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RSSPrint

Nutztier und Mitgeschöpf

20.01.2021

Am 24. Januar widmet sich die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche dem Tierwohl und der Ernährungsethik

Von Cordula Möbius

Jedes Jahr im Januar, immer zur Zeit der Grünen Woche, wird in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, in dem wichtige Fragen und Anliegen rund um die Landwirtschaft bedacht und im Gebet vor Gott gebracht werden. Den Brauch gibt es seit 20 Jahren.

Dieses Jahr ist vieles anders, da die Grüne Woche pandemiebedingt nicht in gewohnter Art und Weise ablaufen kann. Trotzdem dreht sich in diesen Tagen an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vieles um die Landwirtschaft. So auch beim letzten Kapellengespräch, dass sich als Online-Konferenz via Zoom mit dem Impulspapier „Nutztier und Mitgeschöpf – Tierwohl, Ernährungsethik und Nachhaltigkeit aus evangelischer Sicht“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) befasste. „Wie geht unsere Gesellschaft mit Nutztieren um? Welche Auswirkungen haben unser Umgang mit Nutztieren und unser Fleischkonsum auf die Umwelt und auf die globale Entwicklung? Und was sagt die Bibel zum Verhältnis von Mensch und Tier?“ Das sind die zentralen Fragen des Papiers, die Oberkirchenrätin Anne-Kathrin Pappert, Referentin für Bio-, Medizin- und Umweltethik bei der EKD in ihrem virtuellen Vortrag erläuterte. Das Papier solle als Leitfaden für die Zusammenarbeit und den Diskurs mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und mit Politikern und Wissenschaftlern dienen. Darüber hinaus gehe es auch um die selbstkritische Haltung innerhalb der Kirche.

Milchviehwirtschaft heute

Doch inwieweit ist der angestrebte kulturelle Wandel beim Umgang mit unseren Nutztieren bereits eingeläutet? Sind Verbesserungen schon erkennbar? Das erfuhren die Teilnehmenden aus erster Hand von den Junglandwirt*innen, die ebenfalls zugeschaltet waren: „Seit ich denken kann, investieren wir auf unserem Hof in ein besseres Tierwohl“, erklärte Stefan Westrup, Junglandwirt aus der Nähe von Osnabrück. Auch auf dem Betrieb von Anne te Brake im Emsland wird viel für das Wohl der dort lebenden 150 Milchkühe getan. Die Tiere können sich hinlegen, fressen und saufen wann sie wollen. Von Frühjahr bis Herbst kommen die Tiere auf die Weide. 

Beide Junglandwirte stellten heraus, dass es in der Landwirtschaft nicht die eine richtige Haltungsform gibt. Denn jeder Betrieb wirtschaftet unter anderen Rahmenbedingungen; einige Betriebe verfügen über viel eigenes Land, andere haben ihr Land gepachtet. Dazu kommen äußere (natürliche) Einflüsse, die die Planung erschweren. Sich stetig verändernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen (Gesetze, Preisschwankungen) sind weitere Herausforderungen.

Gottesdienst als Video-Stream

Impulse aus dem Kapellengespräch sind in die Vorbereitungen des Gottesdienstes „Nutztier und Mit­geschöpf“ eingeflossen, der am Sonntag, dem 24. Januar 2021, in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten – und Bewohnern aus Stadt und Land - virtuell gefeiert werden soll. Die jungen Landwirtinnen und Landwirte schicken ihre Videobotschaften direkt von den Höfen und aus den Ställen. Musik kommt von Landesposaunenwartin Barbara Barsch und Horst Gorski, Vizepräsident des Kirchenamts der EKD, sendet aus Hannover Teile der Predigt. 

Videogottesdienst „Nutztier und Mitgeschöpf“ am Sonntag, 24. Januar, um 11 Uhr unter www.gedaechtniskirche-berlin.de

Das EKD-Papier finden Sie unter tinyurl.com/mitgeschoepf. Es kann auch unter versand@ekd.de zum Preis von 1,90 Euro bestellt werden.

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Tierwohl in der Kirche Thomas Berg Meine Hühner schlachte ich selbst, auch wenn sie nicht auf das Wurstbrot kommen. Das ist der schmerzliche unvermeidliche Schritt auf dem Weg vom Kücken zum Braten. Meine Hühner werden natürlich auch nicht schon nach vier bis sechs Wochen geschlachtet wie das inzwischen leider normale Industriehuhn.

Trotzdem: Ganz rund ist die Argumentation wohl nicht, die hier die vegetarische Ernährung aus der Bibel begründen will. Schon im 3. Kapitel der Bibel - noch im Garten Eden - bekommen Adam und Eva von Gott selbst Röcke aus Fellen geschneidert. Wenige Verse später lesen wir, daß ihr zweitgeborener Sohn Abel Schäfer wurde. Ganz sicher hat er Schafe auch zum Schlachten gehalten. Er opfert jedenfalls vom Fett der Erstlinge der Herde auf dem Altar, was Gott wohlgefällig anschaut.

Ganz nebenbei und völlig unbiblisch brauchen wir mehr Tiere auf der Weide der Artenvielfalt wegen. Ohne Weidetiere verarmt die biologische Ausstattung unserer Landschaft was man in unseren Breiten heute schon beobachten kann. Insekten fehlen, die der Tierhaltung folgen. Daher fehlen die Insektenfressenden Vögel, Fledermäuse usw. Genau deswegen hält der Naturschutzverein dem ich vorstehe auch mehrere Rinder- bzw. Wasserbüffelherden (derzeit ca. 360 Tiere).

Was weniger werden muß ist die Massentierhaltung in optimierten HiTec-Ställen, die klimaschädlich ist, die Tiere zur Ware degradiert und in den Schlachtfabriken und dem Transport dahin das oft beklagte Tierleid zur Folge hat.

Unsere Tiere werden jedenfalls zur Schlachtung auf der Weidefläche geschossen und erst dann zum Fleischer gefahren.

Ethische Entscheidungen kennen eben nicht nur das Entweder-Oder sondern auch manche Möglichkeit dazwischen.
2. Proberaumsuche Chrissi Suche Proberaum, um christlichen worship zu machen. Spiele seit 11 Jahren Schlagzeug und möchte gerne weitermachen. Gibt es Hilfe und Unterstützung von ihrer Seite aus? Über Ratschläge und gute Nachrichten, würde ich mich freuen! Lg, Chrissi
3. Idenschmiede der Nordkirche Wolfgang Banse Nicht alles was man auf gibt, ist gut so heißen. Glieder der Kirche, hier Nordkirche wurden in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen.Demokratie, hier Basiskirche lässt nach wie vor zu wünschen in den Gliedkirchen der EKD.

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