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Ponyhof-Theologie?

Heinig: Evangelische Friedensethik greift zu kurz

Den Krieg in der Ukraine beenden, aber wie? Mit oder ohne Waffen – darüber wird derzeit heftig ­diskutiert. Fotos: Alexandra Koch/pixabay

Von Franziska Hein

Frankfurt am Main/epd Für den Kirchenrechtler Hans Michael ­Heinig greift die Position der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Friedensethik angesichts des Ukraine-Krieges zu kurz. Erhebliche Teile des kirchlichen Protestantismus seien der Auffassung, man möge lieber auf die rechtserhaltende ­Gewalt verzichten, kritisierte der Göttinger Jura-Professor. Polemisch gesprochen sei das „Ponyhof-Theologie“, die die Errungenschaften einer menschenrechtlich und ­demokratietheoretisch aufgeklärten ­reformatorischen Theologie des ­Politischen zur Seite wische, erklärte er.

Und es sei auch inkonsequent, so Heinig, wenn man bedenke, dass sofortiger ukrainischer ­Gewaltverzicht nicht in einen ­gerechten Frieden münden würde, sondern in Kolonialisierung, ­Unterwerfung und kultureller Auslöschung. „Kirchliche Verlautbarungen, die das nicht klar ­benennen, sondern schlicht zur ­Mäßigung ,beider Seiten‘ aufrufen, wirken deshalb in bedrückender Weise zynisch“, kritisierte er.

Auf die durch den russischen ­Angriffskrieg in der Ukraine auf­geworfenen Fragen gebe die EKD-Friedensdenkschrift von 2007 kaum sinnvolle Antworten, sagte er. Lese man die Denkschrift, falle ins Auge, wie stark sie unter dem Eindruck des Terroranschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001 stehe, sagte Heinig. Es gehe um asymme­trische Kriegsführung, Terrorbekämpfung und menschenrechtlich begründete militärische Interventionen. Vor diesem Hintergrund werde der „gerechte Frieden“ zur neuen Leitkategorie ausgerufen. „Die Formel diente damals als Kompromissklausel, hinter der sich eine radikalpazifistische Position ebenso stellen konnte wie eine verantwortungsethische“, sagte Heinig dem epd. Nach dem Erscheinen der Denkschrift habe sich die Rede vom 

„gerechten Frieden“ innerkirchlich auf eigenwillige Weise verselbstständigt. Wurde damals noch das Völkerrecht hochgehalten, spiele dies jetzt keine Rolle mehr, kritisierte Heinig. „Von legitimer, rechtserhaltender Gewalt will man kirchlicherseits nicht mehr viel wissen. Stattdessen ist die Rede davon, dass man sich im Krieg stets schuldig mache, weshalb dann deutsche Waffenlieferung ­kritisch bewertet werden“, so ­Heinig. Beispielsweise hatte sich der EKD-Friedensbeauftragte und mitteldeutsche Landesbischof, Friedrich Kramer, wiederholt gegen Waffenlieferungen ausgesprochen.

„Dabei ist es doch nach evangelischem Verständnis ­gerade das Verstricktsein des Menschen im Bösen, was die rechtserhaltende Gewalt ­zunächst einmal auf den Plan ruft“, betonte Heinig. „Sicherlich: Auch bei der Ausübung ­dieser Gewalt entkommt der Mensch nicht dem möglichen Schuldigwerden.“ An der Stelle beginne eigentlich erst die ­Arbeit an einer konkreten Ethik des Politischen, die Kriterien wie ein Übermaßverbot und ­legitime Ziele wie der „gerechte Frieden“ für ­Gewaltanwendung herausarbeiten müsse.

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1. Wir sind Pfarrerinnen Wolfgang Banse Was lange jährt, wird endlich gut, hier die Ordination von Frauen als Pfarrerinnen in der Evangelischen Kirche in Polen.Gleichberechtigung im Berufsleben von Mann und Frau ist im Pfarralltag erleb-erfahrbar.In der lettischen Evangelischen Kirche, in der Selbstständig Evangelisch lutherischen Kirche (SELK9 in der Römisch katholischen Kirche gibt es keine Ordination von Frauen als Pfarrerinnen/Pastorinnen, sowie keine Weihe zur Priesterin.Deer Pfarrberuf ist nicht angelegt auf das männliche Geschlecht.Pastoren, Priestermangel ist in Deutschland vorhanden. Diesen kann abgeholfen werden, wenn Frauen zum Pfarrerinnen/Pastorenamt, Priesterinnenamt zugelassen werde würden.Nicht die Kirchenleitungen sollten darüber befinden , sondern die Basis, das Kirchenvolk:Wir sind Kirche und verkörpern diese nach innen , wie auch nach außen.
2. Wir sind Pfarrerinnen Kowitz, Wolfram hatte erwartet, dass der konservative poln. Präsident dazwischen funkt.
Übrigens hat die "PK" (Potsdamer Kirche) auch ein neues Wort kreiert "Diakonin". Darf ich weiter "Diakonisse" sagen ? So wie der weibliche Hornist eben eine Hornisse ist! Bei einer Leserumfrage würden sich 80 % gegen das Gendern aussprechen!
3. Vermittler und Brückenbauer Wolfgang Banse Mit 93 Jahren verstarb er ehemalige Bischof Dr. Martin Kruse.Viele leitende Stationen in den Kirchen nahm er wahr, übte sie aus, sei es als Leiter des Predigerseminars in Loccum(Zu früheren Zeiten gab es die Runde, wer im Predigerseminar Loccum sein Vikariat absolviert, wird mindestens Superintendent) Der Sprengel Stade verlor mit seiner Wahl als Bischof einen sehr engagierten Landessuperindenten.Als Bischof, EKD Ratsvorsitzender bezog er zu vielen Themen, eine eindeutige, klare Position.Während seiner Tätigkeit als Bischof und EKD Ratsvorsitzender fiel die innerdeut-
sche gezogene Mauer.Gerne erinnere ich mich an Begegnungen in der S-Bahn, mit dem emeritierten Bischof Dr. Martin Kruse, als Ruheständler. Der verstorbene Bischof Dr. Martin Kruse hat sich um die Kirche, hier Evangelisch-lutherische Kirche Hannover, sowie in Berlin verdient gemacht. Vergelt Gott hierfür.

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