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RSSPrint

Mit Trostraum und Weihnachtsbotschaft

16.12.2020

Bischof Christian Stäblein über die Zerissenheit zu Weihnachten und den Trost in Coronazeiten

Von Bischof Christian Stäblein

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Geschwister, was für Zeiten. Weihnachten kommt. Und wir sind alle ziemlich hin- und hergerissen. ­Besonders die Beruflichen und die vielen Ehrenamtlichen, die Verantwortung für die Gottesdienste in den kommenden Wochen tragen. Können wir sie ­feiern? Oder ist es gerade viel mehr geboten, zum Schutz des Nächsten die Präsenzgottesdienste abzusagen, stattdessen auf die Gottesdienste in anderer Form und in den verschiedensten Medienkanälen zu setzen? Diese Fragen können einen ziemlich zerreißen. Denn zum einen, keine Frage, lieben wir alle die Christvespern, Metten und Krippenspiele, können uns ein Fest ohne sie kaum vorstellen. Seit Wochen planen und bereiten viele in unserer Kirche diese Gottesdienste vor, gerade auch unter den besonderen Umständen, mit Hygienevorschriften und unter der Devise „kurz, klein, häufig, draußen“. Ich erlebe viel Kreativität, Planungsbereitschaft und Verantwortungsgefühl. Zum anderen kommen wir in eine Phase, in der wir gehalten sind, alle nur denkbaren Kontakte zu minimieren. Die Frage wird lauter, warum ausgerechnet die Kirchen hier nun eine Ausnahme beanspruchen. Eine Ausnahme, die ihnen qua Religionsrecht zusteht, das bestreitet niemand. Aber steht uns die Ausnahme auch von unseren eigenen Werten her zu? Müssten wir nicht zum Schutz des Nächsten darauf verzichten? 

Es treibt mich hin und her zwischen diesen Positionen und ich erlebe es so, dass wir oft  beide Haltungen in uns haben. Da mag man dann beide Überzeugungen noch mit der schönen Frage „Was würde Jesus tun?“ verbinden, eine eindeutige Antwort ergibt das leider auch nicht. Einerseits wird man sagen können: Jesus – und durch ihn verkörpert die Grundhaltung der Liebe – legt immer den Verzicht zum Wohle des anderen nahe. Oder wie es in einer „Spiegel“-Kolumne dieser Tage hieß: Jesus würde Oma nicht besuchen, sondern Oma schützen. Andererseits lässt sich gerade aus der Grundhaltung der Liebe betonen: Jesus war da, bei den Menschen, gerade auch den Kranken, gerade bei denen. Einsamkeit macht bekanntlich auch krank.  

Als Kirche, als Christ*innen, müssen wir für den Nächsten da sein, füreinander. Das sagt mir mein Glaube. Mit Seelsorge, offenen Kirchen, verschiedenen Formaten, kurzen, kleinen Gottesdiensten, selbstverständlich nur da, wo es möglich und verantwortbar ist. Da da sein. 

Es gilt gut evangelisch, dass Entscheidungen, ob hier ohne Risiko Gottesdienst gefeiert werden kann, nicht von „oben“ getroffen und dann durchgestellt werden, sondern Kirche ganz Kirche vor Ort ist und dort die Verantwortung trägt. Allerdings höre ich dann wieder: Ach so, dann lasst ihr die Menschen also mit der Verantwortung vor Ort allein? Und so bleibt es ein gutes Stück ein Zerrissensein, in dem ich nur versuchen kann, diese und jene zu stärken. Die Gottesdienste in Präsenz feiern, will ich stärken, weil ich weiß, sie tun das höchst verantwortlich und weil sie so für die Menschen da sind, mit Trostraum und Weihnachtsbotschaft. Und die, die Gottesdienste absagen und auf andere ­Kanäle setzen, will ich auch stützen, weil ich weiß, sie tun das wahrlich nicht leichten Herzens und aus demselben Auftrag der Nächstenliebe. 

Beiden Haltungen und uns allen will ich gerne zurufen: Der Besuch ist längst da, Jesus ist längst gekommen. Über Weihnachten ist schon entschieden worden, vor 2000 Jahren. Die ganze Kirche wird zu diesem Fest ein Gottesdienst, ob zu Hause, im Radio oder im Kirchgebäude, ob auf dem Platz draußen, im Fern­sehen oder am Telefon, in aller Brüchigkeit und Zerrissenheit, an den Krankenbetten und in den Wohnzimmern, in aller Aufteilung ein Gottesdienst.

Und wenn Sie mögen, können Sie am Heiligabend um 20 Uhr auf dem Balkon oder vor der Tür, wo auch immer Sie sind, ein gemeinsames „Stille Nacht, Heilige Nacht“ singen. Dass es von Nord nach Süd, von Ost nach West in jedes Ohr und Herz dringe: Jesus ist geboren. Und längst da. Kommt in unsere Zerrissenheit. Und macht sie ganz. 

