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Pflege fordert Politik

Titelkommentar zum Pflegenotstand

Pflege fordert Politik

Wegen katastrophaler Arbeitsbedingungen kehren viele Pflegekräfte dem Beruf den Rücken. Wenn jetzt nichts passiert, wird sich die Lage weiter zuspitzen: Rund eine halbe Million Pflegekräfte geht in den nächsten 12 Jahren in Rente – während der Pflegebedarf in der Bevölkerung immer weiter zunimmt. An welchen Stellschrauben muss jetzt gedreht werden, um eine angemessene Pflege sicherzustellen? Dieser Frage ging auch der 8. Deutsche Pflegetag am 13. Oktober in Berlin nach.

 

Von Christine Vogler

 

Pflege ist eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen, die uns in den nächsten Jahren begleiten werden und für die wir ­Lösungen finden müssen. Ein paar Zahlen: ­Bereits heute fehlen uns in allen pflegerischen Versorgungsbereichen – Kliniken, den Pflegeheimen und der ambulanten pflegerischen Versorgung – 200000 Pflegekräfte. Eine vakante Stelle bleibt bis zur Besetzung mit einer neuen Pflegefachperson heute 240 Tage un­besetzt. Und in 2030 werden die Pflegebedürftigen um eine weitere Million auf 5,1 Millionen Menschen anwachsen.

Mit dem heutigen Gesundheitssystem ­werden wir diese Herausforderungen nicht bewältigen können. Damit wir es schaffen können, bedarf es zum einen der gesellschaftlichen Diskussion um die künftige Wertigkeit und den Anspruch an pflegerischer Versorgung, aber dann auch die Diskussion darum, wie und wer das bezahlen soll. Denn dass es mehr Ressource braucht, ist klar. Finanziell, aber auch vor allem personell. Wir benötigen gut ausgebildetes Pflegefachpersonal. Und da wurden in den letzten Jahrzehnten einige ­falsche Weichen gestellt. Die Pflegenden heute verdienen nicht angemessen und zu unterschiedlich in den Versorgungsgebieten, sie sind viel zu wenig und es gibt keine Einflussnahme in das Gesundheitssystem.

 

Die ewige Diskussion um „Pflege-kann-jede/r“ disqualifiziert den Beruf und wird permanent wiederholt, jüngst wieder durch Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger, der Langzeitarbeitslose für die Pflege rekrutieren will. Pflege kann nicht jede/r! Pflege ist auch mehr als empathische Zuwendung. Pflege ist ein qualifizierter Heilberuf, der hohe Kompetenz-Anforderungen stellt. Versorgungsrelation und Dokumentationspflichten, Personal­mangel und hohe Arbeitsbelastung – diese und weiteren strukturelle Probleme führen dazu, dass im Alltag für die Kernaufgaben der Pflege kaum Zeit bleibt und sich ein negatives Berufsbild verfestigt.

 

Damit die pflegerische Versorgung auch in Zukunft sichergestellt werden kann, braucht es viele Maßnahmen. Unter anderem eine starke und kompetente Berufsgruppe Pflege mit unterschiedlichen Qualifikationsgraden. Von der staatlich ausgebildeten Pflegehelferin, über die ausgebildeten und studierten generalistischen Pflegefachpersonen bis hin zu den in Weiterbildungslehrgängen bzw. Master­studiengängen qualifizierten Fachpflegenden.

 

Pflege braucht mehr Eigenständigkeit und Verantwortung

 

Pflege ist ein professioneller Heilberuf und das muss sich im Berufsalltag durch mehr Entscheidungsbefugnisse widerspiegeln. Ein Beispiel: Eine Pflegekraft, die einen Patienten mit offenem Bein zu Hause versorgt, könnte schnelle Abhilfe schaffen, indem sie die nötigen Heilmittel verschreibt. Doch dies ist Ärzt*innen vorbehalten. Wenn wir wollen, dass Pflegende ihre beruflichen Kompetenzen einsetzen, muss es ihnen möglich sein, Verantwortung für die Versorgung zu übernehmen.

 

Pflege braucht angemessene Bezahlung

 

Untersuchungen zeigen, dass die Verantwortungs- und Belastungssituation von Pflegenden anderen Berufen entspricht, die einem Gehalt von 4000 Euro zugeordnet sind. Die Realität sieht anders aus. Pflegende starten oft mit einem Einstiegsgehalt von 2400 Euro Brutto. Und auch langjährig erfahrene und weiterqualifizierte Pflegende erreichen die 4000 Euro Brutto nicht. Von daher fordern wir deutlichere Lohnzuwächse, die das Niveau von 4000 Euro widerspiegeln.

 

Pflege braucht bessere Arbeitsbedingungen

 

Das erreichen wir durch eine am Bedarf orientierte und verlässlich finanzierte Personal­ausstattung. Dann werden unter anderem Schichtpläne stabil und Pflegende können mehr als nur Grundlagenversorgung sichern.

Pflege braucht eine starke berufsständische Vertretung und muss in politische Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden. Selbstverwaltungsstrukturen in Rahmen von Landeskammern und einer Bundespflegekammer müssen durchgesetzt werden – das ist keine Frage mehr von Befragungen der ­Berufsangehörigen, sondern von Rechts­sicherheit und einer unterstützenden Politik in Land und Bund. Die neue Regierung hat viele Aufgaben zu bewältigen – die Pflege muss eines der Kernthemen werden.

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1. Späte Einsicht Wolfgang Banse Was geschehen ist , dass kann nicht ungeschehen gemacht werden.Mit verzeihen entschuldigen ist es nicht getan .Konsequenzen sollte dieses Vorgehen zur folge haben.Eine nachträgliche neue Friedhofsordnung zu verabschieden, im Hinblick auf den eingetretenen Fall , löst das Prolem nicht. Denken , sollte in der EKBO zum Ausdruck kommen, hier Frau Bammel, Herr Stäblein.
2. Impfbemühungen nicht unter laufen Wolfgang Banse Die evangelische Kirche sollte sich von der Schwesterkirche im Römisch katholischen Glauben dahin unterscheiden, dass es keinen Cheftheologen gibt, hier Papst bei der Römisch katholischen Kirche.Nicht eine, einer denkt, wie es in der Evangelischen Kirche weiter geht, sondern alle sollten eingebunden werden, was das denken betrifft, im Hinblick auf das Priestertum aller Gläubigen.
3. Ist die geplante Reform... Wolfgang Banse Kirche findet nicht im Konsistorium der EKBO statt, in der Synode, sondern vor Ort.Kirchengemeinden sollten den Synodalen, der Kirchenleitung die Stirn zeigen, wie groß eine Kirchengemeinde des KÖR zu sein hat. Wir sind kirche, hier Basis bestimmt was Kirchengemeinde ist, beinhaltet.

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