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Weniger als erwartet

12.02.2020

Knapp 2000 Obdachlose wurden bei der ersten „Nacht der Solidarität“ in Berlin gezählt

Berlin/epd/dk Bei der ersten Ber­liner Obdachlosenzählung sind ­weniger Menschen erfasst worden als allgemein erwartet. Gezählt wurden laut ersten Ergebnissen insgesamt 1976 obdachlose Menschen, wie Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) am vergangenen Freitag bekanntgab. Erfasst wurden in der Nacht zum 30. Januar 807 Obdachlose auf den Berliner Straßen und 942 in Notunterkünften der ­Kältehilfe. Weitere obdachlose Menschen wurde zudem in S-Bahnen und Bussen (158), in Rettungsstellen (15), im Polizeigewahrsam (12) und in einer Wärmestube (42) gezählt. ­Bislang gab es nur Schätzungen, die von 6000 bis 10000 Obdachlosen in der Bundeshauptstadt ausgingen. 

Die Sozialsenatorin sprach von einer erfolgreichen Aktion. Etwa ein Drittel der Menschen auf der Straße habe den Zählteams über ihre Lebenssituation berichtet. „Wir wissen jetzt mehr über das Alter obdach­loser Menschen, ihr Geschlecht, woher sie kommen und erstmals auch, wie lange sie schon wohnungslos sind“, sagte Breitenbach: „Wir werden jetzt die Daten der einzelnen Zählräume auswerten und in Zusammenarbeit mit den Bezirken sowie den Akteurinnen und Akteuren der Wohnungslosenhilfe überprüfen, welche Hilfsangebote vor Ort verbessert werden müssen.“ Weitere Zählungen sollen folgen, die nächste im Frühjahr/Sommer 2021. So könne man Vergleichszahlen erheben, etwa Winter und Sommer und eine Tendenz feststellen, hieß es auf der Pressekonferenz am 7. Februar.

Die mehr als 2700 freiwilligen Helfer in den 600 Zählteams hatten Fragebögen in 14 Sprachen zur Lebenssituation der Menschen, auf die die Obdachlosen antworten konnten, aber nicht mussten. Demnach stammen fast die Hälfte (49 Prozent) der 288 Befragten aus anderen EU-Staaten, 39 Prozent aus Deutschland und elf Prozent aus anderen Drittstaaten. Ein Prozent machte keine Angaben. 

84 Prozent waren männlich, 14 Prozent weiblich, die Mehrheit (56 Prozent) ist zwischen 30 und 49 Jahre alt. Fast die Hälfte (47 Prozent) gab an, seit drei Jahren keine feste Wohnung mehr zu haben. Die meisten (117) leben nach eigenen Angaben allein auf der Straße, 27 in einer Paarbeziehung davon sogar zwei mit einem Kind. 

Wissenschaftlich begleitet wurden die Zählung und Auswertung von der Berliner Armutsforscherin Susanne Gerull. Erfasst worden seien mit der Stichtagszählung in dieser Nacht nur die sichtbar auf der Straße lebenden Menschen, sagte die Professorin für Theorie und Praxis der Sozialen ­Arbeit an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin und Mit-Initiatorin der „Nacht der Solidarität“: „Damit müssen wir leben.“ Aber jetzt gebe es einen Kerndatensatz als Grundlage für eine künftige Wohnungslosenstatistik. Subjektive Einschätzungen, wie viele Menschen sich womöglich versteckt haben, um nicht gezählt zu werden, seien sozialwissenschaftlich dagegen nicht haltbar, betonte Susanne Gerull.

Kritik an der Zählung kam von der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen. Es sei für Menschen, die auf der Straße leben, ein würdeloser Vorgang, gezählt zu werden, ohne dass die Situation grundlegend verändert werde: „Tiere werden gezählt – Menschen muss geholfen werden“, hieß es. Die Dunkelziffer bleibe ­weiterhin hoch. 

Begrüßt wurde die Zählung von Caritas und Diakonie. Beide sprachen sich für weitere Zählungen aus. „Wir brauchen eine ausführliche Statistik, um die Entwicklung von Wohnungslosigkeit beobachten zu können und Angebote zu verbessern“, erklärte Caritas-Direktorin ­Ulrike Kostka. 

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