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Mehr Gotteshäuser für die Kaiserstadt

07.04.2021

Auguste Victoria ist auch unter dem Namen „Kirchen-Juste“ bekannt, weil auf ihre Initiative hin knapp 60 evangelische Kirchen in Berlin und Umgebung gebaut wurden. Dieser Leidenschaft hat die Theologin und Journalistin Angelika Obert ein Kapitel in ihrer Biografie über die letzte deutsche Kaiserin gewidmet. Hier ein Auszug.

Von Anfang an ist man sich eines Problems bewusst: Um die kirch­lichen Verhältnisse zu bessern, braucht man kleinere Gemeinden, also neue Kirchen. Aber dafür reichen die Mittel des Vereins nicht. Manche sträuben sich auch: Die soziale Not ist so groß, es gibt doch wahrhaftig dringendere Aufgaben als Kirchen zu bauen! Andere aber meinen, gerade die neuen Kirchen würden die Not lindern. 

Der Vertreter der Rheinprovinz bricht den Bann. Er überreicht der Kaiserin im Mai 1889 einen Betrag von 20 000 Reichsmark, der eigens zur Errichtung einer kleinen Kirche in einem besonders armen Berliner Vorort bestimmt ist. Auguste Victoria fügt den gleichen Betrag hinzu, andere folgen ihrem Beispiel und schon im Juni wird das erste Bau­projekt in Angriff genommen. Dazu ausersehen ist die Parochie Lichtenberg-Stralau. Dort soll nun in Rummelsburg eine neue Kirche entstehen, im angesagten neugotischen Backsteinstil. 

Nicht einfach, nach so langen Jahren der Untätigkeit das Berliner Konsistorium auf Trab zu bringen! Die Kaiserin muss Druck machen, bis überhaupt die Gründung einer neuen Parochie bewilligt wird. Und dann fehlt ja auch noch viel Geld. Auguste Victoria appelliert an die reichen Berliner Gemeinden. Die St. Matthäusgemeinde lässt sich erweichen und spendet zum Geburtstag der Kaiserin 100 000 Reichsmark.
Der Magistrat von Berlin stellt den Baugrund zur Verfügung für eine Kirche mit 1 000 Plätzen – man hat Hoffnungen. Auch ein Pfarrhaus und ein Gemeindehaus mit Krippe und Volksküche sollen entstehen.

Lyrik zur Grundsteinlegung 

Am 4. Mai 1890 erfüllen sich die Wünsche, die man bei Hof hegt. In Rummelsburg fällt eine geplante große Arbeiterdemonstration aus, denn die Kaiserin kommt. Sie erscheint zur Grundsteinlegung der Kirche. Der ganze Ort ist geschmückt, um sie zu empfangen. Und Konsistorialrat Arnold hat zur Feier der Stunde gedichtet: „Der Grund erklingt vom wehn’den Hammerschlage, / Erfahr es Erde, Lüfte tragt es hin; / Verstummen darf die bang empfundene Klage, / Den Hammer führt die deutsche Kaiserin. / Was ernstlich unser Streben / Ein langes Menschenleben / Heil ihr, die’s bald erlangt zu geben hat: / Mehr Gotteshäuser um die Kaiserstadt.“ 

Trotz dieses stolzen Gesangs wird sich die Auseinandersetzung mit dem kirchlichen Bauamt noch als zäh erweisen. Dennoch: Bereits am 21. Oktober 1892 kann die Erlöser­kirche in Rummelsburg eingeweiht werden, pünktlich zum Geburtstag der Kaiserin. Sie muss dem Ereignis allerdings fernbleiben, es weht ein kalter Wind und sie hat gerade erst ihre Tochter Victoria Luise entbunden. Doch der Kaiser sitzt in der ersten Reihe und hört die Ansprache des Herrn von Levetzow, die einiges vom kirchlichen Geist der Zeit verrät: „Was Landesvater und Landesmutter in christlicher Liebe und Barmherzigkeit, in treuer Sorge für irdische Wohlfahrt und ewiges Heil ins Leben riefen, das wolle der allmächtige Gott segnen und einen Segen sein lassen nicht nur für unsere evangelische Kirche und diese Gemeinde, sondern auch für unsere Kaiserlichen und Königlichen Majestäten und Allerhöchstderen Haus.“

