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Was für ein Jahr!

17.12.2020

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (Markus 9,24): Zweifel und Zerrissenheit angesichts einer globalen Pandemie stellten Glauben und Kirche auf die Probe

Januar

Das Land Brandenburg und die EKBO trauern um Manfred Stolpe, der kurz vor dem Jahreswechsel im Alter von 83 Jahren verstarb. Der Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg wird aufgelöst. In Berlin startet das Kirchenstartup „Spirit and Soul“. Bei der ersten Obdachlosenzählung in Berlin werden 1976 Menschen gezählt – weniger als erwartet. 14 Pfarrer*innen starten ihren Entsendungsdienst in der EKBO. Die Kirchenleitung beschließt, dass auch Gemeindepädagog*innen im Pfarramt künftig als Pfarrerinnen und Pfarrer bezeichnet werden.

Februar

Mit dem Synodalen Weg startet in der katholischen Kirche in Deutschland ein Diskussionsprozess um Macht, Missbrauch, Sexualmoral und Frauenämter. Das von der EKD mitinitiierte Bündnis „United4Rescue“ kauft ein Schiff zur Seenotrettung und tauft es auf den Namen „Sea-Watch 4“. Das evangelische Influencer-Netzwerk „yeet“ gründet sich. Eine Delegation aus Politik und Kirche reist in das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos und berichtet über katastrophale Zustände. Gerichtsurteil zur Wittenberger „Judensau“: Das antisemitische Relief darf weiter an der Kirche zu sehen sein. Die Evangelische Journalistenschule (EJS) steht vor dem finanziellen Aus. Das Bundesverfassungsgericht kippt das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe nach Paragraf 217 GG.

März

Der Lockdown: Die Corona-Pandemie zwingt alle Menschen zu tiefen Einschnitten. Gottesdienste dürfen vorerst nicht mehr stattfinden. Viele Gemeinden reagieren mit Online-Angeboten, Videoandachten, Lesegottesdiensten und Podcasts. In der EKBO wird ein Corona-Seelsorge­telefon eingerichtet. In Berlin endet nach 25 Jahren das Projekt „Kirche positHIV“ zur Seelsorge von HIV-Infizierten und Aids-Kranken. Die sächsische Landessynode wählt Tobias Bilz zum neuen Bischof. Georg Bätzing tritt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz die Nachfolge von Kardinal Reinhard Marx an. Der Ordinationsgottesdienst in der EKBO wird abgesagt, im Herbst wird dezentral gefeiert.

April

Die Frühjahrssynode der EKBO wird abgesagt; die EJBO trifft sich digital zu ihrer Landesjugendversammlung. Zu Ostern finden keine Gottesdienste statt – das hat es selbst in Kriegszeiten nicht gegeben. Die Grabeskirche in Jerusalem ist erstmals seit 1350 geschlossen. Die Berliner Domkantorei muss in Quarantäne, 60 Mitglieder sind positiv auf das Coronavirus getestet. Christian Ceconi tritt sein Amt als Theologischer Vorstand der Berliner Stadtmission an. Die Kirche gedenkt des 75. Todestages von Dietrich Bonhoeffer (1906-1945).

Mai

Seit dem 4. Mai dürfen in der gesamten EKBO wieder Gottesdienste gefeiert werden. Zum Gedenken an das Kriegsende 1945 ist der 8. Mai ein einmaliger Feiertag in Berlin. Erste Demos gegen Corona-Maßnahmen finden statt. Das wiedererrichtete Berliner Stadtschloss erhält seine historische Kuppel mit Kreuz und umstrittenem Spruch aus Philipper 2,10. Kurzarbeit gibt es auch in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen. In Eberswalde beginnt nach dem Brand der Maria-Magdalenenkirche Ende 2019 die Sanierung. Nach dem gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd in Minneapolis (USA) gibt es weltweit Proteste gegen Rassismus, Polizei­gewalt und weiße Privilegien.

Juni

Konsistorialpräsident Jörg Antoine kündigt Einnahmeverluste in Millionenhöhe für die EKBO an. Die Mitgliedszahlen der evange­lischen und katholischen Kirche werden veröffentlicht: 270 000 Ausgetretene in den Gliedkirchen der EKD, in der EKBO sind es 15922 Menschen. In Dobbrikow eröffnet ein Gedenkort für Heinrich Vogel. Die EKD kündigt an, künftig in geschlechtergerechter Sprache zu kommunizieren.

