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RSSPrint

Reformstau auflösen

05.02.2020

Die katholische Kirche sucht den Weg aus der Glaubwürdigkeitskrise. Die deutschen Bischöfe und das Zentral­komitee der deutschen ­Katholiken starteten in der ­vergangenen Woche den Synodalen Weg mit einer Synodal­versammlung in Frankfurt am Main. Zwei Jahre lang diskutieren Bischöfe und Laien über Macht, Missbrauch, Sexual­moral und Frauenämter. Am Ende sollen Reformen stehen.

Von Christian Weisner

Papst Franziskus hätte seine Freude gehabt. Auf der ersten Vollversammlung des Synodalen Weges wurde so freimütig debattiert, so respektvoll zugehört wie lange nicht in einem offiziellen katho­lischen Gremium. Zwar ist der Synodale Weg, und das ganz bewusst, keine Synode nach katholischem Kirchenrecht, aber endlich liegen die Reizthemen Macht, Zölibat, ­Sexualmoral und vor allem Frauenämter offen auf dem Tisch. Themen, die die Missbrauchsstudie im Auftrag der deutschen Bischöfe als Risikofaktoren sexualisierter Gewalt und Vertuschung benannte, die aber auch schon seit Jahrzehnten die Reformdiskussionen bestimmen.

Ja, auch die katholische Kirche kennt und kann Synodalität, das gemeinsame Gehen eines Weges. Das hat sich in Frankfurt im ehemaligen Dominikanerkloster gezeigt, das jetzt der evangelischen Kirche gehört. 230 Katholik*-innen, aufgereiht nach ­Alphabet und nicht nach Rang, die Bischöfe ohne Talar in den Kirchenbänken. Der Verzicht auf solche Machtsymboliken prägte die Versammlung, die unter den Augen internationaler und ökumenischer Gäste, des päpstlichen Botschafters und der medialen Öffentlichkeit stattfand. 

Nach der Aufdeckung des Missbrauchs am Berliner Canisius-­Kolleg im Januar 2010 hatten die ­Bischöfe es noch alleine versucht mit einem von ihnen kontrollierten Dialogprozess, der aber sehr schnell im Sande verlief. Das durfte nicht noch einmal passieren. Nach den erschütternden Ergebnissen der Missbrauchsstudie, der sogenannten MHG-Studie, hatten deshalb die Bischöfe das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, die offizielle Vertretung des Kirchenvolkes, um Mithilfe gebeten. Und das Zent­ralkomitee willigte ein, auch wenn das mit dem Vatikan abgestimmte Statut des Synodalen Weges immer noch den Klerikern und Männern eine starke Übermacht zugesteht, alle Beschlüsse auch eine Zweidrittelmehrheit der Bischöfe erfordern. Aber vieles auf dem Synodalen Weg, angefangen von der Versammlungsleitung bis zur Presse­arbeit, findet partnerschaftlich und auf Augenhöhe zwischen Bischofskonferenz und Zentralkomitee statt. Es ist ein Einüben in Geschwisterlichkeit. 

Was können aber der auf zwei Jahre angelegte Synodale Weg und seine vier thematischen Foren überhaupt wirksam beschließen? Nach derzeitigem Kirchenrecht muss dies ohnehin jeder einzelne Bischof für sein Bistum tun. Und viele der grundsätzlichen Fragen wie das Zölibat für Priester oder die Weihe von Frauen sind und bleiben dem Papst oder gar einem Konzil vorbehalten. 

Aber wenn es hier in Deutschland mit seiner weltweit anerkannten Theologie gelingen sollte, eine theologische Auseinandersetzung auf der Höhe der Zeit zu führen und tragfähige Lösungsvorschläge für die aufgestauten Reformen zu finden, dann werden diese auch vom Vatikan – das ist meine Hoffnung - nicht mehr ignoriert werden können. 

Denn die durch die Missbrauchsskandale offenbar gewordene Kirchenleitungskrise und die Verweigerung von zeitgemäßen Reformen gibt es nicht nur in Deutschland. Weltweit, das zeigen die Missbrauchsskandale, befindet sich die römisch-katholische Kirche in einer existenziellen Krise. Wenn es da dem Synodalen Weg gelingen würde, neue Möglichkeiten auf­zuzeigen, wäre das kein deutscher Sonderweg, sondern ein Dienst an der Weltkirche. 

