Collage von Händen, die verschiedene Musikinstrumente spielen
Grafik: IMAGO / Ikon Images

Warum Kirchenmusik trotz wachsender Bürokratie eine Kraftquelle bleiben muss

Musizieren, Proben und dazwischen immer mehr Bürokratie und Strukturprobleme. Eine Kirchenmusikerin fragt sich, wie viel Raum bei all dem Organisatorischen noch für Kirchenmusik bleibt.

Von Cornelia Ewald

Mich bewegen viele Gedanken zu meinem Beruf als Kirchenmusikerin in meiner Gemeinde, bei der Mitarbeit im Gesangbuchprozess, in verschiedenen Gremien und besonders auch in der Landes-
synode.

In Bewegung sein, ist für mich per se etwas Gutes. Neues, vielleicht Weiterführendes entsteht. Aber ich befinde mich im Spagat zwischen ganz verschiedenen und scheinbar stetig wachsenden Anforderungen auch in meinem Beruf. Denn gefühlt nehmen inzwischen Organisation und Verwaltung 80 Prozent meiner Arbeitszeit ein.

Kirchenmusik: Spagat zwischen Kunst und Verantwortung

Neue – leider viele verschiedene – digitale Systeme, die die Arbeit ursprünglich erleichtern sollten, tun eher das Gegenteil; die drohende Umsatzsteuer, die unsere schon jetzt kaum angemessen bezahl-
baren Oratorienaufführungen verteuern wird, birgt ungeahnte Risiken; das Werben um Verständnis für die speziellen Anforderungen meines Berufes im direkten Arbeitsumfeld nimmt mir die Kraft für das Musizieren. Spagat bedeutet plötzlich ein Festsitzen, sich nicht mehr ausreichend bewegen und
erheben zu können. Will ich erfolgreich arbeiten, muss ich manch strukturellen Mangel im kirchlichen Arbeitsbezug ausgleichen. Die stetig wachsenden Aufgaben fallen denen zu, die sich nicht erfolgreich und vehement abgrenzen – aber ich will für meine Arbeit, die Musik und die Menschen darin Verantwortung übernehmen und damit sitze ich zwischen den Stühlen. Wann übe ich denn eigentlich das große
Orgelwerk, die Reubke-Sonate, weiter, wann bereite ich mich auf das Dirigat von h – Moll Messe und das Verdi Requiem vor?

Und dann gehe ich aus dem Seniorenkreis, in dem wir einfach Volkslieder nach Wunsch gesungen haben, berührt und innerlich wie äußerlich hochbedankt hervor, habe Kraft aus einer mir ganz leichtfallenden Tätigkeit geschenkt bekommen und bin bewegt.

Was wenn die neuen Ideen unbeachtet bleiben?

Als Landessynodale bin ich die einzig berufene Verantwortliche für die Kirchenmusik. „die Kirche“ berichtete über die Herbstsynode, auf der auch über Kirchenmusik beraten wurde. Emotional hat uns diese Veranstaltung durch das gemeinsame Singen im Synodenchor und das Erleben der vorgetragenen Musik sehr bereichert und gestärkt.

Wird es uns gelingen, mit begeisternden und vielleicht neuen Formaten Schwung in die Kirchenmusik zu bringen? Wie bleiben wir guten Mutes, wenn unsere Ideen nicht gehört und unterstützt werden, wenn benötigte Fördermittel in andere Projekte fließen oder wenn uns der übervolle Alltag lähmt? Werden wir zusammenstehen und der Kirchenmusik in unserer bedürftigen Gesellschaft Gehör verschaffen? Gegen alle Widerstände in seinem Leben komponierte Johann Sebastian Bach unvergleichliche Himmelsmusik, die nicht nur mein Kraftquell ist. Bachverrückte des Vereins mit dem passenden Namen „Bach bewegt e.V.“ planen mit mir das 2. Karlshorster Bachfest im Mai dieses Jahres in Berlin – rein
ehrenamtlich. Bewegend.

Cornelia Ewald ist Kirchenmusikerin der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Berlin-Lichtenberg. Die Kirchenmusikdirektorin ist Mitglied der Landesynode der EKBO.

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