von Uli Schulte Döinghaus
Jakobshagen/Klaushagen. Zur Gemeinde „Boitzenburger Land“ in der Uckermark gehören auch die Ortsteile Jakobshagen und Klaushagen. Beide Dörfer werden von alten Feldsteinkirchen überragt. Typisch für die Naturlandschaft der Region ist das „Soll“ (Mehrzahl: Sölle). So werden Toteislöcher bezeichnet, rundliche Hohlformen. Sie sind Überreste der Eiszeit vor 15 000 Jahren.
Die Satellitenansicht via Kartendienst „Google Maps“ zeigt eindrucksvoll, dass nahezu in jedem Acker solche Sölle zu finden sind. Wie winzige Krater sind sie linsenförmig, durchschnittlich 20 mal 30 Meter groß, viele größer, umstanden und teilweise überwuchert von Buschwerk oder Weiden.
Von der Müllkippe wieder zurück zum „Soll“
Zahlreiche dieser Kleingewässer sind ausgetrocknet und längst kein Lebensraum mehr für Amphibien, deren Population in Brandenburg um 80 Prozent zurückgegangen ist. Sie wurden auch zum Opfer einer Landwirtschaft, die die naturschutzgeschützten Sölle systematisch entwässerte und als Ablagerungsplätze für Feldsteine, vereinzelt sogar als Müllkippen auffüllte.
„Für unser Kirchenland wollen wir das nicht mehr“, so lautete der einhellige Beschluss des 15-köpfigen Gemeindekirchenrats Region Boitzenburg, dem Lutz Böning, 63, ehrenamtlich vorsteht. Im Hauptberuf leitet der diplomierte Sozialpädagoge die Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde Templin. „Wir haben uns gefragt: Was können wir mit unseren Ländereien für den Naturschutz machen?“
Baggern für die Schöpfung
Eine Konsequenz: Auf kirchlichem Pachtland zwischen Jakobshagen und Klaushagen wurden die trockenen Kleingewässer im Herbst 2025 umfassend renaturiert. „Baggern für den Erhalt der Schöpfung“, hieß es im Gemeindeblatt der Gesamtkirchengemeinde Region Boitzenburg/Uckermark.
Bevor die Kirchengemeinde zwei Jahre zuvor ihren Acker neu verpachtet hatte, waren Bedingungen festgelegt worden: ökologische Bewirtschaftung, zehn Meter breite Schutzstreifen um die Sölle herum, umgewandelt in Dauergrünland. Der neue Pächter war aufgeschlossen und froh, den 20 Hektar großen Acker zu bekommen.
Bei der Renaturierung der neun Sölle kamen den engagierten Gemeindekirchenräten Kontakte zum „Naturpark Uckermärkische Seen“ zugute. Die Behörde sorgte für die Finanzierung des Projektes. Dafür nutzte sie Eingriffsausgleichsgelder. Die müssen etwa dann zum Ausgleich gezahlt werden, wenn für den Autobahnbau Bäume gefällt werden müssen.
Bagger fuhren im vergangenen Herbst vor: Die Wasserführung der Sölle wurde durch Höherlegung oder Rückbau vorhandener Entwässerungsrohre verbessert. Fremdmaterialien wurden entnommen. Um die Gewässer amphibienfreundlicher zu gestalten, wurden steile Uferböschungen abgeflacht. Stellenweise wurden Gehölze entnommen, damit ausreichend Sonne an die Ufer kommt. An anderen Stellen pflanzte man kleinere Gehölze, die den Tieren als Tagesversteck dienen sollen.
Finanzierung für nächste drei Jahre gesichert
Ob sich die Amphibienpopulation erholen wird, soll sich bis zum Frühsommer zeigen. Die Kirchengemeinde plant weitere Schritte: An etwa 20 Hektar kirchlichem Land sollen Hecken gepflanzt werden – für Insekten und Vögel, aber auch um die Austrocknung des Ackers zu verhindern. Die Pflege der Anpflanzungen für die nächsten drei Jahre übernimmt eine beauftragte Firma, finanziert vom Naturschutzfonds Brandenburg.



