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Wenn ein Weizenkorn erstirbt, bringt es viel Frucht

07.04.2020

Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Gedanken, Leben und Werk des Theologen und Widerstandskämpfers haben bis heute nicht an Strahlkraft und Gültigkeit verloren

Von Gottfried Brezger 

Am Anfang des Gedenkens an Diet­rich Bonhoeffer steht die Trauerfeier am 27. Juli 1945 in London. Sie wurde von der BBC auch nach Deutschland übertragen und von Dietrichs Eltern Karl und Paula in Berlin in der Marienburger Allee 43 gehört. So bekamen sie die letzte Gewissheit über den Tod von zwei ihrer Söhne und zwei Schwiegersöhnen. In das Gedenken an seinen „lieben Bruder und Märtyrer der Kirche“ schloss der anglikanische Bischof George Bell Dietrichs Bruder Klaus und seine beiden Schwäger Rüdiger Schleicher und Hans von Dohnanyi ein – mit allen, die im Widerstand gegen die nationalsozialistische Tyrannei ermordet wurden. Bischof Bell erinnerte an Jesu Gleichniswort vom Weizenkorn, das in die Erde fallen muss, um vielfältig Frucht zu bringen (Johannes 12,24).

Mitverschwörer gegen Hitler

Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) wird heute weltweit geachtet als Pfarrer der „Bekennenden Kirche“, der früh gegen die Ausgrenzung von Juden protestierte, als theologischer Lehrer im illegalen Predigerseminar Finkenwalde, als ökumenischer Mahner zum Frieden und glaubwürdiger Zeuge des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. 

Im Bewusstsein der damit verbundenen Schuld trat er in der militärischen Konspiration für den „Tyrannenmord“ ein. Den Verschwörern im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht wurde die Rettung einer Gruppe jüdischer Verfolgter zum Verhängnis. Am 5. April 1943 wurden Hans von Dohnanyi an seinem Arbeitsplatz und Dietrich Bonhoeffer in seinem Elternhaus verhaftet. Als seine Verlobte Maria von Wedemeyer zum ersten Mal dorthin kam, war er bereits im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Tegel. Dort gelang es ihm nach sieben Monaten, das Vertrauen von Wärtern zu gewinnen, die bereit waren, den Briefwechsel mit seinem Freund Eberhard Bethge, seiner Familie und Maria an der Zensur vorbei zu schleusen.

Beten und das Gerechte tun und auf Gottes Zeit warten

Die von Eberhard Bethge 1951 herausgegebene Sammlung „Widerstand und Ergebung“ mit den an ihn gerichteten Briefen Dietrichs und die 1992 veröffentlichten Brautbriefe Dietrichs und Marias („Zelle 92“) geben tiefen Einblick in Bonhoeffers existenzielles und theologisches Ringen in der Haft. Zehn Gedichte sind in der Haft entstanden, das letzte und bekannteste „Von guten Mächten“ im Dezember 1944 im Gestapo-Keller. In dieser Hölle findet er tröstliche Worte für seine Braut und seine Familie. Vielen Menschen spenden sie auch heute Trost.

Am frühen Morgen des 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer zusammen mit Admiral Canaris und Generalmajor Oster nach einem nächtlichen Scheingericht im KZ Flossenbürg ermordet – wenige Tage vor der Befreiung. „Beten und das Gerechte tun und auf Gottes Zeit warten“ – so beschreibt er im Taufbrief für seinen Patensohn im Mai 1944 die „Sache der Christen“. Im Zentrum seiner Theologie steht die Beziehung zu Christus in der Weise, „dass wir an der Weite des Herzens Christi teilbekommen sollen in verantwortlicher Tat, die in Freiheit die Stunde ergreift“. Sein fragmentarisches Leben und Werk fordern uns auch heute heraus zum kritischen Nachdenken über die „Religionslosigkeit des mündig gewordenen Menschen“, die „nichtreligiöse Interpretation biblischer Begriffe“, „Gottes Wirklichkeit in der Wirklichkeit der Welt“, das „Für-andere-Dasein Jesu“ und die Folgerung daraus: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“ Der Auftrag der Kirche ist, Zeuge Jesu Christi in und an der Welt zu sein. Christus ist nicht nur eine Kerze für die Kirche, sondern das Licht der Welt.

