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Wollsocken drüberziehen

Die Energiekosten-Krise stellt auch Kirchen vor eine harte Probe

Die Heizung um ein paar Grad zu reduzieren, spart einiges an Energie. Foto: pixabay

Von Karsten Packeiser (epd)

Auf stolze 24000 Euro beliefen sich zuletzt die jährlichen Betriebskosten für Heizung, Strom, Wasser in der Dreifaltigkeitskirche in Worms – und zwar, bevor Ukraine-Krieg und Wirtschaftssanktionen die Energiepreise förmlich explodieren ließen. Dabei hatten sich die evangelischen Wormser Innenstadtgemeinden aus Energiespargründen schon vor Jahren zu einer „winterlichen Gottesdienstgemeinschaft“ zusammen­geschlossen. Weil ein Ende des Preisanstiegs nicht abzusehen ist, heißt es in der größten protestantischen ­Kirche der Lutherstadt während der kalten Jahreszeit künftig: Woll­socken drüberziehen. Man habe beschlossen, dass die Grundtemperatur durchgehend bei neun Grad bleiben solle, berichtet Gemeindepfarrer Volker Johannes Fey.

Viele Kirchen nur einmal pro Woche genutzt


Nicht nur normale Bürger und Unternehmen machen sich aktuell Gedanken darüber, wie sie angesichts der Situation auf den Energiemärkten noch durch die Winter­monate kommen. Für die Kirchen ist die Frage von besonderer Brisanz: In den oft hoch aufragenden Gebäuden steigt die Wärme nach oben. Entsprechend lange dauert es vielerorts, bis Gottesdienstbesucher unten in den Sitzbänken überhaupt einen ­Effekt der Heizung spüren. Viele ­Sakralbauten werden, wenn überhaupt, nur einmal in der Woche ­genutzt. Der Wechsel zwischen ­regelmäßigem Hochfahren der Heizungsanlage und anschließendem Abkühlen bis zum nächsten ­Wochenende kann aber auf Dauer die Orgeln schädigen.

Nachtabsenkung einstellen


In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) entfallen drei Viertel der verbrauchten Heizenergie auf Gas, was sich in der ­aktuellen Krise als besonders problematisch herausstellt. Auch, wenn es für den Austausch von Heizungs­anlagen bis zum kommenden Winter schon zu spät ist, könnten einige Sparmaßnahmen noch immer getroffen werden, wirbt Kathrin ­Saudhof, Klimaschutzreferentin am ­Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN in Mainz. Gemeinden sollten jetzt die Nacht­absenkung ihrer Heizungsanlagen in den Gemeindehäusern richtig einstellen und hydraulische Abgleiche vornehmen lassen: „Das ist etwas, was man noch im Sommer regeln könnte.“

Wärme nur bis 15 Grad 


Kirchen befassen sich mit dem Thema Energiesparen nicht erst im Zusammenhang mit dem befürchteten russischen Gas-Lieferstopp. Die EKHN beispielsweise verabschiedete „Richtlinien für die Beheizung von Kirchen“ bereits 1979. Sonntags und bei Gottesdiensten sei die Raumlufttemperatur auf 15 Grad zu begrenzen, heißt es in dem noch heute gültigen Regelwerk. „Diese Temperatur darf keinesfalls überschritten ­werden.“ In der Praxis, erzählt eine Pfarrerin, hätten sich in der Vergangenheit viele ihrer Kolleg*innen und deren Gemeinden daran aber nicht gehalten - aus Angst, ihre Gottesdienstbesucher mit Eiseskälte zu vergraulen.

Beheizte Kirchen ursprünglich nicht vorgesehen


Möglicherweise müssen sich in der aktuellen Energiekrise die Gläubigen auch anderswo darauf besinnen, dass geheizte Kirchen ursprünglich gar nicht vorgesehen waren. Im Gegenteil: In ländlichen Gegenden mit historischen Dorfkirchen seien zentrale Heizungen bis heute tatsächlich „sehr selten“, teilt die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mit: „Es gibt dort gelegentlich ­elektrische Unterbankheizungen (S-Bahn-Heizkörper) oder beheizte Sitzkissen, die nur die Besucherinnen und Besucher der Gottesdienste gezielt wärmen.“

Dass Kirchen ohne Heizung auskommen, ist kein auf ostdeutsche Dörfer beschränktes Phänomen: Selbst der majestätische Kölner Dom hat noch nie eine Heizungsanlage besessen. Dort wurde es in manchem Winter schon so kalt, dass das Weihwasser gefror.

Aktuell appelliert auch die pfälzische Landeskirche in einem Rundschreiben an die Gemeinden, Heizungen auch im Winter möglichst ganz ausgeschaltet zu lassen. „Wir sind da einfach verwöhnt“, bringt es Fey in Worms auf den Punkt. ­Allerdings ist seine Dreifaltigkeitskirche nicht nur Gottesdienstort, sondern bietet auch eine der wichtigsten Bühnen für Konzerte in der Stadt. Frierende Streichorchester mit klammen Fingern – das könnte problematisch werden, räumt der Pfarrer ein.

