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Zehn Gebote des digitalen Wandels

Freiheit digital: Erste Denkschrift in der 2021 zu Ende gehenden EKD-Ratsperiode veröffentlicht

EKD Digitaler Wandel Ethik
Denkschrift für freiheitsfördernde Digitalisierung: „Freiheit digital – Die Zehn Gebote in Zeiten des digitalen Wandels” der EKD. Foto: EKD

Von Roger Töpelmann

Denkschriften aus dem „Think-Tank“ EKD-Kirchenamt in Hannover gibt es nicht alle Tage. Deshalb wird dem Ethik-Statement der EKD „Freiheit digital“ besondere Bedeutung beigemessen.

Der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, stellte am 22. April mit weiteren Mitgliedern der Kammer für Soziale Ordnung unter Vorsitz der Gewerkschafterin Edeltraud Glänzer die erste Denkschrift in der zu Ende ­gehenden Ratsperiode der EKD vor. Denkschriften des Rates der EKD haben in der Vergangenheit hohe gesellschaftspolitische Beachtung erlangt, so die „Ostdenkschrift“ im Jahr 1965, die zur Aussöhnung mit den öst­lichen Nachbarn Deutschlands aufrief oder die Friedensdenkschrift des Jahres 2007. Gelungen ist in der ­jetzigen Expertise vor allem der ­Ansatz, die vielen ­Aspekte der Digitalisierung an den Zehn Geboten durchzubuchstabieren. 

Ethik der Digitalisierung


Bedford-Strohm zeigte sich bei der Vorstellung der Denkschrift in der Pressekonferenz überzeugt, dass der 248-Seiten-Text ein großes Echo finden werde und analysierte: „Weil sich die Technologien in den ver­gangenen zehn Jahren so rasant ­weiterentwickelt haben, hinken die ­gesellschaftlichen Normen für ihre Nutzung zwangsläufig hinterher. Die Technologie ist aber weit voraus.“ Er forderte eine Ethik der Digitalisierung. Es gelte Chancen zu nutzen und Risiken zu begrenzen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Kammer, Traugott Jähnichen, Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum, sagte: „Die Digitalisierung ist kein Verhängnis“, ihr Hauptanliegen sei „evangelische Freiheit“. Die überraschende Nähe zu den Zehn Geboten sei gewollt: Die ­Arbeitswelt mit dem Sonntagsgebot und die Konsumwelt mit dem ­Online-Handel machten eine neue Erschließung der biblischen „Zehn Worte“ möglich.

Nicht überraschend ist, dass die Autoren beim fünften Gebot „Du sollst nicht töten“ auf Militärtechnologie stoßen. Große Gefahren lauern bei „autoregulativen Systemen“. ­Gemeint sind Waffen­gattungen, die ­autonom reaktiv ­gegnerische Ziele verfolgen, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Allerdings wird bislang ein Eingriff ohne menschliche Entscheidung fast überall auf der Welt kategorisch ausgeschlossen. Die menschliche Kontrolle, die „meaningful human control“, bleibt das Maß aller Dinge. Die Antwort auf immer neue Waffen ist der „Gerechte Frieden“, schreiben die Autoren. Sie übersetzen den Begriff aber dann doch konkreter mit „Freiheit zum Verzicht auf Gewalt und einer freiheitsfördernden Digitalisierung.

Diebstahl und Fake-News


Beim achten Gebot „Du sollst nicht stehlen“ gehen die Autoren kritisch auf die Online-Monopole ein. Tatsächlich sieht es mit den Rechten von Autor*innen und deren Vergütung durch die Internetgiganten Google oder Facebook miserabel aus. Der Verdacht von Diebstahl drängt sich auf. 

Das neunte Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ erinnere, so Bedford-Strohm, an die Debatte über Fake-News und Hassrede im Netz. 