Offene Kirchen für gestresste Arbeiter 

Töne, die dem Kaiserpaar gewiss nur selbstverständlich sind. Ebenso selbstverständlich glaubt Auguste Victoria, dass ihr religiöses Empfinden von denen geteilt wird, die sich in den nasskalten Mietskasernen oft zu mehreren ein Bett teilen müssen, in dem sie schichtweise schlafen. Sie ordnet an, dass in Rummelsburg das Abendläuten eingeführt wird. Sie ersucht das Konsistorium, die Berliner Kirchen auch an Wochentagen zu öffnen und liturgische Andachten einzuführen, um den in hastigem und geschäftigem Treiben dahin­eilenden Massen die Gelegenheit zu kurzer Ruhe und Andachtspausen zu bieten. 

Ein eigener Verein muss her

Schon im Januar 1890 hatte der kirchliche Hilfsverein eine Kirchbau-Kommission eingesetzt, um der Schwierigkeiten Herr zu werden, die sich beim Bau in Rummelsburg ergaben. Wenige Monate später weiß man dann: Die Sache braucht einen eigenen Verein, der die Verbindungen zu Baubehörden, Magistrat und Konsistorium, zu Geldgebern und Gemeindevertretern koordiniert. Der Kirchbau-Verein wird ins Leben gerufen, dessen Geschäftsführung wiederum beim Freiherrn von Mirbach liegt und dessen Schirmherrschaft natürlich Auguste Victoria übernimmt. Trotzdem arbeitet der Kirchbau-Verein eigenständig, Gelder des Hilfsvereins werden allenfalls als Beihilfen eingesetzt. Sie sind auch gar nicht nötig, denn nach einem großzügigen „Gnadengeschenk“ des Kaisers hat das Kirchbaufieber weite Kreise der wohlhabenden Gesellschaft und auch die Kirchengemeinden selbst erfasst. 

Noch während die Kirche in Rummelsburg im Bau ist, kann Auguste Victoria viele weitere Grundsteinlegungen begehen: Im Wedding sollen die Himmelfahrts-, die Versöhnungs- und die Neue Nazarethkirche entstehen, in Prenzlauer Berg die Gethsemane-Kirche, an der Prenzlauer Allee die Immanuel-Kirche, in Kreuzberg die Emmaus-Kirche, in Schöneberg die Luther- und die Apostel-Paulus-Kirche, in Moabit die Heilandskirche, im Invalidenpark die Gnadenkirche und nahe der Frankfurter Allee die Samariterkirche, schließlich auch die Kirche zum Guten Hirten in Friedenau. Fast alle werden sie das Berliner Häusermeer in neugotischer Backsteinpracht überragen.