Juli

In Magdeburg beginnt der Prozess gegen den Attentäter des antisemitischen Terrorakts von Halle. Auf Anregung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wird die Hagia Sophia wieder zur Moschee umgewandelt. Der Berliner Senat verbietet das Singen in geschlossenen Räumen, also auch in Gottesdiensten. Ende des Monats wird das Verbot für Kirchen aufgehoben. Der Bundestag beschließt ein Gesetz zum Kohleausstieg bis 2038. In Marienfließ in der Prignitz wird ein altes Kloster wiederbelebt.

August

Das Seenotrettungsschiff „Sea-Watch 4“ läuft aus und rettet bei seiner ersten Mission über 350 Menschen aus Seenot. Die EKBO-Spendenaktion „Musik tut Gutes“ sammelt insgesamt 2545 Euro. Eine Explosion im Hafen von Beirut zerstört fast die gesamte Altstadt und macht Tausende Menschen obdachlos. Nach mutmaßlichen Wahlfälschungen bei der Präsidentschaftswahl in Belarus gehen die Menschen auf die Straße – die Proteste halten monatelang an. Heilgard Asmus wird als Generalsuperintendentin des Sprengels Potsdam aus dem Amt verabschiedet. Das Jüdische Museum Berlin öffnet seine neue Dauerausstellung. In Berlin-Lichtenberg gibt es einen Brandanschlag auf eine Kneipe mit jüdischem Wirt. Die erste Stempelstation für den Jakobsweg in der Hauptstadt wird in der Königin-Luise-Gedächtniskirche in Berlin-Schöneberg eingerichtet. Das Hotel „Brandenburger Dom“ in Brandenburg an der Havel öffnet seine Tore.

September

Ab sofort gibt es neue Pilgerwege in Berlin-Spandau. In Mühlrose beginnt der Abriss von Häusern für den Braunkohleabbau. Als erste Landeskirche der EKD rehabilitiert die EKBO am 1. September den während der NS-Zeit als homosexuell verfolgten Pfarrer Friedrich Klein, den die Kirche aus dem Dienst entlassen hatte. Der Wahlkonvent der EKBO wählt Kristóf Bálint aus Thüringen zum Nachfolger von Heilgard Asmus. Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos brennt. Deutschland nimmt Flüchtlinge auf. Im Kirchenkreis Oderland-Spree macht sich die „Hoffnungsbox“ auf die Reise durch Gemeinden und Einrichtungen. Ein Dachbrand richtet großen Schaden an der Jeremiakirche in Berlin-Spandau an. Im Nordkaukasus beginnt ein kriegerischer Konflikt um die Region Bergkarabach zwischen Aserbaidschan und Armenien. Viele christliche Kulturstätten sind bedroht.

Oktober

In Berlin tagt eine Landessynode in Deutschland erstmals digital. Sie verabschiedet ein umfassendes Klimaschutzgesetz und ein Gesetz zum Schutz vor Missbrauch. Präses Sigrun Neuwerth gibt bekannt, im nächsten Jahr nicht wieder für den Vorsitz der Synode zu kandidieren. Die EKD gibt mehrere Studien zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche in Auftrag. Zum Monatsende eröffnet mit achtjähriger Verzögerung der neue Hauptstadtflughafen BER. Bernhard Felmberg wird als neuer evangelischer Militärbischof eingeführt. Nach acht Jahren Schließung erfolgt die Neueröffnung der Friedrichswerderschen Kirche. 

November

Der zweite Lockdown beginnt. Gottesdienste und Andachten dürfen weiterhin stattfinden – unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften. Die EKD-Synode tagt erstmals digital. Sie beschließt zwölf Zukunftsthesen sowie die Neuordnung der Finanzstrategie. Heinrich Bedford-Strohm kündigt an, nicht wieder für den EKD-Ratsvorsitz zu kandidieren. Vor der Wahl zum US-Präsidenten sind die amerikanischen Gläubigen tief gespalten. Wahlsieger wird der Demokrat Joe Biden. Das kirchlich initiierte Bündnis „United4Rescue“ beschließt den Kauf und maßgeblich auch den Umbau des neuen Rettungsschiffs „Sea-Eye 4“ zu finanzieren. Am Volkstrauertag begeht die EKBO einen Gedenkgottesdienst für Corona-Opfer.

