Zwei Männer
Bernhard Schmidt (li) und Thomas Tutzschke (re.) Foto: KK Havelland

Der neue Kirchenkreis Havelland

Die Kirchenkreise Falkensee und Nauen-Rathenow arbeiten seit mehreren Jahrzehnten eng zusammen. Seit 1. Januar 2026 bilden sie den neuen Kirchenkreis Havelland mit Sitz in Nauen. Am 28. Februar konstituiert sich die neue Kreissynode. Dann stellt sich die Berliner Pfarrerin Sarah Magdalena Kingreen zur Wahl als Superintendentin. Constance Bürger sprach mit Thomas Tutzschke, zuletzt Superintendent im Kirchenkreis Nauen-Rathenow, und Bernhard Schmidt, zuletzt Vorsitzender der Kollegialen Leitung im Kirchenkreis Falkensee, über die Fusion: Warum sie nötig war, was sich die Verantwortlichen vom neuen Kirchenkreis versprechen und wie Mitarbeitende und Ehrenamtliche in dem Prozess mitgenommen wurden.

Wie kam es zu dem Namen des neuen Kirchenkreises?

Bernhard Schmidt: Die Namensfindung war ein synodaler Prozess. In der Kreissynode haben wir zu Vorschlägen aufgerufen und sogar einen Preis ausgeschrieben – viele haben sich beteiligt. „Kirchenkreis Havelland“ wurde von vielen vorgeschlagen und bekam die meisten Stimmen. Der Gewinner war ein Synodaler aus Schönwalde, der einen ganzen Essay schrieb und historisch wie kulturell begründete, warum das der richtige Name sei. Dass das Los auf ihn fiel und er den Preis gewann, war fast wie ein kleines Gottesurteil.

Warum lag die Kooperation der beiden Kirchenkreise – Falkensee und Nauen-Rathenow – so nah? Landkarte

Thomas Tutzschke: Die Kirchenkreise kooperieren seit Ende der 90er Jahre. Sie liegen im Landkreis Havelland, treten bei politischen und gesellschaftlichen Ereignissen gemeinsam auf. Eine Zusammenarbeit mit anderen Kirchenkreisen hätte eine Teilung des Kirchenkreises Falkensee zur Folge gehabt. Das kam für uns nicht infrage.

Bernhard Schmidt: Wir arbeiten ja schon lange eng zusammen. Auch das persönliche Vertrauensverhältnis zwischen Thomas Tutzschke und mir war ein ganz wichtiger Gesichtspunkt für die sehr gute Kooperation.

2020 gab die Kirchenleitung der Landeskirche den Auftrag an die Kirchenkreise Falkensee, Nauen-Rathenow und Potsdam, über eine mögliche Fusion nachzudenken. Was waren die Gründe dafür, welche Erwartungen hat man damit verbunden?

Thomas Tutzschke: Die Mitgliederzahlen sinken stetig. Es bestand die Sorge, dass die Kirchenkreise finanziell nicht bestehen und ihren Aufgaben nachkommen können. Eine Zusammenlegung erleichtert zum Beispiel die Besetzung notwendiger Gremien.

Bernhard Schmidt: Wir haben als Kirchenkreis Falkensee einer Fusion lange widerstanden, weil wir stabile Mitgliederzahlen hatten. Seit 2019 ging es jedoch auch bei uns kontinuierlich bergab. Da reifte die Einsicht, dass es sinnvoll ist, mit dem Kirchenkreis Nauen-Rathenow zusammenzugehen und Kräfte zu bündeln.

Inwiefern haben die Kirchenkreise schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet?

Bernhard Schmidt: Wir haben gemeinsam die Havelländischen Kirchentage und Ältestentreffen veranstaltet sowie Lektoren ausgebildet. Auch historische Jubiläen wie das 500. Reformationsjubiläum 2017 unter dem Motto „95 Hammerschläge“ und „Fontane 200“ in 2019 haben wir zusammen begangen. Eine gemeinsame Beauftragte kümmerte sich um die Flüchtlingsarbeit, seit vergangenem Jahr gibt es einen gemeinsamen Öffentlichkeitsbeauftragten. Immer mehr Arbeitsbereiche kamen hinzu, in denen wir kooperierten und merkten, dass es gemeinsam besser geht.

Wie kann der neue Kirchenkreis Kräfte bündeln? Thomas Tutzschke:

Jeder Kirchenkreis benötigt Gremien, die entsprechend besetzt werden müssen. Aus zwei Gremien wird nun eins, was die Besetzung einfacher macht. Das gilt auch für die Zahl der Beauftragten für die verschiedenen Arbeitsbereiche und Aufgaben.

Werden durch die Fusion Stellen frei oder müssen Mitarbeitende gekündigt werden?

Bernhard Schmidt: Bisher hatten wir zum Beispiel zwei Kreisbeauftragte für die Arbeit mit Kindern, jetzt noch eine. Es betrifft auch unsere Leitungsstelle. Durch die Fusion haben wir Stellenanteile eingespart. Ob sich das bewährt, wird sich zeigen. Aber wir merken, dass nicht nur die Gemeindegliederzahlen, sondern auch die Finanzen zurückgehen – darauf müssen wir reagieren.