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1. Mehr Gotteshäuser für die Kaiserstadt Dirk Stratmann, Berlin Die Verdienste der fürsorglichen Kirchen-Juste sind unbestritten und anerkennenswert. Doch die
Grundlage ihrer Tätigkeit war der verhängnisvolle Summepiskopat in den evangelischen Landeskirchen bis 1918. Das landesherrliche Kirchenregiment war eigentlich nur für eine vorüber-gehende Notzeit gedacht. Doch das gefiel dann Fürsten und Kirchenver-antwortlichen so gut, dass die Notzeit fast vierhundert Jahre überstand bis 1918. Und aus Protest gegen die Wende 1919 und gegen die demokratische Fahne „Schwarz-Rot-Mostrich“ (so hieß es verächtlich) legte sich die evange-lische Kirche eine lilafarbene Kirchen-fahne zu. Und bezeichnend, dass - ganz anders als in den katholischen Gebieten - in den evangelischen Gebieten fast überall 1933 die Nazis bei den Wahlen die Nase vorne hatten. „Tempora mutantur, sed ecclesia saepe non mutatur.“ So sieht der frühere grüne Abgeordnete Frieder Otto Wolf weiterhin eine komplizenhafte Verstrickung der Kirche mit der Staatsmacht. Zwar sind inzwischen die evangelischen Christen in Berlin und in Brandenburg nur noch eine Randgruppe mit weniger als 15% der Bevölkerung – weiterhin abnehmend. Doch was erleben die nichtreligiösen Berliner, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung? Sie erlebten, wie kirchliche Lobbyisten für das sogenannte kultische „HOUSE of ONE“ [ Spitzname „Wohngemeinschaft Gottes“ – Kultge-bäude für Juden, Christen, Muslime ] sich schamlos 25 Millionen Euro und kosten-los einen Bauplatz im Zentrum Berlins verfassungswidrig sicherten. Und ein Pfarrer, ein Imam und ein Rabbiner, jeweils in auffallend langen Gewändern, posierten dafür gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Müller für die Presse . Was Jesus von solchen auffälligen langen Gewändern in der Öffentlichkeit hält, lese man in der Bibel nach ( Mk. 12, 38ff; Lk. 20, 45f; Mt. 23, 5-7).
Das Projekt des sogenannte „HOUSE of ONE „ war ursprünglich von der Politik angedacht worden. Der Staat wird hier als parteilich erlebt. Und das untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und es kommen Befürchtungen auf, dass der Staat das Religiöse wieder für eigene Zwecke kanalisieren und instru- mentalisieren und eine synkretistische Fernwirkung anpeilen könnte. Und die evangelische Kirche hatte sich sofort wieder einmal an die Rockschöße des Staats geklemmt, um an die „ Fleisch-töpfe Ägyptens „ (2. Mose 16,3) ranzukommen – dazu der frühere evangelische Bischof eigens zu Verhandlungen auf dem Roten Rathaus. Nicht einmal 0,5 Prozent der Berliner besuchen sonntags einen evangelischen Gottesdienst. (Es ist absehbar, dass es in Berlin später mehr Muslime als evan-gelische Christen gibt.) Bestehende Kirchen stehen oft großenteils leer, viele Kirchengebäude werden entweiht, verkauft oder gar abgerissen. Aber die Kirche lässt sich einen neuen Prestige-bau mit 25 Millionen großenteils vom Staat finanzieren und kostenlos dazu das Grundstück stellen. Schämt sich die Kirche denn gar nicht? Diese Vorteil-nahme riecht nach Korruption. Bei diesem Kultgebäude, welches verfas-sungswidrig vom Staat (er muss religiös und weltanschaulich neutral sein) finanziert wird, sehen Berliner Steuer-zahler (diese in überwältigender Mehrheit nicht religiös) ihre Steuer-gelder missbraucht. In Berlin fehlen 26.000 Kitaplätze. Für das Geld des kultischen Prestigebaus „HOUSE of ONE“ hätte man sechs neue Kitas bauen können. Die fürsorgliche Kirchen-Juste hätte hier heute vermutlich anders geplant, da doch so viele evangelische Kirchen wegen mangelnder Nachfrage abgewickelt werden.
ABER ES KAM N O C H V I E L
S C H L I MM E R :
Gegen den ausdrücklichen Willen der überwältigenden Mehrheit der Muslime wählte man einen Mini-Verein der Gülen-Bewegung als Vertreter der Muslime aus (nur 6.000 der ca. 300.000 Muslime in Berlin – so die eigenen Angaben der Gülen-Bewegung). Das wäre etwa so, als würde man in Peking staatlicherseits für die Christen beispielsweise die pflegeleichten „Christen für den Sozialismus“ auswählen. Hier betätigt sich der Staat wieder einmal wie in früheren Zeiten von „Thron und Altar“ ungeniert als Religionsingenieur und privilegiert g r u n d g e s e t z w i d r i g (Staat muss religiös und weltanschaulich neutral sein) ausgewählte MINDER-HEITENgruppen. Ursprünglich war das Projekt als Graswurzelprojekt vorgestellt worden. Doch für ein Graswurzelprojekt interreligiösen Dialoges braucht man keinen teuren kultischen Prestigebau und dafür grenzt man auch nicht willkürlich diskriminierend viele Religionen aus. Sinnvoll ist es dagegen, wenn der Staat über schulische Lehrpläne und mit entsprechenden Angeboten bei Volkshochschulen, Akademien, politischen Landeszentralen, usw., usf. den interreligiösen Dialog fördert. Und die Religionsgemein-schaften können ihrerseits im Sinn eines Graswurzelprojekts interreligiösen Dialog und Trialog usw. institutio-nalisieren auch ohne teuren kultischen Vorzeigebau – reihum in bestehenden Gemeindezentren, mal in christlichen, mal jüdischen, mal muslimischen, usw. oder auch auf neutralem Boden in öffentlichen Räumen.
Oder damit man nicht diskriminierend kleinere Religionsgemeinschaften ausgrenzt, könnte man ein gemeinsa-mes, nichtkultisches Haus der Religionen für Gespräche und gemeinsame Aktionen der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften bereitstellen. Schon jetzt gibt es auch ohne das teure „HOUSE of ONE „, das diskriminierend ausgrenzt, pro Woche in Berlin sehr viele Angebote. Das „HOUSE of ONE“ wird auch in Berlin ständig weitere Sicher-heitskräfte binden, wie wir das von „Brennpunkten" aus dem Ausland kennen. Es wird eher Sprengsatz statt Kitt der Gesellschaft sein, da für ihre kultischen Gebäude Religionsgemein-schaften schon selber gezahlt haben sollten.
Es bleibt zusätzlich noch eine kleine Frage unbeantwortet: Bei dem Dialoggottesdienst zum Purimfest in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am 25.2.2021 hatte sich Esther Hirsch gleich zu Anfang als Vertreterin des „HOUSE of ONE“ vorgestellt und angekündigt, dass in diesem Haus alle Religionen (es war ausdrücklich von allen Religionen die Rede, nicht nur von den abrahamischen) beten sollten. Meine Frage war bisher nicht beantwortet worden, ob die Hindus, die Isisanbeter, die Anhänger der Druiden- und germanischen Kulte, usw., usf. nun in der Synagoge oder Moschee oder christlichen Kirche ihre Andacht verrichten dürfen. In einem echten dialogischen Gottesdienst hätte ein Pfarrer eine solch grundlegende Frage gleich aufgreifen können. Die Frage ist bis heute nicht beantwortet.
Dirk Stratmann, Berlin

