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RSSPrint

Lätare. Das kleine Ostern

18.03.2020

Andacht für die Zeit zu Hause

Eine Andacht zum Sonntag Lätare von Andreas Erdmann, Landesonlinepfarrer für Kirche im Digitalen Raum der EKBO im Evangelischen Zentrum.

Hier können Sie die Andacht als PDF herunterladen.

Da sind wir nun, mitten in der Leidenszeit. Viele Menschen sitzen zu Hause mit der Sorge, sie oder nahe Verwandte, insbesondere ältere könnten sich mit „Corona“ infizieren. Eine Leidenszeit, die mit vielen Einschränkungen verbunden ist, im besten Fall noch mit Heimarbeit, ansonsten mit Arbeits- und Einkommensausfällen, mit Spannungen im häuslichen Umfeld, wo auf einmal viele über längere Zeit auf engem Raum zusammen leben oder umgekehrt einsam daheim bleiben müssen, denen der Kontakt zu ihren Mitmenschen fehlt.

Da sind wir nun, mitten in der Leidenszeit. Wir betrauern die Toten. Diejenigen, welche an COVID-19 erkrankt und gestorben sind, und jene, die wie jedes Jahr an der Grippe und anderen Krankheiten, an Altersschwäche oder bei Unfällen aus dem Leben geschieden sind, Obdachlose mit schlechter medizinischer Versorgung und Opfer krimineller Gewalt. Wir beklagen unzählige Tote, die in den Kriegen dieser Welt ums Leben gekommen sind, Soldaten und insbesondere  auch die zivilen Opfer. Wir zünden eine Kerze an für jene, die uns nahestanden.

Da sind wir nun, mitten in der Leidenszeit. Jesus, den sie Christus nannten, dem sie Hosiannah entgegenriefen, ist an die Soldaten überführt worden. Er, der den Menschen Vertrauen entgegenbrachte, ist von seinen Vertrauten verraten worden. Er, der Wunden heilte, ist übersät mit Wunden, wird geschlagen und gemartert. Er, der die Menschen aufrichtete, geht in die Knie unter der Last des Kreuzes. Der unser Retter und Erlöser geheißen hat, wird bar jeder Rettung ans Kreuz geschlagen und stirbt vor den Augen seiner Nächsten.

Da sind wir nun, mitten in der Freudenzeit. Denn wir vertrauen auf Jesus, der uns deutlich macht, wie alles zusammenhängt: So wie ein Samenkorn in der Erde begraben werden und sterben muss, um zu neuem Leben zu erwachen; wie Brot gegessen werden muss, um neue Kraft zu geben, so musste Christus sterben, um auferstehen zu können, musste er die Rechnung begleichen, damit wir frei von Schulden aufatmen können. Darum können wir uns freuen, weil wir wissen, dass sein Leiden nicht umsonst gewesen ist.

Da sind wir nun, mitten in der Freudenzeit. Wir vertrauen darauf, dass der Tod nicht das Ende ist. Wir scheiden aus diesem endlichen Leben, um ein ewiges bei und mit Gott verbringen zu können, wie Christus es uns verheißen hat. Wir trauern auf Zeit, weil wir gewiss sind, dass nach dem Regen Sonnenschein, nach dem Winter wieder Frühling, nach dem Tod das ewige Leben kommt. Alle Tränen werden dann abgewischt und niemand muss mehr weinen. Die Trauer wird einer Freude weichen, die endlos ist und Gott selbst wird uns trösten.

Da sind wir nun, mitten in der Freudenzeit. Wir bleiben in Sorge umeinander zu Hause und lernen neue Achtsamkeit füreinander. Wir leben Gemeinde und Gemeinschaft in Telefon-, Rundfunk- und Online-Andachten und erleben, wie stark wir trotz aller Einschränkungen im Gebet verbunden bleiben, weltweit. Und wir tragen schon im Leiden die Vorfreude in uns auf die Frucht, die diese Zeit heranreifen lässt, denn „wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber er­stirbt, bringt es viel Frucht“.

 

Fürbitte um Nähe, Trost und Hoffnung

Wo die einen neu geboren ins Leben gerufen werden,

rufst du andere von uns bereits ins ewige Leben zu dir. 

Wir bitten dich, segne Ausgang und Eingang gleichermaßen!