Und auch der vielerorts bereits seit Jahren über die Wintermonate praktizierte Wechsel der sonntäg­lichen Gottesdienstbesucher ins Gemeindehaus wird dieses Mal schwieriger: Denn ganz so eng beieinander möchte die Gemeinde in Zeiten von Covid-19 möglichst auch nicht mehr sitzen.

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1. Die Errungenschaften des christlich-jüdischen Dialogs sind gefährdet Swen Schönheit Im Studium der Ev. Theologie habe ich gelernt, dass im Ersten ("Alten") Bund Gott, Volk, Land untrennbar zusammengehören. Fehlgeleitete Theologie wird zur Ideologie, wenn sie versucht, das Eine vom Anderen zu trennen. Der Gott Israels steht zu seinem Volk und zu "seinem" Land (vgl. Ezechiel 36,5).
Einseitig ist eine unkritische "Israel-Euphorie" ebenso wie der Versuch, zum Judentum gute Beziehungen zu pflegen und den Staat dabei kritisch unter Vorbehalt zu sehen. Volk ohne Land gibt es (Gott sei Dank!) nicht mehr. Wer aus dem kirchlichen Raum heraus meint, er oder sie müsse "selbstverständlich" Kritik am Staat Israel üben, sollte bedenken: Wir muten Gott auch als Kirche eine Menge zu - und er steht immer noch zu uns. Schalom!
2. Freiheit braucht Verantwortung Wolfgang Banse Der ehemalige Bischof der EKBO, ehemals Ratsvorsitzender der EKD begeht seinen 80 Geburtstag.Was hat mein Vater mit Wolfgang Huber gemeinsam, beide begehen am selben Tag ihren Geburtstag.gemeindeerfahrungen hatte er nicht gesammelt, was die Bischofswahl anbelangt, was man auch oft merkte, was Impulse, Entscheidungen anbetrifft.Zugang zu kleinen, einfachen Menschen hatte er nicht, lag ihm nicht.Er war und blieb ein Katheter Gelehrter.Wieviel Glieder hatte die EKBo bei seinen Antritt als Bischof?Wieviel Glieder waren es bei seiner Ausscheidung als Bischof?Die selbe Frage stellt sich auch was seine Tätigkeit als Ratsvorsitzender der EKD betrifft.Eine gebrochene biographische Biografie kann man dem Geburtstagskind Wolfgang Huber nicht bescheinigen.Historiker werden seinen Dienst in der Kirche auswerten.Es ist gut dass er jetzt mit Beginn des 8osten Lebensjahr von Ämtern zurück tritt, jüngeren Menschen Platz macht, ihnen das Feld überläßt was die Garnisionskirche in Potsdam, das Domstift in Brandenburg beinhaltet. Wo war er mit seiner Gemahlin Kara Huber nicht präsent, sei es auf dem Preseball, beim Pbersee Club in Hamburg...Seine Frau nahm und nimmt eine dominannte Rolle ein.Obwohl sie nicht Mitglied des Domkapitels ist, sitzt sie beim Domkapitel Gottesdienst in den reihen des Domkapitels, Bei einen Heilig Abend Gottesdienst in der Oberpfarr-und Domkrche zu Berlin, breitete sie ihren Mantel auf der Bankreihe aus, nahm sie in Beschlag für auserwählte Personen. Bei Veranstaltun gen im Brandenburger Dom, sowie in der Nagelkreuzkirche zu Potsdam saß sie in der ersten Reihe bei der Lesung von Deborah Feldmann.Weil ich Bischof bin, so der Eindruck eines gläubigen Menschen, muß meine Gattin minderstens Schulleiterin einer evangelischen Schule, hier Potsdam.Was sagt das aus über einen Menschen, der laut Cicero zu den 5oo Intellektuellen Deutschlands gehört?!Was kostet der Empfang der für Bischof Professor Dr. Wolfgang Huber in der Friedrichkirche am Gendarmenmarkt , aus Anlaß seines 80sten Geburtstag gegeben wird?Auf Kosten anderer kann man gut feiern lassen.
3. Mit Würde, Wachheit und Barmherzigkeit Wolfgan g Banse Die verstorbene Superintendentin des Kirchenkreises Neukölln, war ein warmherziger Mensch.Immer hatte sie ein offenes Ohr für jede und jeden.Sie strahlte Gelassenheit, Charme, Esprit aus.Sie fehlt nicht nur ihrer lieben Familie, sondern auch den Menschen, denen sie etwas bedeutete.Das jetzt erschiene Buch über Viola Kennert wird viele Abnehmer finden.Durch dieses Buch bleibt sie den Menschen nah.

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