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RSSPrint

Wann kommt die Dunkelziffer ans Licht?

03.02.2021

Neues Gutachten über Übergriffe von Klerikern auf Kinder

Von Uli Schulte Döinghaus

In den 1950er Jahren wurden im katholischen Bistum Berlin 28 Fälle von Kindern und Jugendlichen aktenkundig, die mutmaßlich von katholischen Priestern, Klerikern oder Kirchenmitarbeitern sexuell missbraucht wurden. Die Leitung des Bistums hatten in dieser Zeit Bischof Konrad Graf von Preysing, Bischof Wilhelm Weskamm und Bischof Julius Döpfner inne. Ihnen zur Seite standen als Generalvikare Maximilian Prange und Georg Puchowski. 

In den 1960er und 1970er Jahren wurde das Leid von 62 Kindern und Jugendlichen aktenkundig, das ihnen mutmaßlich sexuell übergriffige Kleriker zugefügt hatten. Die Verbrechen wurden dokumentiert, als Erzbischof Alfred Bengsch die katholische Kirche im Bistum Berlin führte. Ihm zur Seite stand als Generalvikar und Weih­bischof Johannes Kleinedam. Personalverantwortlicher und zugleich Leiter des Referats Seelsorge war Wolfgang Haendly. 

In den 1980er Jahren war Erz­bischof Joachim Meissner oberster Katholik im Erzbistum Berlin, verantwortlicher Seelsorger über Ministranten, Kommunionkinder und Firmlinge. In seiner Amtszeit wurden 19 sexuelle Übergriffe durch Kleriker dokumentiert und in den kirch­lichen Akten protokolliert. Als Generalvikare fungierten in dieser Zeit Johannes Tobei, Roland Steinke, Peter Wehr und Ronald Rother. Personalverantwortliche waren Weih­bischof Wolfgang Weider und Monsignore Otto Riedel.

In den 1990er Jahren wurden die leidvollen Geschichten von 17 Kindern und Jugendlichen in den erzbischöflichen Akten vermerkt, die von Klerikern mutmaßlich missbraucht worden waren. Oberster Seelsorger, Theologe und Priester war in dieser Zeit Erzbischof Georg Sterzinsky, die Verwaltung leiteten weiterhin die Herren Tobei, Steinke, Wehr und Rother, als Diözesanadministrator fungierte Weihbischof Matthias Heinrich, der bis 2012 Personalchef des Erzbistums Berlin war. Ihm folgte Monsignore Hansjörg Günther. 

In den 2000er und 2010er Jahren wurde in den Personalakten des Erzbistums das Leid von 16 Opfern dokumentiert, die von katholischen Priestern und Klerikern mutmaßlich missbraucht worden waren. In dieser Zeit wurde das Erzbistum Berlin von Erzbischof Georg Sterzinsky geleitet, danach ab 2011 drei Jahre lang von Erzbischof Rainer-Maria Woelki, 2015 folgte Heiner Koch. Ihre „Stabschefs“ waren und sind Ronald Rother, Tobias Przytarski und – seit 2017 – Manfred Kollig.

121 Betroffene und 59 Beschuldigte bekannt

Diese Zeitleiste und die Auflistung der Verantwortlichen geht aus einem Gutachten hervor, das im Auftrag von Erzbischof Heiner Koch, erstellt und Ende vergangener Woche präsentiert wurde. Dem Gutachten der Anwaltskanzlei „Redeker Sellner Dahs“ zufolge wurden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 59 katholische Priester und Kleriker laut Personalakten des bischöflichen Ordinariats (Verwaltung) beschuldigt, mindestens 121 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Diese Anschuldigungen und die 

Geschichten der Opfer sind aktenkundig, von einer „nicht unerheb­lichen Dunkelziffer von Missbrauchstaten“ sei auszugehen, so die Gutachter während einer Pressekonferenz. „Die tatsächliche Zahl der Betroffenen ist bis heute nicht bekannt.“

Nur wenige wurden belangt

Sieben Beschuldigte wurden in den vergangenen 75 Jahren kirchenrechtlich belangt, ein Seelsorger wurde aus dem Priesterstand entlassen. In anschließenden staatlichen Gerichtsverfahren mussten viele Fälle wegen Verjährung oder Tod des Beschuldigten eingestellt werden. Fünf Beschuldigte kamen für zwei, drei Jahre hinter Gitter, vier kamen mit Bewährungs- oder Freiheitsstrafen davon, zwei Beschuldigte wurden freigesprochen. 

