Seit August 2025 ist Eva-Maria Kopte Vorstandsvorsitzende und oberste Pädagogin der „Evangelischen Schulstiftung in der EKBO“. Im Rahmen einer Pressekonferenz sprach sie über ihre Ziele und Herausforderungen in Berlin und Brandenburg.
Berlin. „Hass und Hetze haben an der Schule keinen Platz. Jeglicher Verherrlichung oder Verharmlosung des Nationalsozialismus sowie von Krieg und Gewalt tritt die Schulgemeinschaft entschieden entgegen.“ Das ist ein neuer Zusatz zum Schulvertrag. Den unterschreiben alle Eltern, wenn sie ihre Kinder zum Unterricht in einer der evangelischen Schulen anmelden, die zur Evangelischen Schulstiftung in Berlin und Brandenburg gehören. Wer gegen diese Verpflichtung verstößt, seien es Schüler oder Eltern, muss mit der Auflösung des Schulvertrages rechnen. Dazu passt, dass die Schulstiftung ein „Themenjahr Demokratie und Vielfalt“ ausgerufen hat, um ihre Haltung nach innen und außen sichtbar zu machen: Offenheit ja, aber mit klaren Grenzen gegen demokratiefeindliche Positionen.
Eva-Maria Kopte ist seit August neue Vorstandsvorsitzende
Über den verbindlichen neuen Vertragszusatz und mehr berichtete neulich Eva-Maria Kopte, seit August die neue Vorstandsvorsitzende der Stiftung, im Rahmen einer Pressekonferenz. Kopte (44) war Lehrerin und zuletzt Leiterin im Bildungsbereich-Ost der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg. „Die Arbeit bei einem großen, inklusiv orientierten diakonischen Träger hat mich stark geprägt“, sagte sie während der Pressekonferenz. Jetzt trägt sie – zusammen mit der Kaufmännischen Vorständin Christina Lier – in der Schulstiftung die pädagogische Verantwortung für 35 evangelische Schulen, 10.000 Schülerinnen und Schüler und mehr als 1400 Beschäftigte.
Schulstiftung abgekoppelt von Kirchenmitgliedszahlen
Die Stiftung verfügt über einen eigenen Haushalt und kann so einigermaßen unabhängig von der Entwicklung der Kirchenmitgliedszahlen und kirchlichen Budgetzwängen agieren. Viele andere Landeskirchen führen ihre Schulen weiterhin als Abteilungen innerhalb der Kirchenverwaltung; das Berliner Modell werde derzeit bundesweit als zukunftsorientiert wahrgenommen, sagte Eva-Maria Kopte. Schon allein die räumliche Aufteilung der EKBO, zu der die Stiftung gehört, stärkt die Eigenständigkeit aller evangelischer Schulen. „Sie sind regional und sozial deutlich heterogen“, sagte Eva-Maria Kopte, „Standorte in Berlin-Neukölln unterscheiden sich grundlegend von solchen in Schwedt oder Berlin-Schmargendorf.“ Diese Unterschiedlichkeit gelte es zu erhalten: gemeinsame Werte und evangelisches Profil zu stärken, gleichzeitig aber der regionalen Besonderheit und Vielfalt Raum zu geben, so Kopte.
Lokale Initiativen befördern Neugründungen von Schulen
In Frankfurt (Oder) hat in diesem Jahr eine Oberschule eröffnet, in Zeuthen ist eine neue Schule im Aufbau. Schulgründungen gehen meist auf lokale Initiativen von Gemeinden, Eltern oder Kirchenkreisen zurück. Häufig in Verbindung mit dem Leerstand von kirchlichen Gebäuden. Voraussetzung für eine Übernahme durch die Stiftung seien ein stabiler gesellschaftlicher Rückhalt vor Ort, die Perspektive auf genügend Schüler*innen sowie langfristig tragfähige bauliche und finanzielle Rahmenbedingungen, so Kopte.
Bildungslandschaft in Berlin und Brandenburg unterschiedlich
Politisch hat es die Leiterin der Schulstiftung mit unterschiedlichen Bildungslandschaften in Berlin und Brandenburg zu tun. Im Schmelztiegel Berlin sei die soziale Spaltung massiv. Das spiegle sich auch in den evangelischen Schulen wider: „Es gibt Kinder aus gutsituierten und bildungsnahen Familien und es gibt Schülerinnen und Schüler, die ohne Frühstück und Mittagessen zur Schule kommen“. Eine Herausforderung bestehe darin, Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Familien dabei zu unterstützen ihre Potenziale zu entfalten und ihnen einen erfolgreichen Start ins Berufsleben zu ermöglichen, sagte Kopte. Das gelte beispielsweise etwa in der evangelischen Schule in Berlin-Neukölln. Dort sind 11 von hundert Kindern vom Schulgeld befreit. Für alle anderen gilt ein Mindestsatz von 30 Euro Schulgeld im Monat.
Berliner Schulgesetznovelle wird begrüßt
Vor diesem Hintergrund unterstützt die Stiftung eine geplante Berliner Schulgesetznovelle, die im nächsten Jahr in Kraft treten soll und auch die konfessionellen Schulen betrifft. Vorgesehen ist eine bessere Refinanzierung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die bisher an freien Schulen nicht zusätzlich ausgestattet werden. Ferner in der Planung: Eine verbindliche Schulgeldtabelle, die einkommensabhängig Obergrenzen festlegt und freie Schulen für Schulgeldausfälle kompensiert. Beides bewertet die Stiftung als notwendig, um Inklusion und Bildungsgerechtigkeit auch bei den nicht staatlichen Schulträgern zu sichern.
Die Schulen unter dem Dach der Evangelischen Schulstiftung werden zu etwa 60 Prozent aus Landesmitteln finanziert: Das sind Personalkosten. Bau- und Sachkosten werden durch Schulgeld sowie Drittmittel wie Spenden oder Kollekten finanziert.



