starren auf die Nachrichten. Wie schlimm wird es denn noch?“

Da müsse man aufpassen, nicht in den Sog des Negativen zu geraten. Daher solle man laut Hoffmann „seine Dämonen und schweren ­Gedanken liebevoll anschauen, ­willkommen heißen, aber auch ­loslassen“. So könne die Fastenzeit gerade in der Corona-Krise „ein Weg zur Seelenruhe“ werden.

Drei Fastenaktionen laden vom 17. Feb-ruar (Aschermittwoch) bis 4. April (Ostern) zum Mitmachen ein: Die Fas-tenaktion für Klimaschutz und Klima-gerechtigkeit will Anregungen geben, langfristig gerechter und ressourcenschonender zu leben. Sie orientiert sich an den UN-Nachhaltigkeitszielen. 

In Kooperation mit elf Landeskirchen bietet die EKBO die Fastenbroschüre „Soviel du brauchst ...“ an. Bestellbar: www.ekbo.de/klimafasten 2021. Weitere Infos unter www.klimafasten.de. 

 

Fastenaktionen

Die Fastenaktion „7 Wochen ohne“ unter dem Motto „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden!“ ermutigt dazu, den Umgang mit Regeln zu erkunden. Sie fragt, wie wir ­innerhalb von Grenzen großzügig leben können. 

Die Aktion wird mit einem ZDF-Gottesdienst am So, 21. Februar, 9 Uhr,  in ­Eltville-Erbach eröffnet. Infos unter: www.7-wochen-ohne.de – Aktuelles und Austausch unter: www.facebook.com/7wochenohne und www.instagram.com/7wochenohne

Der Verein Andere Zeiten bietet für die Aktion „7 Wochen ­anders leben“ eine wöchentliche Briefaktion „7 Wochen anders leben“ und den Fasten-Wegweiser „wandeln“ mit täglichen Impulsen an. Bestellen unter: www.anderezeiten.de. Am 17. Februar ist ein Gottesdienst zum Thema „Seufzen“ um 18 Uhr auf dem YouTube-Kanal von Andere Zeiten unter AndereZeiten eV_Hamburg  abrufbar.

Artikelkommentar

Artikelkommentar
captcha
Bitte tragen Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe in das Feld ein.
Hinweis: Die von Ihnen ausgefüllten Formulardaten werden lediglich für die Zwecke des Formulars genutzt. Eine andere Verwendung oder Weitergabe an Dritte erfolgt nicht.

Artikelkommentare

(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Tierwohl in der Kirche Thomas Berg Meine Hühner schlachte ich selbst, auch wenn sie nicht auf das Wurstbrot kommen. Das ist der schmerzliche unvermeidliche Schritt auf dem Weg vom Kücken zum Braten. Meine Hühner werden natürlich auch nicht schon nach vier bis sechs Wochen geschlachtet wie das inzwischen leider normale Industriehuhn.

Trotzdem: Ganz rund ist die Argumentation wohl nicht, die hier die vegetarische Ernährung aus der Bibel begründen will. Schon im 3. Kapitel der Bibel - noch im Garten Eden - bekommen Adam und Eva von Gott selbst Röcke aus Fellen geschneidert. Wenige Verse später lesen wir, daß ihr zweitgeborener Sohn Abel Schäfer wurde. Ganz sicher hat er Schafe auch zum Schlachten gehalten. Er opfert jedenfalls vom Fett der Erstlinge der Herde auf dem Altar, was Gott wohlgefällig anschaut.

Ganz nebenbei und völlig unbiblisch brauchen wir mehr Tiere auf der Weide der Artenvielfalt wegen. Ohne Weidetiere verarmt die biologische Ausstattung unserer Landschaft was man in unseren Breiten heute schon beobachten kann. Insekten fehlen, die der Tierhaltung folgen. Daher fehlen die Insektenfressenden Vögel, Fledermäuse usw. Genau deswegen hält der Naturschutzverein dem ich vorstehe auch mehrere Rinder- bzw. Wasserbüffelherden (derzeit ca. 360 Tiere).

Was weniger werden muß ist die Massentierhaltung in optimierten HiTec-Ställen, die klimaschädlich ist, die Tiere zur Ware degradiert und in den Schlachtfabriken und dem Transport dahin das oft beklagte Tierleid zur Folge hat.

Unsere Tiere werden jedenfalls zur Schlachtung auf der Weidefläche geschossen und erst dann zum Fleischer gefahren.

Ethische Entscheidungen kennen eben nicht nur das Entweder-Oder sondern auch manche Möglichkeit dazwischen.
2. Proberaumsuche Chrissi Suche Proberaum, um christlichen worship zu machen. Spiele seit 11 Jahren Schlagzeug und möchte gerne weitermachen. Gibt es Hilfe und Unterstützung von ihrer Seite aus? Über Ratschläge und gute Nachrichten, würde ich mich freuen! Lg, Chrissi
3. Idenschmiede der Nordkirche Wolfgang Banse Nicht alles was man auf gibt, ist gut so heißen. Glieder der Kirche, hier Nordkirche wurden in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen.Demokratie, hier Basiskirche lässt nach wie vor zu wünschen in den Gliedkirchen der EKD.

Hier gelangen Sie zur Übersicht über alle Kommentare.