Die Stabsstelle Digitalisierung der EKD begleitet schon seit 2019 innovative Projekte wie Digitale Seelsorge oder den Aufbau theologischer Netzwerke. Hier gehe aber noch weit mehr, wie sich am Portal EKDigital sehen lasse, sagte Oberkirchenrätin Stefanie Hoffmann von der Stabsstelle.

Dass es mit der Digitalisierung in der Kirche gar nicht so schlecht aussieht, darauf wies der Ratsvorsitzende hin: Schon zu Ostern 2020 hätten etwa 80 Prozent der evangelischen Kirchengemeinden in der Corona-Pandemie auch digitale Angebote gemacht. Er mahnte aber auch: Welche Rolle künstliche Intelligenz in Zukunft spielen werde, sei noch nicht klar. So könnten in der Pflege sicher bald Roboter eingesetzt werden. Die Grenze dürfe jedoch nicht überschritten werden, dass es künstliche Wesen mit Bewusstsein und Seele gibt, sagte er zur ethischen Verantwortung.

Denkschrift „Freiheit digital. Die Zehn Gebote in Zeiten des digitalen Wandels“, Download unter www.ekd-digital.de

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1. Beiträge Herr Banse Redaktion
2. Synodenberichterstattung Wolfgang Banse Zu:Bischofsvisitation 2O22:Seelsorge-Seelsorge in Zeiten der Pandemie , läßt zu wünschen.Der Realität ins Auge sehen, hier Potsdam.
Absitzen, aus sitzen.Seelsorge sieht anders aus, als sie erleb, erfahrbar ist.Selbstbeweihräucherung der Pastorinnen und Pastoren.Nur seine eigenen Veranstaltungen, Gottesdienste, Andachten wahr nehmen, nicht der Kolleginnen, Kollegen.Wie kommt es dass eine Person, die 8 Jahre in dem Stadtteil wohnt,keinen Gemeindebrief in den Briefkasten vorfindet.Sprechzeiten nach Absprache.
Zu:Kirche ohne Rassismus:Die Kirche will eine Kirche ohne Rassismus werden-warum ist sie es nicht schon.Apartheit ist erleb, erfahrbar hier was gehandikapte Menschen als Glieder der Kirche betrifft. Inklusion hoch gelobt, nur nicht gelebt,erleb, erfahrbar.
Zu:Gemeindestrukturgesetz:Glieder der Kirche werden wie Freiwild, Laib-eigen behandelt, entmündigt, an Fäden gezogen , wie eine Marionette.Den Gliedern von kleinen Gemeinden wird geraten, den Gerichtsweg zu gehen, aus der Kirche austreten, da diese keine Basisdemokratie lebt. Den Personen Stäblein, Bammel,Konsistorialpräsident, sollten die Kirchenaustritte übersandt werden. Einladungen von den Kirchengemeinden zurück genommen werden, hier Festgottesdienste...
3. Veränderungen Gert Flessing Lange Jahre war ich Pfarrer in Brandenburg. Schon damals, in den beginnenden achtziger Jahren, wurde deutlich, dass es zu Veränderungen kommen muss. Zunächst waren es eher Vakanzen, die nachdenklich werden ließen. Später kamen die ersten Schließungen von Pfarrstellen. Da war ich bereits in Sachsen. Auch dort erlebte ich die Veränderungen. So fügten wir aus drei Gemeinden eine zusammen. Das war 1997. Jetzt bin ich im Ruhestand und erlebe, wie die Gemeinden unter der neuen Strukturreform ächzen. Ich vermisse dabei vor allem eine theologische und seelsorgerliche Begleitung.
Ich kann die Christen der Prignitz gut verstehen. Aber Kirchgemeinden mit 300 Mitgliedern gibt es hier seit den neunziger Jahren nicht mehr. Sicher ist es am Besten, wenn es zu freiwilligen Zusammenschlüssen kommt. Aber ich kenne das Spiel gut genug, dass ich weiß: "Das ist mehr als selten." Weil jede Gemeinde Angst hat, zu kurz zu kommen. Leider.
Gert Flessing

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