Die Auftaktversammlung des Synodalen Weges war ein hoffnungsvoller Beginn, der zugleich aber auch die Klippen dieses Reformkurses neuen Typs erahnen ließ. Das zeigte schon die intensive Geschäftsordnungsdebatte. Da wurde eine Sperrminorität der ­Bischöfe abgelehnt, aber in ge­wissen Fällen wird ein Votum der Frauen notwendig sein.  

Vor allem den Frauenverbänden und den Aktionen von Maria 2.0 war es zu verdanken, dass es beim Synodalen Weg überhaupt ein Frauenforum gibt. Hier in Frankfurt waren die Frauen mit Gottesdiensten und Mahnwachen sehr präsent. Und es gibt zumindest einige Bischöfe, die deutlich zum Ausdruck bringen, dass die Kirche den Kontakt zu diesen Frauen nicht ganz verlieren will.

Die Erwartungen sind hoch, dass der partizipative und transparente Ansatz des Synodalen Weges in ­dieser Weise fortgeführt wird und zumindest zu konkreten Lösungsvorschlägen führt, auch wenn diese noch an anderer Stelle in Kraft ­gesetzt werden müssen. Helfen wir hier in Deutschland Papst Franziskus, der eine synodale ­Kirche auf ­allen Ebenen will! 

Christian Weisner ist Mitinitiator des ­KirchenVolksBegehrens „Wir sind Kirche“ und ­Mitglied im „Wir-sind- ­Kirche“-Bundesteam.

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. "Wir müssen uns jetzt auf ie Zunkunft einstellen" Dirk Stratmann Unter der Überschrift „ Wir müssen
uns jetzt auf die Zukunft einstellen „ werden in einem interessanten
Artikel für die landeskirchliche Herbstsynode viele technische
Probleme zum Klimaschutz
präsentiert. Zu dem Leitziel der Überschrift „ Wir müssen uns jetzt
auf die Zukunft einstellen „ müssten
die Landessynodalen zusätzlich AUCH GRUNDSÄTZLICHERES in den Blick
nehmen: Wie beim Buß- und Bettag bedarf der Blick in die Zukunft
zwingend eines ehrlichen
Rückblicks.
Meine Überlegungen durfte ich den Landessynodalen seit einenhalb
Jahren nicht zukommen lassen.
Da lobe ich mir doch die muslimi-
sche Community in Deutschland,
wo man oft offener ist und in einem muslimischen Internet-Debatten-
magazin Muslime und Nichtmuslime ohne Zensur sich austauschen kön-
nen.
WORUM GEHT ES?
Wenn Menschen wegen Glaubens-
verlust oder wegen der Kirchen-
steuer aus der Kirche austreten,
kann man nichts machen. Aber
ca. 40 % treten aus anderen
Gründen aus. Dem müsste man
nachgehen. Doch in über 80 Pro-
zent der Fälle erlebt man auch hier
eine Mentalität der Vertuschung,
des Abblockens und der Zensur.
Solche Beschwernisse und Grava-
mina hatten zur Reformation ge-
führt; heute kann man aus der oft unglaubwürdigen, unbelehrbaren Kirchenorganisation austreten.
Noch gravierender ist ein anderes Problem: In meiner Konfirmanden-
zeit lernte ich, dass der Gemeinde-gottesdienst das Zentrum der Kirchengemeinde sei, dass aber ein wesentlicher Gottesdienst dann an-
fängt, wenn man aus der Kirche
wieder rausgeht. Wenn heute nicht einmal drei Prozent der weniger
als 15 Prozent evangelischer Chri-
sten in Berlin-Brandenburg in den Gottesdienst geht (weniger als ein
halbes Prozent der Bevölkerung),
zeigt dies, dass von der Wurzel her
etwas faul ist. Sonntäglicher Gottes-dienst, zumindest in der herkömm-
lichen Form, wird meist als irrelevant erlebt, zu oft auch als Ärgernis. Und dieser zentralen Frage geht man
nicht auf den Grund, blockt eben
falls ab und praktiziert ein
„WEITER SO ! „
Dagegen hatte ich mir Gedanken gemacht, wie man möglicherweise
einen Teil der Kirchenenttäuschten halten könnte.
MECHANISMUS, wie man
KRITISCHE PUNKTE ERFASSEN und
einer Bearbeitung zuführen kann :

