Die dunkle Skulptur eines knienden Menschen auf einem hellen Sockel auf einer Wiese
Emerita Pansowová: Kauernde. Foto: Hannes Langbein

Wenn der Friedhof zur Galerie wird: Der Skulpturengarten in Wandlitz

Zeitgenössische Skulpturen, historische Grabsteine und eine alte Dorfkirche: Auf dem Kirchhof in Wandlitz verschmelzen Kunst und Erinnerungsort zu einer außergewöhnlichen Freiluftausstellung.

Von Hannes Langbein

Wandlitz. Ein Friedhof als Skulpturengarten. Das hat mittlerweile Tradition rund um die Dorfkirche in Wandlitz: Seit 2021 zeigt Kurator Thomas Schubert alle zwei bis drei Jahre neu zeitgenössische Skulp­turen zwischen den hohen alten Bäumen und den schief stehenden historischen Grabsteinen des alten Kirchhofs.

Sie passen eigentümlich gut in die Landschaft des Friedhofs: Die Kunst und die Grabsteine an den Wegen, in den Lichtungen, rund um die alte Feldsteinkirche, sitzend, kauernd, aufgerichtet, zum Himmel gereckt. Neun Künstlerinnen und Künstler hat Thomas Schubert eingeladen: abstrakte, figürliche, halbabstrakte Positionen.

Skulpturengarten in Wandlitz: Menschliche Figur im Vordergrund

Der Gang durch den Skulpturengarten ist auch ein Gang durch die unterschiedlichen bildnerischen Zugänge zum Menschen. „Ecce homo – Variationen über die menschliche Figur“ ließe sich über den Rundgang schreiben: Wieland Förster, Emerita Pansowová, Daniel Priese, René Graetz und Michael Morgner – sie alle umkreisen auf ihre Weise die menschliche Figur. Aber dann auch geometrische Formen: Die „große Faltung“, „Tor IV“ und das „Kreis-Dreieck“ von Klaus-Joachim Albert, „Mikado“ von Jutta Albert, „Behältnis Rot und Blau“ von Helmut Senf. Selbst diese vollständig abstrakten Figurationen wirken in anthropomorpher Gesellschaft wie Variationen auf den Menschen.

Abstrakte und minimalistische Formen

Der französische Kunstwissenschaftler Georges Didi-Huberman war sich ohnehin sicher: Auch die abstrakteste und minimalistischste Form wird einer Erinnerung an die menschliche Figur nicht entkommen können. Dies auf einem Friedhof kein fernliegender Gedanke. In Anna-Franziska Schwarzbachs Relief „Abendmahl“ am Eingang der Kirche kommen diese Figuren noch einmal zusammen.

Die aktuelle Ausstellung ist bis Mai 2027 ganztägig zu sehen: Dorfkirche Wandlitz, Breitscheidstraße 20, Wandlitz. Wer noch in die Kirche schauen will: Dort ist die Bronze­skulptur „Der Lehrende Christus“ von Ernst Barlach zu sehen.

Hannes Langbein ist Pfarrer und Direktor der Kulturstiftung St. Matthäus der EKBO.

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