Dezember

„Die Kirche“ feiert ihr 75. Jubiläum: Am 2. Dezember 1945 erschien die erste Ausgabe nach dem Zweiten Weltkrieg. Für eine Welt ohne Kinderarbeit startet die 62. Spendenaktion von „Brot für die Welt“. Der für 2021 geplante Ökumenische Kirchentag in Frankfurt (Main) muss umplanen. Auch eine Absage wird nicht mehr ausgeschlossen. „Weil wir Hoffnung brauchen“: Die Kirchen in der Region starten mit einer ökumenischen Aktion in die Weihnachtszeit.

Zusammengestellt von Friederike Höhn und Sibylle Sterzik

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1. Das muss aufhören! von Mirna Funk Winfried Böttler Das muss aufhören. Zum Leitartikel von Mirna Fink (die Kirche 3/2021)a
Nun wissen wir Bescheid, Christen werden es nie kapieren, wie Juden sich fühlen. Warum maßen wir uns auch an, ihnen frohe Feste zu wünschen? Schade, dass der Leitartikel sich in billiger Polemik erschöpft. Wer soll da womit endlich aufhören? Sofort!? Für immer!?
Es ist leider schreckliche Wahrheit, dass die christlichen Kirchen durch den Antijudaismus, der ja nicht selten in Judenhass ausartete, große Mitverantwortung am Programm der Nazis zur Ausrottung des europäischen Judentums tragen. Das hat die Kirche erkannt und wiederholt öffentlich bekannt und es wird dennoch auf Dauer ihre Schuld bleiben. Es bleibt aber trotzdem wahr, dass Jesus ein Jude und die christliche Gemeinde am Anfang eine innerjüdische Gruppe war, die sich im Konflikt mit den jüdischen Autoritäten befand. Darin haben die judenkritischen Passagen in der Bibel ihren Ursprung.
Ich möchte schon darauf bestehen, dass Abraham und seine Verheißungen zu meinem Glauben dazu gehören, die Botschaft der Propheten auch mich angeht und ich jüdische Psalmen mitbeten darf. Dass die Autorin mich deswegen bei den Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern einordnet, gar in diesem Zusammenhang die üble Verleumdung erwähnt, wonach das Blut von geschändeten Kindern getrunken werde, finde ich geschmacklos und demagogisch.
Ja es ist wichtig und in Ordnung, dass die Einzigartigkeit und Andersartigkeit des Judentums betont werden. Bei meinen christlichen Glauben ist mir trotzdem wichtig, dass davon vieles in der jüdischen Überlieferung verwurzelt ist. Das zu bekennen werde ich nicht aufhören. Niemals.
Dankenswerterweise gibt es seit vielen Jahren den Versuch, im christlich-jüdischen Dialog das Gespräch miteinander zu suchen. Damit wird nicht die schreckliche Vergangenheit ausgelöscht, aber es macht Hoffnung für ein gutes Miteinander in der Gegenwart und für die Zukunft. Der Artikel erweckt jedoch den Anschein, als gäbe es diesen Dialog, bei dem sich beide Seiten um gegenseitiges Verstehen mühen, gar nicht.
Pfarrer i.R. Winfried Böttler,
Berlin-Steglitz
2. Das muss aufhören! Rolf Westermann Da hat sich Frau Funk aber ganz schön vergaloppiert:

1. „Was soll das sein, eine deutsche Jüdin? Sollte es nicht vielmehr „Deutsche jüdischen Glaubens“ heißen?“

Soweit, so gut; aber dann:

2.“ Und Juden sind im Gegensatz zu Christen so viel mehr als eine Religion. Weniger als die Hälfte der 15 Millionen Juden weltweit würde sich vermutlich als religiös bezeichnen.“


Na wat denn nu??????


3. Nutztier und Mitgeschöpf Wolfgang Banse Tiere sind auch Geschöpfe, besitzen eine würde, die sie auch erleben und erfahren sollten.Massentierhaltung und Käfighaltung sollte eine klare absage erteilt werden.Hin zu einer Bio dynamischen Landwirtschaft dies sollte zum tragen kommen

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