Auch Deutschlands Klein- und Mittelstädte verlieren ständig
zugunsten der Großstädte an Einwohnern. Doch dies Phänomen
gilt nicht generell. Es gibt Städte,
die erheben bei Wegzug möglichst genau die Gründe und Motive der Abwanderung; und sie erfassen
genau, welche Wünsche die Einwoh-
ner haben. Und siehe da: Es gibt
solche Klein- und Mittelstädte, die
trotz harter wirtschaftlicher Vorge-gebenheiten ihre Einwohnerzahl
halten oder sogar steigern können.
Dies brachte mich auf folgende Idee:
Auch innerhalb der Landeskirchen müssten diejenigen, welche einen Kirchenaustritt erwägen oder
tatsächlich vollziehen, eine Mög-
lichkeit haben, freiwillig den Grund
und Anlass eines Kirchenaustritts
oder einer massiven Kirchenverär-
gerung mitzuteilen. Es darf nicht
sein, dass sich allzu oft auch berech-
tigter Ärger anstaut und in der Kir-chengemeinde keine Klärung der anstehenden Probleme stattfindet
und dann irgendwann der letzte
Tropfen das Fass zum Überlaufen
bringt und Kirchenmitglieder
frustriert austreten. Diese Gruppe
ist zahlenmäßig größer als jeweils
die beiden Gruppen, die wegen Glaubensverlust oder Kirchensteu-ersparnis austreten.
In manchen Kirchengemeinden ver-
sucht noch Pfarrer/in oder der Gemeinderatsvorsitzende beim Kirchenaustritt nachzufragen. Doch
allzu oft sind gerade sie es (manch-
mal der komplette GKR; einzelne Mit-
glieder oft unerreichbar), die Ursa-
che für Ärger in der Gemeinde sind
und die eine echte selbstkritische Reflexion in der Gemeinde hinter-
treiben. (Ich hätte genügend Bei-
spiele parat.)
Meiner Meinung nach müsste es innerhalb der Landeskirche eine UNABHÄNGIGE INSTANZ geben
(nicht zu verwechseln mit Petitions-ausschüssen in der Politik), wo die wenigen Kirchenaustretenden, die
sich tatsächlich überhaupt noch die Mühe einer schriftlichen Erklärung machen, ihre Gründe und Anlässe
für den (möglich) Kirchenaustritt
konkret mitteilen können. Und dann muss anschließend wirklich darüber gesprochen und das Problem geklärt werden – sonst bleibt der Eindruck,
dass in der Kirche oft lieber weiter-
hin vertuscht und abgeblockt statt aufgearbeitet wird, dass dort von
Reue geredet wird, es aber lediglich Lippenbekenntnisse sind .
SOLCHE MELDEINSTANZ kann nicht Schiedsrichter spielen, sondern soll
nur sicherstellen, dass über Ärger-
nisse tatsächlich geredet und aufgearbeitet wird.
Matthäus 18, 15-17 weist eindeutig
einen Weg, wie man innerhalb der
Kirche vorgehen soll :
Bei Unrechterleiden soll man das
Strittige zunächst mit dem „Streit-partner“ einzeln besprechen.
Wenn das verweigert wird oder es
nichts fruchtet, solle man es im
Beisein von Zeugen versuchen, schließlich den Streitfall in die Ge-
meinde einbringen. Doch was
macht man, wenn kein Gespräch ermöglicht oder jedes Problem abge-blockt wird? Wenn dieser Weg von kirchlichen Funktionsträgern (egal
auf welcher Ebene) blockiert wird,
treten viele Gemeindemitglieder schließlich frustriert aus.
[[[ Ich meine keineswegs, dass Kirche oder gar der predigende Pfarrer sich chamäleonartig den Wünschen der Gemeindemitglieder anpassen
sollten. ]]]

