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Was für eine Chance!

04.11.2020

Katrin Göring-Eckardt regt an, die Zahl der Landeskirchen zu reduzieren

Die EKD-Synode will auf ihrer Tagung vom 7. bis 9. November über Reformen und Einsparungen bei der evangelischen Kirche beraten. In dieser Diskussion hat Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen und Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), angeregt, die Zahl der Landeskirchen zu reduzieren. Inwiefern könnte das angesichts drastisch sinkender Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen ein zukunftsweisender Schritt sein?

Von Katrin Göring-Eckardt

Ecclesia semper reformanda. Gewöhnlicher geht es nicht. Warum also die Aufregung, wenn wir über Reformen unserer Kirche reden? Das sind wir doch, das macht uns aus. 

Vielleicht liegt es ja daran, dass wir schon wieder oder immer noch über die Reform kirchlicher Struktur reden (müssen). Vielleicht liegt es daran, dass unsere eigene Ver­unsicherung darüber, wie wir als Glaubende sein und als Kirche ­wirken werden, so groß geworden ist, dass wir doch wenigstens ­unsere vertrauten Strukturen aufrechterhalten wollen. Das ist verständlich, aber es steht uns im Weg. 

Oder liegt es vielleicht an dem Widerspruch, dass wir einerseits von der übrigen Welt so grund­ständige gesellschaftliche und politische Reformen erwarten wie die Bewältigung der Klimakrise, der Fluchtursachen, der Corona-Krise, aber andererseits nicht erklären können, warum wir 20 Landes­kirchenämter und ungezählte ­Dekanate, Superintendenturen und Propsteien brauchen, um die gute Nachricht von der Gegenwart ­Gottes auch in allerschwierigsten Zeiten zu teilen? 

Man mag vorhalten, das seien nun wirklich besonders einfache, fast populistische Fragen. Das mag sein, aber an solchen symbolischen, womöglich rhetorischen Fragen lassen sich nun einmal tiefgreifende Absichten in besonderer Weise ablesen oder darstellen. 

Wir werden weniger Mitglieder haben. Allerdings eine Kirche der wirklich Überzeugten werden, der Bewusst-dazu-Gehörenden, der­jenigen, die tatsächlich etwas von und mit ihrer Kirche wollen, aus echter Entscheidung heraus, nicht aus Gewohnheit oder weil es eben dazu gehört. Was für eine Chance! 

Die Suche nach Gott hört nicht auf. Der Wunsch nach einer gegenwärtigen Kirche ist gerade in den letzten Monaten wieder lauter geworden. Das können wir als Kritik lesen, wenn jemand fragt: „Wo war da eigentlich die Kirche?“ Oder man kann es als Wunsch und ­Sehnsucht hören: „Ich habe euch vermisst, gesucht, gebraucht. Ich habe Gott nicht gehört in euren Worten!“ 

Was für eine lohnende Aufgabe: Unsere Hoffnung teilen, mit-teilen, unsere Stärke und Zuversicht, ­gerade in düsteren Zeiten. Unser Wissen um Gottes Gegenwart als Hilfe und Halt, unsere Gewissheit, dass Heil und Heilung möglich sind. Braucht man dafür wirklich so viel Verwaltung, Gesetze, Verordnungen? 

Man muss deswegen laut rufen: Lass uns das Reformieren schnell und gut erledigen, das mit den Strukturen auch. Es ist nämlich nicht so, dass wir keine Strukturen bräuchten, gute, nachvollziehbare, mit Raum für Kreatives, mit Platz für Unvorhergesehenes, mit Zeit für Umwege. Denn so geht es ­wieder um das Eigentliche. Man möchte rufen: Es kann doch wohl nicht sein, dass du an der Institution oder Struktur hängst, wenn es doch darum geht, lebendig und kräftig und schärfer (Hebräerbrief 4,12) raus zu gehen und Trost und Hoffnung und Zuversicht zu geben.

Darum ausgerechnet eine ­Debatte über die Zahl der Landes­kirchen: Sie ist ein Beispiel dafür, ob wir überhaupt reformieren können, heute. Mehr Landeskirchen als Bundesländer? Wem wäre das zu erklären? Und wer bezieht sich als Gemeindeglied je auf die eigene Landeskirche? Für viele gibt es nur die evangelische Kirche und für viele andere nur meine Gemeinde. Dazwischen ist viel Organisation. Und jeder weiß: Je mehr Gremien, Organisationen und Strukturen auf allen Ebenen, desto schwerer wird es, gemeinsam zu handeln. Das aber müssen wir lernen: vielfältig ­bleiben und dennoch gemeinsam handeln.

Katrin Göring-Eckardt ist Mitglied der EKD-Synode und Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

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1. Kirche unter dem Kreuz Dr. Horst König Es ist auf jeden Fall zu begrüßen, daß mit der Darstellung die Katastrophe in Bergkarabach ins Bewußtsein gerufen wird. Wenn es im Artikelheißt: „deshalb darf es jetzt kein Schweigen und Wegschauen geben. Denn der Konflikt um Bergkarabach kann sich auf ganz Armenien ausweiten. Unsere christlichen Geschwister brauchen unsere Solidarität, unsere Gebete und aktuell vor allem politische ¬Unterstützung.“ ist das richtig. Doch dabei darf es nicht bleiben. Die EKD und die EKBO sollen – soweit noch nicht geschehen – offiziell Stellung beziehen und von der Deutschen Regierung klare politische und materielle Unterstützung für Armenien einfordern.
2. Armenien Klaus Mengel Die Historie Armeniens und die aktuellen Ereignisse sind schlimm - es tut weh.
Was kann man tun, wie kann man helfen?
3. Medienarbeit braucht Wolfgang Banse Auf diesem wege übermittle ich der Evangelischen Wochenzeitung:die Kirche meine herzlichsten Glück-und Segenswünsche zum 75. Bestehen dieser Zeitung. Die Zeitungslandschaft wäre um einiges ärmer, wenn es die Evangelische Wochenzeitung:die kirche nicht gäbe.Neben der Wochenzeitung:die Zeit erwerbe ich jeden Donnerstag die Evangelische Wochenzeitung:die Kirche. Mir würde und anderen sicher auch etwas fehlen, wenn diese Zeitung nicht mehr existieren würde.Weiterhin viel Erfolg und nochmals herzlichen Glückwunsch

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