Mann in Anzug
Martin Vogel, Länderbeauftragter der EKBO für Berlin und Brandenburg, lud als Mitorganisator zu einem Parlamentarischen Frühstück für Abgeordnete, Kirche und Diakonie ein. Foto: Sabeth Stickforth

Was Politik von Kirche lernen kann

Bei einem Parlamentarischen Frühstück im Casino des Berliner Abgeordnetenhauses wurde sichtbar, wie Kirchen und ihre Verbände mit konkreten Angeboten zur sozialen Stabilität der Stadt beitragen.

Von Martin Vogel

Haben Sie gewusst, dass die Caritas einen Stromspar-Checker hat, der hilft, zu Hause die Energiekosten zu reduzieren? Wussten Sie, dass die Evangelische Hochschule Berlin Fachkräfte von morgen ausbildet? Und eine letzte Frage: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass jede Kirchengemeinde ein Institut zur Überwindung von Einsamkeit ist und zur mentalen Gesundheit in Berlin beiträgt?

Wenn ich als Länderbeauftragter im politischen Bereich unterwegs bin, fällt mir immer wieder auf, dass viele Menschen aus Politik oder Verwaltung aus dem Staunen gar nicht herauskommen. Ganz häufig ist dann die Reaktion: Davon müsst ihr viel öfter erzählen. Das solltet ihr bekannter machen! So etwas macht ihr alles?

Parlamentarisches Frühstück im Casino

Ein Abgeordneter nahm mich beiseite und legte mir sehr ans Herz, ein Parlamentarisches Frühstück anzubieten. Wir sollten für die Mitglieder des Berliner Parlaments aktiv über all das informieren, was Kirche in Berlin so macht. Ein paar Monate später war es dann so weit – eine echte Prämiere.

Mehr als 90 Personen waren zu munteren Frühaufstehern geworden und kamen im Casino des Abgeordnetenhauses zu einem Parlamentarischen Frühstück zusammen. Es gab nach einer wertschätzenden Begrüßung durch die Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld einen lebendigen Austausch. Wie in einem Bienenkorb summte der Raum. Es entstanden überall Gespräche. Dabei wurde deutlich, wie Christenmenschen daran mitwirken, Berlin stabil zu halten.

Sieben Themeninseln für die Abgeordneten

Diakonie, Caritas, das Erzbistum Berlin und unsere EKBO hatten sich zusammengetan und gemeinsam sieben Themeninseln im Raum aufgebaut. Die Abgeordneten nutzten das Angebot, um sich direkt Infos von den anwesenden Fachleuten zu holen. Die Themenpalette reichte vom Katastrophenschutz über die Bildungsverantwortung der Kirchen bis hin zu Fragen der Nachhaltigkeit oder des Einsatzes im Bereich von Wohnen und Existenzsicherung. Der Politik ist in der Regel klar: Berlin steht vor großen sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Es geht um steigende Wohnkosten, wachsende Einsamkeit, mentale Belastungen, Fachkräftemangel, Fragen der Nachhaltigkeit und um einen zunehmenden Bedarf an Katastrophen- und Bevölkerungsschutz.

Politik und Kirche: Enges Zusammenspiel nötig

Beim Parlamentarischen Frühstück wurde deutlich: Die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände geben Berlin Stabilität. Sie verhindern das Schlimmste. Sie sind da, wenn die Krise zuschlägt. Mit fast 200.000 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden sind Kirchen, Diakonie und Caritas echte Anker für eine funktionierende Wirtschaft sowie für eine gesunde und offene Stadtgesellschaft.

Die vorgestellten Angebote erreichen jährlich Hunderttausende in sämtlichen Berliner Bezirken. Klar wurde auch, dass zur Sicherung und Weiterentwicklung dieser tragfähigen Strukturen politische Partner nötig sind. Nur im engen Zusammenspiel von Kirche, Wohlfahrt, Zivilgesellschaft und Politik kann Berlin sozial gerecht, resilient und zukunftsfähig gestaltet werden.

Martin Vogel ist Pfarrer und Länderbeauftragter der EKBO für Berlin und Brandenburg.

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