Trost in kritischen Zeiten 

Bonhoeffer-Worte begegnen uns in vielen Zusammenhängen: als Text auf Todesanzeigen oder als Lied, Sinnspruch in Kalendern, Predigteinstieg oder -schluss, Bekräftigung der eigenen Position … Wenn wir seine Worte schlicht auf uns wirken lassen als Herausforderung und als Trost, kommen wir dem Geheimnis seiner Wirkung auf die Spur: Er verbindet Gegensätze so, dass sich unser Blick zugleich fokussiert und weitet. Wir lernen glauben, „dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“ So wie wir in Zeiten der Corona-Krise Hilfe erfahren in Psalmworten, kann bei Menschen, die in ihrer Sorge und Isolation Trost und Ermutigung suchen, aus Bonhoeffers Erfahrungen im politischen Widerstand und in der Haft geistliche und seelische Widerstandskraft erwachsen.

Gottfried Brezger ist Pfarrer im Ruhestand und Vorstandvorsitzender des Vereins „Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus“.

Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus

Die 1987 eröffnete Erinnerungs- und Begegnungsstätte in dem 1935 erbauten Elternhaus Dietrich Bonhoeffers ist ein Werk der EKBO in der Rechtsform eines als gemeinnützig anerkannten Vereins. Der Verein freut sich über neue Mitglieder und Fördermitglieder. Sechs Ehrenamtliche und die mit ihrem Mann Robert im Haus wohnende ehrenamtliche Geschäftsführerin Loreen Ullmann begleiten die Besuchenden theologisch und didaktisch kompetent in deutscher und englischer Sprache durch das Haus mit der ständigen Ausstellung und dem rekonstruierten Studierzimmer Bonhoeffers unter dem Dach. 

Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus, Marienburger Allee 43, Berlin-Charlottenburg. Geöffnet jeden Samstag, 10 bis 12 Uhr. Besuchstermine an Wochentagen können über die Webseite vereinbart werden.