Ich danke Ihnen! Und wünsche gesegnete Weihnachten. 

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1. Mehr Gotteshäuser für die Kaiserstadt Dirk Stratmann, Berlin Die Verdienste der fürsorglichen Kirchen-Juste sind unbestritten und anerkennenswert. Doch die
Grundlage ihrer Tätigkeit war der verhängnisvolle Summepiskopat in den evangelischen Landeskirchen bis 1918. Das landesherrliche Kirchenregiment war eigentlich nur für eine vorüber-gehende Notzeit gedacht. Doch das gefiel dann Fürsten und Kirchenver-antwortlichen so gut, dass die Notzeit fast vierhundert Jahre überstand bis 1918. Und aus Protest gegen die Wende 1919 und gegen die demokratische Fahne „Schwarz-Rot-Mostrich“ (so hieß es verächtlich) legte sich die evange-lische Kirche eine lilafarbene Kirchen-fahne zu. Und bezeichnend, dass - ganz anders als in den katholischen Gebieten - in den evangelischen Gebieten fast überall 1933 die Nazis bei den Wahlen die Nase vorne hatten. „Tempora mutantur, sed ecclesia saepe non mutatur.“ So sieht der frühere grüne Abgeordnete Frieder Otto Wolf weiterhin eine komplizenhafte Verstrickung der Kirche mit der Staatsmacht. Zwar sind inzwischen die evangelischen Christen in Berlin und in Brandenburg nur noch eine Randgruppe mit weniger als 15% der Bevölkerung – weiterhin abnehmend. Doch was erleben die nichtreligiösen Berliner, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung? Sie erlebten, wie kirchliche Lobbyisten für das sogenannte kultische „HOUSE of ONE“ [ Spitzname „Wohngemeinschaft Gottes“ – Kultge-bäude für Juden, Christen, Muslime ] sich schamlos 25 Millionen Euro und kosten-los einen Bauplatz im Zentrum Berlins verfassungswidrig sicherten. Und ein Pfarrer, ein Imam und ein Rabbiner, jeweils in auffallend langen Gewändern, posierten dafür gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Müller für die Presse . Was Jesus von solchen auffälligen langen Gewändern in der Öffentlichkeit hält, lese man in der Bibel nach ( Mk. 12, 38ff; Lk. 20, 45f; Mt. 23, 5-7).
Das Projekt des sogenannte „HOUSE of ONE „ war ursprünglich von der Politik angedacht worden. Der Staat wird hier als parteilich erlebt. Und das untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und es kommen Befürchtungen auf, dass der Staat das Religiöse wieder für eigene Zwecke kanalisieren und instru- mentalisieren und eine synkretistische Fernwirkung anpeilen könnte. Und die evangelische Kirche hatte sich sofort wieder einmal an die Rockschöße des Staats geklemmt, um an die „ Fleisch-töpfe Ägyptens „ (2. Mose 16,3) ranzukommen – dazu der frühere evangelische Bischof eigens zu Verhandlungen auf dem Roten Rathaus. Nicht einmal 0,5 Prozent der Berliner besuchen sonntags einen evangelischen Gottesdienst. (Es ist absehbar, dass es in Berlin später mehr Muslime als evan-gelische Christen gibt.) Bestehende Kirchen stehen oft großenteils leer, viele Kirchengebäude werden entweiht, verkauft oder gar abgerissen. Aber die Kirche lässt sich einen neuen Prestige-bau mit 25 Millionen großenteils vom Staat finanzieren und kostenlos dazu das Grundstück stellen. Schämt sich die Kirche denn gar nicht? Diese Vorteil-nahme riecht nach Korruption. Bei diesem Kultgebäude, welches verfas-sungswidrig vom Staat (er muss religiös und weltanschaulich neutral sein) finanziert wird, sehen Berliner Steuer-zahler (diese in überwältigender Mehrheit nicht religiös) ihre Steuer-gelder missbraucht. In Berlin fehlen 26.000 Kitaplätze. Für das Geld des kultischen Prestigebaus „HOUSE of ONE“ hätte man sechs neue Kitas bauen können. Die fürsorgliche Kirchen-Juste hätte hier heute vermutlich anders geplant, da doch so viele evangelische Kirchen wegen mangelnder Nachfrage abgewickelt werden.
ABER ES KAM N O C H V I E L
S C H L I MM E R :
Gegen den ausdrücklichen Willen der überwältigenden Mehrheit der Muslime wählte man einen Mini-Verein der Gülen-Bewegung als Vertreter der Muslime aus (nur 6.000 der ca. 300.000 Muslime in Berlin – so die eigenen Angaben der Gülen-Bewegung). Das wäre etwa so, als würde man in Peking staatlicherseits für die Christen beispielsweise die pflegeleichten „Christen für den Sozialismus“ auswählen. Hier betätigt sich der Staat wieder einmal wie in früheren Zeiten von „Thron und Altar“ ungeniert als Religionsingenieur und privilegiert g r u n d g e s e t z w i d r i g (Staat muss religiös und weltanschaulich neutral sein) ausgewählte MINDER-HEITENgruppen. Ursprünglich war das Projekt als Graswurzelprojekt vorgestellt worden. Doch für ein Graswurzelprojekt interreligiösen Dialoges braucht man keinen teuren kultischen Prestigebau und dafür grenzt man auch nicht willkürlich diskriminierend viele Religionen aus. Sinnvoll ist es dagegen, wenn der Staat über schulische Lehrpläne und mit entsprechenden Angeboten bei Volkshochschulen, Akademien, politischen Landeszentralen, usw., usf. den interreligiösen Dialog fördert. Und die Religionsgemein-schaften können ihrerseits im Sinn eines Graswurzelprojekts interreligiösen Dialog und Trialog usw. institutio-nalisieren auch ohne teuren kultischen Vorzeigebau – reihum in bestehenden Gemeindezentren, mal in christlichen, mal jüdischen, mal muslimischen, usw. oder auch auf neutralem Boden in öffentlichen Räumen.
Oder damit man nicht diskriminierend kleinere Religionsgemeinschaften ausgrenzt, könnte man ein gemeinsa-mes, nichtkultisches Haus der Religionen für Gespräche und gemeinsame Aktionen der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften bereitstellen. Schon jetzt gibt es auch ohne das teure „HOUSE of ONE „, das diskriminierend ausgrenzt, pro Woche in Berlin sehr viele Angebote. Das „HOUSE of ONE“ wird auch in Berlin ständig weitere Sicher-heitskräfte binden, wie wir das von „Brennpunkten" aus dem Ausland kennen. Es wird eher Sprengsatz statt Kitt der Gesellschaft sein, da für ihre kultischen Gebäude Religionsgemein-schaften schon selber gezahlt haben sollten.
Es bleibt zusätzlich noch eine kleine Frage unbeantwortet: Bei dem Dialoggottesdienst zum Purimfest in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am 25.2.2021 hatte sich Esther Hirsch gleich zu Anfang als Vertreterin des „HOUSE of ONE“ vorgestellt und angekündigt, dass in diesem Haus alle Religionen (es war ausdrücklich von allen Religionen die Rede, nicht nur von den abrahamischen) beten sollten. Meine Frage war bisher nicht beantwortet worden, ob die Hindus, die Isisanbeter, die Anhänger der Druiden- und germanischen Kulte, usw., usf. nun in der Synagoge oder Moschee oder christlichen Kirche ihre Andacht verrichten dürfen. In einem echten dialogischen Gottesdienst hätte ein Pfarrer eine solch grundlegende Frage gleich aufgreifen können. Die Frage ist bis heute nicht beantwortet.
Dirk Stratmann, Berlin

