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RSSPrint

Wir trinken auf das Leben

05.11.2020

Ab Januar beginnt die Kampagne #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst mit Plakaten und Begleitprogramm zu dem, was Jüd*innen und Christ*innen im Glauben verbindet. Am 11. November geht’s los mit einem Kick-off. Ein Interview mit Ideengeber und Mitinitiator Pfarrer Ulrich Kastner

Herr Kastner, Sie gehören zu den Initiatoren, die die jüdisch-christliche Kampagne „beziehungsweise“ mit auf den Weg brachten, wie kamen Sie auf die Idee dafür?

Am Anfang stand die Ratlosigkeit: Was tun wir als Kirche angesichts der schrecklichen antisemitischen Übergriffe und Anschläge? In der Tat gab und gibt es schon lange diesbezüg­liche Initiativen auf institutioneller Ebene. Aber der Wunsch war, dass wir uns auch innerhalb der Gesellschaft klar erkennbar positionieren. Erst mit dem kleinen improvisierten Initiativ-Team haben wir dann die Idee und die Inhalte der Kampagne entwickelt. Dem Team gehören an: Amet Bick, Maria Coors, Marion Gardei, Aline Seel, Andreas Götze und Christian Staffa. Auch dem Medienentwickler Uwe Baumann verdankt die Kampagne viel. Hilfreich und ermutigend waren aber auch Gesprächspartner wie etwa Rabbiner Professor Andreas Nachama. 

Wen wollen Sie mit der Kampagne erreichen und was soll sie im ­besten Fall bewirken?

Die ökumenische Kampagne ist niederschwellig ausgerichtet und zielt auf eine breite Wahrnehmung in der Gesellschaft. Gleichzeitig soll sie auch Kirchenmitglieder anregen, sich selbst mit ihren eigenen Einstellungen und Vorurteilen zu beschäftigen. Inhaltlich geht es um die Wahrnehmung der einzigartigen jüdisch-christlichen Beziehung.  

Wie genau wird die Kampagne aussehen? 

Im Kern besteht sie aus 13 Plakatmotiven. Für die Monate von Januar 2021 bis Januar 2022 können diese Plakate in den jeweiligen Schaukästen der Gemeinden ausgehängt werden und so in die breite Öffentlichkeit der Gesellschaft wirken. Ausgehend vom Claim „jüdisch und christlich – näher als du denkst“, behandeln die Plakate die verschiedenen jüdischen und christlichen Feiertage – und heben das Verbindende hervor. Eines meiner liebsten Plakate ist für den Februar vor­gesehen: Purim und Fasching – wir trinken auf das Leben!   

Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm zu den „Monatsblättern“. Die Gedächtniskirche plant eine Predigtreihe, die Kirchen­zeitung eine Artikelserie zu jedem Plakat. Was ist außerdem geplant?

Von Anfang an war eine Website geplant, die die markanten Slogans auf den Plakaten mit Hintergrundinformationen zu den Themen ergänzt. Durch den QR-Code auf den Plakaten, kann man diese Informationen abrufen. In den verschiedenen Landeskirchen haben sich um die Plakatserie eigene Projekte entwickelt, die daran anknüpfen. So wird es etwa ein religionspädagogisches Projekt geben, das Einheiten für den Religionsunterricht anbietet, die sich mit den Themen der einzelnen Plakate befassen. Es wird Podiumsveranstaltungen im kommenden Jahr mit jüdischen und christlichen Teilnehmern geben. Eine Veranstaltungsreihe wird dazu beitragen, ehemals jüdische Gebäude wieder mit religiösen Themen zu beleben. 

Selbstverständlich können nicht nur kirchliche Einrichtungen, sondern auch private Firmen oder Per­sonen daran teilnehmen und an der Share-Kampagne mitwirken.   

Inzwischen haben sich andere Landeskirchen und Bistümer dem Projekt angeschlossen. Hat Sie das große Echo überrascht?

In der kleinen Initiativ-Gruppe waren wir getragen von der Absicht, dass wir uns als Kirche insgesamt in der Gesellschaft positionieren müssen angesichts der antisemitischen Tendenzen. Dass die allmählich entstehende Kampagne so dankbar aufgegriffen werden würde, war damals nicht unbedingt abzusehen. Eine Kommen­tatorin sprach von einem „Kairos“. Vielleicht war es ein glücklicher Moment. 

