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RSSPrint

Wie Kirche zur Heimat wird

14.07.2020

Als „Zugezogener“ wurde Rouven Obst gut in der Kirchengemeinde aufgenommen. Mit seinem Engagement möchte er dafür etwas zurückgeben

Von Susanne Atzenroth 

Es ist sicher die kleinste Kirche im Kirchenkreis Prignitz. Alles ist da: ein hoher, luftiger Raum, große Fenster, der Altar mit mittelalter­lichen Figuren und dem Kreuz, gebrannte Ziegel am Boden und Bestuhlung für die Gemeinde – auf nur knapp 20 Quadratmetern. Dass an diesem Bau etwas fehlt – nämlich das Kirchenschiff – fällt überhaupt nicht auf. Jedenfalls von innen. Von außen ist die Miniaturkirche ein absoluter Hingucker: Die Brüsenhagener Kirche besteht lediglich aus einem Turm. 

Dieser Turm trägt seit kurzem eine neue Holzverkleidung, im unteren Bereich ist er mit Fenstern und Türen in hellem Putz versehen. Auf der Turmspitze strahlt ein Kreuz mit geschmiedeten Schwalben. Es wurde von einem Gemeindeglied gefertigt – wie so vieles bei der Sanierung dieser Kirche durch die Initiative der Brüsenhagener entstand. Als Vorsitzender des Gemeindekirchenrates zeigt Rouwen Obst stolz das 2018 instandgesetzte Gemeinschaftswerk. Im November 2019 gab es dafür eine Anerkennung beim Baukulturwettbewerb des Landes Brandenburg. In diesem Jahr wurden sie für den „Brandenburger Denkmalpflegepreis 2020“ vorgeschlagen. 

Der gebürtige Nordfriese Rouven Obst kam 2005 mit seiner Familie von Berlin in das kleine Prignitzdorf zwischen Pritzwalk und Kyritz. Auf einem großen Vierseitenhof lebt und arbeitet er als selbstständiger Lektor. Außerdem vermietet die Familie zwei Ferienwohnungen auf dem Hof mit großem Garten und vielen Tieren. 

In der ersten Zeit nach dem Umzug waren Gottesdienste und Feste auf dem Kirchhof für die Familie Obst die ersten Berührungspunkte mit den Menschen im Dorf und im Pfarrsprengel Kolrep, zu dem auch die Dörfer Dannenwalde, Kolrep und Vehlow gehören. Schnell wurden sie Teil der kleinen Gemeinschaft. 2009 gründeten Rouven Obst und zehn weitere Engagierte den Förderverein für die Brüsenhagener Kirche. Dort finden auf seine Initiative hin nun neben den regelmäßigen kirchlichen Veranstaltungen mehrmals jährlich kulturelle Höhepunkte statt, etwa die Verleihung des „Literaturpreises Nordost“. 

„Durch das Engagement für die Kirche wuchs eine Verbindung zu den Menschen des Pfarrsprengels. Diese Gemeinschaft gibt mir und meiner Familie Kraft im Alltag. Sie ist ein Stück Heimat geworden.“ Kirchlich gebunden war Rouven Obst vor seinem Engagement für die Brüsenhagener Kirche nicht. Allerdings gehörten seine Ehefrau Julia Obst und er in der Jugend christ­lichen Pfadfindergruppen an. Im vergangenen Jahr ließ er sich taufen – natürlich in Brüsenhagen. Seit November ist Rouven Obst Mitglied und Vorsitzender des Gemeindekirchenrates sowie gewählter Synodalvertreter im Kirchenkreis Prignitz.

Nur 21 Gemeindeglieder hat das Dorf Brüsenhagen. Doch die Hälfte von ihnen besucht regelmäßig den monatlichen Gottesdienst und die offenen Abende mit Gesang, Gebet und Stille. Auch wenn es etwas zu arbeiten oder zu feiern gibt, kommen die Menschen hier gerne zusammen. Während der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie fanden die Gottesdienste gar nicht oder nur eingeschränkt statt, doch die Türen ihrer Kirche waren täglich geöffnet. So wird es auch künftig sein – denn die Brüsenhagener Kirche bleibt jetzt auch ganz offiziell „Offene Kirche“ für die Menschen, die hier leben und für die, die das Dorf besuchen. 

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Artikelkommentare

(3) Artikel Name Ihr Kommentar
1. Das glauben wir - das lehnen wir ab Jürgen Rhode Vielen Dank für diese klarstellenden Sätze, sie waren und sind lange überfällig. In der Form erinnern sie mich etwas an die Barmer Erklärung 1934, die auch in entscheidungsschwerer Zeit geschrieben wurde. Der jetzige Artikel spricht die überlebenswichtigen Themen dringlich an fern von jeglicher Kleinkariertheit. Verkündigung, wie ich sie mir wünsche!
2. Das glauben wir - das lehnen wir ab Jürgen Rhode Vielen Dank für diese klarstellenden Sätze, sie waren und sind lange überfällig. In der Form erinnern sie mich etwas an die Barmer Erklärung 1934, die auch in entscheidungsschwerer Zeit geschrieben wurde. Der jetzige Artikel spricht die überlebenswichtigen Themen dringlich an fern von jeglicher Kleinkariertheit. Verkündigung, wie ich sie mir wünsche!
3. Das glauben wir. Das lehnen wir ab. Carola Vonhof Guten Morgen,
wie ich sehe, haben wir für unser kommendes Gemeindeinfo genau das richtige Thema gewählt. Vielen Dank den beiden Autoren für diesen Beitrag und herzliche Grü´ße
Carola Vonhof

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