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Mit Stäblein hingeguckt: Die Berlinale

Auch in der „Kinohöhle“, wie Bischof Christian Stäblein es nennt, lässt sich Spiritualität finden. Nicht umsonst gibt es eine ökumenische Jury, die sich die Filme der Berlinale anschaut und einen Preis vergibt. In seiner Bischofskolumne schreibt er in diesem Monat über den Glauben auf der Leinwand und die Gemeinsamkeiten von Kirch- und Kinosälen.

Kirche Berlinale
Foto: Krists Luhaers/unsplash.com

Von Christian Stäblein

Das Kino guckt hin: auf Trends und Moden, gesellschaftliche Entwicklungen, alte und immer neue Fragen nach Sinn und Verstehen. Bei der Berlinale ist das nun seit 70 Jahren so. Früher im Sommer, seit vielen Jahren schon im Februar, dieses Jahr am 20. des Monats. 

Weil der Winter bisweilen ein nur sehr mäßiges Vergnügen ist, ist die Lust, sich ins Dunkle zu verkrie-chen und den Projektionen auf der Leinwand zuzuschauen, dann noch ein wenig größer als sonst. Für 

90 oder 120 Minuten in eine andere Welt eintauchen. Bei aller Medienentwicklung und Medienhype steckt darin etwas Urmenschliches, ja auch Urreligiöses: Wir sitzen in der Höhle und betrachten die Bilder an der Wand, tauchen in sie ab, leben – wenn der Film gut ist – ein anderes Leben mit. Verstehen dadurch vielleicht, was wir sonst nicht verstehen würden. 

Wie es Petrunya in der männerdominerten Welt ergeht, zum Beispiel. Der nordmazedonische Film „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ lief letztes Jahr auf der Berlinale. Es ist ein Film, der die subtilen und offenen Formen der Diskriminierung von Frauen thematisiert. Und der mit Petrunya eine Frau zeigt, die dieser Männerwelt trotzt, als sie ein Kreuz – das Kreuz – verteidigt. Der Film erhielt den Preis der Ökumenischen Jury. Ja, die Kirchen gucken auch hin bei der Berlinale. Das klingt jetzt etwas sehr simpel, aber es ist ziemlich genau so: Seit vier Jahrzehnten schaut eine Jury, die aus beiden Konfessionen zusammengesetzt ist, die Filme des Wettbewerbs mit an – und zwar unter der Frage, ob es den Filmen in besonderer Weise gelingt, „für spirituelle, menschliche oder soziale Werte zu sensibilisieren“, wie es in den ­Kriterien heißt. Was ebenso klug wie abstrakt klingt, führt in der Praxis immer wieder dazu, dass die ökumenische Jury Trends – gesellschaft­liche und cineastische –aufspürt und erkennt, einfach gesagt: hinguckt, wo das Leben (im Film) so hinläuft. 

Nachtrag: Wieder nur alles ­Berlin? Nein: Winterzeit ist Kinozeit, das beginnt festivaltechnisch stets im November mit dem Cottbuser Filmfestival für den osteuropäischen Film. In diesem Jahr feiert dieses ­Festival sein 30 jähriges Jubiläum. Und – fastversteht es sich von selbst – wirft diesmal seinen cineastischen Blick auf die Veränderungsprozesse 30 Jahre nach Friedlicher Revolution und Wiedervereinigung. Da möchte man die Kinohöhle gar nicht ver­lassen, oder?

Übrigens sind auch Kirchen bisweilen Höhlen, in denen man sich gut verkriechen kann. In der ­Sommerzeit sind es sogar angenehme Kältehöhlen. Auch hier versteht man, was man sonst vielleicht nicht verstehen würde. Denn auch hier laufen die Filme des Lebens, wenn auch anders. Gerne vorbei­gucken.  

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Gratwanderun:eigene Freiheit und Einsatz für andere Wolfgang Banse Nicht nur alles nehmen, sondern auch was geben, hier die Einführung eines Pflichtdienstes
Ich stimme Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier uneingeschränkt zu, was seine Anregung im Bezug auf die Einführung eines sozialen Pflichtdienstes betrifft., beiderlei Geschlechts.Unserre gesellschaft wird immer kälter, hier sollte entgegen gewirkt werden, was ein sozialer Pflichtdienst betrifft.Dem Ego entgegen wirken, für andere da sein, Menschen mit einem handicap, Kranke, Ältere, Obdachlose...Dieser soziale Pflichtdienst sollte mindestens ein halbes, längstens ein ganzes Jahr dauer. Die diensttuenten sollten eine monatliche finanzielle Pauschale dafür erhalten, in etwa 38O Euro, zusätzlich sollte die, der jenige krankenversichert, Rentenversichert sein."Wir Junge, geben euch der Gesellschaft etwas zurück, was wir empfangen haben".Vwerbände, Organisationen, Kirchen sollten der Anregung des Bundespräsidenten Steinmeier offen und aufgeschlossen gegenüber stehen, sowie die Parteien, die im Deutschen Bundestag vertreten sind.
2. Aktive Gewaltfreiheit Kees Nieuwerth Ausgezeichnet. bin ganz einverstanden!
3. Wir stehen zusammen Martin Wehlan Sehr geehrter Herr Bischof, Sie schreiben: "es geht ja nicht darum, 100 Millionen Menschen in Europa aufzunehmen." Aber bei welcher Zahl wollen Sie denn die Aufnahme in Europa stoppen ? Egal, welche Zahl dann genannt wird, man steht dann prinzipiell genauso vor demselben moralischen Dilemma wie jetzt. Was mich stört, sind die Vergleiche von afrikanischen Flüchtlingen mit ukrainischen. Wer in Afrika vor einem Krieg flieht, ist normalerweise in einem Nachbarland sicher. genauso ist es mit Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Ein Krieg in Afrika kann also eigentlich keine Fluchtursache nach Europa sein. Dennoch gibt es eine wesentliche Fluchturasche in Afrika - und das sind die nicht vorhandenen Lebenschancen für junge Menschen aufgrund der hohen Geburtenrate. Etwa 100 Millionen Afrikaner wollen deshalb in den nächsten 10 Jahren ihre Heimat Richtung Europa verlassen - fast alles junge Männer. Ehrlichkeit beim Thema "Geflüchtete" ist die Voraussetzung dafür, dass die Geflüchteten von den Menschen der Aufnahmeländer akzeptiert werden. Ein Allgemeines Verweisen auf "Flucht als solche" bzw. die Bibel wird von der schweigenden Mehrheit als Gesinnungs-Ethik erkannt und im Stillen nicht akzeptiert, trotz des moralischen Dauerfeuers.

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