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RSSPrint

Quelle für seelische Kraft

05.05.2020

Die neue Kreativität des Singens

Von Cornelia Ewald

„O welche Lust in freier Luft den Atem leicht zu heben“ - so singen die Gefangenen in der Oper Fidelio von Ludwig van Beethoven, als sie zum Aufatmen in den Gefängnishof geführt werden. Der andere, vielleicht noch bekanntere Gefangenenchor stammt aus der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi. Die Hebräer, gefangen in Babylonien, beklagen die Ferne der Heimat und rufen Gott um Hilfe an (Psalm 137). Nach der Uraufführung am 9. März 1892 in der Mailänder Scala wurde „Va, pensiero“ („Flieg, Gedanke“) ­sofort begeistert auf allen Straßen gesungen und gilt seither als heim­liche Nationalhymne Italiens und Ausdruck des Freiheits- und Unabhängigkeitswillen der ­Italiener jener Zeit. 

Nicht verwunderlich, dass Verdis Chor in einem der ersten und tausendfach geklickten Videos mit dem Zusammenschnitt der in häuslicher Quarantäne singenden Opernsänger zum Sinnbild des Durchhaltewillens der Menschen in Italien und zur Würdigung der Kranken, der Toten und der Helfer während der Krise wurde. Singen in Gemeinschaft stärkt die Entwicklung und Stabilisierung gesundheitsfördernder Struk­turen. Die Ambivalenz, dass ausgerechnet der lebensspendende Atem nicht frei geholt und in Form von Tönen ­gefahrlos abgegeben werden kann, ist schwer zu ertragen. Denn Singen im wertschätzenden Kontext eines gut geführten Chores ist Quelle für innere Sicherheit, Zufriedenheit und seelische Kraft. Mit der im Chor erprobten Selbstwirksamkeit steigt unser Vermögen, die Herausforderungen einer Krise anzunehmen und gestärkt daraus hervorzugehen.

In ungeheurer Kreativität sind deshalb vielfältige bewegende Angebote und Aktionen entstanden. Not macht bekanntlich erfinderisch und in der Isolation wachsen schöpferische Kräfte. Die sorbischen/wendischen Ostersängerinnen verkündeten auch in diesem Jahr die frohe Botschaft der Auferstehung im Morgengrauen singend in den Straßen ihrer Dörfer – mit gebotenem Abstand. So lässt es sich auch vor Altenheimen gegen die Einsamkeit an­musizieren und Solidarität mit den Betroffenen zeigen. So manches zu Hause eingespielte Lied erreichte über den Facebook-Account der EKBO allabendlich eine Fan-­Gemeinde. Aufgezeichnete oder gestreamte Gottesdienste bieten uns ein Stück Ausgleich für die gewohnte Realität. Kann die wertvolle Inter­aktion von Mensch zu Mensch ­technisch ersetzt werden?

Die digitale Chorprobe über eine Meetingplattform bietet sozialen Kontakt ohne physischen Kontakt. Zur Chorprobe am heimischen PC oder Laptop können bereits bekannter Werke aufgefrischt und leichte bis mittelschwere neue Werke einstudiert werden. Auch Stimmbildung ist gut möglich – da Singen hauptsächlich Muskelarbeit ist, muss regelmäßig trainiert werden und das kann auch virtuell angeleitet werden. Es kostet allerdings Über­windung, sich einem Gerät allein mit seiner Stimme zu stellen. 

Und es fehlt das Spezifische des Chorsingens: das gute Gefühl beim gemeinsamen Einatmen, die Sänger*- innen rechts und links neben einem, die mich „mitziehen“, der Klang aus vielen Kehlen und Herzen, der Musik lebendig macht. Aber die vertrauten Gesichter zu sehen und der belebende Austausch vor und nach dem Singen zu lauschen, haben mich persönlich sehr berührt. Ich spüre jetzt besonders, um wie viel ärmer unser Leben ohne Singen im Chor ist.

Zum Sonntag Kantate möchte ich daher alle darbenden Sänger*innen zum zweiten Mitsing-Projekt über Youtube einladen. Meine Kollegin Christiane Hrasky und ich haben uns für den Kanon mit Motiven aus der Arie „Er weidet seine Herde“ aus dem Messias von Georg Friedrich  Händel entschieden und hoffen ­natürlich auf baldiges „frisches ­Wasser“ im übertragenen Sinne. Und verschiedene digitale Einsingen für Chöre und Tutorials zum Erlernen von noch unbekannten Liedern unseres Gesangbuches sind in Arbeit. 

Virtuell zusammen singen macht Freude, kann aber niemals in Konkurrenz zum gemeinsamen Singen live treten. O welche Lust wird es bereiten, den Atem mit Vertrauen und ohne Angst neu zu heben, uns nicht leise zurückzuhalten, welch Glück.

Cornelia Ewald ist Landessingwartin der EKBO. Möglichkeiten zum Mit­singen:
www.kirchenmusik-ekbo.de/ueber-uns/landessingwartin/mitsingen.html

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1. Er kommt, sieht und hört zu Wolfgang Banse Eine Einarbeitungsszeit wird jede/jeden Neue/ Neuen wird zu gestanden.Kommen, sehen. zu hören ist aber auf Dauer nicht angebracht. Pragmatismus ist gefragt. Suchet der Kirche und deren Glieder Bestes.
2. was meinen Sie damit? Dr. Gertrud Gumlich ich gebe Uli Frey vollkommen recht. Nur:
wie (wieder-)belebt man eine Friedensbewegung?
3. Obdachlose Wolfgang Banse Menschen ohne Obdach haben es schwer, jetzt besonders wo die Corona Pandemie ausgebrochen ist. Menschen ohne Obdach bedürfen der Hilfe, nicht nur während der kalten Jahreszeit.Leistungen die von den Kirchen erbracht werden im Bezug Versorgung von Obdachlosen sind überwiegend Fremdfinanzierungen, auch was die Lebensmittel betrifft, hier die Tafel. Aus eigenen Mitteln, hier Etat wird kaum etwas finanziert.

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