Thomas Tutzschke: Wer kein Beauftragter für einen Arbeitsbereich mehr ist, erhält seinen Platz im Dienstbereich seiner Profession. Es gibt keine Entlassungen.

Bernhard Schmidt: Der Fusionsprozess hatte Akzeptanz, weil wir den Mitarbeitenden glaubhaft versprochen haben, dass es keine Kündigungen geben wird. So konnten sie den Prozess konstruktiv begleiten. Wichtig war, dass wir dabei genügend Zeit hatten – Entscheidungen wie etwa die künftige Gestaltung des Kreiskantorats brauchen Zeit und Vertrauen.

Wie wurden Mitarbeitende und Ehrenamtliche in die Fusion einbezogen?

Bernhard Schmidt: Wir haben viele Veranstaltungen wie Ältestentreffen und Versammlungen beider Kirchenkreise durchgeführt. Eine paritätisch besetzte Fusions-AG erarbeitete eine Agenda, die wir dann in Synoden und Kreiskirchenräten abstimmten. Darin waren Thomas Tutzschke und ich, die beiden Präsides der Kreissynoden, sowie zwei Laien aus dem Kreiskirchenrat vertreten – so konnten verschiedene Perspektiven berücksichtigt werden.

Was war eine besonders große Baustelle im Zusammengehen?

Thomas Tutzschke: Die Entscheidung der Leitungsform des Kirchenkreises war offen. Im Kirchenkreis Falkensee gab es eine kollegiale Leitung, im Kirchenkreis Nauen-Rathenow das Superintendentenamt. Die Entscheidung für das Superintendentenamt fiel am Ende des langen synodalen Beratungsprozesses mehrheitlich aus.

Schmidt: Auch die Satzung des Kirchenkreises haben wir intensiv diskutiert, zum Beispiel über Größe von Kreissynode und Kreiskirchenrat. Wollen wir viele Laien einbinden oder eher wenige? Idealerweise viele – aber dann stellt sich die Frage, ob wir genug haben und uns nicht überfordern.

Welche Chance sehen Sie in so einer Fusion?

Bernhard Schmidt: Dadurch, dass sich der Prozess so lange hingezogen hat und wir viele Synoden gemeinsam hatten, führte das dazu, dass man sich persönlich und die Arbeit des anderen kennenlernte. Und auch die Projekte in den Kirchenkreisen: In Nauen-Rathenow das Jugendhaus Oase, das wir aus Falkensee bei einer Konventsfahrt kennenlernten, oder die ökumenische Partnerschaft mit Ägypten in Falkensee: Jugendliche aus beiden Kirchenkreisen fuhren gemeinsam nach Ägypten.

Und was ergibt sich durch die Fusion für die Kirchengemeinden?

Thomas Tutzschke: Die Kirchengemeinden profitieren von einer größer gewordenen Vielfalt in den einzelnen Arbeitsbereichen. Zum Beispiel können Chöre und Musikgruppen eingeladen werden und unterschiedliche Gottesdienstangebote genutzt werden. Bernhard Schmidt: Ich verspreche mir, dass ein starkes Wir-Gefühl entsteht: Wir sind der Kirchenkreis Havelland und wir sind 25.000 Christinnen und Christen.

Auf der Kreissynode am 28. Februar stellt sich Pfarrerin Sarah Magdalena Kingreen als Superintendentin zur Wahl. Was braucht der neue Kirchenkreis für eine Leitungsfigur?

Thomas Tutzschke: Eine Superintendentin, die Freude daran hat, neu zu gestalten.

Bernhard Schmidt: Aus Falkensee bringen wir die Erfahrung der kollegialen Leitung mit: Für die Leitung braucht man ein verlässliches Team, das unterstützt und sich einbringt.

Wie geht es mit Ihnen beiden weiter?

Bernhard Schmidt: Ich gehe in die Krankenhausseelsorge nach Berlin-Spandau, ein wichtiger Dienst der Kirche, Menschen in existenziellen Situationen beizustehen.

Thomas Tutzschke: Ich gehe als Gemeindepfarrer zurück in die Kirchengemeinde Havelluch und freue mich, wieder ganz nah mit und an den Menschen zu arbeiten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Region?

Bernhard Schmidt: Wichtig wird sein, die Tradition der Havelländischen Kirchentage fortzuführen und nicht lange auf den nächsten zu warten. 2022 fand der letzte statt.

Thomas Tutzschke: Dieses Zusammenwachsen, das so ein Kirchentag ermöglichen kann, brauchen wir mehr denn je. Wir sind nicht nur die drei oder vier im Sonntagsgottesdienst, sondern eine große Christenschar – und wir werden gebraucht, alle.

Bernhard Schmidt: Der Fusionsprozess hat viele Kräfte gebunden. Jetzt müssen wir wieder zum Eigentlichen kommen. Unser Auftrag ist nicht, Strukturen zu verändern, sondern das Evangelium in die Welt zu tragen.

In einem Gottesdienst am 29. März um 14 Uhr in der St. Jakobi Kirche in Nauen wird Thomas Tutzschke als Superintendent des Kirchenkreises Nauen-Rathenow verabschiedet.

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