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Woche fünf: Mobilität während der Kontaktsperre

25.03.2020

In den sieben Wochen der Fastenzeit üben sich Karola Kallweit und Vincent Pritsch abwechselnd im Klimafasten und berichten hier davon. Karola Kallweit schreibt über weniger Schadstoffe und leere Autobahnen.

Von Karola Kallweit

Angekommen in Woche fünf lautet das Thema „Eine Woche Zeit … für eine andere Mobilität“. Doch die ­Autobahnen sind leer, die normale Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel ausgesetzt, aufs Fahrrad ­müssen sich die Arbeitnehmer auch nicht mehr schwingen, weil viele ja ins unfreiwillige Homeoffice geschickt wurden und nun auch noch die sogenannte Kontaktsperre. Na dann kann ich ja auch gleich zu Hause bleiben.

Dieser Tage ist nichts mehr ­normal, selbst das Schreiben dieser Kolumne ist beeinflusst von den Geschehnissen um uns herum. Eigentlich wollte ich mich sieben Wochen lang im Klimafasten ausprobieren. Doch Corona hat mir ein Bein gestellt, mich immobil gemacht. Oder vielleicht doch nicht?

Hat die soziale Isolation, die physische Immobilität, die uns von unseren Regierungen verordnet wurde auch etwas Gutes? Laut dem Mitteldeutschen Rundfunk haben die Umweltsatelliten der NASA und der ESA einen klaren Rückgang von Luftschadstoffen über China gemessen, während das Land mit strengen Quarantänemaßnahmen Covid-19 bekämpft hat. Gilt das bald auch für Europa? Vielleicht führt der zurückgegangene Reiseverkehr in Luft und am Boden am Ende auch zu weniger CO2-Emissionen. Die Urlaubsplanung konzentriert sich aktuell zumeist auf Balkonien. Die Natur kann scheinbar für ein paar Monate durchatmen, denn weniger Reisen bedeuten auch weniger Müll, weniger Wasserverbrauch und Verschmutzung in den üblichen Touristen-Hotspots. Die Bilder von sich erholenden Kanälen in Venedig gingen letzte Woche um die Welt.

Und auch wenn wir physisch immobiler geworden sind, offenbaren sich gerade ganz neue Möglichkeiten geistiger Mobilität. Museen, Bibliotheken, Archive, öffentlich-recht­liche Sendeanstalten und die ­Kirchen entdecken und nutzen das Internet. Sie öffnen virtuell ihre Pforten und bieten online Romane zum Lesen, Filme zum Streamen oder Museumsrundgänge zum Durch­laufen an. Geistige Spaziergänge en masse. Manch einer macht jetzt vielleicht sogar mehr Kultur als in Vor-Corona-Zeiten.

Ab und an darf der Mensch ja auch noch raus an die frische Luft. Der Gang zum Supermarkt wird zum Highlight des Tages. Im Slalom bewege ich mich die Straße entlang, denn Abstand halten gilt weiter. Nur die Hunde halten sich nicht daran, die zählen allerdings auch nicht zur Risikogruppe. Mein Fahrrad werde ich demnächst für solo-selbstständige Touren auf Vordermann bringen. Und vielleicht werde ich trotz allem mit meiner alten VW-Möhre einmal über eine leere Autobahn brettern. Man möge es mir verzeihen.

