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Menschen brauchen heilsames Gespräch

Drei Fragen an den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland

Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, am 16.1.22 in Düsseldorf. Die diesjährige Landessynode der rheinischen Kirche tagt in diesem Jahr coronabedingt erneut digital. Foto: epd

Corona-Angst, Flut-Trauma und Existenzsorgen: Viele Menschen brauchen in diesen Tagen und Wochen seelischen Beistand. In dieser Situation wolle die Kirche mit ihren Hilfsangeboten für die Menschen da sein, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, im Gespräch mit Ingo Lehnick (epd). Seelsorge ist das Schwerpunktthema der rheinischen Landessynode, die am 16. Januar ­begann. Die Tagung endet am Donnerstag.

Präses Latzel, das Leben vieler Menschen hat sich in der Corona-Pandemie verändert: Vereinzelung und Vereinsamung haben zugenommen, eine wachsende Zahl von Menschen leidet unter Depressionen. Merken Sie auch in der Kirche einen erhöhten Seelsorge-Bedarf?

Ja, das ist leider so. Wir erleben das bei den professionellen Beratungs- und Seelsorgeangeboten von Kirche und Diakonie etwa in den Krankenhäusern, in den Schulen oder bei der Telefonseelsorge, aber auch in jeder einzelnen Kirchengemeinde vor Ort. Neben den öffentlich sichtbaren Problemen gibt es ein großes Maß an stillem Leiden, das man von außen zunächst gar nicht wahrnimmt. Viele Menschen sind erschöpft und wissen nicht mehr weiter. Kinder erleben, dass Mama und Papa auf einmal nicht mehr können. Andere leiden unter Einsamkeit, Existenzsorgen oder haben das Vertrauen verloren. Hier ist es wichtig, dass wir im Kontakt zu den Menschen bleiben und mit unseren Hilfsangeboten für sie da sind. Wir lassen niemanden mit seinen Problemen allein.

Seelsorge ist das Schwerpunktthema der rheinischen Landes­synode. Welche Rolle spielt Seelsorge in der Gesellschaft?

Seelsorge kümmert sich, wie das Wort schon sagt, um die Seele, um das innere Geheimnis, die Hoffnungen, die Verletzlichkeit jedes Menschen. Als Christ*innen sehen wir dabei in jedem Menschen ein Ebenbild Gottes, ein geliebtes Mitgeschöpf, um das wir Sorge tragen sollen. Wenn es Menschen in ihrer Seele nicht gut geht oder sie Schlimmes erlebt haben wie die Opfer der Überflutungen im Juli, brauchen sie Hilfe von anderen: neben dem intensiven Gespräch manchmal auch die kleine Seelsorge am Gartenzaun, das freundliche Gespräch. Auch die heilsame Berührung durch andere, die uns in Corona-Zeiten so sehr fehlt. Hier sind wir von Mensch zu Mensch  gefragt. Es gibt aber auch eine Form der öffentlichen Seelsorge. Dazu gehören Gottesdienste und Rituale, um erlittenes Leid zu verarbeiten und um Gott unsere Ängste klagen zu können. Und wir machen uns öffentlich für einen sorgsamen, wertschätzenden Umgang miteinander stark. Auch das heißt Seelsorge.

In den Flutgebieten ist Seelsorge vermutlich auch längerfristig gefragt. Wie stellen Sie sich als rheinische Kirche, deren Gebiet stark betroffen ist, darauf ein?

Wir haben ein Büro eingerichtet, das die Hilfe von Kirche und Diakonie koordiniert, und eine Reihe von Helferinnen und Helfern entsandt, die in den betroffenen Gebieten für die Menschen unterwegs sind. Die Gemeinden vor Ort bieten Gottesdienste, Beratung und Seelsorge an. Kirchliche Orte sind in diesen Zeiten besonders wichtig für die Menschen, wir merken das zum Beispiel auf den Friedhöfen: Abschiednehmen und Trauer sind ganz wesentlich. Das Thema wird uns noch Jahre ­begleiten.

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1. Wir sind Pfarrerinnen Wolfgang Banse Was lange jährt, wird endlich gut, hier die Ordination von Frauen als Pfarrerinnen in der Evangelischen Kirche in Polen.Gleichberechtigung im Berufsleben von Mann und Frau ist im Pfarralltag erleb-erfahrbar.In der lettischen Evangelischen Kirche, in der Selbstständig Evangelisch lutherischen Kirche (SELK9 in der Römisch katholischen Kirche gibt es keine Ordination von Frauen als Pfarrerinnen/Pastorinnen, sowie keine Weihe zur Priesterin.Deer Pfarrberuf ist nicht angelegt auf das männliche Geschlecht.Pastoren, Priestermangel ist in Deutschland vorhanden. Diesen kann abgeholfen werden, wenn Frauen zum Pfarrerinnen/Pastorenamt, Priesterinnenamt zugelassen werde würden.Nicht die Kirchenleitungen sollten darüber befinden , sondern die Basis, das Kirchenvolk:Wir sind Kirche und verkörpern diese nach innen , wie auch nach außen.
2. Wir sind Pfarrerinnen Kowitz, Wolfram hatte erwartet, dass der konservative poln. Präsident dazwischen funkt.
Übrigens hat die "PK" (Potsdamer Kirche) auch ein neues Wort kreiert "Diakonin". Darf ich weiter "Diakonisse" sagen ? So wie der weibliche Hornist eben eine Hornisse ist! Bei einer Leserumfrage würden sich 80 % gegen das Gendern aussprechen!
3. Vermittler und Brückenbauer Wolfgang Banse Mit 93 Jahren verstarb er ehemalige Bischof Dr. Martin Kruse.Viele leitende Stationen in den Kirchen nahm er wahr, übte sie aus, sei es als Leiter des Predigerseminars in Loccum(Zu früheren Zeiten gab es die Runde, wer im Predigerseminar Loccum sein Vikariat absolviert, wird mindestens Superintendent) Der Sprengel Stade verlor mit seiner Wahl als Bischof einen sehr engagierten Landessuperindenten.Als Bischof, EKD Ratsvorsitzender bezog er zu vielen Themen, eine eindeutige, klare Position.Während seiner Tätigkeit als Bischof und EKD Ratsvorsitzender fiel die innerdeut-
sche gezogene Mauer.Gerne erinnere ich mich an Begegnungen in der S-Bahn, mit dem emeritierten Bischof Dr. Martin Kruse, als Ruheständler. Der verstorbene Bischof Dr. Martin Kruse hat sich um die Kirche, hier Evangelisch-lutherische Kirche Hannover, sowie in Berlin verdient gemacht. Vergelt Gott hierfür.

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