Ich halte eine unabhängige GESPRÄCHSVERMITTLUNGSSTELLE
für unbedingt erforderlich – und
diese Stelle sollte, wenn normale Kommunikationskanäle abgeblockt werden, unabhängig sein von
Bischof, Kirchenleitung, Konsisto-
rium, Superintendentur und sonsti-
gen Amtsträgern auf unteren
Ebenen. Zumindest genießen oft
die amtlichen Funktionsträger viel zu
oft kein Vertrauen.
(Ich verallgemeinere nicht, es gibt
zum Glück auch sehr viele positive AUSNAHMEN.) Solche GESPRÄCHS-
VERMITTLUNGSSTELLE kann nicht klären, wer Recht oder Unrecht hat.
Doch sie sollte sicherstellen, dass
bei gemeldeten Problemen von den
Beteiligten darüber gesprochen wird oder Funktionsträger (ob und unten)
sich nicht um eine Stellungnahme drücken.
Eigentlich gilt in der Kirche der
Grundsatz „ ecclesia semper refor-
manda „. Es ist ja nicht so, dass man
sich mit der Schwindsucht unserer
Kirche nur abfinden müsste.
Weltweit gibt es durchaus Länder,
wo die Mitgliederzahlen stark zuneh-
men und in China haben die Kirchen mehr Mitglieder als die KPCH. Auch
in Afrika nimmt die Zahl der Christen
zu (wenn auch nicht so stark wie die
der Muslime).
Das bisher Genannte ist mein KERNANLIEGEN.
Bisher hat mich die tröstende Bemerkung des Bruders von einem Kirchenaustritt zurückgehalten:
„ Dirk, auch Jesus hatte Schwierigkeiten mit seinen Religionsvertretern. „ ]



Das Nachfolgende in Klammern soll
nur zeigen, dass sich mein obiger
Vorschlag nicht im luftleeren Raum
entwickelt hat.
[[[ Ich bringe nachfolgend beispiel-
haft einzelne Komplexe, wo Men-
schen an der Kirche in Berlin gelit-
ten haben. Wer auch nur etwas
davon liest, versteht, dass viele
Leute auch aufgrund solcher
Erfahrungen der Kirche längst den
Rücken gekehrt haben.

A] Häufige Rücksichtslosigkeit in der
Amtskirche
Pfarrer/innen und kirchliche Mitar-
beiter auf gemeindlicher und auch höherer Ebene sind oft im Durch-
schnitt rücksichtsloser als Durch- schnittsmenschen ( - oft aus Scheu,
in peinlichen Situationen eindeutig
Farbe zu bekennen. Nichtkirchliche
Durchschnittsmenschen verstehen
viel besser, dass ein klares NEIN
oder unangenehme harte Informa-
tion ein viel größerer Liebesdienst
als Schweigen oder watteartiges
Drumrumreden.)
Oft werden die normalsten Spiel-
regeln des menschlichen Miteinan-
ders innerkirchlich immer wieder
nicht eingehalten (beispielsweise
das „Audiatur et altera pars“). Briefe werden nicht beantwortet, verspro-
chene Rückrufe nicht getätigt. Schrift-
lich die Unwahrheit mitgeteilt wird.
Da man sich so oft über viele Prediger/innen ärgert, geht man
mal hier, mal dort in die Kirche, um
sich nicht immer wieder sonntags
zu ärgern. (Keineswegs deshalb,
weil man sich durch kritische Predig-
ten etwa nicht in Frage stellen las-
sen wollte.) Doch wiederholt in kür-
zester Zeit war bei der einen Kirche
der Gottesdienst entgegen Gemein-
deboten und Aushang um eine
Stunde verschoben. In einer ande-
ren Gemeinde gab es vier Monate
lang keinen Aushang, sodass man
nicht feststellen konnte, wer predigt -
das, obwohl wiederholt auf der Kü-
sterei der Aushang angemahnt
worden. In einer weiteren Gemeinde
gab es im Schaukasten keinerlei
Hinweis darauf, dass es überhaupt Gottesdienst an dem Sonntag gibt.
Viele erfuhren erst in der Woche
drauf, dass es einen Gottesienst
gegeben hatte und der Pastor
an dem Sonntag verabschiedet
worden war. Es kann vorkommen,
dass im Winter Neuzugezogene oder
spontane Gottesdienstinteressierte
ratlos vor der Kirche stehen und
nicht wissen, wo der Gottesdienst stattfindet. Anderswo bei einem Neujahrsgottesdienst warteten ca. zwanzig Leute für den 15-Uhr-Got-
tesdienst auf die Pfarrerin – so wie
es im Gemeindeboten und Schau-
kasten angekündigt war. Im Weih-nachtsgottesdienst hatte man sich umentschieden, den Neujahrsgot-tesdienst auf zehn Uhr zu verlegen – ohne Rücksicht auf andere Gemein-demitglieder, die nicht informiert
waren und in der Kälte vergeblich
auf die Öffnung der Kirchentür war-
teten. Usw. usf. u.v.a.m. Man hat oft
en Eindruck, dass RÜCKSICHTNEH-
MEN gepredigt wird, aber man bei
kirchlicher SCHLAMPEREI rücksichts-
voll drüber weggeht.
Den Katalog könnte man fortsetzen
mit Beispielen aus den letzten
Wochen. Anderswo werden solche Missstände beim Namen genannt.
Der rücksichtslose Ladenbesitzer
spürt dann die Rückmeldung in
seinem Geldbeutel. Doch oft rück-sichtslose Pfarrer kommen sich
noch besser vor und predigen ge-
gen die profitorientierte Geschäfts-
welt an, und viele rührt es nicht,
wenn die Kirchen leerer werden.