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1. Theologie in Zeiten von Corona Andrea Richter Theologie in Zeiten von Corona
Auf meinem Schreibtisch liegt eine Postkarte, die ich vor zwei Jahren während eines wundervollen Urlaubes in der in Arles, in der Fondation Vincent van Gogh, gekauft habe: ein Totenschädel.
Memento Mori, bedenke, Mensch, dass du sterben musst!
Das macht mir keine Angst, und es hat für mich nichts, aber auch gar nichts mit einem strafenden Gott zu tun.
Das Bild erinnert mich an Adam, den ersten Menschen, dem Gott (nach Genesis 2, 7) den Odem des Lebens in seine Nase blies, so dass der Adam (Mensch) von der Adama (der Erde) zu einem lebendigen Wesen wurde.
Der Mensch, der Atem, das Leben – die Lebensantwort auf den Ruf: bebauen und bewahren!
Das Virus, der Kampf um das Atmen-Können und die Bedrohung durch den Tod.
Corona – ist auch ein memento mori!
Unsere christliche Tradition gründet darauf:
Jesu Leben – Jesu Sterben am Karfreitag – in Gott hinein – Auferstehehung– ewiges Leben – ewiger Lebensodem!
Die Chance: Aufatmen (hier & jetzt) wieder Atmen lernen, uns (vor allem auch als Kirche) nicht mehr verausgaben.
Ja, aufstehen gegen Tod und Lebensfeindlichkeit – aber zugleich auch Umkehren – uns wieder bewusstwerden, was vor allem die Abendlieder unseres Gesangbuches uns lehren:
„Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit“ (EG 481, 5 Text: Gerhard Tersteegen, 1745)
Wir dürfen als Kirche (wieder) lernen, Menschen in Angewiesenheit, Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu werden – und Gott in allem zu suchen und zu finden; wir dürfen lernen, uns nicht zu scheuen, von Gott zu reden, der alles in allen ist:
„Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten:
Die Welt ist Gottes so voll.
Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.
Wir aber sind oft blind.
Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen
Und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt,
an dem sie aus Gott herausströmen.
Das gilt für das Schöne und auch für das Elend.
In allem will Gott Begegnung feiern
Und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.
Die Kunst und der Auftrag ist nur dieser,
aus diesen Einsichten und Gnaden
dauerndes Bewusstsein und dauernde Haltung
zu machen und werden zu lassen.
Dann wird das Leben frei in der Freiheit
Die wir immer gesuchte haben.“

(am 17. November 1944 auf einen Kassiber von Alfred Delp mit gefesselten Händen geschrieben aus seiner Zelle im Gefängnis
2. Vor allem Umkehren und Lernen: aushalten und beistehen Michael Juschka Der Dialog ist anregend und ich danke den unsere Kirche Leitenden für ihre erfrischende Offenheit. Möglicherweise könnten auch ausgetauschte E-Mails noch einmal überarbeitet werden, damit die Gedanken stärker konturiert werden. Das Glaubensbekenntnis beginnt mit dem Glauben an Gott als Schöpfer. Deshalb wird es nicht leicht sein, Gottes Wirken nicht auch in Gefährdungen zu sehen, die sich aus dieser so vorfindlichen Schöpfung ergeben. Eine Botschaft, die ich auch aus dem Mund von Wissenschaftler*innen höre, steckt in der Frage, ob wir nicht Abstand davon nehmen müssen, Tiere in uns aufzunehmen. Mir fallen nur die Schlagworte wie Rinderwahnsinn, Schweine- oder Vogelgrippe ein. Was ist eigentlich mit den Wildschweinen los? Wir können auf keinen Fall gegen die Schöpfung selbst unser Leben entfalten und bewahren. Es geht um ein bauen und bewahren dessen, was vorgegeben ist.
3. GOTT braucht keine Kranken, um uns zu unterrichten Georg Wagener-Lohse Liebe Christina, Lieber Christian, zuerst dachte ich „typisch evangelisch und typisch akademisch – so viele Worte“. Und etwas Abgrenzendes sprang mich an. Ob es mit mir selbst zu tun hatte, mit meiner Sehnsucht nach einer empathischen aber auch deutenden Kirche?
Dann habe ich mir später noch einmal Zeit genommen und versucht, hörend zu lesen. Ja, zur Ruhe möchte ich auch gerne kommen, Trost finden, neben dem vielen Aufgeregten und Erschreckenden. Ja, und nach einem Sinn darin taste ich auch.
Da fiel mir dann auf, dass wir ganz nahe bei einander sind mit dem Gott, der Atem ist, der da ist. Und da tauchte sogar das Bild auf, das er uns geschenkt hat und was ich auch im Text gesucht hatte: der Gott mit uns, Immanuel, der den wir als den Christus bekennen.
Und dann bin ich dankbar für die Frage am Ende „Wie bringen wir das in Worte zur richtigen Zeit?“ - eine Haltung, die warten kann, dass der Atem kommt, der unsere Stimmen zum Schwingen bringt und unsere Füße in Bewegung setzt.
Abgesehen von den gestrigen, die den rächenden Lehrmeister wieder beschwören wollen, möchte ich aber auch noch um unsere Solidarität mit denen bitten, die unsere gesellschaftliche Krise vor und nach „Corona“ sehen. Sie reiben sich die Augen, was wir alle plötzlich zustande bringen an Konsequenz. Ich finde hilfreich, was Matthias Horx als Re-gnose beschrieben hat, und ich finde auch eher diejenigen autoritär, die uns bei einem mit der Schöpfung unverträglichen Lebensstil halten wollen. Ich wünsche mir so sehr, dass auch unsere Kirche auf dem Weg aus dieser Gefangenschaft dabei sein wird.
Herzlich, Georg

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