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Motto des Kirchentages

Jetzt ist die Zeit. mach was draus!

Jetzt ist die Zeit. Mach was draus!

 

Am 13. Februar ist Kirchentagssonntag. Aus diesem Anlass hat Pfarrerin und Sprecherin des „Wort zum Sonntag“, Stefanie Schardien, die auch dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags angehört, über die Losung und den Psalm des Protestantentreffens 2023 in Nürnberg nachgedacht.

 

Von Stefanie Schardien

 

Der große Weihnachtswunsch meiner Kinder waren diesmal Digital­uhren. Solche, die Schritte zählen, Zeit stoppen und den Puls messen können. Auch wenn ich als Mutter natürlich echte Zeiger schöner gefunden hätte … Sei’s drum. Auf diese Weise würden hoffentlich die ständigen Fragen aufhören: „Wie lange darf ich noch Computer spielen?“ und „Wie viele Minuten noch, bis ich zur Schule muss?“ Das Christkind war freundlich. Und so tragen sie nun stolz die Uhren und stoppen die Sekunden, die sie zum Anziehen brauchen. Kleine Herren über ihre Zeit am Handgelenk. Wie die Erwachsenen. Jetzt ist die Zeit unter Kontrolle!

 

Verplanter Alltag und Zeiträuber

 

Das erleben die Kinder nun einmal bei uns Erwachsenen: Dass wir viel über unsere Zeit nachdenken und uns Kontrolle darüber wichtig ist. Wichtig wäre. Denn oft ist mein Erwachsenen-Gefühl eher, dass ­anderes die Kontrolle über meine Zeit hat: weil ich manchmal viel Zeit „verschwende“ mit Dingen, die mir wenig sinnvoll scheinen. Oder weil mir diese Pandemie so viel kostbare Lebenszeit stiehlt und weil ich meist über zu wenig Zeit klage im verplanten Alltag. Dann, wenn mir „die Zeit im Nacken sitzt“ mit Deadlines. Meine Zeit – die gehört mir oft nicht so, wie die Digitaluhren am Handgelenk es glauben machen. Oft erlebe ich sie zerteilt von Job und Haushalt, vergeben an Termine, gehetzt und gestohlen von Zeiträubern.

 

Diese Erfahrungen hatte ich auch im Gepäck, als ich vor einiger Zeit als Mitglied des Kirchentagspräsidiums die Losung für den Kirchentag 2023 in Nürnberg suchen durfte. Mit großer Mehrheit hat sich „Jetzt ist die Zeit“ (Matthäus 1,15) durchgesetzt. Dass wir in diesen Zeiten besonders über die Zeit nachdenken wollen und sollen, darüber wie drängend vieles „an der Zeit“ ist, wie sie uns in wichtigen Fragen, wie dem Klimaschutz, davonläuft, oder wie wir die von Gott schon erfüllte Zeit miteinander in dieser Welt füllen sollten – all das hat sich rasch als gemein­sames Interesse herauskristallisiert.

 

Biblische Zeitansage

 

An diesem Kirchentagssonntag steht in vielen Gemeinden nun Psalm 31 im Mittelpunkt mit einem der wohl berühmtesten ­biblischen Verse über die Zeit. Der betende Mensch wendet sich an Gott mit den Worten: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Da geht es weniger um kurzfristige Termine und Uhr-Zeiten.

 

Bei dieser biblischen Zeitansage spüre ich: Hier geht es um das große Ganze der Zeit. Um meine Lebens-Zeit am Stück. So wie ich sie im Alltag kaum erlebe. Mein Leben, wie eine langsam ablaufende Sanduhr, die in Gottes Hand „ruht“ – so die noch etwas genauere Übersetzung aus dem He­bräischen. Meine Zeit in Gottes Hand, beschützt von Gottes freundlichem Blick. Eingebettet in einem hoffentlich sinnvollen, großen ­göttlichen Plan. Ein biblisches Bild, das von viel Geborgenheit und Ruhe erzählt in der gehetzten Zeit.

 

Das liest sich erstaunlich aktuell

 

Aber wenn ich den biblischen Vers nicht einfach nur allein herauspicke, sondern im Psalm weiterlese, erfahre ich schnell: Der Psalmbeter kennt nicht nur dieses vertrauensvolle Gefühl, seine Zeit in Gott geborgen zu wissen. Er sieht nicht nur Gottes Hand um sich. Eine andere Hand greift auch nach dem Leben mit seiner Zeit: Die Hand von Widersachern.

 

Der Psalmbeter fühlt sich in der Situation seines Gebets alles andere als wohlig und geborgen. Im Gegenteil. Auch gehetzt. Wie nun dieser Mensch vor rund 2600 Jahren davon berichtet und Gott bittet, dass es mit der Verfolgung und den Anfeindungen ein Ende haben möge, das liest sich erstaunlich aktuell: „Rette mich aus der Hand derer, die mich befeinden und verfolgen. … Schweigen sollen die Lügenlippen, die über die Gerechten in Stolz und Verachtung reden.“

 

Was dem Menschen, der dort betet, seine Lebenszeit schwermacht, ist weniger körperliche Gewalt als – in modernen Worten – hate speech und fake news. Falsches wird erzählt, Böses, Lügen. Menschen werden mit Worten verächtlich gemacht. Schon damals fiel es Menschen offensichtlich schwer, sich dagegen zu wehren.

