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RSSPrint

KulTour: Bad Wilsnack

01.07.2020

Kirchenkunst entdecken in Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz.

Von Hannes Langbein

Es ist Sommer. Und wie jedes Jahr zieht es die Berliner aufs Land. Auch mich als Kunstbeauftragten der EKBO. Seit Beginn dieses Jahres habe ich das Amt übernommen und bin vor allem für die Beratung von Gemeinden und kirchlichen Institutionen zuständig, wenn dort dauerhafte ästhetische Veränderungen anstehen – ein neuer Altar oder ein neues Fenster etwa. Um mir einen guten Überblick zu verschaffen, werde ich im Laufe des Sommers die Kulturlandschaft unserer Landes­kirche erkunden und Sie daran teilhaben lassen: von Prenzlau bis nach Görlitz, von Frankfurt an der Oder bis nach Wittenberge.

Letzte Woche war ich in der Prignitz in Bad Wilsnack: Dort sollen die Sakristei und eine Seitenkapelle der St. Nikolaikirche alias „Wunderblutkirche“ neue Glasfenster bekommen. Die ehemalige Wallfahrtskirche war in vorreformatorischen Zeiten wegen eines Hostienwunders einer der wichtigsten Pilgerorte neben Santiago de Compostela – bis die Reformatoren den Hostien und der Wallfahrt ein jähes Ende bereiteten. Seither ist die ehemalige Pilgerkathedrale etwas überdimensioniert für eine Kleinstadt. Nun wird sie saniert. Auch die bis dato schmucklosen Fenster der „Wunderblut­kapelle“, in der einst die wertvollen Bluthostien in einem mittelalterlichen Holzschrank verwahrt wurden, sollen neu gestaltet werden. 

Wie gestaltet man diesen besonderen Ort? Die Frage hat es in sich. Denn je nachdem, wie man seine Fenster gestaltet, erscheint auch seine Geschichte in einem anderen Licht: Würde man etwa eine dunkle Farbgestaltung der Fenster wählen, entstünde eine meditative, beinahe mystische Atmosphäre, die das Geheimnis des Glaubens spürbar machen und zum Gebet einladen würde. Wählte man eine helle, transparente Fenstergestaltung, entstünde ein eher alltagsnaher Raum, der sich für einen nüchternen, kulturhistorischen Blick eignen würde. Plötzlich fällt mit der ästhetischen auch eine theologische Entscheidung über den Stellenwert des Hostienwunders heute. Noch in diesem Jahr soll ein Wettbewerb für die Glasfenster stattfinden und die Entscheidung für eine*n Gegenwartskünstler*in fallen.

Übrigens: Bad Wilsnack kann man auch zu Fuß erreichen. 2006 wurde der historische Pilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack wieder­belebt.

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Artikelkommentare

(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Das glauben wir - das lehnen wir ab Jürgen Rhode Vielen Dank für diese klarstellenden Sätze, sie waren und sind lange überfällig. In der Form erinnern sie mich etwas an die Barmer Erklärung 1934, die auch in entscheidungsschwerer Zeit geschrieben wurde. Der jetzige Artikel spricht die überlebenswichtigen Themen dringlich an fern von jeglicher Kleinkariertheit. Verkündigung, wie ich sie mir wünsche!
2. Das glauben wir - das lehnen wir ab Jürgen Rhode Vielen Dank für diese klarstellenden Sätze, sie waren und sind lange überfällig. In der Form erinnern sie mich etwas an die Barmer Erklärung 1934, die auch in entscheidungsschwerer Zeit geschrieben wurde. Der jetzige Artikel spricht die überlebenswichtigen Themen dringlich an fern von jeglicher Kleinkariertheit. Verkündigung, wie ich sie mir wünsche!
3. Das glauben wir. Das lehnen wir ab. Carola Vonhof Guten Morgen,
wie ich sehe, haben wir für unser kommendes Gemeindeinfo genau das richtige Thema gewählt. Vielen Dank den beiden Autoren für diesen Beitrag und herzliche Grü´ße
Carola Vonhof

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