2. Solidarische Sympathie Wolfgang Banse Ökumene, sollte, darf nicht daran gemessen werden im Bezug auf ein gemeinsames gefeiertes Heiliges Abendmahl.Ökumene, hier gemeinsam gefeiertes Heiliges Abendmahl besteht nicht bei allen evangelischen christlichen Kirchengemeinschaften, hier SELK und Amtskirchen.Es wurde in den letzten Jahrzehnten viel erreicht, dies sollte nicht vergessen werden.Die Evangelischen Kirchen sollten nicht weiter als Kirchen guten Willens betrachtet und gesehen werden, sondern als gleichwertige, vollwertige Kirchen.
3. Gelassen Ostern zulassen Wolfgang Banse "Wir sind präsent" m-diese Worte greife ich auf und frage mich ob es eine Freudsche Fehlleistung, ein Black out von Herrn Stäblein war, was seine Gedanken zum Osterfest zum Osterfest 2021 anbelangt. Ein ruhiges, gelassenes Leben führen hier die Hauptamtlichen, Pastorinnen und Pastoren während der seit über einem Jahr existierenden Corona Pandemie. Monatelang fallen Andachten und Gottesdienste aus,nicht jede und jeder Gläubige ist im Besitz eines PC, Notebook,..Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen-dann sollten die Hauptamtlichen zu den Menschen kommen.Geschieht dies?!(Ausnahmen bestä-
tigen die Regel) Effizient und Qualität ist in jeder Hinsicht gefragt, was die Institution Kirche, hier EKBO betrifft.Gesegnete Ostern Frau Bammel/Herr Stäblein.

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