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1. Mehr Gotteshäuser für die Kaiserstadt Dirk Stratmann, Berlin Die Verdienste der fürsorglichen Kirchen-Juste sind unbestritten und anerkennenswert. Doch die
Grundlage ihrer Tätigkeit war der verhängnisvolle Summepiskopat in den evangelischen Landeskirchen bis 1918. Das landesherrliche Kirchenregiment war eigentlich nur für eine vorüber-gehende Notzeit gedacht. Doch das gefiel dann Fürsten und Kirchenver-antwortlichen so gut, dass die Notzeit fast vierhundert Jahre überstand bis 1918. Und aus Protest gegen die Wende 1919 und gegen die demokratische Fahne „Schwarz-Rot-Mostrich“ (so hieß es verächtlich) legte sich die evange-lische Kirche eine lilafarbene Kirchen-fahne zu. Und bezeichnend, dass - ganz anders als in den katholischen Gebieten - in den evangelischen Gebieten fast überall 1933 die Nazis bei den Wahlen die Nase vorne hatten. „Tempora mutantur, sed ecclesia saepe non mutatur.“ So sieht der frühere grüne Abgeordnete Frieder Otto Wolf weiterhin eine komplizenhafte Verstrickung der Kirche mit der Staatsmacht. Zwar sind inzwischen die evangelischen Christen in Berlin und in Brandenburg nur noch eine Randgruppe mit weniger als 15% der Bevölkerung – weiterhin abnehmend. Doch was erleben die nichtreligiösen Berliner, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung? Sie erlebten, wie kirchliche Lobbyisten für das sogenannte kultische „HOUSE of ONE“ [ Spitzname „Wohngemeinschaft Gottes“ – Kultge-bäude für Juden, Christen, Muslime ] sich schamlos 25 Millionen Euro und kosten-los einen Bauplatz im Zentrum Berlins verfassungswidrig sicherten. Und ein Pfarrer, ein Imam und ein Rabbiner, jeweils in auffallend langen Gewändern, posierten dafür gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Müller für die Presse . Was Jesus von solchen auffälligen langen Gewändern in der Öffentlichkeit hält, lese man in der Bibel nach ( Mk. 12, 38ff; Lk. 20, 45f; Mt. 23, 5-7).
Das Projekt des sogenannte „HOUSE of ONE „ war ursprünglich von der Politik angedacht worden. Der Staat wird hier als parteilich erlebt. Und das untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und es kommen Befürchtungen auf, dass der Staat das Religiöse wieder für eigene Zwecke kanalisieren und instru- mentalisieren und eine synkretistische Fernwirkung anpeilen könnte. Und die evangelische Kirche hatte sich sofort wieder einmal an die Rockschöße des Staats geklemmt, um an die „ Fleisch-töpfe Ägyptens „ (2. Mose 16,3) ranzukommen – dazu der frühere evangelische Bischof eigens zu Verhandlungen auf dem Roten Rathaus. Nicht einmal 0,5 Prozent der Berliner besuchen sonntags einen evangelischen Gottesdienst. (Es ist absehbar, dass es in Berlin später mehr Muslime als evan-gelische Christen gibt.) Bestehende Kirchen stehen oft großenteils leer, viele Kirchengebäude werden entweiht, verkauft oder gar abgerissen. Aber die Kirche lässt sich einen neuen Prestige-bau mit 25 Millionen großenteils vom Staat finanzieren und kostenlos dazu das Grundstück stellen. Schämt sich die Kirche denn gar nicht? Diese Vorteil-nahme riecht nach Korruption. Bei diesem Kultgebäude, welches verfas-sungswidrig vom Staat (er muss religiös und weltanschaulich neutral sein) finanziert wird, sehen Berliner Steuer-zahler (diese in überwältigender Mehrheit nicht religiös) ihre Steuer-gelder missbraucht. In Berlin fehlen 26.000 Kitaplätze. Für das Geld des kultischen Prestigebaus „HOUSE of ONE“ hätte man sechs neue Kitas bauen können. Die fürsorgliche Kirchen-Juste hätte hier heute vermutlich anders geplant, da doch so viele evangelische Kirchen wegen mangelnder Nachfrage abgewickelt werden.
ABER ES KAM N O C H V I E L
S C H L I MM E R :
Gegen den ausdrücklichen Willen der überwältigenden Mehrheit der Muslime wählte man einen Mini-Verein der Gülen-Bewegung als Vertreter der Muslime aus (nur 6.000 der ca. 300.000 Muslime in Berlin – so die eigenen Angaben der Gülen-Bewegung). Das wäre etwa so, als würde man in Peking staatlicherseits für die Christen beispielsweise die pflegeleichten „Christen für den Sozialismus“ auswählen. Hier betätigt sich der Staat wieder einmal wie in früheren Zeiten von „Thron und Altar“ ungeniert als Religionsingenieur und privilegiert g r u n d g e s e t z w i d r i g (Staat muss religiös und weltanschaulich neutral sein) ausgewählte MINDER-HEITENgruppen. Ursprünglich war das Projekt als Graswurzelprojekt vorgestellt worden. Doch für ein Graswurzelprojekt interreligiösen Dialoges braucht man keinen teuren kultischen Prestigebau und dafür grenzt man auch nicht willkürlich diskriminierend viele Religionen aus. Sinnvoll ist es dagegen, wenn der Staat über schulische Lehrpläne und mit entsprechenden Angeboten bei Volkshochschulen, Akademien, politischen Landeszentralen, usw., usf. den interreligiösen Dialog fördert. Und die Religionsgemein-schaften können ihrerseits im Sinn eines Graswurzelprojekts interreligiösen Dialog und Trialog usw. institutio-nalisieren auch ohne teuren kultischen Vorzeigebau – reihum in bestehenden Gemeindezentren, mal in christlichen, mal jüdischen, mal muslimischen, usw. oder auch auf neutralem Boden in öffentlichen Räumen.
Oder damit man nicht diskriminierend kleinere Religionsgemeinschaften ausgrenzt, könnte man ein gemeinsa-mes, nichtkultisches Haus der Religionen für Gespräche und gemeinsame Aktionen der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften bereitstellen. Schon jetzt gibt es auch ohne das teure „HOUSE of ONE „, das diskriminierend ausgrenzt, pro Woche in Berlin sehr viele Angebote. Das „HOUSE of ONE“ wird auch in Berlin ständig weitere Sicher-heitskräfte binden, wie wir das von „Brennpunkten" aus dem Ausland kennen. Es wird eher Sprengsatz statt Kitt der Gesellschaft sein, da für ihre kultischen Gebäude Religionsgemein-schaften schon selber gezahlt haben sollten.
Es bleibt zusätzlich noch eine kleine Frage unbeantwortet: Bei dem Dialoggottesdienst zum Purimfest in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am 25.2.2021 hatte sich Esther Hirsch gleich zu Anfang als Vertreterin des „HOUSE of ONE“ vorgestellt und angekündigt, dass in diesem Haus alle Religionen (es war ausdrücklich von allen Religionen die Rede, nicht nur von den abrahamischen) beten sollten. Meine Frage war bisher nicht beantwortet worden, ob die Hindus, die Isisanbeter, die Anhänger der Druiden- und germanischen Kulte, usw., usf. nun in der Synagoge oder Moschee oder christlichen Kirche ihre Andacht verrichten dürfen. In einem echten dialogischen Gottesdienst hätte ein Pfarrer eine solch grundlegende Frage gleich aufgreifen können. Die Frage ist bis heute nicht beantwortet.
Dirk Stratmann, Berlin