Was in den untersuchten Personalakten im Einzelnen festgehalten wurde, wissen zurzeit nur einige Verantwortliche unter Erzbischof Heiner Koch und die Gutachter selbst. Die Seiten 63 bis 484, in denen es um die Beschuldigungen und Überführungen geht, sind nicht öffentlich. „Aus Gründen des Persönlichkeitsrechtsschutzes, der Gefahr der Retraumatisierung der Betroffenen und um eine voyeuristische Darstellung zu vermeiden“, so das Erzbistum. Eine „Gutachten-Kommission“ aus Laienkatholiken und Priestern soll stellvertretend für die Öffentlichkeit aufzeigen, wo und von wem vertuscht und verschleppt wurde. Auch ein „Betroffenenbeirat“ sei im Entstehen, so Erzbischof Heiner Koch.

Das Gutachten im Internet: tinyurl.com/Gutachten-Erzbistum

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(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Tierwohl in der Kirche Thomas Berg Meine Hühner schlachte ich selbst, auch wenn sie nicht auf das Wurstbrot kommen. Das ist der schmerzliche unvermeidliche Schritt auf dem Weg vom Kücken zum Braten. Meine Hühner werden natürlich auch nicht schon nach vier bis sechs Wochen geschlachtet wie das inzwischen leider normale Industriehuhn.

Trotzdem: Ganz rund ist die Argumentation wohl nicht, die hier die vegetarische Ernährung aus der Bibel begründen will. Schon im 3. Kapitel der Bibel - noch im Garten Eden - bekommen Adam und Eva von Gott selbst Röcke aus Fellen geschneidert. Wenige Verse später lesen wir, daß ihr zweitgeborener Sohn Abel Schäfer wurde. Ganz sicher hat er Schafe auch zum Schlachten gehalten. Er opfert jedenfalls vom Fett der Erstlinge der Herde auf dem Altar, was Gott wohlgefällig anschaut.

Ganz nebenbei und völlig unbiblisch brauchen wir mehr Tiere auf der Weide der Artenvielfalt wegen. Ohne Weidetiere verarmt die biologische Ausstattung unserer Landschaft was man in unseren Breiten heute schon beobachten kann. Insekten fehlen, die der Tierhaltung folgen. Daher fehlen die Insektenfressenden Vögel, Fledermäuse usw. Genau deswegen hält der Naturschutzverein dem ich vorstehe auch mehrere Rinder- bzw. Wasserbüffelherden (derzeit ca. 360 Tiere).

Was weniger werden muß ist die Massentierhaltung in optimierten HiTec-Ställen, die klimaschädlich ist, die Tiere zur Ware degradiert und in den Schlachtfabriken und dem Transport dahin das oft beklagte Tierleid zur Folge hat.

Unsere Tiere werden jedenfalls zur Schlachtung auf der Weidefläche geschossen und erst dann zum Fleischer gefahren.

Ethische Entscheidungen kennen eben nicht nur das Entweder-Oder sondern auch manche Möglichkeit dazwischen.
2. Proberaumsuche Chrissi Suche Proberaum, um christlichen worship zu machen. Spiele seit 11 Jahren Schlagzeug und möchte gerne weitermachen. Gibt es Hilfe und Unterstützung von ihrer Seite aus? Über Ratschläge und gute Nachrichten, würde ich mich freuen! Lg, Chrissi
3. Idenschmiede der Nordkirche Wolfgang Banse Nicht alles was man auf gibt, ist gut so heißen. Glieder der Kirche, hier Nordkirche wurden in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen.Demokratie, hier Basiskirche lässt nach wie vor zu wünschen in den Gliedkirchen der EKD.

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