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Reformstau auflösen

05.02.2020

Die katholische Kirche sucht den Weg aus der Glaubwürdigkeitskrise. Die deutschen Bischöfe und das Zentral­komitee der deutschen ­Katholiken starteten in der ­vergangenen Woche den Synodalen Weg mit einer Synodal­versammlung in Frankfurt am Main. Zwei Jahre lang diskutieren Bischöfe und Laien über Macht, Missbrauch, Sexual­moral und Frauenämter. Am Ende sollen Reformen stehen.

Von Christian Weisner

Papst Franziskus hätte seine Freude gehabt. Auf der ersten Vollversammlung des Synodalen Weges wurde so freimütig debattiert, so respektvoll zugehört wie lange nicht in einem offiziellen katho­lischen Gremium. Zwar ist der Synodale Weg, und das ganz bewusst, keine Synode nach katholischem Kirchenrecht, aber endlich liegen die Reizthemen Macht, Zölibat, ­Sexualmoral und vor allem Frauenämter offen auf dem Tisch. Themen, die die Missbrauchsstudie im Auftrag der deutschen Bischöfe als Risikofaktoren sexualisierter Gewalt und Vertuschung benannte, die aber auch schon seit Jahrzehnten die Reformdiskussionen bestimmen.

Ja, auch die katholische Kirche kennt und kann Synodalität, das gemeinsame Gehen eines Weges. Das hat sich in Frankfurt im ehemaligen Dominikanerkloster gezeigt, das jetzt der evangelischen Kirche gehört. 230 Katholik*-innen, aufgereiht nach ­Alphabet und nicht nach Rang, die Bischöfe ohne Talar in den Kirchenbänken. Der Verzicht auf solche Machtsymboliken prägte die Versammlung, die unter den Augen internationaler und ökumenischer Gäste, des päpstlichen Botschafters und der medialen Öffentlichkeit stattfand. 

Nach der Aufdeckung des Missbrauchs am Berliner Canisius-­Kolleg im Januar 2010 hatten die ­Bischöfe es noch alleine versucht mit einem von ihnen kontrollierten Dialogprozess, der aber sehr schnell im Sande verlief. Das durfte nicht noch einmal passieren. Nach den erschütternden Ergebnissen der Missbrauchsstudie, der sogenannten MHG-Studie, hatten deshalb die Bischöfe das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, die offizielle Vertretung des Kirchenvolkes, um Mithilfe gebeten. Und das Zent­ralkomitee willigte ein, auch wenn das mit dem Vatikan abgestimmte Statut des Synodalen Weges immer noch den Klerikern und Männern eine starke Übermacht zugesteht, alle Beschlüsse auch eine Zweidrittelmehrheit der Bischöfe erfordern. Aber vieles auf dem Synodalen Weg, angefangen von der Versammlungsleitung bis zur Presse­arbeit, findet partnerschaftlich und auf Augenhöhe zwischen Bischofskonferenz und Zentralkomitee statt. Es ist ein Einüben in Geschwisterlichkeit. 

Was können aber der auf zwei Jahre angelegte Synodale Weg und seine vier thematischen Foren überhaupt wirksam beschließen? Nach derzeitigem Kirchenrecht muss dies ohnehin jeder einzelne Bischof für sein Bistum tun. Und viele der grundsätzlichen Fragen wie das Zölibat für Priester oder die Weihe von Frauen sind und bleiben dem Papst oder gar einem Konzil vorbehalten. 

Aber wenn es hier in Deutschland mit seiner weltweit anerkannten Theologie gelingen sollte, eine theologische Auseinandersetzung auf der Höhe der Zeit zu führen und tragfähige Lösungsvorschläge für die aufgestauten Reformen zu finden, dann werden diese auch vom Vatikan – das ist meine Hoffnung - nicht mehr ignoriert werden können. 

Denn die durch die Missbrauchsskandale offenbar gewordene Kirchenleitungskrise und die Verweigerung von zeitgemäßen Reformen gibt es nicht nur in Deutschland. Weltweit, das zeigen die Missbrauchsskandale, befindet sich die römisch-katholische Kirche in einer existenziellen Krise. Wenn es da dem Synodalen Weg gelingen würde, neue Möglichkeiten auf­zuzeigen, wäre das kein deutscher Sonderweg, sondern ein Dienst an der Weltkirche. 

Die Auftaktversammlung des Synodalen Weges war ein hoffnungsvoller Beginn, der zugleich aber auch die Klippen dieses Reformkurses neuen Typs erahnen ließ. Das zeigte schon die intensive Geschäftsordnungsdebatte. Da wurde eine Sperrminorität der ­Bischöfe abgelehnt, aber in ge­wissen Fällen wird ein Votum der Frauen notwendig sein.  

Vor allem den Frauenverbänden und den Aktionen von Maria 2.0 war es zu verdanken, dass es beim Synodalen Weg überhaupt ein Frauenforum gibt. Hier in Frankfurt waren die Frauen mit Gottesdiensten und Mahnwachen sehr präsent. Und es gibt zumindest einige Bischöfe, die deutlich zum Ausdruck bringen, dass die Kirche den Kontakt zu diesen Frauen nicht ganz verlieren will.

Die Erwartungen sind hoch, dass der partizipative und transparente Ansatz des Synodalen Weges in ­dieser Weise fortgeführt wird und zumindest zu konkreten Lösungsvorschlägen führt, auch wenn diese noch an anderer Stelle in Kraft ­gesetzt werden müssen. Helfen wir hier in Deutschland Papst Franziskus, der eine synodale ­Kirche auf ­allen Ebenen will! 

Christian Weisner ist Mitinitiator des ­KirchenVolksBegehrens „Wir sind Kirche“ und ­Mitglied im „Wir-sind- ­Kirche“-Bundesteam.

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