Seit Jahren verzeichnen die Evangelische und die Katholische Kirche sinkende Mitgliederzahlen. Dieser Trend hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Verantwortlich dafür sind vor allem Sterbefälle und Austritte.
Von Jens Büttner
Berlin. Die beiden großen Kirchen in der Hauptstadtregion haben im vergangenen Jahr mehr als 38500 Mitglieder verloren. Nach den am 16. März in Berlin vorgelegten Zahlen verlor die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz binnen Jahresfrist 29086 Mitglieder. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 gehörten ihr 745679 Frauen und Männer an (2024: 774765). Die Zahl der Katholiken im Erzbistum Berlin sank im gleichen Zeitraum um gut 9000 auf 341530 Gemeindeglieder (2024: 350987).
Die gesunkene Mitgliederzahl bei der evangelischen Landeskirche entspricht einem Rückgang um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dafür machte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vor allem Sterbefälle und Austritte verantwortlich.
Mitgliederzahlen der Kirche: Größter Rückgang in Berlin
Laut den Zahlen verstarben im vergangenen Jahr 16347 Gemeindeglieder. Hinzu kamen 16005 Austritte. Die Verluste von mehr als 32000 Gemeindegliedern konnten durch Taufen (3549) und Neu- oder Wiederaufnahmen (699) nur minimal ausgeglichen werden. Im Vergleich zum Vorjahr habe es jedoch etwas weniger Austritte und einige Aufnahmen mehr in die Landeskirche gegeben, hieß es.
Bezogen auf Bundesländer-Ebene gab es den größten Rückgang in Berlin – von 448951 auf 430712 Gemeindeglieder. Darunter waren 10489 Austritte. In Brandenburg sank die Gemeindegliederzahl von 297813 auf 287888. In der schlesischen Oberlausitz verlor die Landeskirche knapp 1000 Mitglieder, auf nunmehr 27079 Frauen und Männer.
Stäblein: Nichts schönzureden
Bischof Christian Stäblein sprach von einem schon längeren Trend: „Es gibt an diesen Zahlen nichts schönzureden.“ Jede einzelne Entscheidung, die Kirche zu verlassen, sei schmerzhaft. „Hinter jedem Austritt steht eine Geschichte, die uns angeht“, fügte Stäblein hinzu. Kirche müsse sich verändern und tue dies seit Jahren auch. Die Aufgabe für Kirche bleibe klar, so Stäblein: „Trost in schwierigen Zeiten, Raum für Glauben und Zweifel, Seelsorge, diakonisches Handeln, Sinn, Zuspruch und – wo nötig – Mahnung, im Dienst der Menschen und der Gesellschaft, alles in allem öffentliche Angebote für die Sorge um die Seele. Das bleibt ihr Kern.“
Das katholische Erzbistum Berlin, zu dem auch weite Teile Brandenburgs und Teile Mecklenburg-Vorpommerns gehören, verlor ebenfalls an Mitgliedern. Nach 350987 Frauen und Männern gehörten Ende 2025 noch 341530 Gemeindeglieder zum Erzbistum.
In Berlin sank die Zahl der Katholiken demnach um mehr als 7500 auf 258418 (2024: 266037). In Brandenburg ging die Zahl der Gemeindeglieder von 70895 auf nunmehr 69350 zurück.
Das Kirchensteueraufkommen sank dadurch laut Erzbistum von 172 Millionen auf 171,3 Millionen Euro. Auch in der katholischen Kirche traten mehr Menschen aus der Kirche aus als ein. Den 8359 Austritten standen im gesamten Erzbistum 1649 Taufen gegenüber. epd/red