Sei denen nahe, die in Quarantäne einsam und isoliert sind, schenke Trost und Hoffnung denen, die verzweifelt sind und 

ermögliche den an Corona erkrankten rasche Genesung!

Mache deinen Geist stark bei Verantwortlichen in Politik 

und Kirche für ein besonnenes Vorgehen und kluges 

Handeln. Und deine Kraft mache groß in allen Helfenden 

in Krankenhäusern, in Notdiensten, Kirchen, der Seelsorge 

und in unserer Nachbarschaft!

Wir vertrauen auf dich und deine nie endende Liebe

und bitten: Gott, erbarme dich!

 

Lied: Jesu, meine Freude (EG 396)

1. Strophe

Jesu, meine Freude,

Meines Herzens Weide,

Jesu, meine Zier!

Ach, wie lang’, ach lange

Ist dem Herzen bange

Und verlangt nach dir.

Gottes Lamm,

Mein Bräutigam!

Außer dir soll mir auf Erden

Nichts sonst Liebers werden.

 

2. Strophe

Unter deinen Schirmen

Bin ich vor den Stürmen

Aller Feinde frei.

Laß den Satan wittern,

Laß die Welt erschüttern,

Mir steht Jesus bei.

Ob es izt

Gleich kracht und blitzt,

Ob gleich Sünd und Hölle schrecken,

Jesus will mich decken.

 

3. Strophe

Trotz dem alten Drachen,

Trotz dem Todesrachen,

Trotz der Furcht dazu!

Tobe, Welt, und springe,

Ich steh’ hier und singe

In gar sichrer Ruh.

Gottes Macht

Hält mich in Acht.

Erd’ und Abgrund muß verstummen,

Ob sie noch so brummen.

 

6. Strophe

Weicht, ihr Trauergeister,

Denn mein Freudenmeister,

Jesus, tritt herein.

Denen, die Gott lieben,

Muß auch ihr Begrüben

Lauter Zucker sein.

Duld ich schon

Hier Spott und Hohn,

Dennoch bleibst du auch im Leide,

Jesu, meine Freude.

 

Zum Autor: Den Text zu diesem Kirchenlied schrieb Johann Franck. 1618 in Guben geboren und ebenda 1677 gestorben, hat der Dreißig­jährige Krieg sein Leben mit­bestimmt. Im Ergebnis seiner Arbeit strotzt dieser Text nur so von starken Bildern der Nähe, des Trostes und der Hoffnung begründet in Christus, der den Tod überwunden hat.

 

Worte aus der Heiligen Schrift

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen“, spricht der Herr, dein Erlöser.

„Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen“, spricht der Herr, dein Erbarmer.

Jesaja 54, 7-10

 

Segen

Gott sei dir nahe am Morgen, wenn du noch nicht weißt, was kommen mag; Gottes lebendige Kraft begleite dich durch den Tag, auf dass du unverzagt und frohen Mutes zum Segen für andere wirst; Gott halte seine Hand am Abend schützend über dich, wenn du müde deine Augen schließt, auf dass du bewahrt bleibest und ruhen kannst in seinem Frieden!

Amen.

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1. Theologie in Zeiten von Corona Andrea Richter Theologie in Zeiten von Corona
Auf meinem Schreibtisch liegt eine Postkarte, die ich vor zwei Jahren während eines wundervollen Urlaubes in der in Arles, in der Fondation Vincent van Gogh, gekauft habe: ein Totenschädel.
Memento Mori, bedenke, Mensch, dass du sterben musst!
Das macht mir keine Angst, und es hat für mich nichts, aber auch gar nichts mit einem strafenden Gott zu tun.
Das Bild erinnert mich an Adam, den ersten Menschen, dem Gott (nach Genesis 2, 7) den Odem des Lebens in seine Nase blies, so dass der Adam (Mensch) von der Adama (der Erde) zu einem lebendigen Wesen wurde.
Der Mensch, der Atem, das Leben – die Lebensantwort auf den Ruf: bebauen und bewahren!
Das Virus, der Kampf um das Atmen-Können und die Bedrohung durch den Tod.
Corona – ist auch ein memento mori!
Unsere christliche Tradition gründet darauf:
Jesu Leben – Jesu Sterben am Karfreitag – in Gott hinein – Auferstehehung– ewiges Leben – ewiger Lebensodem!
Die Chance: Aufatmen (hier & jetzt) wieder Atmen lernen, uns (vor allem auch als Kirche) nicht mehr verausgaben.
Ja, aufstehen gegen Tod und Lebensfeindlichkeit – aber zugleich auch Umkehren – uns wieder bewusstwerden, was vor allem die Abendlieder unseres Gesangbuches uns lehren:
„Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit“ (EG 481, 5 Text: Gerhard Tersteegen, 1745)
Wir dürfen als Kirche (wieder) lernen, Menschen in Angewiesenheit, Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu werden – und Gott in allem zu suchen und zu finden; wir dürfen lernen, uns nicht zu scheuen, von Gott zu reden, der alles in allen ist:
„Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten:
Die Welt ist Gottes so voll.
Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.
Wir aber sind oft blind.
Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen
Und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt,
an dem sie aus Gott herausströmen.
Das gilt für das Schöne und auch für das Elend.
In allem will Gott Begegnung feiern
Und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.
Die Kunst und der Auftrag ist nur dieser,
aus diesen Einsichten und Gnaden
dauerndes Bewusstsein und dauernde Haltung
zu machen und werden zu lassen.
Dann wird das Leben frei in der Freiheit
Die wir immer gesuchte haben.“

