Formular zur Patientenverfügung
Symbolfoto: IMAGO / Herrmann Agenturfotografie

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht: Wie spricht man diese Themen vernünftig an?

Viele schieben Themen wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht vor sich her. Ariane Vinolo, Mitarbeiterin im Team Arbeit mit Seniorinnen und Senioren in der Evangelischen Kirche in Charlottenburg-Wilmersdorf möchte das ändern. Auf dem Campus Daniel lädt sie regelmäßig zu kostenfreien Vorträgen ein, die Orientierung geben wollen. Der nächste Termin findet am 17. März statt.

Constance Bürger/dk: Frau Vinolo, seit wann findet die Vortragsreihe „So lange wie möglich selbstbestimmt leben“ auf dem Campus Daniel statt?
Ariane Vinolo: Während meiner Beratungsarbeit in der Linden­kirchengemeinde wurde ich oft um Rat zu Vorsorgethemen gebeten. Da ich selbst keine Expertin auf dem Gebiet bin, habe ich Fachleute gesucht, die Antworten auf diese Fragen geben können. Seit Sommer 2013 organisiere ich regelmäßig kostenfreie Vorträge zu den wichtigsten Vorsorgethemen.

Wie findet man in der Familie einen Gesprächseinstieg für diese Themen? Wann ist ein guter Anlass?
In jeder Familie wird es einen individuellen Gesprächsanlass geben. Über Vorsorge kann man eigentlich immer sprechen, beim gemeinsamen Spaziergang, Essen und so weiter. Manchmal sind Nachrichten über Unfälle, bei denen sich Verletzte zunächst nicht selbst um ihre Angelegenheiten kümmern können, Auslöser für ein Gespräch. Andere machen sich Gedanken, was wird, wenn ihnen oder ihren Angehörigen zum Beispiel aufgrund einer fortschreitenden Sehbehinderung der Schriftverkehr mit Banken, Ämtern oder Krankenkassen immer schwerer fällt – und suchen den Austausch.

Wie führt man das Gespräch auf Augenhöhe?
Die Wünsche und Bedürfnisse des Gesprächspartners sollte man respektieren, aktiv zuhören und nachfragen, wenn etwas uneindeutig ist. Wird das Thema abgelehnt, kann man es nur immer mal wieder ansprechen. Und erklären, was geschehen könnte, wenn keine Verfügungen bestehen: Angehörige können nicht automatisch füreinander eintreten. Wenn jemand bei der Wahrnehmung rechtlicher Angelegenheiten unterstützt werden muss und keine Vollmachten vorliegen, wird ein recht­licher Betreuer, eine rechtliche Betreuerin vom Amtsgericht bestellt. Augenhöhe heißt, die Perspektive des anderen würdigen, einfühlsam auf Sorgen und Vorschläge einzugehen. Aber auch Grenzen aufzuzeigen, etwa wenn man eine Vorsorgevollmacht oder recht­liche Betreuung nicht über­nehmen möchte.

Was wünschen sich ältere Menschen, die von ihren Kindern auf dieses Thema angesprochen werden?
Viele möchten sich nicht damit beschäftigen und von den Kindern „in Ruhe gelassen“ werden. Wenn sie sich darauf einlassen, wünschen sie sich, dass die Kinder in ihrem Sinne handeln, ihre Wünsche respektieren und sich für deren Durchsetzung, zum Beispiel bei der Patienten­verfügung, einsetzen.

Warum sollten sich auch junge Menschen damit befassen?
Auch in jüngeren Jahren können durch Krankheit oder Unfall Situationen eintreten, in denen man seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann. Wenn man dann keine Vorsorge getroffen hat, wird eine recht­liche Betreuung eingerichtet. Falls es im Umfeld keine Person gibt, die eine Vollmacht übernehmen kann oder möchte, sollte man persönliche Wünsche und Vorstellungen wenigstens schriftlich fixieren, damit diese im Rahmen einer rechtlichen Betreuung berücksichtigt werden können.

Ihre Vortragsreihe findet auf dem Campus Daniel statt. Gibt es auch Online-Angebote?
Die Vortragsreihe profitiert besonders von dem direkten Austausch mit den Expert*innen, denn die Themen sind komplex. Zudem sind die Veranstaltungen gut erreichbar: Der Campus ist barrierefrei zugänglich, die U-Bahn-Station direkt vor der Tür. Digitale Informationsveranstaltungen bieten zum Beispiel die Berliner Pflegestützpunkte an.

Die Fragen stellte Constance Bürger.

Vortragsreihe „So lange wie möglich selbstbestimmt leben“, nächste Veranstaltung am 17. März um 17.30 Uhr. Die Vorsorgevollmacht richtig verfassen: Voraussetzungen, notwendige bzw. sinnvolle Inhalte der Vollmacht und weitere Verein­barungen. Referent: Matthias Scharlipp, Cura Betreuungsverein Charlottenburg-Wilmersdorf. Kostenfrei. Ort: Evangelischer Campus Daniel, Berlin-Wilmersdorf. Anmeldung notwendig, via Telefon: 030/863 90 99 00 oder E-Mail: buero@campus-daniel.de.

Mehrs zur Vortragsreihe gibt es hier.
Mehr zu den Veranstaltungen des Berliner Pflegestützpunktes hier.

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