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„Selbst Noah hat schon unter dem Regenbogen getanzt“

16.09.2020

Die Plakat-Kampagne „Fürchtet euch nicht“ zum Thema sexuelle Vielfalt von Schüler*innen der Evangelischen Schulstiftung startet.

Von Maike Schöfer

„Selbst Noah hat schon unter dem Regenbogen getanzt.“ So provokant steht es auf einer der Spruchkarten, die zur neuen Diversity-Kampagne „Fürchtet Euch nicht“ der Evangelischen Schulstiftung gehören. Knapp ein Jahr hat es gedauert, bis die Schüler*innen verschiedener Schulen der Evangelischen Schulstiftung dieses Projekt geplant und umgesetzt haben. Alles startete im Februar 2019 mit Rainer Gronen, Leiter der Abteilung für Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO, und der Agentur Schildhain. Sie luden Schüler*innen der Schulen der Evangelischen Schulstiftung zu einer Winterschool ein. Dort befassten sie sich mit der Entwicklung und dem Ablauf von Kampagnen. Aus diesem Setting ist dann eine wirkliche Kampagne entstanden.

Schulstiftung unterstützte das Projekt von Anfang an Frank Olie, Pädagogischer Vorstand der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO, Christina Lier, Kaufmännischer Vorstand der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO und die Schulleiter*innen der 32 dazugehörigen Schulen unterstützten die Idee der Schüler*innen sofort. „Als größter freier Schulträger in Berlin-Brandenburg sind wir verantwortlich für über 10000 Schüler*innen. Für uns Grund genug, uns möglichst zeitgemäß aufstellen. Dafür ist es wichtig, die Bedürfnisse unserer Schüler*­innen zu kennen und darauf einzugehen. Mit der Fürchtet- Euch-nicht-Kampagne setzen wir dahingehend einen wichtigen Impuls und stoßen Diskussionen an: zwischen Schüler*­innen, Pädagog*innen, Eltern und der Öffentlichkeit. Denn das ist die Grundlage für Entwicklung und ein Klima der Annahme in unseren evangelischen Schulen“, sagt Christina Lier auf der Website des Projektes.

Nicht nur eine Diskussion hat die Kampagne schon bei der Presse-Konferenz losgelöst. Mit klaren und deutlichen Worten äußerte sich dort Vincent Seebeck. Er ist Schüler der Evangelischen Schule Zentrum und war maßgeblich mit an der Kampagne beteiligt. Es gehe hier nicht nur um Aufklärung, sondern um Leben und Tod, denn homo- und bisexuelle Menschen haben ein vier- bis achtfaches höheres Suizidrisiko, mahnte Vincent Seebeck. Seine Worte sorgten für Stille und machten die Dringlichkeit des Themas spürbar.

„Vor Gott sind wir alle gleich“

Die Generalsuperintendentin des Sprengels Berlin, Ulrike Trautwein ist Schirmherrin der Kampagne. Sie sieht gerade auch eine Verantwortung bei der Kirche, auf das Thema sexuelle Vielfalt aufmerksam zu machen und für Toleranz zu werben: „Es ist unser Auftrag als Kirche. Wir glauben daran, dass wir alle Gottes geliebte Menschen sind. Wir Menschen sollten lieben dürfen, wie wir wollen. Es gibt keine Liebe erster oder zweiter  Klasse, sondern vor Gott sind wir da alle gleich. Und wir sollten unseren Auftrag zur Nächstenliebe erfüllen. Es sollte nicht mehr im Vordergrund stehen, welche sexuelle Identität wir haben, sondern, wie es in Galater 3, 28 heißt: Wir sind alle eins in Christus.“

Kampagne soll in allen 32 Schulen aushängen

Acht verschiedene Plakate sind Teil der Kampagne. Auf den Plakaten sind Portraits der mitwirkenden Schüler*innen zu sehen. Scherenschnitte verdecken Teile ihres Gesichts und Körpers. Darüber steht der biblische Slogan „Fürchtet euch nicht“. Die Botschaft: Jeder Mensch ist vielfältig, nicht jede Persönlichkeit auf den ersten Blick erkennbar, es gibt immer verborgene und sichtbare Teile. Der Slogan bedient verschiedene Ebenen. Einmal heißt es: Fürchtet euch nicht vor „Vielfalt, Sexualität und Gender-Identität“, aber auch: Fürchtet euch nicht, euch so zu zeigen, wie ihr seid. Zur Plakat-Kampagne gehören auch vier Spruchkarten. Die provokanten, aber auch witzigen Sprüche, wie „Selbst Jesus und Johannes waren schon zusammen baden“, werden auf der Rückseite theologisch eingeordnet. 