Welchen Wunsch verbinden Sie persönlich mit der Kampagne? Was müsste passieren, damit Sie sagen, sie ist gelungen?

Es ist natürlich bewegend zu sehen, wie sehr die Kampagne Fahrt aufgenommen hat. Und das ist sehr ermutigend. Aber letztlich lebt sie davon, dass sich viele Menschen in den Gemeinden beteiligen und im Laufe des nächsten Jahres den Plakaten einen festen Platz im begrenzten Raum ihres Schaukastens einräumen. Das wäre die Bedingung für das Gelingen. Gelungen wäre sie dann, wenn sich Menschen – Christen, Juden, Muslime, Atheisten – davon ansprechen ließen und ins Gespräch miteinander kommen. Idealerweise würde die Kampagne einen Beitrag zur Selbstbesinnung und zu dem zivilgesellschaftlichen Miteinander anbieten. 

Zum Kick-off kann man an einem Livestream teilnehmen, was erwartet die Teilnehmenden dabei?

Die Kick-off-Veranstaltung am 11. November findet auch unter den der­zeitigen hygienischen Bedingungen statt. Anders als geplant, werden wir die Kampagne in der Parochial­kirche ohne Publikum mit Podiumsteilnehmern präsentieren. 

Ich freue mich auf die Begegnung mit Rabbiner Andreas Nachama, den Grünen-Politiker Volker Beck und Felix Klein, den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, die ausgewählte Plakate erläutern. Die ­Moderation liegt bei der Berliner Generalsuperintendentin und frühen Unterstützerin des Projektes, Ulrike Trautwein. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wird ein Grußwort sprechen, allerdings per Einspielung, ebenso Bischof Ulrich Neymeyr von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Und von evangelischer Seite spricht der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm. 

Die Fragen stellte Sibylle Sterzik.

Ulrich Kastner ist Pfarrer der Kirchengemeinde Bohnsdorf-Grünau und stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises Lichtenberg-Oberspree. 

Kampagnenstart und Livestream

Am 11. November um 12 Uhr findet zum Kampagnenstart eine Pressekonferenz in der ­Parochialkirche Berlin statt. Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein moderiert die Veranstaltung, die per Livestream über www.ekbo.de/livestream verfolgt werden kann. Podiumsgäste: Pfarrerin Marion Gardei, Pfarrer Ulrich Kastner, Pfarrer Andreas Goetze, Rabbiner Andreas Nachama, Volker Beck/Grüne und Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter Bundesregierung. Grußworte: Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden, Bischof Ulrich Neymeyr, Mitglied der katholischen ­Deutschen Bischofskonferenz, Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD

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1. Kirche unter dem Kreuz Dr. Horst König Es ist auf jeden Fall zu begrüßen, daß mit der Darstellung die Katastrophe in Bergkarabach ins Bewußtsein gerufen wird. Wenn es im Artikelheißt: „deshalb darf es jetzt kein Schweigen und Wegschauen geben. Denn der Konflikt um Bergkarabach kann sich auf ganz Armenien ausweiten. Unsere christlichen Geschwister brauchen unsere Solidarität, unsere Gebete und aktuell vor allem politische ¬Unterstützung.“ ist das richtig. Doch dabei darf es nicht bleiben. Die EKD und die EKBO sollen – soweit noch nicht geschehen – offiziell Stellung beziehen und von der Deutschen Regierung klare politische und materielle Unterstützung für Armenien einfordern.
2. Armenien Klaus Mengel Die Historie Armeniens und die aktuellen Ereignisse sind schlimm - es tut weh.
Was kann man tun, wie kann man helfen?
3. Medienarbeit braucht Wolfgang Banse Auf diesem wege übermittle ich der Evangelischen Wochenzeitung:die Kirche meine herzlichsten Glück-und Segenswünsche zum 75. Bestehen dieser Zeitung. Die Zeitungslandschaft wäre um einiges ärmer, wenn es die Evangelische Wochenzeitung:die kirche nicht gäbe.Neben der Wochenzeitung:die Zeit erwerbe ich jeden Donnerstag die Evangelische Wochenzeitung:die Kirche. Mir würde und anderen sicher auch etwas fehlen, wenn diese Zeitung nicht mehr existieren würde.Weiterhin viel Erfolg und nochmals herzlichen Glückwunsch

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