2. Solidarische Sympathie Wolfgang Banse Ökumene, sollte, darf nicht daran gemessen werden im Bezug auf ein gemeinsames gefeiertes Heiliges Abendmahl.Ökumene, hier gemeinsam gefeiertes Heiliges Abendmahl besteht nicht bei allen evangelischen christlichen Kirchengemeinschaften, hier SELK und Amtskirchen.Es wurde in den letzten Jahrzehnten viel erreicht, dies sollte nicht vergessen werden.Die Evangelischen Kirchen sollten nicht weiter als Kirchen guten Willens betrachtet und gesehen werden, sondern als gleichwertige, vollwertige Kirchen.
3. Gelassen Ostern zulassen Wolfgang Banse "Wir sind präsent" m-diese Worte greife ich auf und frage mich ob es eine Freudsche Fehlleistung, ein Black out von Herrn Stäblein war, was seine Gedanken zum Osterfest zum Osterfest 2021 anbelangt. Ein ruhiges, gelassenes Leben führen hier die Hauptamtlichen, Pastorinnen und Pastoren während der seit über einem Jahr existierenden Corona Pandemie. Monatelang fallen Andachten und Gottesdienste aus,nicht jede und jeder Gläubige ist im Besitz eines PC, Notebook,..Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen-dann sollten die Hauptamtlichen zu den Menschen kommen.Geschieht dies?!(Ausnahmen bestä-
tigen die Regel) Effizient und Qualität ist in jeder Hinsicht gefragt, was die Institution Kirche, hier EKBO betrifft.Gesegnete Ostern Frau Bammel/Herr Stäblein.

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