(am 17. November 1944 auf einen Kassiber von Alfred Delp mit gefesselten Händen geschrieben aus seiner Zelle im Gefängnis
2. Vor allem Umkehren und Lernen: aushalten und beistehen Michael Juschka Der Dialog ist anregend und ich danke den unsere Kirche Leitenden für ihre erfrischende Offenheit. Möglicherweise könnten auch ausgetauschte E-Mails noch einmal überarbeitet werden, damit die Gedanken stärker konturiert werden. Das Glaubensbekenntnis beginnt mit dem Glauben an Gott als Schöpfer. Deshalb wird es nicht leicht sein, Gottes Wirken nicht auch in Gefährdungen zu sehen, die sich aus dieser so vorfindlichen Schöpfung ergeben. Eine Botschaft, die ich auch aus dem Mund von Wissenschaftler*innen höre, steckt in der Frage, ob wir nicht Abstand davon nehmen müssen, Tiere in uns aufzunehmen. Mir fallen nur die Schlagworte wie Rinderwahnsinn, Schweine- oder Vogelgrippe ein. Was ist eigentlich mit den Wildschweinen los? Wir können auf keinen Fall gegen die Schöpfung selbst unser Leben entfalten und bewahren. Es geht um ein bauen und bewahren dessen, was vorgegeben ist.
3. GOTT braucht keine Kranken, um uns zu unterrichten Georg Wagener-Lohse Liebe Christina, Lieber Christian, zuerst dachte ich „typisch evangelisch und typisch akademisch – so viele Worte“. Und etwas Abgrenzendes sprang mich an. Ob es mit mir selbst zu tun hatte, mit meiner Sehnsucht nach einer empathischen aber auch deutenden Kirche?
Dann habe ich mir später noch einmal Zeit genommen und versucht, hörend zu lesen. Ja, zur Ruhe möchte ich auch gerne kommen, Trost finden, neben dem vielen Aufgeregten und Erschreckenden. Ja, und nach einem Sinn darin taste ich auch.
Da fiel mir dann auf, dass wir ganz nahe bei einander sind mit dem Gott, der Atem ist, der da ist. Und da tauchte sogar das Bild auf, das er uns geschenkt hat und was ich auch im Text gesucht hatte: der Gott mit uns, Immanuel, der den wir als den Christus bekennen.
Und dann bin ich dankbar für die Frage am Ende „Wie bringen wir das in Worte zur richtigen Zeit?“ - eine Haltung, die warten kann, dass der Atem kommt, der unsere Stimmen zum Schwingen bringt und unsere Füße in Bewegung setzt.
Abgesehen von den gestrigen, die den rächenden Lehrmeister wieder beschwören wollen, möchte ich aber auch noch um unsere Solidarität mit denen bitten, die unsere gesellschaftliche Krise vor und nach „Corona“ sehen. Sie reiben sich die Augen, was wir alle plötzlich zustande bringen an Konsequenz. Ich finde hilfreich, was Matthias Horx als Re-gnose beschrieben hat, und ich finde auch eher diejenigen autoritär, die uns bei einem mit der Schöpfung unverträglichen Lebensstil halten wollen. Ich wünsche mir so sehr, dass auch unsere Kirche auf dem Weg aus dieser Gefangenschaft dabei sein wird.
Herzlich, Georg

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