B]
Wenn man in kritischen Fällen
nachfragt, erlebt man bei Pfarrern
und kirchlichen Mitarbeitern (gerade auch auf höchster Ebene) eine viel größere Unehrlichkeit als bei den Durchschnittsmenschen. [ Dabei hat Unehrlichkeit im kirchlichen Bereich verheerende Folgen. ]
Statt -zig Beispielen nur ein Beispiel: Eine Superintendentin wird darauf hingewiesen, dass in ihrer Gemeinde Kirchenmitglieder ohne geistliche Betreuung beerdigt wurden. Die
normale Reaktion wäre doch:
„ Wie kommen Sie denn darauf? Ich möchte das gerne überprüfen. „ Stattdessen schroffe Ablehnung und Unterstellung der Verleumdung -
weil nicht sein kann, was nicht sein
darf – erst recht nicht, wenn es in der eigenen Gemeinde passierte. Solche Methode der Klärungsverweigerung
bei peinlichen Anlässen ist eher die
Regel als die Ausnahme.
C]
Sehr stark regt auf, dass innerhalb
der Kirche immer wieder das gepre-
digt wird, was das private Anliegen
und private Wunschvorstellung des Pfarrers oder der Kirchenvertreter
ist. [ Hier geht es nicht um Anliegen
von „Kein anderes Evangelium“ oder Fundamentalismus. ] Weniger stören würde es, wenn ein Pfarrer in einem privaten Leserbrief - hier gibt es eine
Narrenfreiheit - seine private Sicht mitteilt: „ Es gibt keine Klimakata-
strophe, es gibt nur schlechtes
Wetter. „ Aber solche Botschaft
gehört nicht in die Predigt und
nicht nochmals in den anschließen-
den Gemeindebrief.
Doch gerade solches passiert stän-
dig, dass Pfarrer ihre privat gefärb-
ten Vorstellungen per Predigt den
Gottesdienstbesuchern unterjubeln wollen, die sich nicht wehren können.
Natürlich ist Christentum politisch, natürlich muss eine Predigt im Alltag auch politische Auswirkungen haben. Aber der Predigttext kann nicht sa-
gen, z.B. welche OBDACHLOSEN-
POLITIK in Berlin mittelfristig richtig
ist oder welche ABSCHIEBEPRAXIS
im Einzelfall geboten ist. Dazu gehört Herz und HIRN. Und da, wo man das Gehirn einschaltet, können Gläubige durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wieso maßen
sich Theologen dann so oft ein
Urteil an, wo sie nicht zuständig
und um nichts kompetenter als Gemeindemitglieder sind? Schließ-
lich redet man in der evangelischen Kirche vom „allgemeinen Priester-
tum der Gläubigen“.
Herr Bedford-Strohm hätte gerne
über die Medien privat kundtun
können, dass die SPD-Mitglieder
für die Fortsetzung der Großen
Koalition stimmen sollen. Auch
private Stellungnahmen von Promi-
nenten werden von den Medien auf- griffen. Doch dass der Mann, der für
den Tempelberg das Kreuz abnahm
statt auf dem Absatz umzudrehen,
dann gleichsam „ex cathedra“ als RATSVORSITZENDER der EKD in sol-
cher Koalitionsfrage sich äußert, ist arrogant. Der Mann merkt nicht,
wie er Kirche durch seine Kmpetenz-überschreitungen lächerlich macht.
Viele fühlen sich automatisch an
uralte Zeiten erinnert, wo Kirchen-
obere und Prediger den „Laien“
