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Mit Stäblein hingeguckt – auf das, was aus dem Blick gerät

Was wird alles zur Randnotiz in Corona-Zeiten?

Ökumenisches Friedensgebet am 20.10.2020 auf dem römischen Kapitol. Foto: epd

Von Bischof Christian Stäblein

Corona ist zurück – dieser Satz stimmt so natürlich nicht, das Virus war nie ganz weg über den Sommer. Aber im Alltag und auch medial war es ein paar Wochen lang nicht so bestimmend, ja manchmal konnte es einem fast so vorkommen, als hätten wir es mit Hygieneplänen, Abstandsregeln und viel Draußensein halbwegs in den Griff bekommen. Wir haben es gehofft, aber wohl geahnt, dass es nicht so ist. Jetzt ist Corona mit den steigenden Infektionszahlen als mediales Hauptthema zurück. Wie kommen wir durch den Winter? Wie schützen wir andere und uns? Wie feiern wir Weihnachten? Diese Fragen traktieren wir rauf und runter, das wird auch die nächsten Wochen und Monate so sein, zu Recht. 

Allein, geht es Ihnen auch so, dass einen bisweilen der Schrecken ereilt, wie eingeengt das eigene Blickfeld dabei wird? Was wir alles übersehen? Was alles zur Randnotiz wird, obwohl es in den Fokus gehört? 

Am vergangenen Wochenende hat es ein furchtbares Attentat in der Nähe von Paris gegeben. Ein Lehrer ist getötet, ja wohl enthauptet worden, mutmaßlich, weil er im Unterricht die Mohammed-Karikaturen aus dem Magazin „Charlie Hebdo“ gezeigt hat. Er wollte mit seinen Schülerinnen und Schülern über freie Meinungsäußerung diskutieren. Das Attentat ist ein furchtbarer Anschlag auf unsere Freiheit des Denkens und Redens, jeder Lehrerin und jedem Lehrer fährt dieser Terror, dieser Schrecken doppelt und dreifach in die Glieder. Wir dürfen nicht aufhören, hier hinzugucken, wir dürfen nicht müde werden, uns für Liberalität und Meinungsfreiheit – gerade auch in Religionsfragen – einzusetzen und dafür aufzustehen. Das darf nicht zur Randnotiz werden in Corona-Zeiten. 

Ebenso wenig die mutigen Frauen und Männer in Belarus. 30 Jahre Friedliche Revolution und deutsche Einheit haben wir gerade gefeiert. Immer wieder gehört unser Blick dahin, wo Menschen für Demokratie und Freiheit auf die Straße gehen – mutig, beharrlich und unter Einsatz ihres Lebens. 

Es ist ja so: Schnell setzt sich die Gewöhnung in unseren Köpfen fest. Auch in meinem. Wenn Probleme nicht gleich gelöst werden, verschwinden sie rasch wieder aus dem Blickfeld, sie werden hingenommen, man empört sich nicht mehr wirklich darüber. Die Situation der Geflüchteten auf Lesbos, das Sterben auf dem Mittelmeer, es gibt keine Lösung bisher, doch das Thema gerät aus dem Blick. 

Wir dürfen über die eigene Sorge vor der Pandemie nicht gleichgültig werden gegenüber der Not der anderen. In der Theologie ist immer mal wieder von der Sünde der Trägheit gesprochen worden. In diesen Tagen denke ich manchmal, es gibt auch die Sünde des eingeengten Blickfeldes. 

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Artikelkommentare

(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Gratwanderun:eigene Freiheit und Einsatz für andere Wolfgang Banse Nicht nur alles nehmen, sondern auch was geben, hier die Einführung eines Pflichtdienstes
Ich stimme Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier uneingeschränkt zu, was seine Anregung im Bezug auf die Einführung eines sozialen Pflichtdienstes betrifft., beiderlei Geschlechts.Unserre gesellschaft wird immer kälter, hier sollte entgegen gewirkt werden, was ein sozialer Pflichtdienst betrifft.Dem Ego entgegen wirken, für andere da sein, Menschen mit einem handicap, Kranke, Ältere, Obdachlose...Dieser soziale Pflichtdienst sollte mindestens ein halbes, längstens ein ganzes Jahr dauer. Die diensttuenten sollten eine monatliche finanzielle Pauschale dafür erhalten, in etwa 38O Euro, zusätzlich sollte die, der jenige krankenversichert, Rentenversichert sein."Wir Junge, geben euch der Gesellschaft etwas zurück, was wir empfangen haben".Vwerbände, Organisationen, Kirchen sollten der Anregung des Bundespräsidenten Steinmeier offen und aufgeschlossen gegenüber stehen, sowie die Parteien, die im Deutschen Bundestag vertreten sind.
2. Aktive Gewaltfreiheit Kees Nieuwerth Ausgezeichnet. bin ganz einverstanden!
3. Wir stehen zusammen Martin Wehlan Sehr geehrter Herr Bischof, Sie schreiben: "es geht ja nicht darum, 100 Millionen Menschen in Europa aufzunehmen." Aber bei welcher Zahl wollen Sie denn die Aufnahme in Europa stoppen ? Egal, welche Zahl dann genannt wird, man steht dann prinzipiell genauso vor demselben moralischen Dilemma wie jetzt. Was mich stört, sind die Vergleiche von afrikanischen Flüchtlingen mit ukrainischen. Wer in Afrika vor einem Krieg flieht, ist normalerweise in einem Nachbarland sicher. genauso ist es mit Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Ein Krieg in Afrika kann also eigentlich keine Fluchtursache nach Europa sein. Dennoch gibt es eine wesentliche Fluchturasche in Afrika - und das sind die nicht vorhandenen Lebenschancen für junge Menschen aufgrund der hohen Geburtenrate. Etwa 100 Millionen Afrikaner wollen deshalb in den nächsten 10 Jahren ihre Heimat Richtung Europa verlassen - fast alles junge Männer. Ehrlichkeit beim Thema "Geflüchtete" ist die Voraussetzung dafür, dass die Geflüchteten von den Menschen der Aufnahmeländer akzeptiert werden. Ein Allgemeines Verweisen auf "Flucht als solche" bzw. die Bibel wird von der schweigenden Mehrheit als Gesinnungs-Ethik erkannt und im Stillen nicht akzeptiert, trotz des moralischen Dauerfeuers.

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