 

„Lügenlippen“-Post raubt Zeit

 

Als Sprecherin beim „Wort zum Sonntag“ bekomme ich – wie ja mittlerweile alle Menschen, die irgendwo öffentlich etwas sagen – regelmäßig „Lügenlippen“-Post: E-Mails weit unter der Gürtellinie, Verfluchungen, Worte voller Hass und Verachtung. Ich habe über die Jahre hinweg gelernt, dass die Schreibenden mit ihren Provokationen und Boshaftigkeiten vor allem eins tun: Sie wollen mir meine Zeit rauben. Zeit, die ich auf das Grübeln darüber verwende, wieso diese Menschen so eine Lust am Verletzen und Hetzen haben. Und sie rauben mir auch ganz praktisch jene Zeit, die ich mit Antwort-E-Mails verbringe.

 

Das Zeit-Bild aus dem Psalm stellt sich für mich den vielen verschiedenen Zeiträubern im Leben entgegen: Seien es solche, die meine Lebenszeit mit Termindruck und Hektik zerfleddern wollen, seien es jene, die mich mit all ihrem Hass viel Nerven und Zeit kosten. Meine Zeit ruht in Gottes Hand. Nicht gehetzt. Mit ­diesem Bild eröffnet sich mir ein ­anderer Blick auf meine eigene Lebenszeit.

 

Igelwohnungen im Garten bauen

 

Meine Zeit in Gottes Hand sehe ich auf einmal als Ganze vor mir: Was möchte ich mit dieser Lebenszeit eigentlich anfangen? Gottes Hand hält meine Zeit zusammen. Von Gottes Kontrolle über die Zeit ist keine Rede. Mit dem neuen Blick auf meine behutsam zusammengehaltene Lebenszeit bekomme ich wohl vielmehr selbst die Aufgabe zurück, sie zu füllen und den Impuls aus der Kirchentagslosung „Jetzt ist die Zeit“ hoffnungsfroh aufzunehmen: Mach was draus!

 

Meine Kinder sind dazu übergegangen, dass sie nur manchmal die Zeit mit den Digitaluhren unter Kontrolle haben wollen. Manchmal haben sie gar keine Lust, sich schon vom Kleinklein des so erwachsenen Termindrucks gefangen nehmen zu lassen, und legen die Uhren einfach ab. Voller Vertrauen, dass schon ­jemand anderes die Zeit im Blick hat. Und natürlich in der vollen Über­zeugung: Jetzt ist einfach mal die Zeit, Pfannkuchen zu backen oder Igelwohnungen im Garten zu bauen.

 

Stefanie Schardien ist Pfarrerin in Fürth. Sie gehört dem Präsidium des Kirchentags an und ist Sprecherin beim „Wort zum Sonntag“ sowie Rundfunkpredigerin der bayerischen Kirche.

 

 

KirchentagsSonntag am 13. Februar

Zur Einstimmung auf den Kirchentag gibt es seit 2007 den KirchentagsSonntag. Er ist Station auf dem Weg, soll informieren und Lust ­machen. Jeder kann mitfeiern. Eine Liste mit Gottesdiensten aus ganz Deutschland, digital und vor Ort gibt es auf der Internetseite des Kirchentages. Auch das Materialheft für den Gottesdienst „In deiner Hand ruht meine Zeit“ steht dort zum Download bereit.

 

www.kirchentag.de

 

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Wir sind Pfarrerinnen Wolfgang Banse Was lange jährt, wird endlich gut, hier die Ordination von Frauen als Pfarrerinnen in der Evangelischen Kirche in Polen.Gleichberechtigung im Berufsleben von Mann und Frau ist im Pfarralltag erleb-erfahrbar.In der lettischen Evangelischen Kirche, in der Selbstständig Evangelisch lutherischen Kirche (SELK9 in der Römisch katholischen Kirche gibt es keine Ordination von Frauen als Pfarrerinnen/Pastorinnen, sowie keine Weihe zur Priesterin.Deer Pfarrberuf ist nicht angelegt auf das männliche Geschlecht.Pastoren, Priestermangel ist in Deutschland vorhanden. Diesen kann abgeholfen werden, wenn Frauen zum Pfarrerinnen/Pastorenamt, Priesterinnenamt zugelassen werde würden.Nicht die Kirchenleitungen sollten darüber befinden , sondern die Basis, das Kirchenvolk:Wir sind Kirche und verkörpern diese nach innen , wie auch nach außen.
2. Wir sind Pfarrerinnen Kowitz, Wolfram hatte erwartet, dass der konservative poln. Präsident dazwischen funkt.
Übrigens hat die "PK" (Potsdamer Kirche) auch ein neues Wort kreiert "Diakonin". Darf ich weiter "Diakonisse" sagen ? So wie der weibliche Hornist eben eine Hornisse ist! Bei einer Leserumfrage würden sich 80 % gegen das Gendern aussprechen!
3. Vermittler und Brückenbauer Wolfgang Banse Mit 93 Jahren verstarb er ehemalige Bischof Dr. Martin Kruse.Viele leitende Stationen in den Kirchen nahm er wahr, übte sie aus, sei es als Leiter des Predigerseminars in Loccum(Zu früheren Zeiten gab es die Runde, wer im Predigerseminar Loccum sein Vikariat absolviert, wird mindestens Superintendent) Der Sprengel Stade verlor mit seiner Wahl als Bischof einen sehr engagierten Landessuperindenten.Als Bischof, EKD Ratsvorsitzender bezog er zu vielen Themen, eine eindeutige, klare Position.Während seiner Tätigkeit als Bischof und EKD Ratsvorsitzender fiel die innerdeut-
sche gezogene Mauer.Gerne erinnere ich mich an Begegnungen in der S-Bahn, mit dem emeritierten Bischof Dr. Martin Kruse, als Ruheständler. Der verstorbene Bischof Dr. Martin Kruse hat sich um die Kirche, hier Evangelisch-lutherische Kirche Hannover, sowie in Berlin verdient gemacht. Vergelt Gott hierfür.

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