2. Solidarische Sympathie Wolfgang Banse Ökumene, sollte, darf nicht daran gemessen werden im Bezug auf ein gemeinsames gefeiertes Heiliges Abendmahl.Ökumene, hier gemeinsam gefeiertes Heiliges Abendmahl besteht nicht bei allen evangelischen christlichen Kirchengemeinschaften, hier SELK und Amtskirchen.Es wurde in den letzten Jahrzehnten viel erreicht, dies sollte nicht vergessen werden.Die Evangelischen Kirchen sollten nicht weiter als Kirchen guten Willens betrachtet und gesehen werden, sondern als gleichwertige, vollwertige Kirchen.
3. Gelassen Ostern zulassen Wolfgang Banse "Wir sind präsent" m-diese Worte greife ich auf und frage mich ob es eine Freudsche Fehlleistung, ein Black out von Herrn Stäblein war, was seine Gedanken zum Osterfest zum Osterfest 2021 anbelangt. Ein ruhiges, gelassenes Leben führen hier die Hauptamtlichen, Pastorinnen und Pastoren während der seit über einem Jahr existierenden Corona Pandemie. Monatelang fallen Andachten und Gottesdienste aus,nicht jede und jeder Gläubige ist im Besitz eines PC, Notebook,..Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen-dann sollten die Hauptamtlichen zu den Menschen kommen.Geschieht dies?!(Ausnahmen bestä-
tigen die Regel) Effizient und Qualität ist in jeder Hinsicht gefragt, was die Institution Kirche, hier EKBO betrifft.Gesegnete Ostern Frau Bammel/Herr Stäblein.

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