sogar sagten, was sie im Bett zu tun
und zu lassen hätten.
Und als an einem Sonntag kurz vor
zehn Uhr morgens für Insider klar
war, wie die SPD in der Koaltitions-
frage abgestimmt hatte, begann
ein Gottesdienst mit den Worten :
„ Ich kann Ihnen eine gute Nachricht mitteilen. Die SPD-Mitglieder haben
für die Fortsetzung der Großen
Koalition gestimmt. „ Die Abstim-
mung der SPD-Mitglieder hat mich überhaupt nicht gestört; aber dass Pfarrer so arrogant sind, mit priva-
ten politischen Bewertungen Got-tesdienste zu missbrauchen, sehr.
Ich gehe in den Gottesdienst nicht
um zu hören, was der Pfarrer aus
seiner privaten politischen Sicht
für eine gute oder schlechte Nach-
richt hält; dafür können Menschen selber denken. Immer wieder über-schreiten Prediger weiterhin ihre Kompetenzen.
In der Antike hantierten Priester
oft wie Scharlatane bei ihren Opfer-schauen und drehten die von ihnen ausgewählten Opferstücke hierhin
und dorthin, wie sie es gerade
brauchen konnten. Ähnlich hantier-
ten und hantieren viele Theologen –
im Ersten Weltkrieg mit dem Bibel-
spruch „ Sei getrost bis in den Tod,
so werde ich dir die Krone des Le-
bens geben! „ ; heute ist die
Methode oft nicht viel anders.
2018 nach dem Amri-Anschlag in Neonlicht vorne zu Weihnachten
neben dem Weihnachtsbaum :
„Fürchtet euch nicht!„ Einfach toll!
Statt der Frohen Botschaft wird den Gottesdienstbesuchern ein IMPERA-
TIV verpasst! [Ich erinnerte mich stattdessen an „ In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. „ Und offensicht-
lich weiß der Prediger nichts von
dem Würgeengel! Das „ Fürchtet
euch nicht ! „ galt den Hirten, dass
jetzt kein Würgeengel kommt, son-
dern eine Frohe Botschaft! ]
In einer anderen Kirchengemeinde bekomme ich dann zu Epiphanias denselben Imperativ „ Fürchtet euch nicht ! „ nochmals verpasst.
Im Zuge der Klimakatastrophe plötz-
lich eine Kehrwende – jetzt ist Furcht geboten. (Das mache ich freiwillig,
dafür brauche ich keinen Pfarrer.)
Die Kirchentagslosung 2017 war
„ Du siehst mich ! „ mit den Kuller-
augen. Was hatten dazu nicht land-
auf und landab viele Theologen subjektiven Unsinn verzapft in den Kirchenblättern. Allein wegen dieses vielfachen Unsinns musste man sich schämen; hierüber sollte man mal
eine Doktorarbeit schreiben lassen.
Und es ist doch eigentlich traurig,
dass ich beim Kirchentag 2017 am
stärksten gerührt und weinen muss-
te, als in Wittenberg die Musik erklang
"Die Gedanken sind frei!" - so stark
geht mir die ständige Bevormundung
auf die Nerven.
Wie Skatspieler immer wieder die unterschiedlichsten Karten ziehen
und ausspielen können, so macht
man es in der Kirche. Man zieht
mal dies Bibelzitat aus dem Zusam-menhang heraus und setzt es als
Waffe ein, später ein anderes, usw. (Zitatenschockbehandlung) - früher
bisweilen mit der bischöflichen Beleh-
rung : „Das steht schon in der Bibel.„ (Man vergisst zu erwähnen, dass oft