Die Kampagne wird in allen 32 Schulen der Schulstiftung hängen. Auch in den sozialen Medien wird die Kampagne präsent sein. Auf einer eigenen Website  www.fuerchteteuchnicht.com gibt es Videos zum Making-Of und Hintergrundinformationen.

Impuls ging maßgeblich von Schüler*innen aus

Das Bemerkenswerte an der Kampagne: Die wesentlichen Elemente gingen von den Schüler*innen aus. Von Anfang an gaben sie die Impulse und begleiteten die Idee bis hin zu den fertigen Plakaten. 

Es bleibt zu hoffen, dass an den Plakaten nicht nur vorbeigegangen wird, wenn sie in den Schulen hängen, sondern dass sie Diskussionen anstoßen, dazu anregen sich mit dem Thema zu befassen und Diversity und sexuelle Vielfalt sichtbarer machen. Am Ende ist das Engagement jeder einzelnen Person in Schule, Kirche und Gesellschaft gefragt. Schirmherrin Ulrike Trautwein wünscht den Schüler*innen „dass sie die Erfahrung machen, dass sie richtig was bewegen können“.

3 Fragen an Aniane Klink 

Sie ist ehemalige Schülerin der Evangelischen Schule Köpenick und hat an der Kampagne mitgearbeitet.

Was war besonders an der Kampagnen-Arbeit?

Alles fing mit einem dreitägigen Workshop an, zu dem ich eingeladen war.  Am Anfang wussten wir nicht, worauf wir uns einlassen. Für uns war es besonders, dass wir gehört und dass unsere Anliegen unterstützt wurden.

Wie ist die Situation an deiner Schule? Wird sexuelle Vielfalt und Diversität akzeptiert?

An meiner Schule ist es noch nicht so fortschrittlich, sowas wie genderneutrale Toiletten gibt es bei uns noch nicht. Sexuelle Vielfalt, verschiedene Identitäten, Diversität – das wird an meiner Schule noch nicht wirklich thematisiert. Es ist schwer darüber zu reden. Viele denken, dass das Thema Diversität bei uns kein Thema ist, eben weil nicht darüber geredet wird.

Was wünscht du dir für die Zukunft mit dieser Kampagne?

Ich wünsche mir, dass die Plakate nicht bloß in der Schule hängen. Da kann man schnell dran vorbei laufen. Sondern dass sich die Schule positioniert, dass es im Schulalltag mit aufgenommen wird, dass es im Unterricht ein Thema ist, dass Lehrer*innen Bescheid wissen.

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Artikelkommentare

(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Mehr als Martin Luther King Flx Sehr geehrte Frau Schöfer,
vielen Dank für den spannenden und wichtigen Artikel, gut zu wissen was Paula Novak da macht. An einer Stelle möchte ich einhaken: Ich finde es wichtig von der "Schwarzen Theologie der Befreiung" die J.Cone begründet hat zu sprechen, das verschweigt a) nicht, dass er sich selbst in einer Tradition der Theologie der Befreiungen sieht und b) zeigt auf dass es sich um eine emanzipatorische\machtkritische (Ogette) handelt und nicht um eine rein identitäre Theologie.
Viele Grüße
2. Sie bleiben zuversichtlich Wolfgang Banse Pfarrerin, Pfarrer werden ist nicht schwer, nur die Ausübung fällt ihnen oftmals schwer.Nicht zeitgemäß,verwalten, Termin nach Abspache,Trauerbegleitung, niemand sollte verloren gehen, dies alles ist erleb-und erfahrbar und wird erleb und erfahrbar sein was die frisch Ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrer betrifft. Ein Ruck muss durch die Pfarrerschaft gehen um akzeptiert in der multikulturellen Gesellschaft weiterhin einen Platz ein zu nehmen. Es gibt nicht nur eine Politik, Gewerkschafts, sondern auch eine Kirchenverdrossenheit.Die Kirche muss sich grundlegend ändern und damit auch die Pfarrerinnen und Pfarrer
3. Wichtiger Baustein Wolfgang Banse Die Kirche hinkt immer hinterher, so auch was Klimaschutzgesetz betrifft. Ob sich dies mal ändern wird?!

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