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Mehr als eine Solidaritätsgeste

27.01.2021

Fürbitten für Belarus in der Berliner Gethsemanekirche

Seit mehr als drei Jahren wird in der Gethsemanekirche in Berlin-Prenzlauer Berg täglich für Menschen gebetet, die politisch verfolgt werden. Seit einem knappen halben Jahr liegt der Fokus auch auf Belarus, wo seit den Präsidentschaftswahlen im August 2020 viele Tausende Menschen gegen das Regime auf die Straße gegangen sind und verhaftet wurden. Friederike Höhn hat bei Ina Rumianetseva vom Verein „Razam“ (Gemeinsam) nachgefragt, die die Fürbitten mitorganisiert.

Frau Rumianetseva, jeden Abend um 18 Uhr gibt es in der Gethsemanekirche eine Fürbittandacht für zu Unrecht inhaftierte Menschen weltweit. Dienstags wird speziell für die Menschen in Belarus gebetet. Wie kam es dazu?

Im August machte uns die ehemalige Europaabgeordnete Eva Quistorp (Bündnis 90/Die Grünen) auf die seit drei Jahren stattfindenden Andachten für politisch Inhaftierte in der Türkei aufmerksam und stellte den Kontakt her. Wir hatten Eva Quistorp auf einer der damals täglich stattfindenden Solidaritätsaktionen für Belarus kennengelernt. Aus dieser Protest­bewegung der belarussischen Diaspora ist der Verein „Razam“ (Gemeinsam) entstanden, bei dem auch ich Mitglied bin.

Bei der ersten Andacht speziell für Belarus am 25. August verlasen wir Augenzeugen­berichte aus dem berüchtigten Okrestina-Gefängnis in Minsk. Daraus wurden dann die wöchentlichen Andachten speziell für Belarus.

Wie ist die aktuelle Lage in Belarus? Was droht den Menschen dort, die sich für Demokratie einsetzen?

Immer noch gehen täglich Menschen auf die Straßen und demonstrieren in kleinen Grüppchen, bilden spontan Menschenketten und drücken auf kreative Weise ihren Protest aus: mit roten Streifen im weißen Schnee, mit T-Shirts, die auf dem Hof trocknen und die Namen eines politischen Gefangenen zeigen, mit allabendlichen Protestrufen, die aus den Fenstern der Plattensiedlungen zu Hunderten über den Hof schallen, mit Videos wie dem aus einer Minsker U-Bahn, auf dem zu sehen ist, wie die Passagiere plötzlich ihre Hosenbeine heben und weiß-rote Socken zum Vorschein kommen. 

Nach Monaten des Protests sind die Menschen in Belarus müde und erschöpft. Über 32000 Menschen wurden verhaftet – und es geht täglich weiter: Allein am Samstag, 23. Januar, wurden über 130 Menschen festgenommen. Fast 200 politische Gefangene sitzen in den Gefängnissen. Viele sind traumatisiert von der Haft, haben ihren Job verloren, wurden exmatrikuliert oder mussten das Land verlassen, da sie sich nicht mehr sicher fühlen. 

Aber die Gesellschaft durchläuft einen historischen Wandel: In breiten Teilen der Gesellschaft ist ein neues politisches Bewusstsein entstanden während die Machthabenden in ihren Augen jegliche Legitimität verloren haben. Diese setzen nur noch auf Gewalt und Terror. So redete in einem geleakten Audiomitschnitt vom Oktober der stellvertretende Innenminister von der Einrichtung eines Internierungslagers für „besonders Aufsässige“. Das macht den Menschen Angst und lässt Schlimmes befürchten für das Frühjahr, wenn die Proteste vermutlich wieder aufflammen werden.

Angesichts der aktuellen Pandemie­situation: Wie wird die Andacht organisiert?

Bei den Andachten gelten strenge Corona-Schutzmaßnahmen: Es müssen medizinische Masken getragen werden, Handdesinfektionsmittel wurde aufgestellt. Nach der Registrierung am Eingang begeben sich die Besucher auf markierte Plätze, es ist ein Mindestabstand einzuhalten. 

Wie viele Menschen nehmen aktuell an der Andacht teil?

Dienstags kommen zwischen 15 und 20 Menschen – bei der Größe der Gethsemane­kirche lässt sich genügend Abstand einhalten.

Gibt es auch eine Möglichkeit, sich virtuell zu beteiligen, wenn man nicht vor Ort sein kann?

Am vergangenen Dienstag gab es erstmals eine Liveübertragung. Daneben versende ich die Texte des Informationsteils an Interessierte in ganz Deutschland.

„Wachet und Betet – Freiheit jetzt“, täglich, 18 Uhr, Gethsemanekirche, Berlin-Prenzlauer Berg. Wochenandacht für zu Hause und Livestreamübertragungen. 

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Tierwohl in der Kirche Thomas Berg Meine Hühner schlachte ich selbst, auch wenn sie nicht auf das Wurstbrot kommen. Das ist der schmerzliche unvermeidliche Schritt auf dem Weg vom Kücken zum Braten. Meine Hühner werden natürlich auch nicht schon nach vier bis sechs Wochen geschlachtet wie das inzwischen leider normale Industriehuhn.

Trotzdem: Ganz rund ist die Argumentation wohl nicht, die hier die vegetarische Ernährung aus der Bibel begründen will. Schon im 3. Kapitel der Bibel - noch im Garten Eden - bekommen Adam und Eva von Gott selbst Röcke aus Fellen geschneidert. Wenige Verse später lesen wir, daß ihr zweitgeborener Sohn Abel Schäfer wurde. Ganz sicher hat er Schafe auch zum Schlachten gehalten. Er opfert jedenfalls vom Fett der Erstlinge der Herde auf dem Altar, was Gott wohlgefällig anschaut.

Ganz nebenbei und völlig unbiblisch brauchen wir mehr Tiere auf der Weide der Artenvielfalt wegen. Ohne Weidetiere verarmt die biologische Ausstattung unserer Landschaft was man in unseren Breiten heute schon beobachten kann. Insekten fehlen, die der Tierhaltung folgen. Daher fehlen die Insektenfressenden Vögel, Fledermäuse usw. Genau deswegen hält der Naturschutzverein dem ich vorstehe auch mehrere Rinder- bzw. Wasserbüffelherden (derzeit ca. 360 Tiere).

Was weniger werden muß ist die Massentierhaltung in optimierten HiTec-Ställen, die klimaschädlich ist, die Tiere zur Ware degradiert und in den Schlachtfabriken und dem Transport dahin das oft beklagte Tierleid zur Folge hat.

Unsere Tiere werden jedenfalls zur Schlachtung auf der Weidefläche geschossen und erst dann zum Fleischer gefahren.

Ethische Entscheidungen kennen eben nicht nur das Entweder-Oder sondern auch manche Möglichkeit dazwischen.
2. Proberaumsuche Chrissi Suche Proberaum, um christlichen worship zu machen. Spiele seit 11 Jahren Schlagzeug und möchte gerne weitermachen. Gibt es Hilfe und Unterstützung von ihrer Seite aus? Über Ratschläge und gute Nachrichten, würde ich mich freuen! Lg, Chrissi
3. Idenschmiede der Nordkirche Wolfgang Banse Nicht alles was man auf gibt, ist gut so heißen. Glieder der Kirche, hier Nordkirche wurden in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen.Demokratie, hier Basiskirche lässt nach wie vor zu wünschen in den Gliedkirchen der EKD.

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