ein paar Kapitel weiter das Gegenteil steht und man begründen müsste, warum man mal so und mal anders auswählt.)
Nach dem ersten großen Anschlag
in Paris gab es in deutschen Zeitun-
gen großformatige Anzeigen mit
der Aussage, dass Thora, Bibel und Koran nur die Liebe kennen – unterschrieben von Wolfgang Huber
als Altbischof und früherem Rats-vorsitzenden der EKD. Doch mit
solchen Halb- und Unwahrheiten
wird auch ein Theologe und frühe-
rer Bischof nicht Erfolg haben, und
bei vielen halbwegs Informierten
macht er sich lächerlich, und mich
stößt dieser vordergründige Aktio-
nismus mit halb- bis unwahren
Phrasen ab. [ Natürlich finde auch
ich es gut, wenn man gerade auch
in Zeiten des Terrors interreliöse Gemeinsamkeiten sucht, und ich praktiziere es aktiv. ] Aber unsere
Bibel kennt leider auch gottgewoll-
te Gewalt : Für die Landnahme des Volkes Israel wird vielfacher Völker-
mord gerechtfertigt und rassist-
isches Gemetzel vorgeschrieben
[ 5. Mose 6, 9f0; 7,1ff und eine
Überfülle weiterer Passagen, oft
sogar in einem sadistischen Ton].
Die Zweigesichtigkeit der Bibel
beim Thema Gewalt darf nicht ge-
leugnet und muss aufgearbeitet
werden. Mit pauschalen unwahren Phrasen jagt man Leute aus der
Kirche.
Es gibt es Pfarrer, die lachen Kirchen-mitglieder aus ( sic: auslachen!),
wenn diese die Bilder vom Gericht so verstehen, dass der einzelne Mensch
sich für sein Tun verantworten muss.
Sie werden belehrt : „ Das ist schwar-
ze Pädagogik! „ Diese Pfarrer haben ihrerseits wieder einen eigenen
FILTER (FiILTER kennt die Kirchenge-schichte leider übergenug), was sie
von der Bibel gelten lassen und was
sie rausfiltern! Aber die Bibel kennt
nun mal auch diesen Aspekt der Pädagogik! Und solche Pfarrer
dürfen sich nicht wundern, wenn Muslime sie wortwörtlich als
Ungläubige erleben. ]]]
2. Seelsorger und Netzwerker Wolfgang Banse Die gehaltene Predigt des Kandidaten für das Generalsuperintendentenamt Dr Vogel hat mich nicht angesprochen.Der Vortrag:(K)ein Land in Sicht blieb bei weiten unter meinen Erwartungen.Es gibt kein 100 Tages Programm im Bezug auf eine gestellte Frage, Hinsehen, zuhören, hinhören wäre etwas zu wenig was die ersten hundert Tage betrifft. Dies wäre auch etwas wenig im Bezug auf das Gehalt.
3. Seelsorger und Netzwerker Rainer Voigt Vom christlichen Standpunkt aus gesehen ehrt es Sie ja, daß Sie einer kongolesischen Familie Asyl geboten habe.
Es gibt aber auch eine andere Seite, d.s. die hunderte Millionen Afrikaner, die davon träumen, nach Europa und vor allem nach Deutschland zu kommen. Das dürfen Sie nicht einfach ausblenden, zumal diese Leute am wenigsten wirtschaftlich aktiv sind. Sicher ist dies nicht alles, aber es ist zu berücksichtigen.
Ich fürchte, dass viele, die der Kirche den Dienst verweigern, solche Gedanken hegen.

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